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1998

 

 

English Version of „HIM - Out of the hell in paradies" comes soon!!!

 

HIM - AUS DER PARADIESISCHEN HÖLLE

(Break Out 1998)

Man muss es gesehen haben: Sänger Ville Valo steht am Rand der Bühne, in der rechten Hand eine Kippe und eine Flasche Rotwein, in der linken das Mikro, und das, ohne peinlich zu wirken - bei vielen Kollegen würde man sich bei einem solchen Anblick vor Lachen nicht mehr einkriegen. Im Hintergrund dann eine souverän aufspielende Band. Und vor der Bühne? Schmachtende Teenies und zurfrieden nickende Liebhaber zeitlos guter Musik. HIM waren vor einigen Wochen bei ihrem Auftritt in der Fabrik zu Bruchsal sehr gut, und es müsste schon einiges schiefgehen, wenn sich die Band in der nahen Zukunft nicht zu einem Ähnlichen kommerziellen Knaller wie die Labelkollegen Guano Apes entwickeln sollte. Zumal es im Fall von HIM vollkommen verdient wäre.

„Ich kann den großen Erfolg von HIM in unserer Heimat immer noch nicht begreifen", versichert mir Ville im Inneren des Tourbusses einige Stunden vor dem Gang auf die Bühne.

„Viel meshr schockiert mich aber die Tatsache, dass wir mit Erfolg auch außerhalb von Finnland spielen können. In dem Zusammenhang ist es sehr gut zu wissen, dass hier unser erstes Album „Greatest Lovesongs Vol. 666" kommerziell noch nicht so explodiert ist. Zumindest lästert man dann nicht über uns ab. Von wegen Erfolg über Nacht und so. So können wir uns auf die neuen Songs konzentrieren, die in der Gegengwart entstehen."

Das erste Album muss für euch relativ alt sein. „In Finnland ist es bereits 1997 veröffentlicht worden.Das soll aber nicht heißen, dass uns die Songs irgendwie langweilen. Wenn dem so wäre, könnte Tony lommi „Paranoid" auch schon lange nicht mehr spielen."

Der Titel des nächsten HIM-Werkes steht angeblich auch schon fest.

„Wir dachten an „A Razorblade Romance", aber das kann sich noch ändern. Ursprünglich sollte ddas Album bereits im Herbst erscheinen, aber da im Sommer noch einige Auftritte anstehen, werden wir uns etwas mehr Zeit lassen und es erst Anfang 2000 veröffentlichen. Die guten Verkäufe des ersten Albums geben uns mehr Zeit, und wir können noch an den neuen Songs feilen. Schließlich wollen wir auch beim nächsten Mal niemanden enttäuschen!"

Es gibt die alte Regel, die besagt, dass eine Band für das Material des Debütalbums eine halbe Ewigkeit zur Verfügung hat, während beim nächsten Album nur noch einige Monate ausreichen müssen.

„Stimmt. Wenn man nur einige Monate hat, um neue Songs zu komponieren, weisen sie einen verstärkten roten Faden auf. Für das erste Album verwendet man aber immer die besten Songs aus der Vergangenheit, und da kann es passieren, dass ein Song relativ nue ist und ein anderer fünf Jahre auf dem Buckel hat. Von einer Ewigkeit kann man da gewiß nicht mehr sprechen. Wir sind jetzt fast froh, unter einem gewissen Druck zu stehen und in einem bestimmten Zeitraum neue Songs fertigstellen zu müssen. Wir testen auch schon neue Songs bei den Konzerten. Die Reaktionen des Publikums sind sehr aufschlußreich: Durch sie merken wir sehr schnell, welche Songs Potential besitzen und welche man nicht einmal als B-Seite verwenden sollte."

Kannst du eine ungefähre Richtung des neuen Materials angeben?

„Das bislang fertiggestellte Material ist bestimmt rockiger. Es ist näher an unseren Live-Sound angelehnt. „Greatest..." war hier und da zu geschliffen. Das möchten eir ändern."

Hattest du außerhalb Finnlands keine Befürchtungen, mit einem Cover als erster Single anzufangen?

„Wicked Game" war eines der ersten Stücke, die wir im Proberaum spielten. Das müsste irgendwann vor vier Jahren gewesen sein. Und damals waren Covers noch lange nicht so strapaziert wie heute. In der Gegenwart gibt es viel zu viele, vorwiegende belang - und einfallslose Covers. Die meisten profilieren nur vom Charme des Originals. Auf unserem nächsten Album wird voraussichtlich nicht gecovert, um es nicht zu übertreiben. Aber für neue Bands ist ein originelles Cover nichts Schlechtes: Eine unbekannte Band hat durch eine clevere Bearbeitung eines bekannten Stückes eine bessere Chance, bekannt zu werden. Voraussgesetzt, es bleibt nicht bei diesem Cover, und das eigene Material ist nicht totaler Müll."

„Greatest Lovesongs Vol. 666" enthält neben „Wicked Game" noch „(Don’t Fear) The Reaper" von Blue Öyster Cult. Live bringt ihr aber noch viel mehr.

„Zum Beispiel „Enjoy the Silence" von Depeche Mode, „Rebel Yell" von Billiy Idol, etwas von Madonna, der Cutting Crew oder Berlin. Früher hatten wir noch nicht so viele eigene Songs und wollten nicht nach einer halben Sutnde aufhören zu spielen. All die Covers klingen eh mehr nach HIM als nach den Originalen. Wenn diese Cover-Schwemme abebbt, nehmen wir womöglich die EP mit unseren Favoriten auf."


Die meisten Originale stammen aus den Achzigern.

„ Ich bin in den Achzigern aufgewachsen, und sie haben eine nostalgische Wirkung auf mich. In den Achzigern waren Melodien überaus wichtig. Auch für uns sind sie das."

„Wicked Game" ist durch ein tolles Video und durch den Film „Wild at Heart" bekannt geworden, beides aus der Mache des David Lynch. Ganz ehrlich: Mochtest du mehr den Song oder den Film?

„Die Stimmung des Songs! Ich liebe alles von Lynch, aber „Wild at Heart" ist sein wohl schwächstes Werk. Ich mag „Twin Peaks" und natürlich die Musik von Angelo Badalamenti viel lieber. „Wicked Game ist absolut zeitlos. Der Song könnte aus jedem der letzen drei Jahrzehnte stammen. Außerdem spielten wir den Song im Proberaum auf Anhieb, absolut spontan. Auch der Text sitzt mir. Ich würde sagen, dass wir unsdurch „Wicked Game" erst richtig als Band fanden."


Was dazu wohl Chris Isaak sagen würde?

„Ich habe gehört, dass er keine Rockmusik mag. Seine Meinung würde mich schon interessieren!"

Zwischen Chris Isaak und Blue Öyster Cult erstreckt sich ein weiter stilistischer Rahmen.

„Dass wir ihn abdecken, wäre eine sehr schmeichelnde Vorstellung. Für mich gab es niemals eine Szene, es ging immer nur um gute Songs. Ich mag Songs von den Eurythmics, aber auch von Dimmu Borgir. Vielleicht ist die Musik von HIM deshalb dermaßen breit gefächert."

Wie kommt der Rest der Band überhaupt mit deiner Überpäsenz zurecht?

„Die Jungs sind nur an der Musik interessiert. Sie interessieren sich nicht für Fotosessions, für Interviews oder für Videodrehs. Deswegen sind sie mir dankabar, dass ich die meiste Öffentlichkeitsarbeit auf meine Schultern neheme. Ohne meine Mitspieler könnte ich meiner Vision von HIM bestimmt nicht verwirklichen. Und außerdem: Die Jungs sind wirklich gut! Vor allem Mikko spielt unglaublich toll! Seit ich ihm weismachen konnte, dass es nicht nur darum geht, möglichst viele Noten pro Minurt runterzuschrubben, ist er noch viel besser geworden!"

Eure Konzerte werden nicht nur von begeisterten weiblichen Teenies besucht, oftmals werden diese auch von ihren Müttern begleitet. Wie erklärst du dir diese Phänomen?

„Falls sie nur wegen meines Äußeren kommen, wäre es traurig. Aber ich denke, dass dabei gute Songs eine wichtige Rolle spielen. Außerdem handeln meine Texte vorwiegend von Liebe, und das ist nachvollziehbarer als irgendein pseudo-engagierter Quatsch. Die Liebe spielt in meinem Leben ein wichtige Rolle. Wahrscheinlich merkt man das aus unseren Songs und kann sichdamit identifizieren."

 

 

English version of "Interview with Marcel" comes soon!!!

 

Interview mit Marcel

(Icon-TV 09/98)


Marcel: Hier haben wir die neue Band aus Finnland HIM, His Infernal Majesty?
Ville:
"Wir benutzen nur die Kurzversion des Namens."

Marcel: Um ehrlich zu sein, ich kenne nicht sooo viel über eure Band, aber ihr hattet tolle Kritiken in Zeitschriften wie Rock Hard...
Ville:
"Hast du schon das Album gehört?"

Marcel: Nein, leider noch nicht.
Ville:
"Das ist schade!"

Marcel: Ich weiß! Ich kenne nur den einen Song, der auf dem Rock Hard Sampler ist.
Ville:
"It´s All Tears."

Marcel: Und ich war vom Klang und der Produktion begeistert...
Ville:
"Nun, das Album haben wir innerhalb von zwei Wochen eingespielt, während es in einer Woche abgemischt war. Insgesamt also in drei Wochen."

Marcel: Hattet ihr einen bekannten Produzenten?"
Ville:
"Unser Produzent ist ein Finne, der auch schon mit Amorphis und einigen anderen finnischen Rock und Metal Acts gearbeitet hat. Aber außerhalb Finnlands ist er nicht so bekannt."

Marcel: Wie gesagt, ich kenne nur den einen Song, der aber wirklich klasse ist, so dass ich nächste Woche mir das Album kaufe...
Ville:
"Der Song ist das beschissenste auf dem ganzen Album!"

Marcel: Mal so nebenbei: Ich bin ein großer Fan der Band Sentenced...
Ville:
"Ich kenne die Jungs! Je weiter man in Finnland in den Norden geht, desto mehr trinken die Leute."

Marcel: Das geht ja noch. Ich trinke auch viel!
Ville:
"Aber zuviel ist zuviel!"

Marcel: Appropos trinken: Wir haben nicht die Gelegenheit hier groß zu trinken weil wir es leider selber kaufen müßten. Es wird also ein trockener Tag werden.
Ville:
"Willst`nen Schluck?( Valo bietet einen Schluck aus seiner Flasche Bier an, welchen Marcel freudig annimmt.)"

Marcel: Ich habe Sentencd auf dem Wacken Open Air gesehen und war beeindruckt von ihrer Show und ihrem Auftreten. Was ich aber an dem Abend bemerkt habe war, dass die Show und der Sound melancholischer und dunkler war als eure.
Ville:
"Das stimmt. Wir haben zwar die selben Elemente, aber die sind eher der Heavy Metal der Achziger."

Marcel: Und von Album zu Album wurden sie rockiger...
Ville:
"und melancholischer."

Marcel: Kennst du ihr neues Album 'Frozen'?
Ville:
"Ja, kenne ich und die machten es nachdem wir unser erstes Album gemacht haben."

Marcel: Nächste Frage: Ihr habt zwei Coverversionen auf eurem Album und von der Tatsache ausgehend, dass ihr eins von Depeche Mode genommen habt..
Ville:
"Es ist nicht auf dem Album. In der Tat haben wir das andere Cover nicht gespielt. Es ist das Cover von Don`t fear the Reaper aus den Siebzigern welches auf dem Soundtrack von Helloween, dem Horrorfilm ist. Ein toller Film und ein toller Soundtrack - jeder ist tot."

Marcel: Was sind deine musikalischen Einflüsse?
Ville:
"Nun, ich begann meine musikalische Laufbahn wegen Kiss, genauer wegen Gene Simmons, wegen dem ganzen Blut und Feuer. Ich habe mich aber nie als Musiker oder Künstler gefühlt. Ich sehe mich eher als Entertainer."

Marcel: Ich habe euch heut Abend auch gesehen, und es paßt auch gut zu eurer Musik.
Ville:
"Danke!"

Marcel: Ich persönlich bin eher der Heavy Metal Freak. Ich mag die True Metal Sachen aber auch das progressive Zeug wie Dream Theater.
Ville:
"Nun, ich bin auch ein Fan des traditionellen Metal, besonders den der achziger wie WASP, Twisted Sister oder Möetly Crüe."

Marcel: Auch die Make up Geschichte?
Ville:
"Ja, die erste Platte die ich mir gekauft habe war Animalize von Kiss mit 'Heaven´s on fire' und ich wuchs damit auf."

Marcel: Das ist aber komisch, weil die Musik die ihr jetzt macht ist nicht so sehr von Kiss beeinflußt. Ihr habt auch nicht die Plateautstiefel!
Ville:
"Ich habe nicht genug Geld für sowas! Aber zu dem was du sagtest: Ich denke schon das wir viele Ähnlichkeiten mit den achtziger Jahre Metalbands haben. In einer Art das wir heavy sind wie sie aber auch melodisch und poppig. Wir haben auch Popelemente und wenn du an Love Machine von Wasp oder an Heaven´s on fire von Kiss denkst.Diese Songs sind im Prinzip Rock´n Roll im Heavy Metal Format mit entsprechenden Sounds und emsprechendem Groove."

Marcel: Magst du Pyros?
Ville:
"Sehr! Wir haben leider nicht die Möglichkeit die hier zu machen aber in Finnland schon."

Marcel: Man, ich muß dahin! Aber davon mal abgesehen, Type O Negative und Paradise Lost. Es liegt nahe zu sagen, dass eure Band und diese Bands viele Gemeinsamkeiten haben,den Sound und den Stil?
Ville:
"Ja, die sind auch sehr achtziger angehaucht, so wie wir aber mit der Tatsache das sie sehr heavy sind. Type O Negative sind auch eine Heavyband mit diesen Poppigen Melodien und das ist auch die Gemeinsamkeit...OK,OK wir sind eine Beschissene Kopie von Type O Negative, ich habe nur nicht so einen großen P....!"

Marcel: Bevorzugst du Rotwein?
Ville:
"Ich trinke ihn wegen der Kohlensäuren im Bier, die dich rülpsen lassen. Deshalb ist Rotwein das ideale Getränk für einen Sänger. Es tut auch den Stimmbändern gut."

Marcel: Welche Sorte bevorzugst du? Den trockenen?
Ville:
"Jepp! Den trockenen."

Marcel: Ich glaube wir können jetzt aufhören.
Thorsten:(hielt bis jetzt die Kamera )Ein letztes Statement?
Ville:
"Fürchte das Beste und hoffe auf das Schlimmste!"


1999

 

 

 HIM - Ernstzunehmende Band



HIM - Greatest Lovesongs Vol. 666 (Supersonic/BMG) Nach all den schäbigen Vergewaltigungen, die die Popmusik der letzten Dekade über sich ergehen lassen mußte, kultivieren HIM (His Infernal Majesty) den Popsong und mischen ihn mit Type O Negative-Depri-Pomp.
Die Melange trifft mitten ins Herz, vor allem, weil HIM über ein bezauberndes Frontwesen namens Ville Valo verfügen, den man im Info etwas vollmundig mit Jim Morrison und David Bowie zu "Ziggy Stardust"-Zeiten vergleicht.
In ihrer Heimat Finnland sind HIM bereits Superstars, inklusive diverser Auszeichnungen und kreischender Teenies. Über all dem Hype sollte man aber nicht HIMs klasse Songs vergessen. Der dramatische Opener "For You" und das famose "The Beginning Of The End" sind Meisterwerke des Gothic-Poprocks, die Single "Your Sweet Six Six Six" ist ein Ohrwurm und "Our Diabolikal Rapture" mit seinem fetten Groove nicht minder ansprechend.
Gut, hier und da gibt es einen schwächeren Song und zwei Cover bei neun Stücken sind echt frech: Chris Isaaks "Wicked Game" wirkt hölzern und die Interpretation von Blue Oyster Cults "(Don't Fear) The Reaper" ist einfach nur Vollschrott. Insgesamt ist die Hysterie um HIM sicher übertrieben, trotzdem sind sie eine gute, ernstzunehmende Band.

 

 

English version of "HIM/Century, Soundgarden, Dortmund, 30.03.1999" comes soon!!!

 

HIM/Century, Soundgarden, Dortmund, 30.03.1999

(Sonic Seducer)


Zum Support Centurykann ich leider nur kurz Stellung nehmen, weil ich stellenweise nicht wußte, on ich mich auf den Ringen des Saturn oder doch denen der Dortmunder Innenstadt befand. Mit anderen Worten: verfahren und infolgedessen verspätet angekommen im Soundgarden, deren Betreiber wohl mit reichling Andrang rechneten, was man daran erkennen konnte, dass es einen Einwinker an der Zufahrt zu den Parkplätzen gab. Der Klanggarten war nicht zum Bersten, aber doch gut gefüllt. Auf der weitläufigen Empore konnte man in zweiter Reihe aber noch Plätze mit guter Bühnensicht finden. Century sind Century und nicht Crematory. Ihrem letzten Song, dem Titelsong ihres Albums, "The secret inside" hörte man deutlich die Nähe zum Synthiepop an. Das Publikum schien mir verhalten zu reagieren und auch der abschließende Jubel fiel insgesamt mager aus, wenn es auch hier und da einige Fanepizentren auszumachen gab.

Offenbar kamen fast alle wegen HIM. Und die kamen erstmal gar nicht. Um 20.40 Uhr beendeten Century ihren Auftritt, um 20.50 hatte eine mehrköpfige Crew alles weggeräumt. In der Pause liefen AC/DC und lediglich eine Person bemühte sich, die Bühne für Ville & Co vorzubereitenm was entsprechend lange dauerte. Erst um 21.10 ließ sich seine Majestät herab. War es Arroganz, Star-Gehabe? Vielleicht gab es ja auch einen nachvollziehbaren Grund für die Verzögerung - du und ich, wir wissens nicht. Wie gehabt begann alles mit "Audreys Dance" aus Twin Peaks. Den eigentlichen Auftakt bestritten HIM mit "Your sweet six six six", was den Lebensfunken im Publikum zu einem lodernden Feuer werden ließ. Während es mif vorherigen Konzerten HIMs so vorkam, als würde Villes Stimme erst nach einigen Song zur vollen Entfaltung kommen, so war er an diesem Dienstag Abend eigentlich auf Anhieb auf der Höhe. Dafür waren seine Ansagen zum Teil kaum zu verstehen. Den Inhalt der Flasche, aus der wiederholt einige Züge nahm, kennen ich nicht, aber es waren bestimmt keine Schokoladenzigaretten, die da in seiner rechten Hand glühten. Grob geschätzt: eine Zigarette pro Song, widerlich. Aber auf die Musik kommt es und die war erstklassig. Der Sound war bestens eingestellt, und alle Anwesenden kamen Villes Aufforderung zum Mitklatschen ohne Zögern nach. Band und Publikum hatten ihren Spaß. Mit nur einem Album im Gepäck ließ sich ein kompletter Abend nur schwerlich gestalten. "Enjoy the silence" war einer der Non-Album Tracks. Zur Freude aller gab es auch einen neuen Song, der die sehnsuchtsvolle Seite HIMs zeigte: eine pische Ballade im Stile "When love and death embrace", wobei letzterer neben dem Opener und "Wicked game" am besten ankam. Nach nur 60 Minuten verließ die Band die Bühne, um nach einer Pause, die dem Jubel kaum Zeit zum Abebben gab, wieder zu erscheinen. Krönender Abschluss war eine euphorisch angenommene Coverversion des guten alten Billy Idols: "Rebel yell". Die Zeile "...a million times for you" wurde HIMgerecht zu "sixhundredandsixtysix times for you". Sogar jemand aus dem Publikum erklomm zwecks anschließendem Stagediving die Bühne, von der man wusste, dass sie leerbleiben würde, als zum Ausklang des Abend das "Twin Peaks" erschallte.

Zwar ein kurzer Auftritt, um 22.35 Uhr war alles vorbei, aber eine überzeugende Show. Für folgende Shows wünsche ich mir, dass Ville eine Mitstreiterin am Mikro findet, damit man endlich mal in den Livegenuss von "Don't fear the reaper" kommen kann. Aber bis dahin ist dann vielleicht auch das zweite Album fertig.

 

English version of "Gruesome beautiful" comes soon!!!

 

SCHAURIG SCHÖN!

(WOM 04/99)

Düsterer Rock im Vormittagsradio? Schmachtende junge Frauen in der ersten Reihe bei einem Heavy Metal Konzert? Ein Chris Isaak Song mit sägender Gitarre? Die finnischen Shootingstars HIM um den Mädchenschwarm Ville Valo machen's möglich.

Der schmächtige junge Mann ist gerade mal 22 Lenze alt, er kann aber bereits auf ein musikalisches Schaffen von 14 Jahren zurückblicken. "Als ich acht war, sah ich im Fernsehen Gene Simmons von Kiss. Für mich war augenblicklich klar: So wollte ich auch sein. Der Typ war der coolste Mensch, den ich je gesehen hatte, also brauchteich als erstes einen Baß. Ich nervte meine Eltern wochenlang, bis sie mir ein gebrauchtes Instrument und einen kleinen Verstärker kauften. Das Ding war natürlich viel größer als ich, trotzdem war ich selig. Seitdem gab es jeden Tag Musik in meinem Leben. Ich habe mir niemals über eine andere Karriere als die des Rockstars Gedanken gemacht"

Valo erzählt, dass er sich in seinem Leben schon an allen möglichen Stilen versucht hat. Er spielte meist in fünf bis zehn Bands gleichzeihg. "Ich habe an einem Tag Jazz gespielt und am nächsten Punk, dann wiederin einer Schlager- und Tanzband, bevor ich zur Probe mit meiner Death-MetalBand hetzte. Hier spieite ich Schlagzeug, dort Gitarre und bei der dritten Gruppe wieder Keyboards."

Vor drei Jahren war es aber vorbei mit den vielen Hochzeiten, auf denen Ville tanzte, denn er hatte endlich seinen Sound gefunden. Zusammen mit ein paar Freunden gründete er die Band His Infernal Majesty. "Ich wollte Musik, die Power hat und trotzdem romantisch ist. Und ich wollte etwas, das meine Vorliebe für die Sisters Of Mercy und alles, was mit Gothic zu tun hat, befriedigte." Da sie sich teilweise schon ewig kannten, hatten Ville, Keyboarder Juska, Gitarrist Mikko Lindström, Bassist Mikko Paananen und Drummer Juhana Rantala schnell ihr erstes Demoband fertig. Dieses machte in Finnland die Runde, und birmen kürzester Zeit hatte die Band Vertragsangebote vorliegen. HIM, wie die Musiker den sperrigen Namen bald ab' kürzten, tourten allerdings erst einmal durch die überschaubare Clublandschaft von Suomi, schrieben neue Stücke und spielten auch ein paar umarrangierte Stücke von Madonna oder Depeche Mode. "Cover-Versionen sind ein hervorragendes Mittelgewesen, dem unbedarften Hörer unseren Sound über Songs, die er bereits kannte, nahezubringen", erklärt der auf seine eigene Art charmante Frontmann die frühe Strategie seiner Band, die auch auf dem ersten Album beibehalten wurde. Auf »Greatest Lovesongs, Vol. 666« sind Neubearbeitungen von Blue Öyster Cults »Don't Fear The Reaper« und »Wicked Game« von Chris Isaak in einer herrlichen Gothic-Metal-Version, die der Band in ihrer Heimat nicht nur zu einem von drei Top-Ten Hits verhalf, sondern auch in Deutschland so manche Tür öffnete.

"Greatest Lovesongs, Vol. 666" avancierte in der Heimat des Quintetts zum Platinerfolg, und selbst bei den konservativen EMMA-Awards (dem finnischen Pendant zum Grammy) konnten HIM in der Kategorie "Best Newcomer" abräumen. Bei dieser Verleihung, auf Fotos und in den Videos der Band steht Ville Valo so sehr im Vordergrund, dass der Gedanke naheliegt, es könne sich bei HIM um ein Soloprojekt handeln. Ein Verdacht, den der Sänger zwar nachvollziehen, aber nicht bestätigen kann: "Sicher, ich bin der Frontmann und der einzige Songschreiber. Die anderen sind für den Sound der Band allerdings unentbehrlich. Ohne sie könnte ich nicht so klingen, wie ich es will. Außerdem sind sie froh, dass ich ihnen die ganze Öffentlichkeitsarbeit abnehme."

In der Songlyrik von Ville Valo geht es ausnahmslos um verschmähte oder enttäuschte Liebe oder den Tod derselben. "Ich liebe es zu lieben", erklärt er, "ob das nun die Liebe zu einer Frau ist oder die platonische Liebe zu einem Freund, ich liebe immer mit ganzem Herzen. Wer allerdings viel Liebe gibt, der wird häufig und umso bitterer enttäuscht. Das sind zumindest meine Erfahrungen - und die verarbeite ich in meinen Texten sogut es geht. Das passt viel besser zu unserer Musik als wenn ich über kalifornische Strände oder die Tulpenblüte in Amsterdam singen würde."





2000

 

HIM - Thy Ville be done

(Sonic Seducer January 2000)

Quite some time went by since the first part of our interview with Ville Valo, singer, song writer and lovely dictator of the Finnish band HIM - recently famous in this country because of their hit single "Join me" (at the moment of the interview on 15 in the single charts - upward tendency -) - and because of their performance admired by millions of viewers at, hrrmph, Top Of The Pops, which every rock and metal band actually makes a bogeyman out of. Enough of that! The new album is great, it will be released at the end of January and is called 'Razorblade Romance'. So it's time to ask Ville the decisive question: Why?
Ville: 'Razorblade Romance' as title occurred to us first. We tried some others, but came back to this one. Sometimes one's first ideas are the best indeed.

Sonic: A noticeable difference to 'Greatest Lovesongs Vol. 666' is the lack of any cover versions. Has there been no time or haven't you felt like doing some?
Ville: With this album we want to emphasize our own songs more. It's a strange feeling 'Wicked game' has been the biggest hit on the last album and not one of my own songs. We don't want to be labeled as a metal jukebox which only is successful with compositions of other musicians.

Sonic: On 'Razorblade Romance' all lyrics are almost exclusively about love and death, too. Where exactly is the difference to 'Greatest Lovesongs Vol.666' which seems to be about the same things?
Ville: On 'Greatest Lovesongs Vol.666' the lyrics were very fictional, came from my imagination. 'Razorbalde Romance' is like my emotional diary, it's much more realistic. The listeners don't necessarily have to understand the lyrics in order to have an ear for the music. The lyrics are about my emotions which not everybody is able to understand although I myself find the lyrics easy to understand.

Sonic: Since its beginning 'love' and 'death' are the topics the gothic scene mainly deals with - in their music as well as in their literature and other kinds of art. Do you consider yourselves a gothic band?
Ville: No, we've got nothing to do with the gothic scene. Especially here in Finland there is no real gothic scene. And since the 80s there hasn't been a good gothic band around here. Of course this area does have certain influences on the lyrics. But we're much more: we are metal, gothic, pop - a 666 pieces jigsaw puzzle.

Sonic: It seems to me as if the songs on the new album are generally much straighter and more rock-oriented than the songs on the previous album. Is that right or did I hear wrong?
Ville: (laughing) I have no idea. I only heard the finished album once. Seriously now: you're right. We went away from the metallic sound to organic, more lively sound instead. The way the album sounds is quite close to how we sound playing live. But as long as the whole album is good I don't care about that.

Sonic: Did you write all songs by yourself again like on 'Greatest Lovesongs Vol. 666'?
Ville: On 'Greatest...' our guitarist helped me writing the songs. But this time those lazy bastards couldn't make up their mind to help writing the songs - they're a hundred percent my own.

Sonic: What does your music mean to you - business, art or self-projection?
Ville: Pure self-projection. Art is something nobody really understands and business is boring. The only message we want to spread is: have a good time and escape this cruel world for a while.

Sonic: Does that mean in your songs you create a world which is different from the one out there? With more romance which your listeners find shelter in?
Ville: Not most importantly. It only happens to people who can understand my emotions. As I already said first of all the songs are from me for me. I'm constantly looking for déjà vus: when I play a song live I remember how I felt when I wrote it. That's why I do this.

Sonic: Very often you give the impression of being a calm, sometimes sad, but definitely melancholic person. Are you never happy? And what are you doing if you are?
Ville: I am an optimistic person. When I'm really depressed I'm not able to write songs. So not very often I lose myself in depressions. I like laughing and I do it a lot. And actually at the moment there is no reason for me not to be happy. Everything's fine. But melancholy is very important to me.
Melancholy is nothing negative, it's a positive feeling. It's not about depressions, but about a feeling of longing. This longing inspires me, lets me be creative and gives a meaning to my life.

Sonic: You keep your private life out of press and public as much as possible. Do you think private details could harm your image? Are you in private the same person you are on stage and in interviews?
Ville: No, not really. In private I probably don't drink that much, I'm calmer and more boring. But I don't want to become public property, my private life is not a public topic. Most things would be too boring anyway, so I'm making things up. One has to be a good storyteller if one wants to be famous. Very often I have to reread old interviews just to see which story I made up in which interview.

Sonic: But if you're telling me now, right from the beginning, you're lying you're actually telling the truth.
Ville: That's too complicated for me. Ask another question.

Sonic: Okay. In the 'Join me' video clip and on the cover of 'Razorblade Romance' one can notice you changed your look. You developed from a 'gloomy angel' into an androgynous glam rocker. Why?
Ville: I wanted to get away from this visual gothic image. Dark colours and gloomy figures - all these things don't fascinate me anymore. I'm taking the liberty to change like I want to. And by the way, I'm still heterosexual.

Sonic: Which song is your favourite on 'Razorblade Romance'? Or asked in another way: Which lyrics are the most personal?
Ville: I can't say. But the most unpersonal is 'Join me'. By the way this song is not about suicide. In 'Join me', death is just another word for love: 'loved' and 'deceased' in some languages are expressed with the same word.

Sonic: The song 'Heaven tonight' is strongly influenced by the wave music of the 80s. But once in an interview you said you're favourites would be bands like W.A.S.P. or Twisted Sister. Has there been a change of heart?
Ville: No, this interview has been one of those in which I didn't give too serious answers. I like W.A.S.P. and Twisted Sisters, but also Depeche Mode, Fields of the Nephilim and so on. 'Heaven tonight' was supposed to sound another way. While recording it this sound eventually crystallized. It's a nice popsong so we left it like that.

Sonic: How did you like your performance at Top Of The Pops?
Ville: It was awful. We had to perform singing to playback which I hate! We didn't know what to expect; just got the schedule and that was it. Our job's not always fun, but the success is worth it. If you want to be a great success you have to sometimes overcome yourself.

Sonic: In a few weeks the 'Razorblade Romance' tour starts. As it was approaching there were many rumours about the support band. The 69 Eyes, Sentenced and Dreadful Shadows were under consideration. Who will it be?
Ville: I don't know yet. The record companies will decide. You can forget about the 69 Eyes. Sentenced don't like us, I have heard - although they don't know us. The singer once said he wanted to clobber me because I would be an asshole. I like Sentenced and I like listening to their music. So I don't know what his problem is. The Dreadful Shadows in my opinion is one of the best gothic bands at the moment. But as I said the record companies do decide.

Sonic: So we hope for a good decision. But just the headliner itself is definitely worth seeing the concert.

 

HIM - Dein Ville geschehe

(Sonic Seducer Januar 2000)

 Ein bisschen Zeit ist ins Land gegangen seit dem ersten Teil unseres Interviews mit Ville Valo, Sänger, Songschreiber und liebenswerter Diktator der finnischen Band HIM- hierzulande seit neuestem berühmt durch die Hitsingle "Join Me" (zur Zeit des Interviews auf Platz 15 der Sinlge- Charts, Tendenz steigend) und ihren von Millionen Zuschauern bewunderten Auftritt bei, hrrmph, Top Of The Pops, eigentlich erklärtes Feindbild jeder Rock- und Metalband. Genug der Worte. Das neue Album ist richtig gut, erscheint Ende Januar und heißt 'Razorblade Romance'. Zeit also, Ville die alles entscheidende Frage zu stellen: Warum?
Ville: 'Razorblade Romance' war der Titel, der uns zuerst einfiel. Wir probierten danach noch ein paar andere aus, sind dann aber doch zu diesem zurückgekommen. Manchmal sind die ersten Einfälle doch die besten.

Sonic: Ein deutlicher Unterschied zum Vorgänger "Greatest Lovesongs Vol.666" ist das Fehlen jeglicher Coversongs. Hattet ihr keine Zeit oder keine Lust mehr dazu?
Ville: Wir wollen mit diesem Album unsere eigenen Songs mehr herausstellen. Es ist für mich ein befremdliches Gefühl, dass der größte Hit auf dem letzten Album 'Wicked Game' und keiner meiner eigenen Songs war. Wir wollen nicht als Metal-Jukebox abgestempelt werden, die nur Erfolg mit Kompositionen anderer hat.

Sonic: Auch auf 'Razorblade Romance' handeln deine Texte fast ausschließlich von Liebe und Tod. Wo genau liegt der Unterschied zu 'Greatest Lovesongs..., dessen Thematik ja die gleiche zu sein scheint?
Ville: Auf "Greatest Lovesongs..." waren die Texte sehr fiktional, dem Reich meiner Phantasie entsprungen. 'Razorblade Romance' ist eine Art Gefühlstagebuch von mit, der Realitätsbezug ist viel mehr gegeben. Die Hörer müssen die Texte auch nicht notwendigerweise verstehen, um Zugang zur Musik zu finden. Die Texte befassen sich mit meinem Gefühlen, die nicht jeder nachvollziehen kann, auch wenn ich die Texte an sich für sehr leicht zu verstehen halte.

Sonic: Liebe und Tod sind ja auch die Hauptthemen, mit denen sich die Gothic- Szene - sowohl in der Musik, als auch in der Literatur und anderen Kunstformen - seit ihren Anfängen hauptsächlich befasst. Ver- steht ihr euch selbst als eine Gothic-Band?
Ville: Nein, mit der Gothic-Szene haben wir nichts zu tun. Gerade hier in Finnland gibt es auch gar keine richtige Gothic- Szene. Und seit den 80ern gab´s hier auch keine gute Gothic-Band mehr. Natürlich sind besonders in den Texten Einflüsse aus diesem Bereich vorhanden. Wir sind aber mehr: wir sind Metal, Gothic, Pop - wir sind ein Puzzle aus 666 Teilen.

Sonic: Mir persönlich scheint es, als wären die Songs auf dem neuen Album generell viel straighter und rockorientierter als auf dem Vorgänger. Stimmt das, oder habe ich mich verhört?
Ville: (lacht) Keien Ahnung, ich hab´ das fertige Album erst einmal gehört. Im Ernst: du hast recht. Wir sind vom metallischen Sound weg zum organischen, lebendigeren Sound hingekommen. So, wie das Album klingt, ist es ziemlich nah an unserem Livesound. Aber solange das ganze Album gut ist, mache ichmir keine Gedanken darüber.

Sonic: Hast du wieder alle Lieder im Alleingang geschrieben, wie auf 'Greatest...'?
Ville: Auf "Greatest..." hatte ich noch Hil- fe von unserem Gitarristen, der mich unterstützt hat. Aber diesmal konnten sich diese faulen Säcke nicht dazu durchringen, an der Gestaltung der Songs mitzuarbeiten -sie sind zu 100 Prozent von mir.

Sonic: Was bedeutet deine Musik für dich -Buisness, Kunst oder Selbstdarstellung?
Ville: Reine Selbstdarstellung. Kunst ist etwas, das kein Mensch wirklich versteht, und Buisness ist langweilig. Die einzige Botschaft, die wir verbreiten, ist: Habt eine gute Zeit und entflieht für eine Weile der grausamen Welt.

Sonic: Heißt das, du schaffst in deinen Songs eine andere Welt als die da draußen? Mit mehr Romantik, in der deine Hörer Zuflucht suchen?
Ville: Hauptsächlich nicht. Das geschieht nur mit Leuten, die meine Gefühle nachempfinden können. Wie ich schon gesagt habe sind die Songs in erster Linie von mir für mich. Ich bin ständig auf der Suche nach déjá vu-Erlebnissen: wenn ich einen Song live spiele, erinnere ich mich daran, was ich beim Schreiben dieses Songs gefühlt habe. Darum mache ich das.

Sonic: Du erweckst oft den Eindruck eines ruhigen, etwas traurigen, auf jeden Fall aber melancholischen Menschen. Bist du nie fröhlich? Und was machst du wenn doch?
Ville: Ich bin schon ein optimistischer Mensch. Wenn ich richtig depremiert bin, bin ich nicht in der Lage, Songs zu schreiben. Also versinke ich nicht allzu oft in Depressionen. Ich lache gerne und viel. Und eigentlich habe ich im Moment auch gar keinen Grund, mich nicht zu freuen. Es läuft alles gut. Aber Melancholie ist sehr wichtig für mich. Melancholie ist nichts Negatives, es ist ein positives Gefühl. Es geht dabei nicht um Depression, sondern um ein Gefühl von Sehnsucht. Diese Sehnsucht beflügelt mich, lässt mich kreativ sein und gibt meinem Leben Sinn.

Sonic: Du hälst dein Privatleben so gut es geht aus der Presse und der Öffentlichkeit heraus. Glaubst du, dass private Details deinem Image schaden könnten? Bistdu denn privat der gleiche Mensch wie auf der Bühne und in Interviews?
Ville: Nein, nicht ganz. Wahrscheinlich trinke ich privat nicht so viel, bin etwas ruhiger und langweiliger. Aber ich will kein öffentliches Gut werden, mein Privatleben ist kein Thema für die Öffentlichkeit. Vieles wäre auch einfach viel zu langweilig, also denke ich mir etwas aus. Man muss ein guter Märchenerzähler sein, wenn man berühmt sein will, und ich muss oft meine alten Interviews lesen, damit ich noch weiß, wem ich wieder was vorgelogen habe.

Sonic: Aber wenn du mir jetzt von vornherin sagst, dass du lügst, dann sagst du mir doch die Wahrheit.
Ville: Das ist mir jetzt zu kompliziert. Frag' was anderes.

Sonic: Gut. Im Video zu 'Join Me' und auf dem Cover zu 'Razorblade Romance' kann man erkennen, dass du dein Outfit geändert hast. Du hast dich vom 'dunklen Engel' zum androgynen Glam-Rocker entwickelt. Warum?
Ville: Ich wollte von diesem visuellen Gothic- Image weg. Düster Farben, finstere Gestalten -das alles fasziniert mich nicht mehr so. Ich nehme mir die Freiheit, mich zu verändern wie ich es will. Und ich bin übrigens immer noch heterosexuell.

Sonic: Welcher Song ist dein Favorit auf 'Razorblade Romance'? Oder anders gefragt: welcher Text ist der persönlichste.
Ville: Kann ich nicht genau sagen. Aber der unpersönlichste Song auf dem Album ist 'Join Me'. Dabei handelt es sich übrigens nicht um ein Lied über Selbstmord. Der Tod ist in diesem Song einfach ein anderes Wort für Liebe: 'Geliebt'und 'Verstorben' wird in manchen Sprachen mit dem selben Wort ausgedrückt.

Sonic: Der Song 'Heaven Tonight' birgt sehr starke Einflüsse der Wave-Musik der 80er Jahre in sich. Dabei hast du früher in einem Interview gesagt, deine Favoriten wären Bands wie W.A.S.P. oder Twisted Sister. Liegt da ein Sinneswandel vor?
Ville: Nein, das war nur eins von den Interviews, wo ich nicht ganz so ernste Antworten gegeben habe. Ich mag W.A.S.P. und Twisted Sister, aber auch Depeche mode, Fields Of The Nephilim und so weiter. "Heaven Tonight" sollte ursprünglich ganz anders klingen. Während der Aufnahmen im Studio hat sich dann dieser Sound herauskristalliesiert. Es ist ein schöner Popsong geworden, also blieb der Sound so.

Sonic: Wie fandest du euren Auftritt bei Top Of The Pops?
Ville: Furchtbar. Wir mussten einen Play- back-Autritt machen - und ich hasse Playbacks. Wir wussten vorher gar nicht, was auf uns zukommen sollte, wir hatten bloß den Zeitplan bekommen. Na ja, unser Job macht eben nicht immer Spaß, aber der Erfolg ist es wert. Wenn man richtig groß rauskommen will, muss man manchmal über seinen Schatten springen.

Sonic: In ein paar Wochen beginnt eure Tour zu 'Razorblade Romance'. Im Vorfeld dazu hat es viele Gerüchte um eure Supportband gegeben. Im Gespräch waren unter anderem The 69 Eyes, Sentenced und die Dreadful Shadows. Wer wird es denn sein?
Ville: Das weiß ich auch noch nicht, das werdendie Plattenfirmen unter sich ausmachen. Das mit The 69 Eyes wird wohl nichts. Sentenced mögen uns nicht, habe ich gehört -obwohl sie uns gar nicht kennen. Deren Sänger hat angeblich mal gesagt, er wolle mir eine reinhauen, weil ich ein Arschloch wäre. Ich mag Sentenced und höre ihr Musik auch gerne, weiß also nicht, was der für ein Problem hat. Die Dreadful Shadows sind für mich eine der besten Gothic-Bands, die es zur Zeit gibt. Aber wie gesagt, die Entscheidung liegt bei den Plattenfirmen.

Sonic: Also hoffen wir auf eine gut Entscheidung. Aber allein der Headliner ist den Konzertbesuch sicherlich wert.

 

HELSINKI - "Our little world"

(BRAVO, release No.14/March 29th 2000)

"For two weeks we had been on tour in Finland. And that means a very hard time. Long ways thruogh the country, coldness, snowstorms and a lot of nature", thats the way HIM-frontman Ville Valo summarizes the last 14 days.
"Although it was varied, we had been looking forward to Helsinki. We grew up here, all our friends do live here, they don't treat us like stars here, they treat us like they treat usual people. And thats very good after this trouble during the last weeks and months. When we are in Helsinki for a short time, we all sleep at our parents home. Although everyone of has has got an own small flat, we like beeing with our family. You don't have to care about anything at mama's home."

But Helsinki is not only the home of HIM, it is the place where theire super-career started.
Ville: "Everything with HIM started at Tavastia-Club.
It is the only big Liveclub of the city. It takes 1000 people, I think in whole Finland isn`t any bigger one. Well, exactly at this club we had our first gig 5 years ago. It was sold out - of course, because we played at the previos-programm of a known finish Band. When we had been alone on tour the first time with our debut-album THE GREATEST LOVESONGS VOL. 666 in 1998 and we played at Tavastia, we had been very nervous. We would have been very happy with a half filled club, but the club was totaly filled. And thats very rare for a finnish band. Even if we are not playing, we chill out at Tavastia very often. The Club has got a little bar, where you can get some food too, and permanent good rock-band play there."

Topic bars - of course Ville knows whats in or out in Helsinki:
"Helsinki has got some meeting places, we all like to visit. But our favorite one is Cantina West. The owner of it is a member of the finish-cult-band Leningrad Cowboys by the way. Besides meeting other nice people you can get the legendary Strawberry-Margherita - we think it is the best one in whole Finland, maybe in the whole world. At Cantina West we had been banned for half a year. We liked the bar stools with the heart-back! When we tried to smuggle them out under our winter-coat, we had been catched..."

Ville and the boys of HIM are very proud of their city:
"The atmosphere here is what fascinates me at Helsinki. Trouble at the one side, silence at the other side. When many people run stressded of shopping through the city and cars stand hooting at traffic jam, I retire to my favorite place: the beach of Kaivopusito Brunnsparken. Although it lays directly on the beach, there is totaly lonelyness. With the view on the long see I get new inspirations for new songs. It is possible that our music sounds a little bit melacholic because of that. But I need this dark flair for writing songs. At tourbus it doesn`t work."

At the probation-room the songwriting doesn`t work too, Ville explains why:
"Well, we are always happy when we get out of that lousy cellar. The room, which lays in the second cellar-eve of a usual House, we only call "dump" at our band. We all have got one thing together: We can`t keep anything in order. And at three probations a week many things join together. We thougt about making an application for the Guiness Book of Records.



HELSINKI - "Unsere kleine Welt"

(BRAVO, Ausgabe Nr.14/29.März 2000)

"Zwei Wochen waren wir jetzt auf Tour in Finnland. Und das bedeutete eine verdammt harte Zeit. Lange Wege übers Land, Kälte, Schneestürme und jede Menge Natur", fasst HIM-Frontmann Ville Valo die letzten 14 Tage zusammen. "Auch mal schön zur Abwechslung. Trotzdem haben wir uns am Ende der Reise wahnsinnig auf unsere Heimatstadt Helsinki gefreut. Hier sind wir groß geworden, hier haben wir all unsere Freunde, hier werden wir auch nicht wie Stars behandelt, sondern wie ganz normale Menschen. Und das tut nach dem ganzen Rummel der vergangenen Wochen und Monate richtig gut. Wenn wir nur kurz in Helsinki sind, dann schlafen wir eigentlich alle bei unseren Eltern. Obwohl jeder von uns eine eigene kleine Wohnung hat, sind wir auch gerne bei der Familie. Bei Mama muss man sich eben um nichts kümmern."

Helsinki ist aber nicht nur die Heimatstadt von HIM, sondern auch der Eingangspunkt ihrer Superkariere.
Ville: "Angefangen mit HIM hat es im Tavastia-Club. Das ist der einzige größere Liveclub der Stadt. Rund 1.000 Leute passen da rein, ich glaube in ganz Finnland gibt es keinen größeren. Dort jedenfalls hatten wir vor etwa fünf Jahren unseren ersten Auftritt. Natürlich war er ausverkauft - weil wir im Vorprogramm einer bekannten finnischen Band spielten. Als wir 1998 mit unserem Debütalbum THE GREATEST LOVSONGS VOL.666 zum ersten Mal alleine auf Tour waren und auch im Tavastia-Club spielten, waren wir tierisch aufgeregt. Wir wären schon mit einer halb vollen Hütte total zufrieden gewesen - aber der Laden war gerammelt voll. Und das schafft kaum eine finnische Band. Auch wenn wir nicht spielen, hängen wir oft im Tavastia ab. Der Laden hat eine kleine Kneipe in der man auch etwas zu Essen bekommt, außerdem spielen hier ständig gute Rockbands."

Apropos Kneipe, Ville kennt Helsinkis In-Lokale natürlich in- und auswendig:
"Helsinki hat mehrere Treffs, in die wir alle gerne gehen. Aber unsere absolute Nummer eins ist die Cantina West. Die gehört übrigens einem Mitglied der finnischen Kultband The Leningrad Cowboys. Außer mit netten Menschen macht man da schnell Bekanntschaft mit der legendären Erdbeer-Margherita - nach unserer Meinung die beste in ganu Finnland, vielleicht auf der ganzen Welt. In der Cantina West hatten wir übrigens ein halbes Jahr lang Lokalverbot. Wir standen so auf die Barhocker mit den Herzlehnen! Als wir sie unter unseren Wintermänteln rausschmuggeln wollten, wurden wir erwischt..."

Richtig stolz sind Ville und die Jungs von HIM auf ihre Stadt:
"Was mich an Helsinki fastziniert, ist die Stimmung hier. Trubel auf der einen, Ruhe auf der anderen Seite. Wenn in der Innenstadt viele Leute in Einkaufshektik durch die Straßen hetzen und hupende Autos im Stau stehen, ziehe ich mich zurück an meinen absoluten Lieblingsplatz: An das Meeresufer beim Kaivopusito Brunnsparken. Hier herrscht - obwohl direkt am Strand gelegen - totale Einsamkeit. Mit dem Blick auf die Weite der nördlichen Ostsee kommen mir sofort Einfälle für neue Songs. Kann sein, dass unsere Musik deshalb etwas melancholisch klinkt. Aber ich brauche diese etwas düstere Stimmung zum Songschreiben. Im Tourbus kappt so etwas einfach nicht."

Auch im HIM-eigenen Probenraum will es mit dem Songschreiben nicht so recht klappen. Ville erklärt warum:
"Ehrlich gesagt sind wir jedes Mal froh, aus diesem Kellerloch wieder rauszukommen. Den Raum, der im zweiten Untergeschoss eines ganz normalen Wohnhauses liegt, nennen wir bandintern nur 'Mülleimer'. Weil wir alle eine Gemeinsamkeit haben: Wir können keine Ordnung halten. Und bei drei Proben in der Woche kommt ganz schön etwas zusammen. Wir haben sogar schon überlegt, uns für das Guinness Buch der Rekorde anzumelden."

 

"I would die for love"

(RENNBAHN EXPRESS, issue No.3/2000)

Their new album "Razorblade Romance" made HIM being the coolest newcommers of the new millenium.

RE: Parents-Associations rage against your mega-hit "Join me in Death". They say it would seduce their children comitting suicide..
Ville: Foolish, 'Join me' is only a modern version of the classical 'Romeo and Juliet'-topic. Well, I am a fan of sad lovestorys and I watched the movie with Leo DiCaprio. I didn`t like the film. Pure Hollywood-shit.

RE: Have you ever been so much in love, that you would have followed her in death, like Romeo and Juliet?
Ville: Unfortunately not. I haven`t met the right one yet and I am single at the moment. I don`t have special preferences at girls. I think every woman has gor fascinating sides, which are waiting to be found. And love is the most important thing for me. If I would meet the right one I would die for her, if it would be necesary.

RE: You are regarded as the new sox-symbol of rock. Pleasent or not?
Ville: I don`t care about. Girls always liked and sometimes I have got one-hight-stands. And I can`t always say no to groupies (smiles).

RE: "His Infernal Majesty"which has got the short form HIM, is another name for evil. Do you believe in devil?
Ville: "His Infernal Majesty" was an insider-joke about my qualities as a ladykiller at its origin. I abbreviated the name to HIM, because everyone thougt that I were a devilist.

RE: Which kind of music do you like?
Ville: Kiss and Black Sabbath. I already saw them live. I don't really want to get to know them, because I don't want to destroy my illusions. If we have played at the same festival, I would avoid them...

RE: And what do you think about chart-music?
Ville: Nothing. Happy songs make me feel unhappy. The worst are the Vengaboys, I am getting really depressed. If I want to be happy I listen to very dark and sad songs, I am feeling better then.

RE: By the way, how and where are you living?
Ville: I have got a flat in Helsinki, the capital of Finland. It is filled with instruments a bed and a tv. It is very uncomfortable, but I am rarely there.

RE: At April you are giving three gigs in Austria. Your first visit in our country?
Ville: No, we already had some gigs here. The last one was last year in Prater. It was an open air at winter and very cold, but very cool!


FACTBOX
Ville Hermanni Valo (23) has already been on stage with some HIM-members as a school-band in Helsinki when he was a teenager. "I don't want to remind our old songs, because they had been so bad", he tells at the interview. 1996 Ville founded the gothic-rock-band HIM and had his first hit with the cover-version of 'Wicked Game' from Chris-Isaak. Because of his sensuously charism journalists compared him with the Doord-singer Jim Morrison and celebrated him as the new sex-symbol. The debut-album 'Greatest Lovesongs Vol. 666' (another hint of devil: the number 666 stands for devil!) made them beeing the the special tipp, theire actual, second album 'Razorblade Romance' let them get the new european cult-stars. HIM already played at austria in 1998: at Szene Wien, at Linzer Posthof and at silvester at soul city at Wiener Prater. In spring they will tour again through Austria. Dates: 04/08/2000 Wien/Flex, 04/09/2000 Linz/Posthof, 04/10/2000 Salzburg/Rockhaus.


 

"Ich würde für die Liebe sterben"

(RENNBAHN EXPRESS, Ausgabe Nr.3/2000)

Ihr neues Album "Razorblade Romance" machte HIM zu den coolsten Newcomern im neuen Millenium.

RE: Elternvereine laufen Sturm gegen euren Megahit "Join me in Death". Sie sagen, der Song würde ihre Kids zum Selbstmord verführen...
Ville: Blödsinn, "Join Me" ist doch nur die moderne Version des klassischen "Romeo und Julia"- Themas. Ich bin eben ein Fan trauriger Lovestorys und hab mir auch den Kinofilm mit Leo DiCaprio ange- schaut. Den fand ich allerdings Scheiße. Purer Hollywood-Mist.

RE: Warst du jemals so stark verliebt, dass du ihr in den Tod gefolgt wärst, so wie Romeo und Julia?
Ville: Leider nicht. Ich habe die Richtige noch nicht getroffen und bin auch zur Zeit solo. Besondere Vorlieben habe ich in Sachen Mädchen nicht. Ich finde, jede Frau hat faszinierende Seiten, die es sich zu entdecken lohnt. und die Liebe ist für mich das Wichtigste. Wenn mir die Richtige über den Weg läuft, würde ich für sie sterben, wenn das nötig wäre.

RE: Du gilst als das neue Sexsymbol des Rock. Angenehm oder nervend?
Ville: Das ist mir völlig egal. Ich war schon früher bei beliebt bei den Girls und habe auch hin und wieder One-night- Stands. Auch bei Groupies kann ich nihct immer nein sagen (lacht).

RE: "His Infernal Majesty"("Seine teufli- sche Majestät"), für das die Abkür- zung HIM steht, ist ein anderer Name für Satan. Glaubst du an den Teufel?
Ville: Keine Spur. "His Infernal Majesty" war ursprünglich nur ein Insider-Joke über meine Eigenschaften als Ladykiller. Weil mich alle für einen Satanisten hielten, habe ich den Namen dann auf HIM abgekürzt.

RE: Auf welche Art von Musik stehst du selber?
Ville: Kiss und Black Sabbath. Ich habe beide schon live gesehen. Näher kennen lernen will ich sie nicht, weil ich mir nicht meine Illusionen zerstören will. Würden wir gemeinsam auf einem Festival spielen, würde ich ihnen aus dem Wege gehen ...

RE: Und was hälst du von der Musik in den Hitparaden?
Ville: Gar nichts. Fröhliche Songs machen mich nämlich traurig. Am schlimmsten sind die Vengaboys, da werde ich richtig depressiv. Wenn ich gut drauf sein möchte, höre ich ganz traurige, düstere Nummern, dann geht´s mir besser.

RE: Wie und wo lebst du eigentlich?
Ville: Ich habe eine Wohnung in Helsinki, der Haupstadt Finnlands. Die ist vollgeräumt mit Musikinstrumenten, sonst gibt´s nur ein Bett und einen Fernseher. Ziemlich ungemütlich, aber ich bin ja auch selten da.

RE: Im April spielt ihr drei Gigs in Österreich. Eurer erster Besuch in unserem Land?
Ville: Nein, wir hatten schon einige Konzerte hier. Das letzt war vergangenes Jahr im Prater. Es war ein Openair im Winter und saukalt - aber total geil!


FACTBOX
Schon als Teenager trat Ville Hermanni Valo (23) mit einem Teil der heutigen HIM-Mitglieder als Schülerband in Helsinki auf. "An unsere damaligen Songs will ich mich aber lieber nicht mehr erinnern, so schlecht waren sie", erzählt er im Interview. 1996 gründete Ville die Goth-Rock-Band HIM und landete mit der Chris-Isaak-Coverversion "Wicked Game" seinen ersten Hit. Journalisten verglichen ihn wegen seiner sinnlichen Ausstrahlung mit dem Doors-Sänger Jim Morrison und feierten ihn als neues Sexsymbol. Das Debütalbum "Greatest Lovesongs Vol.666" (noch so eine Teufelsanspielung: die Zahl 666 steht für den Satan!) machte sie zum Geheimtipp, ihr aktuelles, zweites Album "Razorblade Romance" ließ sie zu europaweiten Kultstars werden. HIM spielten schon 1998 in Österreich: in der Szene Wien, im Linzer Posthof und zu Silvester beim Soul City im Wiener Prater. Im Frühling kommen HIM erneut auf Tour zu uns. Die Termine: 8.4 Wien/Flex, 9.4 Linz/ Posthof, 10.4 Salzburg/Rockhaus.

 

Only a Fairytale?

(ORKUS Spring 2000)

Once upon a time there was a king, above in the far North, who was called "His Infernal Majesty". His symbol was the Heartagram, the heart of the lovers merged to the pentagram of the devil. His number was the sweet 666. But that doesn't mean, the king was bad, like many, who didn’t know him, proclaimed at the beginning. No, this king was charming and well disposed towards his nation and his followers. The maids of his country were consumed with him, because he didn’t only have a golden voice, but also a very nice-looking appearance. His songs about love and pain, he was singing day in day out, cursed through the whole empire and finally found their ways to the big, wide world.

It didn’t took long time, till also women of other kingdoms were longing out for him. At first the men weren't very fond of the young, beautiful king. Then the king decided to travel with his funny-looking court musicians to foreign countries and to sing his songs to the people. Hundreds of men and women came to the audiences and satisfied of the king's talent and charisma. Also the men were enthusiastic about him. The king's songs told of heart pain and lovesickness, but there was something more, that also impressed strong fellows. The young king was not only beautiful, but also connected to the simple people. He made no secret, that also the less virtuous side of life was not a strange thing to him. Much wine was drunken and tobacco was smoked. The people also talked about the depraved businesses, the young king had helped his father with as a young man.

Today, everywhere, also in the BRAVO, stories about the king are told, people listen to his songs and sing them and look at his pictures. And so it happened, that "His Infernal Majesty" alias Ville Hermanni Valo, became widespread famous and happy and content…

 

Nur ein Märchen?

(ORKUS Frühjahr 2000)

Es war einmal ein König, hoch oben im Norden, den alle Mensche nur "Seine infernalische Majestät" nannten.
Sein Zeichen war das Herzagramm, das Herz der Verliebten verschmoltzen mit dem Pentegramm des Teufels. Seine Zahl war die süße 666. Das bedeutete jedoch nicht, dass der König böse war, wie viele, die ihn nicht kannten, anfangs verkündeten. Nein, dieser König war charmant und seinem Volk und seinen Anhängern wohlgesonnen. Die Mägde seines Landes verzehrten sich nach ihm, denn er besaß nicht nur eine goldene Stimme, sondern auch ein wohlanzuschauendes Äußeres. Seine Lieder von Liebe und Schmerz, die er tagein, taugaus sang, kursierten durchs gesamte Reich und fanden schließlich ihren Weg in die große, weite Welt.

Es ward nicht lange, bis sich auch die Frauen anderer Königreiche nach ihm sehnten. Die Männer des Vokes waren dem jungen, schönen König zunächst wenig zugetan. Da entschloss sich der König zusammen mit seinen lustig dreinschauenden Hofmusikern, die fremden Länder zu bereisen und den Leuten seine Lieder vorzusingen. Viele hunderte Männer und Frauen kamen zu den Audienzen und überzeugten sich von dem Talent und dem Charisma seiner Majestät. Auch die Männer waren nun begeistert. Die Lieder des Königs erzählten zwar noch immer von Herzeleid und Liebeskummer, doch es gab da etwas, das auch gestandene Mannsbilder beeindruckte. Der junge König war nämlich nicht nur hübsch, sondern zudem den einfachen Leuten verbunden. Er machte keinen Hehl daraus, dass auch ihm die wenig tugendhafte Seite des Lebens nicht fremd war. Viel Wein wurde getrunken und Tabak geraucht. Auch von lasterhaften Geschäften, bei denen der König als junger Mann seinem Vater zu Hand gehen musste, war die Rede.

Heute erzählt man sich überall, auch in der BRAVO, die Geschichten über den König, hört und singt seine Liedr und betrachtet seine Abbilder. Und so begab es sich, dass "Seine infernalische Majestät", "His Infernal Majesty" alias Ville Hermanni Valo, weit und breit berühmt wurde und glücklich und zufrieden...

 

HIM Tourbook

(SONIC SEDUCER MAI 2000)

Five editors on tour with HIM
HIMThree letters from the alphabet, a band from Finland, five members and an incomparable victorious progress through the charts. We visited six venues from their almost complete sold out tour. HIM for you from us!

03/22/2000 Oberhausen, Turbienenhalle
This gig was moved from the Dortmund Soundgarden to the Oberhausen Turbinenhalle, which is three times as big as the Soundgarden, after - to everyone's surprise - HIM not only went to No. 1 in the single and album charts, but also their tour was sold out in advance. Dogged by the editorial work we arrived at the venue much too late when they were already playing the second follow-up single "Right here in my arms". We quickly realized the sound wasn't going to be the best this evening. Mr Ville Valo seemed like a different person, not a scrap of the rather restrained, motionless stage performance around the microphone, having the compulsory bottle of wine in one hand and a cigarette butt in the other one. Instead, bursting with energy, the lean fra diavolo swept to and fro during the concert, with bare chest in parts (in between he put his shirt back on?!). He pounced on the other musicians and - just like a gogo girl - presented his much sought-after butt to the screaming audience, which consisted at 50 percent of female teenagers and at 20 percent of parents belonging to them. So far "less metal for cool performance", which was liven up by ballads like "Gone with the sin", when Ville played an acoustic guitar, and "When love and death embrace". But any pop attitudes were missing and they rather backed on improvisation. Unfortunately songs like "Wicked game" or "For you" fell victims of this, on the other hand they did brilliantly with new material and the Billy Idol cover "Rebell Yell". Well, I prefered earlier club concerts, but still a very good evening. On this note: "Nothing's gonna stop HIM now!" (Thomas Vogel(TV))

03/25/2000 Magdeburg, Stadthalle
After being moved two times, the concert took place in the Stadthalle - a good decision considering the crowd of people. At 8 o'clock REAMONN began with their performance. I didn't know them, but they were okay.
After an intro of Johnny Cash HIM entered the stage amid huge cheering, which rather turned into heavy screaming in the front rows. Already during the first song "Right here in my arms" there was no holding back the crowd. Underwear, roses and soft toys were thrown on the stage as it is usually only known from concerts of teenie bands. Ville immediately attached two big white bras to the microphone. When a bit later "Join me" was played, one could see and hear why most people went to that concert. Lighters were lighted and people sang along. HIM left the stage an hour later to come back for encores. Ville himself played the guitar while performing "Gone with the sin". After 75 minutes they said good bye with Billy Idol's "Rebell Yell". All in all, it was a great concert even though the audience wasn't older than 11 in parts. (Ursula Neugebauer (UN))

03/28/2000 Herford, Kick
The Kick was full to bursting with people. So - thanks to the architectural features - most of the people should have seen next to nothing. REAMONN did well with their hit "Supergirl". The audience, which by the way mainly consisted of teenagers as expected (feared?), was in a good mood and when HIM entered the stage after a short reorganization, they were welcomed truly loudly. HIM seemed to be rather bored and uninterestedly reeled off their show. An hour later the show was over and they left the stage without a comment. The audience obviously was satisfied with this poor performance because there were only few calls for encores, which then remained unheard. Outside the hall one could talk to really disappointed fans. The organizer, who by the way did without searching when doors were opening, was lucky there were no more fans of heavy music. They probably would have reorganized the Kick the way they imagine it. Of course a band is allowed to have a bad day, but they also take a certain responsibility towards their fans. Concerning this HIM so far don't seem to have an intention doing this. Never again! (Thorsten Kübler(TK))

03/29/2000 Berlin, Arena
After the concert was moved two times due to great demand, we were terrified and expected a Berlin Arena filled up with screaming teenagers. But when entering the hall, we were happily surprised to meet a quite mixed audience and even a few male supporters. At about 9.30, Ville Valo having his hair slicked back, Lily Lazer having "fresh" dreadlocks and Migé Amour wearing a cowboy hat, began with the well-tried "It's all tears". Without the usual initial vocal difficulties and the compulsory bottle of red wine, they continued with songs from "Razorblade Romance" and sporadic put into hits from "Greatest Lovesongs Vol.666". Much to the female fans' pleasure Ville Valo, after an innocent "Should I take off my shirt?", showed more of his slim sexy body, which he knew how to use temptingly - sometimes even too high-spirited. A white bra wasn't long in coming and Valo nonchalantly attached it to the microphone. There was a very good atmosphere in the Arena and especially in the front row people lively sang and jumped to "Wicked Game" and "Join me". After 75 minutes and only one encore when the cover version of Billy Idol's "Rebell Yell" provided another highlight of the evening, the concert unfortunately was over much too early. (Sandra Sommerhage(SH))

03/30/2000 Apolda, Brauerei
Which girl does not want to see the Finnish sex symbol per se live on stage? Even if parents think: "He's just skin and bones.", they finally are the ones, who, from 7 o'clock to midnight, entrust their children with thousands of wild fans. Seen in Apolda. This concert was to be a smaller one, but nevertheless everyone provided the right atmosphere in advance. And the crowd's blood boiled because REAMONN already did a good job when I arrived at the venue. Definitely a hot tip, which won't stay a hot tip any longer. When HIM entered the stage after their intro was played, there was a cheerful "Who's actually singing?" guesswork. I was aware I didn't know the lyrics. Extremely surprised I noticed, all the other fans had no problems singing along every single song from the new album "Razorblade Romance". It was clear they were not waiting for "Join me" only. Interludes, like jumping on the speakers and shaking one's butt, made the sweet maidenhood forget all chaste intentions. Of course, also the old hands of the dark genre were present, which (attention!) interpreted even "Wicked Game" to the last tune. I'm not going to exclude myself. The concert was sold out with 1600 paying guests, the crowd danced to rock music and sighed so much with their idols, even the parents staying outside in their cars got something out of it. May it just be the knowledge to buy tickets for themselves for the next concerts... (Christian Olah(CO))

04/01/2000 Chemnitz, Eishalle
Still very enthusiastic about the concert in Dresden, HIM and fans met in Chemnitz. I remembered the ice stadium from last year and dressed myself warmly. At first REAMONN ensured the ice was seething. The front man took up contact with the audience and earned quite good feedback. The band's expectations were completely fulfilled. After short reorganization, the first fans payed tribute to the squeezing crowd and had to be pulled out by the stewards. There wasn't more space provided though, the crowd pushed from behind so they wouldn't miss the first sounds from the opening song. When HIM entered the stage, Ville started to introduce the band members, who tuned up instrument by instrument until the first song could be seen to emerge. Soft toys as well as other proof of love were thrown onto the stage. Since BRAVO, one knows the girl's dream can still come true to get single Ville to like oneself. Talking about getting to like someone. After having played a few songs, with a short statement they were ill somehow, HIM ensured sobering cooling and left the stage. Oh dear! "April fool!" he then came back on stage and happily continued to play. Having a cigarette in the nose or almost swallowing the microphone - Ville wildly partied with the 5000 fans.
After the concert musicians and invited guests relaxed, while listening to music from Moby to Metallica. A few girls found their way over a railing to an open window, where Ville, known as shy towards fans, signed some autographs. The head steward ensured it would not escalate, which Ville gave him a cuddle for. When I left the venue people already could skate over the ice again. I seized the opportunity and tried to find out about the peeping in my ear which was only slowly getting quieter...(Christian Olah (CO))

 

HIM Tourbook

(SONIC SEDUCER MAI 2000)

5 Redacteure mit HIM auf Tour
HIM- Drei Buchstaben aus dem Alphabet, eine Band aus Finnland, fünf Mitglieder und ein unvergleichbarer Siegeszug durch die Hitparaden. Sechs Stationen ihrer so gut wie restlos ausverkauften Tour haben wir für euch besucht. HIM for you from us!

22.03.2000 Oberhausen, Turbienenhalle
Nachdem Him zu aller Erstaunen nicht nur Platz eins der Single und Album Charts gesprengt haben, sondern auch fast die gesamte Tour im Vorfeld ausverkauft war, wurde der hiesige Gig vom Dortmunder Soundgarden in die dreimal so große Turbinenhalle in der Sonic Seducer Heimatstadt Oberhausen verlegt. Vom Redactionsalltag geplagt erreichten wir das Venu mit reichlich Verspätung, als da bereits die zweite Singleauskopplung "Right here in my Arms" ertönte und uns klar wurde, dass der Sound an diesem Abend nicht vom Besten sein würde. Mr. Ville Valo erschien wie ausgewechselt, keine Spur mehr von der eher verhaltenen, bewegungsarmen Bühnenperformance rund um den Mikroständer, mit obligatorischer Weinflasche in der einen und Kippe in der anderen Hand. Satt dessen fegte der hagere Fra Diavolo während des ganzen Showcases teils mit entblößtem Oberkörper (zwischendurch zog er sein Muscleshirt wieder an!?) energiegeladen hin und her, fiel über seine Mitstreiter her und präsentierte Gogo-Girl mäßig sein begehrtes Hinterteil dem kreischenden, zu 50% aus female Teenagern und 20% dazugehörigen Elternteilen rekrutiertem Publikum. So weit "less metal for cool performence", die mit Balladen wie "Gone with the Sin", das Ville an der Akustik-Gitarre zeigte, und "When Love and Death embrace" aufgelockert wurde, wobei jedoch jegliche Popattituden fern lagen und man eher auf Improvisation setzte. Leider fielen dem Songs wie "Wicked Game" und " For you" zum Opfer, hingegen glänzte man mit dem neuen Material und Billy Idols "Rebel Yell". Na ja, frühere Clubkonzerte haben mir mehr zugesagt, trotzdem ein gelungener Abend. In diesem Sinne: "Nothing's gonna stop HIM now!" (Thomas Vogel (TV))

25.03.2000 Magdeburg, Stadthalle
Nach zweimaliger Verlegung fand das Konzert nun letztendlich in der Stadthalle statt- angesichts der Menschenmassen eine gute Endscheidung. Um 20.00 Uhr begann der Support Reamonn mit seinem Auftritt. Die mir noch unbekannte Band war dann auch ganz nett.
Nach einem Intro von Johnny Cash betrat um 21.00 Uhr HIM unter großem Jubel, der in der vorderen Reihe wohl eher in Gekreische ausartete, die Bühne. Schon beim Opener "Right here in my Arms" waren die Massen nicht mehr zu halten. Wie man sonst nur von Teenie-Bands kennt flogen auch hier Unterwäsche, Rosen und Plüschtiere auf die Bühne. Ville hat sich gleich zwei riesige, weiße BH's an den Mikroständer gehängt. Bei dem später folgenden "Join me" konnte man dann sehen und höhren, weshalb ein großteil des Publikums dort war. Feuerzeuge gingen an und es wurde mitgesungen. Nach einer Stunde verließen HIM die Bühne, um für die Zugaben wiederzukehren. Bei "Gone with the Sin" griff dann auch Ville zur Gitarre. Mit Billy Idols "Rebel Yell" verabschiedeten sich HIM nach 75 Minuten. Alles in allem ein großartiges Konzert, auch wenn das Publikum teilweise erst 11 Jahre alt war. (Ursula Neugebauer (UN))

28.03.2000 Herford, Kick
Bis zum Bersten gefüllt war das Kick, was dank der architektonischen Begebenheiten dazu führte, daß ein nicht geringer Teil des Publikums wohl so gut wie nichts gesehen haben dürfte. Die Vorband Reamonn machte unter anderem auch mit ihrem Hit "Supergirl" recht gut. Das Publikum, übrigens wie erwartet (befürchtet?), hauptsächlich aus Teenies bestehend, war guter Dinge und begrüßte nach einer kurzen Umbauphase auf der Bühne erscheinenden HIM wahrlich lautstark. Diese machten einen eher gelangweilten Eindruck und spulten ihr Programm recht lustlos herunter. Nach gut einer Stunde war alles vorbei und sie verließen kommentarlos die Bühne. Dem Publikum schien diese dürftige Vorstellung auch gereicht zu haben, denn es gab nur wenige Rufe nach Zugabe, die dann auch recht schnell unerfüllt verhalten. Draußen konnte man sich mit Fans unterhalten, die sich sehr enttäuscht über dieses Konzert zeigten. Der Veranstalter, der beim Einlaß übrigens auf Durchsuchungen verzichtet hatte, konnte froh sein, dass hier nicht mehrheitlich Fans härterer Musik anwesend waren, diese hätten ihm wohl das Kick nach ihren Vorstellungen umgestalltet. Natürlich kann eine Band mal einen schlechten Tag haben, allerdings hat sie wohl auch eine Verantwortung den Fans gegenüber. HIM scheinen diesbezpglich wohl leider noch nicht so weit zu sein. Never Again! (Thorsten Kübler(TK))

29.03.2000 Berlin, Arena
Nachdem das Konzert zweimal wegen großer Nachfrage verlegt wurde, erwarteten wir voller Angst eine mit kreischenden Teenies angefüllte Berliner Arena. Als wir jedoch die Halle betraten, waren wir freudig überrascht, ein ziemlich gemischtes Publikum und auch etliche männliche Vertreter anzutreffen. Gegen 21.30 Uhr begannen ein gegelter Ville Valo, Lily Lazer mit "frischen" Dreadlocks, Migé Amour mit Cowboyhut gleich mit dem altbewährten "It's All Tears". Ohne die gewohnten gesanglichen Anlaufschwierigkeiten und der obligatorischen Flasche Rotwein ging es weiter mit Songs der "Razorblade Romance" und vereinzelt eingestreuten Hits der "Greatest Lovesongs Vol. 666". Zur Freude der weiblichen Fans zeigte Ville Valo nach einem unschuldigen "Should I take of my shirt?" mehr von seinem schlanken sexy Körper, den er reizvoll und manchmal etwas übermütig einzusetzten wusste. Ein großer weißer BH ließ auch nicht auf sich warten und wurde von Valo lässig an Mikro geknüpft. Die Stimmung in der Arena war insgesamt sehr gut und in der ersten Reihe wurde insbesondere zu "Wicked Game" und zu "Join me" ausgelassen gehüpft und gesungen. Nach circa 75 Minuten und nur einer Zugabe, bei der die Coverversion von Billy Idols "Rebel Yell" noch einmal für einen Höhepunkt des Abends sorgte, war leider viel zu früh Schluss mit dem HIMlischen Vergnügen. (Sandra Sommerhage (SH))

30.03.2000 Apolda, Brauerei
Welches Mädel möchte nicht das finnische Sexsymbol schlechthin mal auf der Bühne sehen? Selbst, wenn die Eltern meinen: "Der ist doch nur Haut und Knochen", so sind sie es doch am Ende, welche von neunzehn Uhr bis Mitternacht ihre Kinder in die Obhut von Tausender tobender Fans geben. So geshen in Apolda. Sollte dieses Konzert auch eines der kleineren sein, so sorgten doch alle im Umfeld für die passende Stimmung. Diese kochte schon geraume Zeit, da Reamonn während meiner Landung bereits ordentlich musizierten. Bestimmt ein Geheimtip, der nicht zu lange geheim bleiben wird. Als HIM nach ihrem Intro die Bühne betraten, begann ein heiteres "Wer singt hier eigendlich?" Raten. Dass ich die Texte nicht kann, war mir klar. Ungemein überrascht war ich von allen anderen Fans, die ohne Problme sämtliche Titel des neuen Album "Razorblade Romance" mitsangen. Damit war klar das man keinesfalls nur auf "Join me" wartete. Einlagen, wie auf Boxen springen und mit dem Popo wackeln, ließen die holde Junfernschaft alle keuschen Vorsätze vergessen. Klar waren auch alte Hasen des dunkeldüsteren Genres anwesend, welche (hab acht!) auch "Wicked Game" bis zum letzten Ton interpretierten. Da schließe ich mich nicht aus. Die mit 1600 zahlenden Gästen ausverkaufte Halle rockte und seufzte mit ihren Idolen so sehr, dass auch die draußen im Auto gebliebenen Eltern etwas davon hatten, sei es auch nur das Wissen, sich für die nachfolgenden Konzerte selbst auch eine Karte zu besorgen.... (Christian Olah (CO))

01.04.2000 Chemnitz, Eishalle
Von Dresden noch begeistert, trafen sich HIM und Fans in Chemnitz. Die Eissporthalle kannte ich noch vom letzten Jahr und zog mich war an. Erst mal sorgten Reamonn für brodeldes Eis. Der Frontmann suchte den Kontakt mit dem Publikum und erntete ein ziemlich gutes Feedback. Damit wurden die Erwartungen der Band voll erfüllt. Nach kurzer Umbauphase begannen die ersten Fans, dem Druck in der Menge mit Erschöpfung Tribut zu zollen und mussten sich von Ordnern rausziehen lassen. Mehr Platz war damit natürlich nicht geschaffen, drängten alle sofort nach, um von den ersten Klängen des Openers ja nichts zu verpassen. Als HIM dann die Bühne betrat, begann Ville seine Mitstreiter vorzustellen, die Instrument um Insrtument einstimmten, bis sich der erste Song herauskristalisierte. Neben Kuscheltieren flogen auch Liebsbeweise alles Art auf die Bühne. Denn spätestens seit Bravo weiß man, daß der Mädchentraum noch wahr werden kann, den Solo-Ville für sich zu erwärmen. Apropos erwärmen. Nach ein paar Songs sorgte HIM mit dem kurzen Statement, irgendwie krank zu sein, für ernüchternde Abkühlung und verließ die Bühne. Ups. "April-April!" gab er später- back on stage - zu verstehn und spielte fröhlich weiter. Ob Zigarette in der Nase oder Mikro halb verschluckt - Ville feierte mit den fünftausend Fans ausgelassen.
Nach dem Konzert entspannten Musiker und geladene Gäste zu Klängen von Moby bis Metallica. Ein paar Mädels fanden den Weg über ein Geländer zu einem offenen Fenster, wo der als fanscheu bekannte Ville dann auch Autogramme gab. Der Obersecurity sorgte dafür, dass es nicht ausuferte, wöfür ihn Ville auch knuddelte. Als ich die Halle verließ, konnte man schon wieder über das Eis in der Halle geschlittert werden. Diese Chance nutzte ich und ergründete noch ein bißchen das leiser werdende Fiepen in meinem Ohr... (Christian Olah (CO))

 

Aperitif in Underwear and Handcuffs

(ORKUS (Nr.10/Oktober-2000) 

On this tuesday evening in Berlin Ville Valo gets anything but a martini. Instead of this he's going to have an interview with Orkus. He orders his meal, grabs his mobile, runs onto the street and talks to us. But not only this I call engagement!
 

ORKUS: Before your meal let's look back on the last month with HIM. How were the last festivals for you?

Ville: Some festivals are still to come, but did you hear what happened at Highfield festival in Erfurt? It was incredible.
First there were some technical problems, and we started our set ten minutes earlier than planed - about half past nine. The humidity was very high and it seems like the atmosphere was loaded electrical and a storm was approaching. So we played three songs and suddenly it rained cats and dogs. That was the worst rain I've ever seen. There were lightnings and thunder. It was terrible. The water was ten centimetres high on stage. Everybody was completely wet, and the people started to throw mud on stage. Finally we had to break off the gig. The equipment on stage was ruined. The PA broke down. Nothing worked.
At the beginning we had a lot of fun and then we were very angry cuz we couldn't end the gig. Of course the audience was disappointed, too.

ORKUS: I can imagine. But you determind something what not many bands would do. You will repeat the gig.

Ville: Yes, it will take place in the "Messhalle" in Erfurt on September the 24th. Everybody who had a ticket for the Highfield festival will come in for free. We felt obliged to the people.

ORKUS: I've heard that you wanted to perform together with Sopor Aeternus.

Ville: Yes, we call him/her "it", cuz we don't know if he/she is a man or a woman. But of course it would be fantastic to perform with Sopor.

ORKUS: Unfortunately Sopor Aeternus doesn't perform live, but don't you think your "normal" fans woundn't get crazy if suddenly Anna-Varney would appear on stage?

Ville: Of course, but in spite of this it would be great and very extravagant.

ORKUS: Furthermore you managed some other festivals...

Ville: Many! Tomorrow we will start for a festival in Portugal again. After that we will start for the Lowland festival in Amsterdam...

ORKUS: What was the best experience for you during your concerts last summer?

Ville: At the M`era Luna festival I met Wayne Hussey from "The Mission" and we had party together. We let took some photos of us. Furthermore I said hello to Carl McCoy. The Sisters of Mercy were great, too.

ORKUS: Does Wayne Hussey know your music?

Ville: At least the guitar player from "The Mission" had bought our two records in the record shop. That's a little bit strange.

ORKUS:  Is there a musician who you want to meet?

Ville: Well, Sopor Aeternus. (laughing) But I am not fan enough that I would run after the guys from "The Mission" to meet them. It happened accidental. Apart from this, it's always nice to meet new people. It doesn't matter if they are famous or not.

ORKUS: I'm sorry, I'm impolite. I didn't ask you how you are at the moment.

Ville: Fine, thanx. We had holidays some weeks ago. We were two or three weeks at home. We went into studio where we recorded some demos for the new album. The whole record is as good as done.

ORKUS: How will the new songs sounds like? Will they sound more hard?

Ville: Yeah, probably they will be more hard than "Razorblade Romance", but also very melodical. They will not sound like the 70's, they will sound more like the 80's.However, the songs are quite very cool. It keeps us lively to try new things. It gets on our nerves to perform our old songs the whole time.

ORKUS: Surely, you were very bushed after your big tour in europe?

Ville: No, not really. But it's time to do new things. At the festivals we have already performed some new songs like "Salt In Our Wounds" or "Beautiful"...

ORKUS: You will stay a little bit in Berlin before going on?

Ville: Yeah, probably we will go to a concert from the "Foo Fighters".

ORKUS: Soon your next single "Gone With The Sin" will be released.

Ville: Yes, few days ago we finished the video somewhere near London. The single will be released in October.

ORKUS: "Gone With The Sin" is your favourite song from the album. Did you want to release the song as single? 
 Ville: Yes of course we wanted the track as single. It's quiet enough for the strict german radio.

ORKUS: That's true. I can imagine that the song will be played very often in the radio.

Ville: I have a very funny and interesting story for you: We were in Amsterdam where we met a video producer. There we went in a club. Inside the club there were a swimming pool. We went into the swimming pool with all our clothes, smoked cigarettes and drank Jack Daniel's. Next morning I woke up with handcuffs!
 

ORKUS: How happened this?

Ville: How happened this?

ORKUS: And you were well?

Ville: Of course! I only had too many drinks, went into my room and fell asleep. Who could suppose that they would break open my door!

ORKUS: Did you get into trouble?

Ville: No, not really. I only had to pay the damaged lock. We had to laugh about this story for long time. Before this happened I had ordered some warm sandwiches which were cold meanwhile. After they had removed the handcuffs, it seems that the guy from the hotel had nothing to do cuz he asked: "Sir, do you want me to warm up your sandwiches?" And I was laying on my bed only in underwear! As polite as possible I said: "Thanx, no. No circumstances please." and fell asleep again...

 

 

Aperitif in Unterhosen und Handschellen

 ORKUS (Nr.10/Oktober-2000)
 

An diesem Dienstagabend in Berlin gibt es für Ville Valo keinen Martini als Aperitif, sondern ein Interview mit Orkus. Er bestellt sich also sein Essen, schnappt sich dann das Mobiltelefon, läuft auf die Straße und unterhält sich mit uns. Doch nicht nur das nenne ich Engagement!
 

 

Orkus: Lass uns vor deinem Abendessen ein wenig auf die vergangenen Monate im Hause HIM zurückblicken. Wie war die Festival-Saison für euch bislang?

Ville: Ein paar Festivals haben wir ja noch vor uns, aber hast du gehört, was auf dem Highfield Festival in Erfurt passiert ist? Es war unglaublich.
Zunächst gab es einige technische Probleme, und wir begannen mit unserem Set bereits zehn Minuten früher als geplant - so gegen halb neun. Die Luftfeuchtigkeit war sehr hoch und es schien, als wäre die Atmosphäre elektrisch aufgeladen und ein Gewitter stünde bevor. Wir spielten also drei Songs, und plötzlich schüttete sich der Himmel über uns aus! Das war der schlimmste Regen, den ich je erlebt habe. Es blitze und donnerte fürchterlich. Das Wasser stand zehn Zentimeter hoch auf der Bühne. Alle waren komplett durchnässt, und die Leute begannen Schlamm auf die Bühne zu werfen. Schließlich mussten wir den Gig abbrechen. Das ganze Equipment auf der Bühne war hinüber. Die PA brach zusammen. Es ging einfach nichts mehr.
Wir hatten anfangs so viel Spaß gehabt und waren dann total wütend, dass wir nicht zu Ende spielen konnten. Das Publikum war natürlich auch enttäuscht.

ORKUS: Das kann ich mir gut vorstellen. Ihr habt euch jedoch entschlossen, etwas zu tun, was nicht viele Bands in dieser Situation machen würden. Ihr werdet einen Ersatzgig spielen.

Ville: Ja, der findet am 24.09. in der "Messehalle" in Erfurt statt. Es wird denjenigen, die ein Ticket für das Highfield Festival hatten, möglich sein, diesen Gig umsonst zu besuchen. Wir fühlten uns den Leuten gegenüber irgendwie dazu verpflichtet.

ORKUS: Ich habe gehört, ihr wärt dort gerne zusammen mit Sopor Aeternus aufgetreten.

Ville: Ja, wir nennen ihn/sie "es", weil wir nicht wissen, ob er/sie ein Mann oder eine Frau ist. Aber logisch, es wäre traumhaft, mal mit Sopor aufzutreten.

ORKUS: Leider tritt Sopor Aeternus ja nicht live auf, aber würden eure "normalen" Fans nicht total ausflippen, wenn plötzlich Anna-Varney auf der Bühne stehen würde?

Ville: Natürlich, aber es wäre dennoch wundervoll und sehr extravagant!

ORKUS: Ihr seid ja außerdem noch auf einigen anderen Festivals aufgetreten...

Ville: Tonnenweise! Schon morgen brechen wir zu einem weiteren Festival in Portugal auf, und danach geht es nach Amsterdam zum Lowlands Festival...

ORKUS: Was war für dich die schönste Erfahrung während eurer Konzerte im vergangenen Sommer?

Ville: Das Coolste, war, dass ich auf dem M'era Luna Festival Wayne Hussey von The Mission getroffen und ein bisschen mit ihm gefeiert habe. Wir haben uns zusammen photographieren lassen. Außerdem habe ich noch Carl McCoy hallo gesagt. Beide sind große Idole für mich. The Sisters Of Mercy waren auch toll.

ORKUS: Kennt Wayne Hussey eigentlich deine Musik?

Ville: Zumindest der Gitarrist von The Mission hat sich unsere beide Platten sogar im Laden gekauft. Das ist schon etwas seltsam.

ORKUS: Gibt es eigentlich einen Musiker, dem du besonders gerne einmal über den Weg laufen würdest?

Ville: Nun, Sopor Aeternus. (lacht) Aber ich bin nicht so fanmäßig drauf, dass ich den Leuten von The Mission hinterhergerannt wäre, um sie unbedingt zu treffen. Es passiere eher zufällig. Davon abgesehen, ist es immer schön, Leute kennen zu lernen, egal ob sie berühmt sind oder nicht.

ORKUS: Danach habe ich dich unhöflicherweise noch gar nicht gefragt, aber wie geht es dir eigentlich momentan so?

Ville: Ganz gut. Wir hatten vor kurzem erst zwei, drei Wochen Heimaturlaub. Wir gingen ins Studio und nahmen ein paar Demos für das neue Album auf. Die ganze Platte ist praktisch schon fertig geschrieben.

ORKUS: Wie werden die neuen Songs klingen? Härter?

Ville: Ja, wahrscheinlich wird es etwas härter werden, als "Razorblade Romance", aber zugleich auch sehr melodisch. Es wird nicht mehr so sehr an den Achtzigern orientiert sein, sondern eher am Siebziger Jahre-Stil. Die Songs klingen jedenfalls schon jetzt ziemlich cool. Neue Dinge versuchen zu können, hält uns lebendig. Es nervt schon ziemlich, die ganzen alten Stücke ständig rauf und runter spielen zu müssen.

ORKUS: Ihr wart sicherlich nach der umfassenden Europatour ziemlich ausgelaugt?

Ville: Ach nein, nicht wirklich. Aber es ist an der Zeit, etwas Neues zu machen. Auf den Festivals haben wir bereits einige neue Songs gespielt, zum Beispiel der Titel "Salt In Our Wounds" oder "Beautiful"...

ORKUS: Heute hängt ihr also ein bisschen in Berlin ab, bevor es wieder weitergeht?

Ville: Ja, nachher werden wir uns wahrscheinlich noch ein Konzert der Foo Fighters anschauen.

ORKUS: Demnächst wird auch eure nächste Single veröffentlicht - "Gone With The Sin".

Ville: Ja, kürzlich haben wir irgendwo in der Nähe von London auch das Video dazu fertig gestellt. Die Single kommt dann im Oktober raus.

ORKUS: "Gone With The Sin" ist dein persönlicher Lieblingssong des Albums. Habt ihr euch den Titel als Single-Auskopplung gewünscht?

Ville: Wir wollten den Track auf jeden Fall als Single! Er ist zugleich auch ruhig genug für das strenge deutsche Radio.

ORKUS: Das stimmt. Ich kann mir jetzt schon vorstellen, wie das Stück im Radio rauf und runter gespielt wird.

Ville: Ich hab' noch eine lustige Geschichte für dich, die dich bestimmt interessiert: Wir waren in Amsterdam und haben uns mit einem Video- Regisseur getroffen. Dort sind wir in einen Club gegangen, in dem es einen großen Swimmingpool gibt. In dem fanden wir uns dann in voller Montur wieder, haben Zigaretten geraucht und Jack Daniel's getrunken. Am nächsten Morgen bin ich dann in Handschellen aufgewacht!

ORKUS: Wie das?

Ville: Ich war so betrunken, dass die Leute angenommen hatten, ich wäre ein Tourist, der eine Überdosis Drogen genommen hätte. Sie haben also die Tür zu meinem Hotelzimmer aufgebrochen und mir Handschellen angelegt. Sogar die Erste Hilfe war da.

ORKUS: Und dir ging es gut?

Ville: Ja klar! Ich hatte offenbar nur ein paar Drinks zu viel bestellt, bin in mein Zimmer gegangen und eingeschlafen. Wer konnte schon annehmen, dass man meine Tür aufbrechen würde!

ORKUS: Hat dir das Ärger eingebracht?

Ville: Nein, nicht wirklich, ich musste nur für das aufgebrochene Türschloss bezahlen. Wir haben sehr lange ziemlich darüber lachen müssen. Irgendwie hatte ich wohl vorher auch noch einige warme Sandwiches bestellt, die natürlich inzwischen kalt geworden waren. Nachdem man sich also dazu durchgerungen hatte, mir die Handschellen abzunehmen, hatte der Typ vom Hotelpersonal nichts Besseres zu tun, als mich zu fragen: "Sir, soll ich Ihren Toast noch einmal aufwärmen?" Und das, während ich halbnackt in meinen Unterhosen da lag! So höflich wie ich nur konnte, erwiderte ich: "Nein danke. Keine Umstände bitte!" und schlief wieder ein...

 

 

Satans most beautiful son

(HAMMER Feb. 2000)

Their debut GREATEST LOVESONGS VOL. 666 not only tempted enthusiasts of gothic metal. With RAZORBLADE ROMANCE HIM now present another episode of the everlasting game 'love, death and devil'. A drama in which Ville Valo is the leading man.

Ville Hermanni Valo, born on November 22nd 1976, enters the lobby of the Ramada Presidential Hotel in Helsinki wearing a black winter coat, scarf and gloves and sits down on the sofa. "A Jack Daniels, please." The hair does not even touch the shoulders anymore, but his optics definitely differ from the other guests'. Outside not only rages the Finnish winter, but also the EU summit meeting. The city is full of important people and those who think they are. Accordingly the hall porter sceptically views the HIM front man - but he won't speak to Ville Valo. He won't even do it when 2 hours later Ville leaves the hotel with a filled glass from the hotel bar. The Finn's appearance is too self-confident as to get involved in a dialogue with him. Valo crosses the room as if he owned the feudal reception area. Who is this man that appeared from the North European nowhere in 1998 and satisfied our desire for a new star at rock heaven with an album called GREATEST LOVESONGS VOL. 666 ? The nice, ordinary boy from next door who was at just the right moment at the right place? Surely not. Valo is not one of the guys like Cobain or Vedder who were surprised by their overnight success. While they passively faced this whole fuss, just put up with it, Valo knows what he wants and how to achieve it. He sees a vision of his music, his band, his career.

He even risks being pushed into a homoerotic corner because of his androgynous charisma which he emphasises with make-up on photographs - not private. Since a long time now he's above such troublesome trivialities. At the latest when the HIM singer's job became vacant and Valo, kind of forced, changed places from bass to microphone (he had played the guitar and drums in several other projects before) he became aware of his inner - and outer - potential. From now on he was not only songwriter and musician, but also in the centre of attention. He didn't have to wait a long time for confirmation: shortly after the debut was released Finland made him the new sex idol, there was no lack of reverence by girls and the press had its legitimate successor of Jim Morrison.

GREATEST LOVESONGS VOL. 666 yet wasn't something new, let alone revolutionary. Seven own compositions, seven sort of melancholic-emotional gothic metal pieces plus 2 cover versions (WICKED GAME by Chris Isaak and DON'T FEAR THE REAPER by Blue Öyster Cult) - presumably this would not have been enough to be voted as Best Newcomer 1998 in several magazines. The secret is woman and man equally reacting on Ville Valo's aura.
In private he avoids bombastic, big words, but as a musician uses them to express his feelings. When the slender, 1.80 cm tall front man caresses the microphone with his variable timbre you seem to be present at an intimate meeting swaying between passion, devotion and loss. Even more - after all you're convinced that true feelings only exist in moments of biggest pain. Also with Ville Valo the thin line between self-confidence and arrogance is narrow. The eccentric dandy who he embodies on stage 'in the style of the decadence of Oscar Wilde' produces negative comments assuming him to be simply arrogant. Valo's counter-reaction to the massively shown appreciation by the press, music industry and fans is a mixture of sarcastic self-irony and sovereignty. "As well, I know where I come from", he says.

His childhood was everything else than exciting. Playing, school, a slowly growing interest in art - especially painting - and music which in the end totally cast its spell over him. He didn't get the talent with his family. His 16-year-old brother collects medals at thai-boxing-world championchips ("he is going to be my bodyguard"). His mother (partly Hungarian) and his father (who owns a sex shop) both have no musical talent. The contribution his parents rendered was rather to keep open all possibilities, let him have his way, when he early decided to become a musician. "They were only disappointed that I couldn't serve the army." The reason is unpleasant asthma attacks which he isn't spared from during the interview. When he then takes some of his inhalation spray, you're reminded that there's is an extremely sensitive person behind this charismatic front man who tries to conceal moments of insecurity with provocative relaxed appearance - mostly successful.

That's when the rest of the band comes up. Without any doubt you believe him calling bassist Migé Amour and guitarist Lily Lazer his "best friends". But more than creative fellows his collegues are an emotional support which Valo needs to be creative himself. So for a long time now he's only doing interviews together with Migé who - for understandable reasons - can't tell much about songwriting, but always stands in when the interview needs another direction or relaxation. With this backing Valo can relaxedly answer the questions. The far and away most delicate subject is his girlfriend who he lovingly calls "my muse". That's not understated. In contrast to the debut which was a loose joining of experienced and fictional love stories the new album RAZORBLADE ROMANCE is only about this one woman (and who wants to know how she looks like should listen to the wonderful ballad GONE WITH THE SIN or interpret Valo's description of his type of a woman: "The skinnier, the better. The bones should show through, with it elegantly dressed, ladylike.") The way Valo settles his passion, hopes and fears in the very balanced produced gothic rock ( by John Fryer - Depeche Mode, Nine Inch Nails) is like a mass with diabolical features. Although the 23-year-old does not believe in the personified Good and Bad, say: God and devil (as it was assumed because of the symbol of the number 666) his lyrics mirror the longings of many people. He gives temptation a touch of self-relinquishment bursting the moral borderline without being unaesthetic. The most gentle temptation since there is satan!

After the debut climbed up to the top of the charts in Finland and in Germany was placed on 56 RAZORBLADE ROMANCE is to be the next step on the ladder of success. And they'll take it by assault. The first single JOIN ME already scratched at the German top 20, in Finland they started expectedly in first place. Before producing there were some discrepancies which delayed the release for 6 months. After recording some songs with the regular producer Hiili in the beginning of 99, John Fryer was furtively chosen as producer, the existing recordings were turned down and the scene of events was shifted to the Welsh Rockfield studios. It needed some time to pull themselves together as a team especially as the new drummer Gas Lipstick and the new keyboarder Zoltan Pluto had to be integrated into the band. But the result confirms the made decisions and fascinates by a mixture of melody and straight rock missing toughness. With RAZORBLADE ROMANCE Ville Valo wants to catch all them who haven't been a victim of sin's charm up to now.

HA: The new songs are definitely more melodic and more Rock'n Roll than the ones on GREATEST LOVESONGS VOL. 666. Did metal never have a bigger influence on the band?
Ville: "RAZORBLADE ROMANCE mirrors our live qualities. The guitars on the debut had a very metallic sound, now they rather tend towards Stoner Rock. I'm tired of the metal scene anyway so I'd prefer HIM to be seen as a rock band in future."

HA: In the beginning of 1999 when your regular producer Hiili still sat behind the regulators the songs were much longer and had an experimental character. Now they're hardly longer than 4 minutes - a result of changing to John Fryer as producer?
Ville: "No that's more connected with Zoltan Pluto and Gas Lipstick, our new keyboarder and drummer, joining the band. Gas' predecessor only wanted to rehearse once or twice a month. So we had no chance to develop. Gas kicked us the ass - in fact in the right place. In certain respects our audience arranged the material. We tested every song live except for HEAVEN TONIGHT. That way we quickly realized when a song stopped touching the audience. Afterwards we tried to eliminate those 'dead spots'."

HA: So it wasn't about John Fryer?
Ville: "Our English record company had the idea of changing producers. In the beginning we had big problems with Fryer. It needed lots of talks until there was a personal basis. I was afraid of being filled in with samples by Fryer. But I think it was fun for him working with a rock band that actually does without the electronic things. Fryer created an amazingly pleasant atmosphere in the studio. It was equally relaxed and effective: 15 songs in 22 days and 10 songs finally on the album. Basically this album was created faster than the debut."

HA: Your sound recognizably progressed from being quite bizarre on GREATEST LOVESONGS VOL. 666 to being homogenous now.
Ville: "Hiili is a specialist of the guitar sound while Fryer prefers another importance. Every instrument is equally involved. Anyway we're really glad that we had the opportunity to rerecord the material."

HA: What did you learn from the debut?
Ville: "I wanted to do the new songs more simple. Some part of GREATEST LOVESONGS VOL. 666 is not very appropriate for concerts concerning particular arrangements. OUR DIABOLICAL RAPTURE never worked that good."

HA: Again you yourself wrote all the songs. Do the others have no ideas or do they rely on you?
Migé: "I think Ville is a very good songwriter. He formed our concept and our music over a very long time so I don' t have to take on him. Up to now I didn't write a song that would match his songs."
Ville: "In a certain way the others take part in writing the songs. I know Migé and our guitarist Lily Lazer for more than 10 years. So I write the songs having their skills in my mind and try to coordinate the arrangements the way they appeal to them."

HA: Your voice is more obvious than before - did that happen on purpose?
Ville: "Migé told me he finds it hard to notice my vocals on the debut. So it was a band decision to make my voice more audible. Actually I'm always frightened when it comes to recording, but Fryer made me be relaxed."

HA: How come someone being more nervous in the studio where there's a quite intimate atmosphere than on a stage in front of umpteen thousand people?
Ville: "A cd is something that you can't take back. When Frank Sinatra recorded a song it had to be perfect when he tried it first - otherwise he cancelled it. I feel much more comfortable on the stage so I had to try to put myself into this live atmosphere. And it was quite easy: we had a party, some of the guys danced naked through the studio and we got horribly drunk. I sang the lyrics of each song 3 times; that's 45 takes in one night. In contrast to the debut we took big blocks of that session and put them together instead of doing a vocal puzzle. That rounds up the whole thing much more."

HA: Where's the difference in RAZORBLADE ROMANCE with regard to the subject?
Ville: "It's more of a concept album. While the debut was only about love in general RAZORBLADE ROMANCE is about only one special person, my inspiration, my muse."

HA: Your muse? You mean your girlfriend. Is it easy for you to open such intimate experience to the public?
Ville: "Actually yes. It is easier to put yourself in the right mood while singing than having something fictional as basis."

HA: Do the lyrics just come to your mind or do you have to be in a certain emotional mood to write them?
Ville: "Melody and lyrics are inspired by the muse. Sometimes I'm also able to write down the experience immediately. But I never know when it happens - that's magic..."

HA: Does your kind of love hold a diabolical element?
Ville: "I neither believe in God nor in devil so I'd say it's a destructive element - which can be constructive in a way. Sometimes you have to destroy something to create something new. It's like good food: when you're having dinner in a noble restaurant every night it'll be boring after a while. You deaden when you get an overdose of something. It's the same with positive experience and emotions."

HA: Do you this time do without the 666 symbol on purpose?
Ville: "Yes except for one line in RAZORBLADE KISS. It was so tiring when everyone asked about it. Maybe we come back to it. But too often it was just misunderstood, became a burden."

HA: Do you see yourself as a romantic person?
Ville: "No. My lyrics don't make love more romantic, but they are about ordinary stories which can happen always and erverywhere. I don't want to make it too secretly. To me the word 'romance' has this really 'sticky' meaning. Love, or as I prefer , affection mirrors best in the little things. What do you think, Migé?"
Migé: "When you're writing those things you have to be romantic, don't you? On the other hand we're sharing hotel rooms on tour - so I don't know whether I like him being a romantic person." (laughs)

HA: After the debut Ville was compared with Jim Morrison, David Bowie and Marc Bolan. Are you afraid people might forget that Ville Valo is an individual person?
Migé: "Of course the press and fans need a fixed point. When Morrison appeared for the first time he definitely had to stand up to comparisons, too. That's normal."
Ville: "I'm thinking about it. I never understood that. Someone compares me with Jim Morrison just because I have curls and a similar hair colour; that's simply stupid. In recent photo sessions I tried some things out: we wanted to play with our looks, appearance and our music. Short hair, make-up - I am curious to know about the future comparisons."

HA: Placebo maybe?
Ville: "For heaven's sake! I hate Brian Molko, he's one of the worst singers of all times. From Jim Morrison to Placebo - what a decline! What's next? Scooter?" (laughs)

HA: You often write about death. Does that subject appeal to you?
Ville: "It's not about dying, but about the end of a relationship, an emotion, a talk. Death is just a metaphor - in JOIN ME IN DEATH I don't tell anyone to commit suicide for love."

HA: Do you feel responsible when your lyrics are misinterpreted?
Ville: "I don't have any influence on other people's thoughts. When a person commits suicide and this is led back to my lyrics - as it happened - then this is thought really short-sighted. Nobody commits suicide because of a song. Maybe it's the drop that makes the barrel overflow, but never the actual reason."

HA: You're an idol to a lot of people. Have there been situations when you lost the respect for a fan?
Ville: "No, but I try to avoid those people. I hate bootlickers. I like intelligent talks, but none which are based on me being the singer of a band. Since this is our job, our life, we try to avoid the subject of music in our free time."

HA: A charismatic front man is definitely an advantage. On the other hand this band is fixed on its singer.
Ville: "The record company is to be blamed. I already wanted to do the last promotion tour together with Migé, but the label didn't want to pay for the trip and the overnight stays. We're not a democratic band in the actual sense, but everyone has his job. I'm the asshole, Lily Lazer the drunk bastard and Migé the comedian. At the moment we're formed by a strong feeling of belonging together although it's still hard for Gas and Zoltan because they just joined in."
Migé: "It's normal that people are most interested in the singer - and in this case the songwriter, too. If I were unhappy about that I'd have to quit. Nevertheless it's sensible to make the rest of the band more visible to the outside."

HA: On the stage you intensely devote yourself to your vocals, but somehow there's a certain distance between you and the audience. Does that happen on purpose?
Ville: "I played a lot of instruments, but started singing quite late. I'm still learning. I'd never say there's a routine. Perhaps that's why I'm so much concentrating on me and my singing. Certainly I don't think a character like Steven Tyler would be good for our music - it's rather introverted."

HA: A bottle of red wine and cigarettes seem to have become your trademark on stage.
Ville: "When I was a bassist and a guitarist I used to have something in my hands. Then when I had my first gig as a singer I didn't know what to do with my arms."

HA: Do these utensils help you in nervous moments?
Ville: "That's exactly the reason. But I like this James Dean cigarette-butt image anyway. At the moment I'm working on not holding on to the bottle the whole gig, but to be more relaxed and self-assured up there."

HA: You once said that you're not a musician or an artist, but an entertainer. In what way?
Ville: In Finland 'art' means that you're not intelligent enough to understand the product. So pop and rock never can be linked with art. We don't belong to advanced civilization, we're entertainers who produce something that people shortly consume and then trash. Art has this upper class vibe. I don't like words that conceited."

HA: So you must be really irritated by being labelled as the "sex god from Finland".
Ville: "I was called the'sex god from Sweden' in a BRAVO article. Anyway: all members of the band are ironic persons so we don't take those things too serious. I write music for nostalgic reasons, not for the image. People should gain emotions with it like remembering songs from school discos or like every couple knowing which song was played when they first met. In a certain way it's a time machine in which I put the fans and myself back: a kind of gothic StarTrek!"

HA: What's more erotic: to desire a woman from far away or to sleep with her for the first time?
Migé: "I think it's more erotic not to know what to expect. It's disappointing to have sex every time. (laughs) It's never going to be as good as you imagine."
Ville: "To me love and erotic match most of the time. Really trivial things can be erotic. Sitting in front of the TV with the right person can be more erotic than having sex with the wrong one. But I could also imagine a relationship without sex."

HA: When you started your career you hoped your private life would not be affected. You even discreeted your girlfriend to - literal - "not disappoint your fans". Why did your opinion change?
Migé: "When you pretend not to have a girlfriend then you don't need to talk about her."
Ville: "I'm still trying not talk about it too much. But it's wearying after a while. My girlfriend sometime didn't want to be disowned anymore. So what? I'm not married anyway. You never know what will be. When I say those songs are about that one person it doesn't mean I'll spend the rest of my life with her - although it would be desirable at the moment."

HA: Are you a vain person?
Ville: "I think up to a certain degree everybody is vain. You just shouldn't exaggerate. We can't help our looks - so why being proud of it? Optics is rated too high - our shorter hair has nothing to do with fashion trends, but were a kind of ritual when the new album was finished."
Migé: I"I think Ville enjoys the things he's doing, also experimenting with make-up. Being a front man maybe means being vain."

HA: Is work easier when you have - as people say - an attractive front man?
Migé: "Definitely. But I'd prefer the word 'charismatic'. In case there are fans who are only interested in the band because of our singer's look - okay."
Ville: "Looking at today's models and fashion then it's another time than in the 70s or 80s. I didn't start making music just because I found my mirror image attractive. I don't find myself attractive."

HA: Liar!
Ville: "Okay, when I didn't get too drunk the evening before and had a shower, then let's say I'm nearly handsome. I definitely don't have complexes - without making myself the new sex idol."

HA: What do you think about people accusing you of having an arrogant charisma?
Ville: "It hurts, but I don't try to change their opinion. Of course there are situations when I don't want to talk to people I don't know. But I'm never impolite. I myself hate all those rock stars who think they are better than others. But it's impudent when people judge about me after reading an article or being at a concert. Usually that's nothing else than envy of our success." 





Satans schönster Sohn

(HAMMER Feb. 2000)

Ihr Debüt THE GREATEST LOVESONGS VOL. 666 führte nicht nur Liebhaber des Gothic Metal in Versuchung. Mit RAZORBLADE ROMANCE präsentieren uns HIM nun eine weitere Episode aus dem immerwährenden Spiel 'Liebe, Tod und Teufel'. Ein Drama, in dem Sänger VILLE VALO die Hauptrolle spielt.

Ville Hermanni Valo, geboren am 22. November 1976, betritt in schwarzem Wintermantel, gleichfarbigem Schal und Handschuhen die Lobby des Ramada Präsidenten-Hotels in Helsinki und lässt sich auf einem Sofa nieder. "Einen Jack Daniels, bitte! " Die Haare erreichen zwar nicht mal mehr Schulterlänge, dennoch unterscheidet sich die Optik von den sonst anwesenden Gästen auffällig. Draussen tobt neben dem finnischen Winter der EU-Gipfel. Die Stadt ist voll wichtiger Leute und solche, die sich dafür halten. Dementsprechend skeptisch betrachtet der Portier den Him-Frontmann - ansprechen wird er Ville Valo jedoch nicht. Er wird es auch nicht tun, als Valo zwei Stunden später mit einem gefüllten Glas der Hotelbar in die Nacht entschwindet. Zu selbstbewusst wirkt das Auftreten des Finnen, als dass man sich hier auf ein Zwiegespräch einlassen wollte. Valo durchschreitet den Raum, als ob die feudale Empfangshalle ihm gehöre. Wer ist dieser Mann, der 1998 aus dem nordeuropäischen Nichts auftauchte und mit einem Album namens THE GREATEST LOVESONGS VOL. 666 unser Verlangen nach einem neuen Star am Rockhimmel stillte? Der nette, gewöhnliche Junge von nebenan, der rein zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort war? Sicher nicht. Valo gehört nicht zu Typen wie Cobain oder Vedder, die über Nacht vom Erfolg überrascht wurden. Während diese dem ganzen Rummel passiv gegenüberstanden, es einfach über sich ergehen ließen, ist Valo klar, was er wie erreichen will. Er hat eine Vision seiner Musik, seiner Band, seines Werdegangs.

Da riskiert er es auch wegen seiner andrgoynen Ausstrahlung, die er auf Fotos - nicht privat - noch mit Make-Up unterstreicht, in eine homoerotische Ecke gedrängt zu werden. Uber solche lästigen Kleinigkeiten ist er längst erhaben. Spätestens als der Sängerposten bei HIM vakant war und Valo gezwungenermaßen vom Bass zum Mikro wechselte (zuvor hatte er in verschiedenen Projekten auch schon Gitarre und Schlagzeug gespielt), wurde ihm bewusst, welches Potential in seinem Inneren - und Äußeren - schlummerte. Ab sofort war er nicht nur mehr Songwriter und Musiker, sondern im Zentrum der Öffentlichkeit. Auf Bestatigung musste er nicht lange warten: Kurz nach Veröffentlichung des Debüts erkor ihn Finnland zum neuen Sexidol, Mädchen ließen es an Ehrerbietung nicht fehlen, und die Presse sah den legitimen Nachfolger von Jim Morrison gekommen.

Dabei enthielt THE GREATEST LOVESONGS VOL. 666 nichts Neues, geschweige denn Revolutionäres. Sieben Eigenkompositionen aus Valos Feder, sieben Gothic Metal Stücke der melancholisch-emotionalen Sorte plus zweier Cover-Versionen ('Wicked Game' von Chris Isaak sowie (Don't Fear) The Reaper' des Blue Öyster Cult) - das allein hätte wohl nicht gereicht, um in verschiedenen Magazinen zum 'Besten Newcomer 1998' zu avancieren. Das Geheimnis liegt darin, dass sowohl Frauen als auch Männer auf die Aura des Ville Valo reagieren.
Privat meidet er die schwülstig-großen Worte, künstlerisch nutzt er sie jedoch, um seinen Gefühlen Ausruck zu verleihen. Wenn der schmächtige, 1.80m große Frontmann das Mikro mit seinem variablen Timbre liebkost, glaubt man einer intimen Begegnung beizuwohnen, die zwischen Leidenschaft, Hingabe und Verlust schwankt. Mehr noch - ist letztlich überzeugt, dass ehrliche Gefuhle nur in dem Moment des größten Schmerzes existieren. Der Grat zwischen Selbstvertrauen und Überheblichkeit jedoch auch bei Ville Valo schmal. Der exzentrische Dandy, den auf Buhne "in Anlehnung an Dekadenz eines Oscar Wilde" verkörpert, erzeugt negative Kommentare, die ihm schlichte Arroganz unterstellen. Als Gegenreaktion begegnet Valo der massiv entgegengebrachten Anerkennung seitens Presse, Musikindustrie und Fans mit einer Mischung aus sarkastischer Seibstironie und Souveränität. "Außerdem weiß ich, woher ich komme", betont er.

Die Kindheit verlief nach Worten alles andere als aufregend. Spielen, Schule, langsam aufkeimendes Interesse an der Kunst - vor allem das Malen - und Musik, die ihn letztlich völlig in ihren Bann zog. Die Begabung hierfür liegt nicht in der Familie. Sein 16-jähriger Bruder sammelt Medaillen bei Thai-Box-Weltmeisterschaften (" wird mal mein Bodyguard"). die Mutter (teils ungarischer Abstammung) besitzt genauso wenig Musikalität wie sein Vater, der einen Sex-Shop betreibt. Der Beitrag der Eltern sei vielmehr gewesen, alle Möglichkeiten offen zu halten, gewähren lassen, als er sich frühzeitig entschloss, Musiker zu werden. "Sie waren nur enttäuscht, dass ich nicht zur Armee gehen konnte." Der Grund sind unangenehme Asthma-Anfälle, von denen im Valo im Verlauf des Interviews nicht verschont bleibt. Wenn er dann einen Schub aus einem Inhalationsspray zu sich nimmt, wird man daran erinnert, dass hinter diesem charismatischen Frontmann ein äuBerst sensibler Mensch steckt, der Momente der Unsicherheit - meist erfolgreich - in aufreizend legerem Auftreten zu kaschieren sucht.

Hier kommt die restliche Band ins Spiel. Man kann ihm ohne weiteres glauben, wenn er Bassist Migé Amour und Gitarrist Lily Lazer als seine "besten Freunde" bezeichnet. Doch die Kollegen stellen weniger kreative Mitstreiter als vielmehr seelische Stützen dar, die Valo braucht, um selber kreativ zu sein. So bestreitet er die Interviews seit längerem nur im Beisein von Migé, der zwar - aus verständlichen Gründen - nicht viel zum Thema Songwriting beizutragen hat, aber immer dann einspringt, wenn das Gespräch nach einer kleinen Kurskorrektur oder Auflockerung verlangt. Mit dieser Rückendeckung kann sich Valo entspannt den Fragen widmen. Das mit Abstand empfindlichste Thema ist die Beziehung zu seiner Freundin, die er liebevoll "meine Muse" nennt. Das ist nicht untertrieben. Im Gegensatz zu dem Debüt, das eine lose Aneinanderreihung erlebter oder fiktiver Liebesgeschichten darstellte, bezieht sich das neue Album RAZORBLADE ROMANCE nur auf diese eine Frau (und wer wissen will, wie die Dame aussieht, sollte der wundervollen Ballade 'Gone With The Sin' lauschen oder Valos Beschreibung seines Frauentyps deuten: "Desto magerer, desto besser. Die Knochen müssen durchscheinen, dazu elegant gekleidet, ladylike."). Die Art und Weise, wie Valo seine Leidenschaft, Hoffnungen und Ängste in den von John Fryer (u.a. Depeche Mode, Nine Inch Nails) sehr ausgewogen produzierten Gothic Rock bettet, gleicht einer Messe, die diabolische Züge besitzt. Wenngleich der 23-jahrige nicht an das personifizierte Gute und Böse, sprich: Gott und Teufel, glaubt (wie man ihm dies aufgrund der Symbolik der Zahl '666' unterstellte), so spiegeln seine Texte die Sehnsüchte vieler Menschen wider. Er verleiht der Verführung einen Hauch von Selbstaufgabe, die die Grenze der Moral sprengt, ohne dabei unästhetisch zu wirken. Die zarteste Versuchung, seit es Satan gibt!

Nachdem das Debüt in der finnischen Heimat die Top-Position der Charts erklomm und hierzulande Platz 56 notiert wurde, soll mit RAZORBLADE ROMANCE die nächste Stufe der Erfolgsleiter gemeistert werden. Die Zeichen stehen auf Sturm: Schon die erste Single "Join me" (gleichzeitig Titeltrack des Science-Fiction-Streifens 'The 13th Floor') kratzte bei uns an den Top 20, in Finnland startete man erwartungsgemäß von Null auf Eins. Dabei gab es im Vorfeld der Produktion einige Unstimmigkeiten, die den geplanten Release über sechs Monate zurückwarf. Nachdem man Anfang 1999 mit Stammproduzent Hiili in Helsinki schon einige Songs eingespielt hatte, entschied man sich in einer 'Nacht- und Nebelaktion' für John Fryer als Produzenten, verwarf die bisherigen Aufnahmen und verlagerte den Ort des Geschehens in die walisischen Rockfield-Studios. Es bedurfte einiger Zeit, bis man sich als Team zusammenraufte, zumal mit Drummer Gas Lipstick (Ex-Kyyria) und Keyboarder Zoltan Pluto zwei neue Bandmitglieder integriert werden mussten. Das Resultat bestätigt jedoch die getroffenen Entscheidungen und besticht durch eine Mischung an Melodie und straightem Rock, die Härte nocht vermissen lässt. Ville Valo will mit RAZORBLADE ROMANCE nun all diejenigen über die Klinge springen lassen, die dem Charme der Sünde bislang noch nicht erlegen sind.

HA: Die neuen Songs sind entschieden melodischer und rockiger, als dies auf THE GREATEST LOVESONGS VOL. 666 der Fall war. Hatte Metal eigentlich nie allzu großen Einfluss auf diese Band?
Ville: RAZORBLADE ROMANCE spiegelt unsere Live-Qualitäten wider. Auf dem Debüt hatten die Gitarren einen sehr metallischen Klang, während sie jetzt eher Richtung Stoner Rock tendieren. Da mich die Metal-Szene ohnehin ermüdet, fände ich es nicht schlecht, wenn wir künftig als Rock-Band gelten würden.

HA: Anfang 1999, als noch euer Stammproduzent Hiili hinter den Reglern saß, fielen die Songs sehr viel länger aus und besaßen einen experimentelleren Charakter. Nun überschreiten sie kaum die vier Minuten-Grenze - ein Ergebnis des Wechsels zu Produzent John Fryer?
Ville: Nein, das hat eher mit dem Einstieg von unserem neuen Keyboarder Zoltan Pluto und Gas Lipstick, unserem Drummer, zu tun. Gas' Vorgänger wollte nur ein- bis zweimal im Monat proben. So hatten wir keine Möglichkeit, uns weiterzuentwickeln. Gas hat uns in den Hintern getreten - und zwar an der richtigen Stelle. In gewisser Hinsicht arrangierte unser Publikum das Material. Wir testeten jeden Song, mit Ausnahme von 'Heaven Tonight', in der Live-Situation. Da merkte man sehr schnell, wo der Song aufgehört hat, die Leute zu berühren. Danach versuchten wir, diese 'toten Stellen' auszumerzen.

HA: John Fryer hatte damit nichts zu tun?
Ville: Die Idee des Produzentenwechsels stammt ursprünglich von unserer englischen Plattenfirma. Anfangs hatten wir große Probleme mit Fryer. Es bedurfte einiger Gespräche, bis eine persönliche Basis geschaffen war. Ich hatte Bedenken, dass Fryer uns mit Samples zuschütten würde. Aber ich denke, dass es ihm Spaß gemacht hat, mal mit einer Rock-Band zu arbeiten, die auf diese elektronischen Dinge verzichtet. Fryer sorgte für eine unglaublich angenehme Studioatmosphäre. Es war ebenso locker wie effektiv: 15 Songs in 22 Tagen, von denen zehn auf CD gelangt sind. Im Grunde ist dieses Album schneller entstanden als das Debüt.

HA: Einen erkennbaren Fortschritt stellt euer Sound dar, der auf THE GREATEST LOVESONGS VOL. 666 noch recht skurril wirkte und nun einen sehr homogenen Eindruck macht.
Ville: Hiili ist ein Spezialist des Gitarrensounds, während Fryer eine andere Gewichtung bevorzugt. Jedes Instrument kommt zu seinem Recht. Wir sind jedenfalls alle sehr froh, dass wir die Möglichkeit hatten, das Material nochmal neu einzuspielen.

HA: Was für Lehren hast du aus dem Debüt gezogen?
Ville: Ich wollte die neuen Songs etwas simpler halten. Ein Teil von THE GREATEST LOVESONGS VOL. 666 ist nicht gerade konzertfreundlich, vor allem bezüglich bestimmter Arrangements. 'Our Diabolikal Rapture' hat zum Beispiel nie sonderlich funktioniert.

HA: Das gesamte Songwriting stammt wieder mal von dir allein. Ist es so, dass die anderen keine Ideen haben, oder verlassen sie sich auf dich?
Migé: lch halte Ville für einen sehr guten Songwriter. Er hat über so einen langen Zeitraum unser Konzept und unsere Musik geprägt, dass ich mich nicht mit ihm messen muss. Bislang habe ich jedenfalls noch keinen Song geschrieben, der seinen gleichkommen würde.
Ville: Auf gewisse Art und Weise sind die anderen am Songwriting beteiligt. Ich kenne Migé und unseren Gitarristen Lily Lazer seit über zehn Jahren. Ich weiss genau, wie sie ihre Instrumente bedienen, schreibe das Material mit ihren Fähigkeiten im Hinterkopf und versuche, die Arrangements darauf abzustimmen, was ihnen liegt.

HA: Deine Stimme ist viel stärker im Vordergrund als zuvor - ein bewusst gewähltes Ziel?
Ville: Migé sagte mir, dass er Schwierigkeiten habe, auf dem Debüt meine Vocals wahrzunehmen. Es war also eine Entscheidung der Band, diese hörbarer zu machen. Eigentlich habe ich vor dem Moment der Aufnahme immer Angst, aber Fryer schaffte es, mich zu lockern.

HA: Wie kann es sein, dass jemand in der relativ intimen Studioatmosphäre mehr Nerven zeigt als auf einer Bühne vor zigtausend Leuten?
Ville: Eine CD ist etwas, das du nicht mehr zurücknehmen kannst. Ich halte es da mit Frank Sinatra. Wenn er einenTrack einsang, musste er beim ersten Versuch im Kasten sein - sonst hat er ihn fallen lassen. Ich fühle mich auf der Bühne erheblich wohler, also mußte ich versuchen, mich in diese Live-Atmosphäre zu 'beamen'. Das Mittel war einfach: Wir feierten eine Party, ein Teil der Jungs tanzte nackt durchs Studio und wir betranken uns fürchterlich. Ich sang die Texte eines jeden Songs dreimal hintereinander, das macht 45 Takes in einer Nacht. Im Gegensatz zum Debüt nahmen wir große Blöcke dieser Session und reihten sie aneinander, anstatt ein 'Vocalpuzzle'zu veranstalten. Das macht die Sache sehr viel runder.

HA: Worin unterscheidet sich RAZORBLADE ROMANCE thematisch vom Debüt?
Ville: Es ist ein Konzeptalbum. Während sein Vorgänger von der Liebe im allgemeinen handelte, bezieht sich RAZORBLADE ROMANCE nur auf eine bestimmte Person, meine Inspiration, meine Muse.

HA: Deine Muse? Du sprichst von deiner Freundin. Ist es für dich leicht, so intime Erlebnisse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen?
Ville: Eigentlich schon. Es ist einfacher, beim Singen in die richtige Stimmung zu kommen, als wenn du etwas Fiktives zur Vorlage hast.

HA: Schießen dir die Texte einfach in den Kopf oder musst du in einer bestimmten Gefühlslage sein, um sie verfassen zu können?
Ville: Melodie und Texte werden durch die Muse inspiriert. Manchmal kann ich ein Erlebnis auch direkt niederschreiben. Ich weiss aber nie, wann es passiert - das ist Magie...

HA: Wohnt deiner Art der Liebe ein diabolisches Element inne?
Ville: Da ich weder an Gott noch Teufel glaube, würde ich es eher als destruktives Element bezeichnen - was aber konstruktiv wirken kann. Manchmal musst du etwas zerstören, um Neues zu errichten. Das ist wie mit gutem Essen: Wenn man jeden Tag in einem Nobelrestaurant diniert, wird es irgendwann langweilig. Man stumpft ab, falls man etwas in der Überdosis verabreicht bekommt. So ist es auch mit positiven Erlebnissen und Gefühlen.

HA: Verzichtet ihr diesmal bewusst auf die 666-Symbolik?
Ville: Mit Ausnahme einer Liedzeile im Song 'Razorblade Kiss' schon. Es hat total gelangweilt, als uns jeder darauf angesprochen hat. Vielleicht kommen wir mal wieder darauf zurück. Aber es wurde zu häufig missverstanden, wurde zur Last.

HA: Siehst du dich als romantische Person?
Ville: Ich denke nicht. Meine Texte romantisieren die Liebe nicht, sondern handeln von alltäglichen Geschichten, die immer und überall passieren können. Ich will da nicht zuviel reingeheimnissen. Das Wort 'Romantik' hat für mich eine sehr 'klebrige' Bedeutung. Liebe, oder wie ich es lieber nenne: Zuneigung, spiegelt sich am besten in den kleinen Dingen wider. Was meinst du, Migé?
Migé: Wenn man solches Zeug schreibt, muss man wohl romantisch sein, oder? Auf der anderen Seite teilen wir uns auf Tour die Hotelzimmer - ich weiss also nicht, ob ich mich damit anfreunden kann, ihn als Romantiker zu sehen.(lacht)

HA: Nach dem Debüt wurde Ville mit Jim Morrisor, David Bowie und Marc Bolan verglichen. Fürchtet ihr, die Leute könnten vergessen, dass Ville Valo eine eigenständige Persönlichkeit ist?
Migé: Natürlich brauchen Presse und Fans einen Fixpinkt. Als Morrison das erste Mal in Erscheinung trat, musste er bestimmt auch Vergleichen standhalten. Das ist normal.
Ville: Ich mache mir schon Gedanken darüber. Ich habe das nie verstanden. Wenn mich jemand mit Jim Morrison gleichsetzt, nur weil ich Locken und eine ähnliche Haarfarbe habe, ist das schlicht dumm. In neueren Fotosessions habe ich auch mal was ausprobiert: Wir wollen mit unserem Aussehen, Auftreten und mit der Musik ein wenig spielen. Kurze Haare, Make Up - bin mal gespannt, was künftig für Vergleiche kommen.

HA: Placebo vielleicht?
Ville: Um Gottes Willen! Ich hasse Brian Molko, das ist der schlechteste Sänger aller Zeiten. Von Jim Morrison zu Placebo - was für ein Abstieg! Was kommt als nächstes? Scooter? (lacht)

HA: In deinen Texten ist häufig von dem Tod die Rede. Reizt dich das Thema?
Ville: Es geht nicht um das Sterben, sondern um das Ende einer Beziehung, eines Gefühls, eines Gesprächs. Der Tod dient lediglich als Metapher - so fordere ich in 'Join Me In Death' ja auch niemanden auf, sich aus Liebe umzubringen.

HA: Fühlst du Verantwortung, wenn man deine Texte missinterpretiert?
Ville: Ich habe keinerlei Einfluss auf die Gedanken fremder Menschen. Wenn eine Person Selbstmord begeht und dies dann - wie bereits geschehen - auf meine Texte zurückgeführt wird, ist das sehr kurzsichtig gedacht. Niemand bringt sich wegen eines Songs um! Es ist vielleicht der Tropfen, der das Fass zum Uberlaufen bringt, doch nie der wahre Grund.

HA: Für einige Menschen bist du heute schon ein Idol. Hat es Situationen gegeben, in denen du den Respekt vor einem Fan verloren hast?
Ville: Nein, aber ich versuche, diese Personen zu meiden. Ich hasse Arschkriecher wie die Pest! Ich mag intelligente Gespräche, aber keine, die darauf beruhen, dass ich Sänger einer Band bin. Da dies unser Job, unser Leben ist, versuchen wir das Thema Musik in unserer Freizeit möglichst zu umgehen.

HA: Ein charismatischer Frontmann ist sicher vorteilhaft. Auf der anderen Seite ist diese Band sehr auf den Sänger fixiert.
Ville: Das ist die Schuld unserer Plattenfirma. Ich wollte schon die letzte Promotion-Tour mit Migé absolvieren, doch das Label wollte die Fahrt- und Übernachtungskosten nicht übernehmen. Wir sind zwar keine demokratische Band im eigentlichen Sinne, aber jeder hat eine Aufgabe zu erfüllen. Ich bin das Arschloch, Lily Lazer der besoffene Bastard und Migé der Komiker. Derzeit prägt uns ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl, auch wenn Zoltan und Gas es noch ein bisschen schwer haben, weil sie neu dazugestoßen sind.
Migé: Es ist logisch, dass man sich für den Sänger - in diesem Falle auch noch Songwriter - am meisten interessiert. Wenn ich darüber unglücklich wäre, müsste ich aufhören. Trotzdem ist es sinnvoll, den Rest der Band nach außen sichtbarer zu machen.

HA: Auf der Bühne widmest du dich deinen Vocals intensiv, doch irgendwie existiert eine gewisse Distanz zwischen dir und dem Publikum. Ist das beabsichtigt?
Ville: Ich habe zwar schon viele Instrumente gespielt, doch das Singen kam relativ spät. Ich bin immer noch in einer Lernphase. Man kann wirklich nicht behaupten, dass ich sowas wie Routine besitze. Vielleicht bin ich deshalb sehr konzentriert auf mich und meinen Gesang. Allerdings denke ich nicht,dass ein Charakter wie Steven Tyler unserer Musik gut täte - sie ist eher introvertiert.

HA: Rotweinflasche und Zigarette scheinen ein echtes Markenzeichen von dir auf der Bühne geworden zu sein.
Ville: Als Gitarrist und Bassist hatte ich immer etwas in meiner Hand. Als ich dann den ersten Gig als Sänger absolvierte, wusste ich nicht, wohin mit den Armen.

HA: Helfen dir diese Utensilien in Momenten der Unsicherheit?
Ville: Genau das ist der Grund. Ich steh' aber auch auf dieses James Dean Kippen- lmage. Zur Zeit arbeite ich daran, mich nicht während des gesamten Sets an die Flasche zu klammern, sondern ein wenig entspannter, mit mehr Selbstvertrauen da oben zu stehen.

HA: Du hast mal gesagt, dass du kein Musiker oder Künstler bist, sondern Entertainer. In welcher Hinsicht?
Ville: In Finnland bedeutet der Begriff Kunst, dass du nicht intelligent genug bist, das Produkt zu verstehen. Also kann Pop oder Rock nie zur Kunst gerechnet werden. Wir gehören nicht zur Hochkultur, wir sind Entertainer, die etwas produzieren, das die Leute kurz konsumieren und dann in die Tonne hauen. Das Wort 'Kunst' hat so einen Oberklassen-Vibe. Ich mag derart großkotzige Begriffe nicht.

HA: Dann muss dich das Etikett 'Sexgott aus Finnland' ja tierisch nerven.
Ville: ln einem Bravo-Artikel wurde ich auch schon der 'Sexgott aus Schweden' genannt. Wie auch immer: Alle Bandmitglieder sind ironische Menschen, daher laufen wir nicht Gefahr, so etwas ernst zu nehmen. Ich schreibe Musik aus nostalgischen Gründen, nicht wegen des Images. Die Leute sollen Emotionen aus ihr gewinnen, so wie man sich an die Schunkelsongs in der Schuldisco erinnert oder jedes Pärchen weiss, welcher Song lief, als es sich das erste Mal begegnete. In einer gewissen Art ist das eine Zeitmaschine, in der ich mich und die Fans in die Vergangenheit zurückversetze: Eine Art 'Gothic-StarTrek'! (lacht)

HA: Was ist erotischer: Eine Frau von der Ferne zu begehren, oder das erste Mal mit ihr zu schlafen?
Migé: Ich denke, dass die Phase erotischer ist, in der du nicht weißt, was auf dich zukommt. Es ist doch jedesmal enttäuschend, Sex zu haben (lacht). So gut, wie man es sich vorstellt, wird es ohnehin nie.
Ville: Liebe und Erotik stimmen für mich meist überein. Es sind teilweise völlig unbedeutende Dinge, die Erotik ausstrahlen. Ein Fernsehabend mit der richtigen Person kann erotischer sein als Sex mit der falschen. Ich könnte mir aber auch eine Beziehung ohne Sex vorstellen.

HA: Zu Beginn deiner Karriere hast du die Hoffnung geäußert, dass dein Privatleben unbeeinträchtigt bleibt. Du hast sogar deine Freundin verschwiegen, um - so wörtlich - 'deine Fans nicht zu enttäuschen'. Warum hat sich diese Haltung geändert?
Migé: Wenn man vorgibt keine Freundin zu haben, braucht man auch nicht über sie zu sprechen.
Ville: Ich versuche immer noch, relativ wenig darüber zu erzählen. Doch es zermürbt auf Dauer. Außerdem hatte meine Freundin irgendwann keinen Bock mehr, verleugnet zu werden. Was soll's? Ich bin ja schließlich nicht verheiratet. Du weisst nie, was kommen wird. Wenn ich sage, daß die Songs von dieser einen Person handeln, heisst das nicht zwangsläufig, dass ich den Rest meines Lebens mit ihr verbringen werde - auch wenn das zum jetzigen Zeitpunkt wünschenswert wäre.

HA: Bist du ein eitler Mensch?
Ville: Ich glaube, bis zu einem gewissen Grad ist das jeder. Man sollte es nur nicht übertreiben. Wir können für unser Aussehen nichts - warum sich also was darauf einbilden? Die Optik wird überbewertet - unsere kürzeren Haare hatten beispielsweise nichts mit modischen Erscheinungen zu tun, sondern waren eine Art Ritual als das neue Album fertiggestellt wurde.
Migé: Ich glaube, Ville genießt, was er tut, auch das Experimentieren mit Make-Up. Als Frontmann gehört es vielleicht sogar dazu, eitel zu sein.

HA: Erleichtert es die Arbeit, einen - wie man sagt - attraktiven Frontmann zu haben?
Migé: Bestimmt. Ich bevorzuge allerdings den Begriff, 'charismatisch'. Falls es Fans gibt, die sich nur wegen dem Aussehen unseres Sängers für die Band interessieren - okay!
Ville: Wenn man sich die heutige Zeit betrachtet - die Models, die Mode - ist das eine andere Zeit als die Siebziger und Achtziger. Ich habe nicht mit Musik begonnen, weil ich mein Spiegelbild attraktiv fand. Ich finde mich nicht hübsch.

HA: Lügner.
Ville: Also, wenn ich am Vorabend nicht zuviel gesoffen habe und frisch geduscht bin, finde ich mich, sagen wir mal, annähernd gutaussehend. Ich habe in dieser Hinsicht bestimmt keine Komplexe - ohne dass ich mich gleich zum neuen Sexidol küren muss.

HA: Kannst du nachvollziehen, wenn dir jemand eine arrogante Ausstrahlung vorwirft?
Ville: Das tut zwar weh, aber ich werde nicht versuchen, sie zu ändern. Natürlich gibt es Situationen, in denen ich keine Lust habe, mich mit einem Wildfremden zu unterhalten. Doch unhöflich werde ich nie. Ich hasse selber diese ganzen Rockstars, die glauben, besser als andere zu sein. Es ist jedoch vermessen, wenn sich Leute nach einem Artikel oder einem Konzert ein Urteil über mich erlauben. Zumeist ist das nichts anderes als Neid auf unseren Erfolg.

 

Gone with the wind

("HEAVY, ODER WAS !?" 02/00)

 One of the fly-overs of the year '98 was called 'Greatest Lovesongs Vol. 666' and with their romantic love songs with a gothic-touch the recently Finnish discovery HIM inspired the fans and music journalists likewise, so that singer Ville Valo and his band after two Germany-tours and the presence on almost every big festival can show a proudly balance. Though the debut appeared only a few weeks in the charts, up to today it found 100000 purchasers in Germany.
But that's not all, because at the end of '99 with the forerunner 'Join me in death' HIM were striking out to a big blow-around. This ballad-like rock number became the number one of the single-charts, and the complete Longplayer convinces on the whole line. Though 'Razorblade Romance' differs seriously from the debut 'Greatest Lovesongs Vol. 666'.

"Oh no!" abuses Ville at the strap. "How to your mind can it differ in such a manner?"

Totally easy. With 'Gone with the sin' and 'One last time' are there two really ballads, in addition to that has the most fallen out very commercial, what isn't wrong, but: I'm a bit missing the gloomy atmosphere of the debut.

"To my mind, the recent album has fallen out even more gloomy", abuses Ville again. "Indeed the music hasn't fallen out so hard, but the whole concept and especially the lyrics are damned violent. Although some of the melodies are very commercial, I'm singing about some really crazy things, but which are reducing to a common denominator the love. They are really all love songs, because I'm quite at home in this. I don't want to write about politics, religions or whatever. I can't write about other things as love, because of that I'd say love is my muse."

By your melancholically singing, somehow I don't lose this feeling that you have made negative experiences with women in the past.

"No, may be that I can remember some bad things, but this doesn't say, that I didn't have a good time. I just hate happy music, it makes me sad, and sad music makes me really happy. I know, that sounds a bit perverse."

That 'Razorblade Romance' will hit in like a bomb in Germany is as save as the Amen in the church. And of course your record company - just as me - are speculating about a top-3-chartentry and a gold album.

"A gold honor, a Porsche or a million Dollars, that's not important. Continuity is the most important thing for me. It's our aim to build up our career step by step, and that our job makes us happy. And I believe that we have a big amount of work in front of us."

The sympathetically Fin had often to put up with comparisons with TYPE O NEGATIVE and Jim Morrison, and in fact at least Pete Steele was jointly responsible for the HIM-sound.

"Actually I'm not a big fan of TYPE O NEGATIVE, but I was it when 'Bloody Kisses' was published. this album has definitively influenced the band, because suddenly we were establishing, that you can play really beautiful music also very hard. If you compared it with movies, then TYPE O might be a porn and we'd be Gone with the wind even a bit more romantically. Unfortunately I don't have the muscles of Pete, the same is worth for the thing below the belt. And what befalls Jim Morrison, he was surely an interesting person. I have already read some books about the DOORS, but I don't like his music so much, the same is worth for his lyrics. But he was an eminent person, just like Iggy Pop, David Bowie, Neil Young or the ROLLING STONES, even classical Rock'n'Roll-icons."

'Wicked Games' by Chris Isaak and especially the ultimate love song 'Don't Fear The Reaper' (BLUE ÖYSTER CULT), at which the Romeo & Juliet-concept comes to talk, are perfect integrated into the HIM-like sound. In addition to this Billy Idol's 'Rebel Yell' is performed live, and so it is asked: Which pearls of the past will be ennobled of Ville in the audition room.

"Much stuff of the 80's, but I don't want to betray something concrete, because in the near future we'll publish an EP only with cover versions. Nevertheless slowly I find it boring to go peddling with the material of other artists. In 1995 we already had our version of 'Wicked Game' in the program, long before MARILYN MANSON had published 'Sweet Dreams' and everything mutated to trend. Unfortunately there are too many bands, which make use of cover versions, because they don't trust in their own compositions. Of course 'Wicked Game' was an important part of our career, but only because of its accelerating effect for our whole development."

Especially at bands like TYPE O NEGATIVE and HIM, which are both enlarging quite gloomy and bitter-sweet melancholy, the share of women at concerts is quite big. Recently at the Mannheim-gig of DREADFUL SHADOWS I was in the first row as the only man between 30-40 girls. We'll ask Ville if he has an explanation for that what fascinates the women on this Gothic-sound.

"No, but maybe the reason is, that we're melodic and that we're singing about sentimental things. I'm not a woman, so I can't give you an answer of this. But one is clear: Women are quite strange creatures (?)."

You can definitively let this stand in that way! Meanwhile HIM should have sold more singles of 'Join me in death' as the movie '13th Floor' - in which the song was also played - had audience in Germany. But how did it come to this cooperation?

"When we were amid the recording, we were called by our record company, if we had already heard of the movie '13th Floor', because there might be the possibility to publish a song on the soundtrack. At first I was a bit skeptically, because I was going out of a B-Movie-Horror film. But after they had sent me a copy of this movie and gave me background information, I found the idea great. Unfortunately we didn't have the time to write an exclusive song, so we've put out 'Join me in death', because it seemed most suitable. And everyone seems to like it, about what we are very, very happy."

Ville has a quite obstinately taste in horror films, because the first 'Nosferatu-screening' of the 20's is his explained favorite, while the classics by Dario Argento were good in his teenager-time.

"At last I watched 'The Blair Witch Project' and I took pleasure in it. Today I love it when psychology is involved in movies, because all those slaughters are boring me. I've watched them in my youth. This time I'm digging dramas, …I don't even know why, but maybe I'm just getting old. A lazy, boring bastard, hahaha."

And that tells me a 22-years-old young guy.

 

Vom Winde verweht

("HEAVY, ODER WAS !?" 02/00)

 'Greatest Lovesongs Vol. 666' hieß einer der Überflieger des Jahres '98, und mit ihren romantischen Liebesliedern im Gothic-Gewand begeisterte die finnische Neuentdeckung HIM Fans und Musikjournos im gleichen Maß, so daß Sänger Ville Valo und seine Mitstreiter nach zwei Deutschland-Touren und der Präsenz auf fast allen großen Festivals eine stolze Bilanz vorweisen können. Obwohl das Debüt nur wenige Wochen in den Charts war, fand es bis dato 100.000 Käufer bei uns.
Aber das ist noch lange nicht alles, denn Ende '99 holten HIM mit dem Vorboten " Join Me In Death" vom Album "Razorblade Romance" zum großen Rundumschlag aus. Ganz klammheimlich mauserte sich die balladeske Rocknummer zur Nummer Eins der Single-Charts, und auch der komplette Longplayer überzeugt auf ganzer Linie, obwohl sich 'Razorblade Romance' gravierend von 'Greatest Lovesongs Vol. 666' unterscheidet.

"Oh nein!" gibt es von Ville an der Strippe erst einmal massive Schelte. "Wie kann es sich deiner Meinung denn dermaßen unterscheiden?"

Ganz einfach. Mit 'Gone With The Sin' und 'One Last Time' gibt es zwei richtige Balladen, außerdem ist das Gros der Songs sehr kommerziell ausgefallen, was nicht verkehrt ist, nur: die dunkle Atmosphäre des Debüts vermisse ich ein wenig.

"Ich bin der Meinung, daß unser jetziges Album sogar noch düsterer ausgefallen ist", gibt mir Ville erneut Saures. "Es ist zwar nicht so hart von der Musik her ausgefallen, aber das ganze Konzept und speziell die Lyrics sind verdammt heftig. Obwohl einige der Melodien richtig kommerziell sind, singe ich über einige wirklich abgedrehte Sachen. Die sich aber auf einen gemeinsamen Nenner bringen lassen, nämlich die Liebe. Es sind wirklich alles Lovesongs, denn da kenne ich mich wenigstens aus. Auf Politik, Religion oder was auch immer habe ich keinen Bock. Ich kann einfach keine anderen Songs schreiben, deswegen würde ich die Liebe als meine Muse bezeichnen."

Irgendwie wird man bei deinem melancholischem Gesang das Gefühl nicht los, daß du in der Vergangenheit recht negative Erfahrungen mit dem weiblichen Geschlecht gemacht hast.

"Nö, selbst wenn ich mich an einige schlechte Dinge erinnere, dann bedeutet das noch lange nicht, daß ich keine gute Zeit gehabt habe. Ich hasse einfach fröhliche Musik, sie macht mich traurig, und traurige Songs machen mich wirklich glücklich. Ich weiß, das klingt ein bißchen pervers."

Dass 'Razorblade Romance' wie eine Bombe in Deutschland einschlagen wird, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Und natürlich spekuliert eure Plattenfirma - genau wie ich auch - auf einen Top 3-Chartentry und ein Goldalbum.

"Eine Goldauszeichnung, ein Porsche oder eine Million Dollar, das ist nicht von Bedeutung. Kontinuität ist für mich das Wichtigste. Unser Ziel ist es, unsere Karriere stufenweise aufzubauen, und daß uns unsere Arbeit glücklich macht. Und ich glaube, wir haben noch viel Arbeit vor uns."

Vergleiche mit TYPE O NEGATIVE und Jim Morrison mußte sich der sympathische Finne des öfteren gefallen lassen, und in der Tat war zumindest Pete Steele mitverantwortlich für den HIM-Sound.

"Ich bin eigentlich kein großer Fan von TYPE O NEGATIVE, sondern ich war es, als 'Bloody Kisses' veröffentlicht wurde. Dieses Album beeinflußte definitiv die Band, da wir plötzlich feststellten, daß man wirklich schöne Musik auch sehr hart spielen kann. Würdest du es mit Filmen vergleichen, dann wäre TYPE O ein Porno und wir wären 'Vom Winde verweht', ein bißchen romantischer eben. Leider habe ich nicht die Muskeln von Pete, gleiches gilt auch für das Teil unterhalb der Gürtellinie. Und was Jim Morrison betrifft, so ist er sicherlich eine interessante Person gewesen. Ich habe schon einige Bücher über die DOORS gelesen, aber ich mag seine Musik nicht so sehr, gleiches gilt für seine Texte. Er war aber eine bedeutende Figur, genau wie Iggy Pop, David Bowie, Neil Young oder die ROLLING STONES, klassische Rock 'n' Roll-Ikonen eben."

'Wicked Games' von Chris Isaak und insbesondere der ultimative Lovesong 'Don't Fear The Reaper' (BLUE ÖYSTER CULT), bei dem das Romeo & Julia-Konzept zum Tragen kommt, sind perfekt ins HIMsche Soundgewand integriert worden. Live wird zudem noch Billy Idols 'Rebel Yell' zum Besten gegeben, und so stellt sich die Frage, welche Perlen von einst Ville im Proberaum noch veredelt.

"Viel Stoff aus den 80er Jahren, aber ich möchte noch nichts Konkretes verraten, weil wir in naher Zukunft noch eine EP mit Coverversionen herausbringen werden. Allerdings finde ich es langsam langweilig, mit dem Material anderen Künstler hausieren zu gehen. Unsere Version von 'Wicked Games' hatten wir schon 1995 im Programm, lange bevor MARILYN MANSON 'Sweet Dreams' veröffentlichten und alles zum Trend mutierte. Es gibt leider zuviele Bands, die sich an Coverversionen bedienen, weil sie kein Vertrauen in ihre eigenen Kompositionen haben. Natürlich war 'Wicked Games' ein sehr wichtiger Bestandteil unserer Karriere, aber nur, weil es die ganz Entwicklung beschleunigt hat."

Speziell bei Bands wie TYPE O NEGATIVE und HIM, die beide eine recht düstere und bittersüße Melancholie verbreiten, ist der Frauenanteil bei Konzerten recht hoch. Neulich beim Mannheimer Gig von DREADFUL SHADOWS war ich in der ersten Reihe als einziger Mann inmitten von 30 bis 40 Mädels. Fragen wir mal Ville, ob er eine Erklärung hat, was die Frauen so an der Gothic-Mucke fasziniert.

"Nö, aber vielleicht liegt es daran, daß wir melodisch sind und über sentimentale Dinge singen. Ich bin keine Frau, deswegen kann ich dir darauf keine Antwort geben. Aber eines ist klar: Frauen sind schon recht seltsame Geschöpfe (?)."

Das kann man definitiv so stehen lassen! Mittlerweile dürften HIM mit 'Join Me In Death' mehr Singles verkauft haben als der Film '13th Floor' - in dem das Stück ebenfalls gespielt wurde - in Deutschland Zuschauer hatte. Doch wie kam es zu dieser Kooperation?

"Als wir inmitten der Aufnahmen waren, wurden wir von unserer Plattenfirma angerufen, ob wir schon etwas von dem Film '13th Floor' gehört hätten, denn es würde die Möglichkeit bestehen, dass wir einen Song auf dem Soundtrack veröffentlichen könnten. Ich war erst einmal skeptisch, denn ich bin von einem B-Movie-Horrorstreifen ausgegangen, aber nachdem sie mir eine Kopie des Films schickten und mir Hintergrundinformationen gaben, fand ich die Idee klasse. Unglücklicherweise hatten wir leider nicht die Zeit, einen exklusiven Song zu schreiben. Deswegen haben wir 'Join Me In Death' herausgepickt, weil er uns am passendsten erschien. Und jeder scheint ihn auch zu mögen, worüber wir sehr, sehr glücklich sind."

In Punkto Horrorfilme hat Ville einen recht eigenwilligen Geschmack, denn die erste 'Nosferatu'-Verfilmung aus den 20er Jahren ist sein erklärter Favorit, während die Klassiker von Dario Argento ganz gut in seiner Teenagerzeit waren.

"'The Blair Witch Project' habe ich vor kurzem gesehen, und der hat mir sehr gut gefallen. Heute liebe ich es, wenn bei den Filmen ein wenig Psychologie mitspielt, denn die ganzen Metzeleien langweilen mich. Die habe ich mir in meiner Jugend angesehen. Zur Zeit stehe ich allerdings auf Dramen, ...ich weiß echt nicht warum, aber vielleicht werde ich einfach alt. Ein fauler, langweiliger Bastard, hahaha."

Und sowas sagt mir ein 22jähriger Jungspund!


 

Villes Hot Summershow

(BRAVO, July 2000)

Third single - third hit. With "Poison girl" HIM made a run on the charts this week. They are touring here till August!

Actually he is able to laugh!
HIM-frontman Ville Valo enters the open-air-stage in Wiesen/Austria with a big grin and is in a great mood.
The atmosphere stays good when the guitar player Linde bangs the ominous dark riffs from the opener "Right Here In My Arms" through the speakers.
Ville gives to the girls in the first rows and to the other band members charming smiles. Not only gothic freak! The 23 years old frontman and favourite of many girls is today also optical different from the tour in spring. He's wearing a white shirt and a red leather jacket.
"Of course - the success has changed all of us. Now we are easier and more self-confident. I know what I'm able to do and don't have to act like a bad and dark rockstar. The fans should realize when I'm in a great mood."
There are enough reasons to be in good mood: The new HIM-single "Poison Girl" went into the german charts on position 34 in the first week, and every gig on several summerfestivals was celebrated enthusiastically. The reason is Villes recovered energy.
His mimic, his show on stage and his powerful voice remove the fans every time into ecstasy.

"After the tour in spring we were completely bushed", said Ville. "But some free days at home in Helsinki brought back our consumed energy."

The finnish rockstars still have 3 gigs to play in Germany:
- 08/12/2000 in Hildesheim
- 08/20/2000 in Erfurt
- 09/21/2000 in Rastatt

After this HIM will go to the studio to record a new album.
The new album will be released in Germany in spring 2001. By the way - Ville already has written 8 songs.

 

Ville's Heiße Sommershow

(BRAVO, Juli 2000)

Dritte Single - dritter Hit. Mit "Poison Girl" stürmten HIM in dieser Woche die Charts. Live sind sie noch bis August zu sehen!

Er kann tatsächlich lachen!
HIM-Frontmann Ville Valo erscheint mit einem breiten Grinsen auf der Open-Air-Bühne im österreichischen Wiesen und zeigt sich gut gelaunt wie nie.
Das Simmungshoch hält auch an, als Gitarrist Linde die bedrohlich düsteren Riffs des Openers "Right here in my arms" durch die Boxen powert.
Ville schenkt den Mädels in den ersten Reihen ein charmantes Lächeln und strahlt auch seine Mitmusiker immer wieder an. Von wegen ewiger Grufti! Auch optisch präsentiert sich der 23-jährige Mädchenschwarm in einem fröhlicheren Outfit als noch bei der Hallentour im Frühjahr. Über einem blütenweißen Hemd trägt er eine rote Lederjacke.
"Klar - der Erfolg hat uns alle lockerer und selbstsicherer gemacht" , gesteht er. "Ich weiß, was ich kann und muss nicht ständig den bösen Düsterrocker mimen. Wenn ich gute Laune habe, dann sollen es die Fans auch merken."
Grund dazu hat der wilde Finne auf jeden Fall: Die neue HIM-Single "Poison Girl" knallte auf Anhieb auf Platz 34 der deutschen Charts, und jeder Auftritt von HIM bei den diesjährigen Sommerfestivals wurde frenetisch gefeiert. Das liegt vor allem an Villes wiedergewonnener Energie.
Seine Mimik, seine Bühnenshow und seine kraftvolle Stimme versetzen die Fans jedes Mal wieder in Verzückung.

"Nach der Frühjahrstour waren wir total ausgepowert", sagte Ville. "Doch einige freie Tage zu Hause in Helsinki brachte mir und den Jungs die verbrauchte Energie zurück."

In Deutschland stehen die finnischen Rocker noch dreimal auf der Bühne:
- 12.08.2000 in Hildesheim
- 20.08.2000 in Erfurt
- 21.09.2000 in Rastatt

Danach ziehen sich HIM für Studioaufnahmen zurück.
Spätestens im Frühjahr 2001 soll das neue Album erscheinen. Übrigens - Ville hat schon 8 Songs dafür geschrieben.

 

"I don't believe in destiny"

(Rennbahn Express 5/2000)

RE: Do you believe in destiny? Who's the most important person in your life? What was the most craziest thing you ever did for a woman?
Ville: I don't believe in destiny. Everybody is responsible for his own luck and shall do with his life what he thinks what is right. The most important person in my life is clearly Migé Amour. We know each other since we were children and on tour we're always sleeping in the same room. If he jumped off an abyss, I would probably jump behind to rescue him. The most craziest thing, what I did because of love was to write a love song - that has evidently happened more often.

RE: Do you believe in life after dead?
Ville: No, after we've died, we only rot in our graves. That's all.

RE: You're passing for the new sex-symbol of Rock. Pleasant or bothersome?
Ville: That's all the same to me. I also was very liked of the girls earlier and at times I also have one-night-stands. I can't always say No at groupies (laughs).

RE: What do you say about the role of God? Do you believe in the existence of the Devil? What is your philosophy of life?
Ville: God and Devil are only fantasy. A good story for horror movies, but nothing more. Others may believe in it, but we've completely lose our believe. That my be a wide-spread problem of our generation. My philosophy of life? I don't know, I'm still too young for having such things. I'm going to try to go different ways and then I'll look what's coming out about that...

RE: Is there any thing in your previous life for what you are ashamed?
Ville: Well, of course there are things which I'd rather erase. But on the other hand: To build out a personality, you also have to make faults.

RE: What was the biggest sin of your youth?
Ville: For a time I went spraying graffiti, as everybody knows it's forbid. Some time the police caught me and I had a lot of anger. Since this time I left the spraying alone and I turned to music.

RE: I wanna ask you if your mother has read good-night-stories to you?!
Ville: My parents have read almost everything to me. Sometimes the Arabian fairytales of "1001. Nights", but mostly " Grimm's Fairytales". That's why I became so crazy. Those stories are mostly about murder and manslaughter, sadism and massacre. That's why you can only get an injury about this. Later I'll read other things to my children.

RE: What are your favourite books, movies, series and songs?
Ville: I'm reading a lot of biographies, at the moment one about Grace Slick, the singer of the sixties-band 'Jefferson Airplane'. TV-series? I like 'The Simpsons' and 'Southpark' most. My favourite movie is 'The Nightmare Before Christmas', generally all Tim-Burton-movies. I have too many favourite songs as that I could enumerate them all. At the moment I have a Swedish stone band called 'Spiritual Beggars' in my stereo set.

RE: How do you like Austria and the fans living here?
Ville: People are nice and the audience from our shows has always made a good mood. We have also a good friend in Vienna, Roman Gregory (the former Alkbottle-singer who performs in "F@lco - A Cyber Show" at the moment; remark), who we also met this time. After our gig in Vienna we took some drinks in the hotel and had a long conversation. I came to meet him before one and a half year. At that time he showed me the best public houses in Vienna.

RE: You aren't smoking so little. Which cigarettes do you like most?
Ville: Lucky Strike, Camel or Marlboro. They have to be light, that's better for my voice.

RE: Would you change your excessive lifestyle for a special person (mother, father, life companion, pitman, child)?
Ville: No, impossible. It would make us totally bitter to renounce of something we were always dreaming of only for the love. Still yet it has taken a lot of years of hard work till we were there, where we are now. And now we want to enjoy the life of a rock star a bit.

RE: Are the lyrics of your songs your statement to the things, your attitude to life or just fantasy?
Ville: Our lyrics are real in a way, a kind of an out of the context torn diary. It's like in a movie where the story's real but the places and persons are changed. When you read my lyrics you're knowing so much about my emotional life like you know something about Migé when you're listening to his bass parts...

RE: How many girlfriends did you already have?
Ville: I didn't count...

RE: What is your allurement to wear such clothes and this make-up? Has the band already made experiences with drugs?
Ville: I don't worry about my outfit. Mainly it doesn't cost as few as possible. Mostly I get something as a present of friends, the rest I have bought in a junk store. I wear almost everything, as long as it is black. Of course HIM is a totally drug-free band. Last, drugs are illegal. When we said the opposite, we'd have to go into jail.

 

"An das Schicksal glaube ich nicht"

(Rennbahn Express 5/2000)

RE: Glaubst du an das Schicksal? Wer ist der wichtigste Mensch in deinem Leben? Was war das verrückteste, das du je für eine Frau getan hast?
Ville: An das Schicksal glaube ich nicht. Jeder ist für sein Glück selber verantwortlich und soll aus seinem Leben das machen, was er für richtig hält. Der wichtigste Mensch in meinem Leben ist eindeutig Mige Amour. Wir kennen uns seit der Kindheit und schlafen auch auf der Tour immer im selben Zimmer. Wenn er über eine Klippe springen würde, würde ich wahrscheinlich nachhechten um ihn zu retten. Das Verrückteste, was ich aus Liebe getan habe, war wohl einen Lovesong zu schreiben - ist offensichtlich schon mehrmals vorgekommen!

RE: Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?
Ville: Nein, nachdem wir gestorben sind, vermodern wir nur in unseren Gräbern. Das ist alles.

RE: Du gilst als das neue Sexsymbol des Rock. Angenehm oder nervend?
Ville: Das ist mir völlig egal. Ich war schon früher bei beliebt bei den Girls und habe auch hin und wieder One-night- Stands. Auch bei Groupies kann ich nihct immer nein sagen (lacht).

RE: Was sagt ihr zur Rolle Gottes? Glaubt ihr an die Existenz des Teufels? Und was ist eure Lebensphilosophie?
Ville: Gott und Teufel sind bloß Fantasie. Eine gute Story für Horrormovies, aber nicht mehr. Andere mögen daran glauben, aber wir haben unseren Glauben komplett verloren. Das ist wohl ein weit verbreitetes Problem in unserer Generation. Meine Lebensphilosophie? Keine Ahnung, ich bin noch zu jung, um sowas zu haben. Ich versuche jetzt erst mal, ein paar verschiedene Wege zu gehen, und schaue was dabei rauskommt....

RE: Gibt es etwas in deinem bisherigen Leben, für das du dich schämst?
Ville: Na ja, klar gibt es Sachen, die ich lieber ausradieren möchte. Andererseits: Um dich als Persönlichkeit zu entwickeln zu können, musst du auch Fehler machen.

RE: Was war deine grösste Jugendsünde?
Ville: Ich ging eine Zeit lang Graffiti sprühen, was bekanntlich verboten ist. Irgendwann hat mich die Polizei erwischt, und es gab eine Menge Ärger. Von da an habe ich das Sprayen sein lassen und mich der Musik zugewandt.

RE: Ich möchte dich fragen, ob dir deine Mutter früher Gute -Nacht - Geschichten vorgelesen hat?
Ville: Meine Eltern haben mir alles mögliche vorgelesen. Manchmal die arabischen Märchen aus '1001 Nacht', meistens aber 'Grimms Märchen'. Deshalb bin ich so verrückt geworden. Da geht es ja ständig um Mord und Totschlag, Sadismus und Massaker, da kann man ja nur einen Dachschaden kriegen. Ich werde meinen Kindern später mal was anderes vorlesen.

RE: Was sind deine Lieblingsbücher, -filme, -serien und -songs?
Ville: Ich lese einen Haufen Biographien, momentan eine über Grace Slick, die Sängerin der Sixties-Band Jefferson Airplane . TV-Serien? Da mag ich die 'Simpsons' und 'Southpark' am liebsten. Mein Lieblingsfilm ist 'Nightmare before Christmas', überhaupt alle Tim-Burton-Filme. Lieblingssongs habe ich zu viele, als dass ich sie aufzählen kann. Momentan habe ich eine schwedische Stonerockband namens Spiritual Beggars in meinem CD-Player.

RE: Wie gefällt dir Österreich und die Fans hier?
Ville: Die Leute sind nett, und das Publikum bei unseren Shows hat immer eine tolle Stimmung gemacht. In Wien haben wir auch einen guten Freund, Roman Gregory (der ehemalige Alkbottle-Sänger, der zurzeit in 'F@lco - A Cyber Show' auftritt, Anm.), mit dem wir uns auch diesmal wieder getroffen haben. Nach unserer Show in Wien nahmen wir im Hotel ein paar Drinks und hatten ein langes Gespräch. Wir haben ihn vor eineinhalb Jahren kennengelernt, damals hat er uns die besten Lokale in Wien gezeigt.

RE: Du rauchst nicht gerade wenig. Welche Zigaretten hast du am liebsten?
Ville: Lucky Strike, Camel, oder Marlboro. Light müssen sie sein, das ist besser für meine Stimme.

RE: Würdet ihr euren exzessiven Lebensstil für eine euch wichtige Person (Mutter, Vater, Lebenspartner, Kumpel, Kind) ändern?
Ville: Nein, unmöglich. Es würde uns total verbittert machen, nur der Liebe wegen auf etwas zu verzichten, von dem wir von klein auf geträumt haben. Immerhin hat es Jahre harter Arbeit gebraucht, bis wir da waren, wo wir heute sind. Und jetzt wollen wir das Rockstarleben gern ein wenig auskosten.

RE: Sind die Texte von euren Liedern eure Sicht der Dinge, eure Lebenseinstellung oder einfach Fantasie?
Ville: Unsere Texte sind schon real, so eine Art aus dem Zusammenhang gerissenes Tagebuch. Es ist wie bei einem Film, wo die Story stimmt, aber die Orte und handelnden Personen ausgewechselt werden. Durch meine Texte erfährt man über mein Gefühlsleben etwa so viel, wie man über Mige weiß, wenn man seine Bassparts hört...

RE: Wie viele Freundinnen hast du schon gehabt?
Ville: Ich habe nicht mitgezählt...

RE: Was reizt dich daran, dich so anzuziehen und zu schminken? Hat die Band schon Erfahrungen mit Drogen gemacht?
Ville: Ich mache mir nicht viel Gedanken über mein Outfit. Hauptsache es kostet so wenig wie möglich. Meistens bekomme ich was von Freunden geschenkt, den Rest habe ich mir selber auf Flohmärkten gekauft. Ich trage so ziemlich alles, solange es schwarz ist. HIM ist natürlich eine total drogenfreie Band. Schließlich sind Drogen illegal. Würden wir das Gegenteil sagen, müssten wir ins Gefängnis!

 

"HIM is my girlfriend No. 1"

(Interview with Ville Valo from 29/1/2000 Finland)

Ville Valo tells us that he unloads his sex life's trivialities into the music - Do you believe it ??

Interviewer: It looks like somebody has given a hit straight into Ville Valos' left eye. The Leader of the band HIM,which is on the top in the German charts, hasn't been attacked by anyone, he sais his eyes are red because of an eye infection.
The Bands' international brake through has made Ville Valo medias' pet and Januarys' official sex symbol. He doesn't seem to mind at all.
Join Me-single sells really good in Germany. Have you reached your dream?

Ville: Absolutely not. My goals are as high as possible. I hope we'll gat a song into the probe that will be sent into space for aliens. If some Venus men there would hear our song and hear what art is like on earth that would be a great goal, but I'm sure we'd have to work hard before that.

Interviewer: Where have you spend all the money you've got?
Ville: Mainly it goes paying our records' budget. It's normal that the orchestra is also together with record company responsible for the costs of making a record. That sum will maybe cover the half that we havn't paid yet. We'll have nothing left after that. I still have to borrow money from my Dad!

Interviewer: What would be the biggest mistake you could make at the moment?
Ville: Get married, focus on family life and get children.

Interviewer: You don't have a girlfriend, is serious relationship impossible in your case?
Ville: It would be hard, because I'm not at home the most time. HIM is my number one girlfriend at the moment, platonically of course....

Interviewer: What would your reaction be if you would only be one of those One-Hit wonders?
Ville: Andy Warhol once said that everybody has his 15 minutes of fame, we have because of our single, at least 7 days of fame in Germany. It's useless to worry about it too much, it's better to concentrate on what's ahead.

Interviewer: Your manager Seppo Vesterinen is known as Hanoi Rocks' manager. Do you have anything else in common with AndyMcCoy ?
Ville: I don't know . Andy is such tough and I'm this sweet guy...Andy is Andy !

Interviewer: How long have you planned to live in Finland?
Ville: As long as possible. I'm not very patriotic but my family and friends are here and it's peaceful and nice here. But if moving abroad would help my career I couldn't say no. I wouldn't wanna wonder afterwards what would have happened if I hadn't stayed here with my old beer buddies.

Interviewer: Does it hurt or flatter you that it's said that the band sells with your face ?
Ville: Nobody buys the record only because of some guys on the cover, there has to be something that pleases. At least I hope so, desperately.

Interviewer: Can a man be beautiful?
Ville: No, men aren't beautiful. They are just farting pigs who grow moustache and have pimples on their face.

Interviewer: I've heard that some middle aged women like you also. If there would be a mother and a daughter in your concert which one would have a better luck to get you?
Ville: Neither. I have never even considered that I would get close with someone only because I'm in a band. I think it's mentally and physically empty. Why spend time with someone you hardly know or don't even care about? Of course it all depends on the case, I don't have any age limits.

Interviewer: You keep ironic distance in what you do. Do your fans take you too seriously?
Ville: No, not at all. I take lyrics and music very seriously , but I don't take myself seriously. We do this for the people not for ourselves. In times you wanna fart, throw up and take a piss, be f**** smart, read, write, compose, make lyrics and arrange music. It's a pervert dualism that keeps this going.

Interviewer: That's a bit much !!!!
Ville: I'm just trying to avoid right topics and turn this somewhere else with those 3 words I have learned from Joel Melasniemi.

Interviewer: Do you feel like a rock star???
Ville: From Rock stars you get the impression that they are vain and full of themselves. They have lots of money and beautyful woman, I may be vain, but I have no money nor woman. Maybe we are closed to stardom, but we haven't crossed that line yet. So it's useless to brag. I might get hit by a car tonight....

Interviewer: That would only liven up your record selling...
Ville: I don't know actually if selling would get better, because then we wouldn't have a chance to promote. I'd rather have 10 albums that sold half a million a piece than one album and be lying in a grave and my asshole friends in the band would take even my last dollars by forgering my last will.

Interviewer: What do you think about the cliche "Sex, drugs and Rock'n Roll" ?
Ville: I don't use drugs, alcohol with moderation and sex is very rar and unsatisfying. I turn my impotence into a power in my music. Those things you are bad with, you just keep on going no matter how vain or cheap they are.

Interviewer: Don't you have any sexual sureness?
Ville: When I'm drunk enough....But I can talk what I want - you don't know if it's true or not !

Interviewer: How often do you make up things in interviews ?
Ville: I have to say that I've been really truthful in all my statements. I might have coloured the facts a bit, but I have never made up stories that aren't true. Except maybe today..... My soul is sucked so empty that I have to make up something. This is the reason why I read so many books about old rock stars.

Interviewer: In the 'Join me' video you have more Make-Up on than Estonian variety group. Do you wear Make-Up even in your spare time?
Ville: No. Make-Up costs too much and I should have been practising it a bit younger. I have never liked wearing Make-Up.

Interviewer: What's the truth about your smoking?
Ville: I'm trying to cut down really hard, but I still smoke 2-3 packs of light cigarettes a day. In the long run it's bad for the voice. I'd rather have an angels voice and smoke less than sound like Tom Waits. I still have time....

Interviewer: What's the most untrue gossip you heard about yourself?
Ville: Supposedly I got somebody pregnant and my sexuality has always been an issue. The more gossip the better. If I would say that I'm hetero sexual, married with 3 children....that would ruin everything we've been building and have already succeeded.

 

deutsche Version kommt bald!

 

Tavataan Pian



(x-bay.de; text and picture: Udo Meixner 06.04.2000)

HIM don´t make the crowds blood boil only with "Join me" - heavy labour for the ambulance, too.

Hyvää päivää! Hello everybody! That was it, the concert-highlight with the chartbreakers from the northern Finland, which everybody waited for so long: HIM prayed for dancing, and the "Forum" in Nürnberg was filled with a great mixture of Black Metal fans, representtatives from the Gothic-faction and a lot of screaming teens with their guardians.

The man with the funniest second Christian name in the music business: Ville Hermanni Valo. The talent to become a second Jim Morrison he doesn't own, nevertheless the HIM-frontman is an idol for his large number of fans.

"Black Sabbath are actual our idols", frontman and favourite of many girls Ville Valo once said in an interview."They were great on records, but a lousy liveband. We want to do it in the same way."
Hey hey hey, Mr. Valo! It wasn´t so bad on Tuesday. The security and the ambulance men had to do heavy labour before the show began. The violent pushing in front of the stage can't take every circulation, and because of this some girls sagged to their knees.

A few minutes after nine thirty in the evening it´s time! Mikko, Zoltan, a second Mikko and Gas enter the stage. Of course Ville Hermanni Valo appears last, properly for a star, no matter how old he is. The 23 years old youth seems to flirt a little bit shy with the screaming crowd. Only acting? Or does Ville secretly enjoy the bustle which is made around the band and especially him as a new pop-idol? Completely clear: For the next Jim Morrison, to what a lot of people want to crown him, it is not enough. But Ville Valo knows how to hold the good atmosphere by giving titbits to the crowd.

It starts with "Right here in my arms", the new single. With this single they want to show that they are actual a real rockband, in spite of the trite "Join Me In Death". The band behaves accordingly rough during the first songs of the gig. And especially the two Mikkos, the bass player and the guitar player, played their instruments with all their heart. During this Ville balance with indecent looks across the speakers at the edge of the stage and put the heating on by shaking his bottom while "Your Sweet Six Six Six" is played. In the starting time still keeping a low profile, but when "Razorblade Kiss" is played, Ville snatches off his pullover, so that everybody can see his willowy body and his extravagant tattoos. The tempo is changeable - once slower ("When Love And Death Embrace", "Wicked Game"), once faster ("It´s all tears"). It´s going unstoppable to the highlight of the concert, and at song number eleven it's time: "We are so young, our lives have just begun..."

The time is right for "Join Me In Death", and everybody is singing. Finally, before the break, the two Mikkos are allowed to show with some unnecessary solos what they are able to do with their instruments. HIM gives 3 encores: "Gone With The Sin", "Our Diabolical Rapture" and the Billy Idol cover "Rebell Yell". Then, after 80 minutes, the concert finished. HIM passed the acid test after the "Join Me" overkill. We will see, if the boys become more famous or if they will dissappear as fast as they shot up. To this effect: Tavataan pian! See you soon.

 

Tavataan Pian

(x-bay.de; Text und Bild: Udo Meixner 06.04.2000)

HIM bringen nicht nur mit "Join Me" die Massen zum Kochen - Schwerarbeit auch für Sanitäter

Hyvää päivää! Guten Tag zusammen! Das war es also, das lang erwartete Konzert-Highlight mit den Chartbreakern aus dem fernen Finnland: HIM baten zum Tanz, und das Nürnberger "Forum" war erwartungsgemäß bis in die letzte Nische angefüllt mit einer illustren Mischung aus Black Metallern, Vertretern der Gothic-Fraktion sowie kreischenden Teenies in Sichtweite ihrer Erziehungsberechtigten.

Der Mann mit dem lustigsten zweiten Vornamen im Musikbusiness: Ville Hermanni Valo. Das Zeug zum zweiten Jim Morrison hat er wohl nicht, für seine zahlreichen Fans ist der HIM-Frontmann trotzdem ein Idol.

"Unsere Vorbilder sind eigentlich Black Sabbath", verlautbarte Frontmann und Mädchenschwarm Ville Valo dereinst in einem Interview. "Die waren auf Platte genial, aber eigentlich eine miese Liveband. Genau so wollen wir es auch machen!"
Na na na, Herr Valo! So schlecht war es dann aber am Dienstag doch gar nicht. Ordner und Sanitäter haben schon vor Beginn der Show Schwerstarbeit zu leisten. Nicht für jeden Kreislauf ist das heftige Gedränge vor der Bühnenabsperrung so richtig förderlich, und dementsprechend gehen auch einige Mädels vorzeitig in die Knie.

Kurz nach halb zehn ist es dann so weit: Mikko, Zoltan, noch mal ein Mikko und Gas entern die Bühne. Ville Hermanni Valo erscheint natürlich, wie es sich für einen Star - und sei er noch so jung - geziemt, als Letzter. Etwas schüchtern scheint der gerade einmal 23 Lenze zählende androgyne Jüngling mit der kreischenden Meute zu kokettieren. Nur gespielt? Oder genießt Valo nicht doch insgeheim den Rummel, der um seine Truppe allgemein und ihn als neues Pop-Idol im Speziellen gemacht wird? Ganz klar: Zum nächsten Jim Morrison, zu dem ihn viele ab liebsten krönen würden, reicht es noch nicht ganz. Doch versteht es Ville Valo live geschickt, die Stimmung immer wieder mit schlau verabreichten Appetithäppchen am Köcheln zu halten.

Los geht's mit "Right Here In My Arms", der neuen Single, mit der HIM beweisen wollen, dass sie ja trotz des schnulzigen "Join Me In Death" im Grunde ihres Herzens eine reinrassige Rockband sind. Dementsprechend roh geht es dann bei den ersten Songs des Gigs zur Sache. Und gerade die beiden Mikkos an Gitarre und Bass posen sich die Seele aus dem Leib. Derweil balanciert Sänger Ville mit laszivem Blick über die Monitorboxen am Bühnenrand und heizt bei "Your Sweet Six Six Six" die Stimmung mit vorwitzigem Hinternwackeln an. Anfangs noch züchtig bedeckt, so reißt sich Ville dann bei "Razorblade Kiss" den Pulli vom gertenschlanken Körper und gibt somit auch den Blick auf seinen extravaganten Körperschmuck frei, was nach jedem Konzert den örtlichen Tätowierern wohl einen unerwarteten Kundenansturm beschert...Im wechselnden Tempo - mal langsamer ("When Love And Death Embrace", "Wicked Game"), mal flott ("It's All Tears") - geht es dann unaufhaltsam dem Höhepunkt des Konzertes entgegen, und bei Song Nummero elf ist es dann so weit: "We are so young, our lives have just begun..."

Die Zeit ist reif für "Join Me In Death", und alle singen mit. Zum Schluss dürfen die beiden Mikkos bei einigen überflüssigen Solo-Dudeleien dann noch zeigen, was eigentlich in ihnen steckt, bevor es in die Pause geht. Drei Zugaben gibt es dann noch, bevor nach knapp 80 Minuten alles schon wieder vorbei ist: "Gone With The Sin", "Our Diabolikal Rapture" und die Billy-Idol-Reminiszenz "Rebell Yell". Die Feuerprobe nach dem "Join Me"-Overkill haben HIM bestanden - bleibt abzuwarten, ob die Jungs jetzt noch was nachzulegen haben oder wieder so schnell in der finnischen Taiga verschwunden, wie sie emporgeschossen waren. In diesem Sinne: Tavataan pian! Bis bald!

 

HIM LIVE IN HAMBURG

(BRAVO, spring 2000)

Nothing helps - it's sold out!

Hundreds of disappointed fans are pushing in front of the entry of the Hamburg club "Große Freiheit". They shout rebelliously: "Let us in, let us in!" But there's no chance: the club is crammed full. Even on the black market there is not a single ticket left to buy for the HIM show. The same applies to the arenas: every concert of the Finnish newcomer is sold out, their tour in Germany is already now the absolute highlight of the year. Rightly! HIM offer their fans 90 minutes of concentrated rock power. No show effects, no long-winded speeches - purely music. Front man Ville Valo clearly is in the Scandinavian rock roller's centre of attention. The 23-year-old heart-throb attracts attention without running like mad across the stage.

Ville affects just by his presence. With a gloomy look he fixes the girls in the first row while his guys get cracking with the thunderous opener 'Right here in my arms'. Immediately there is movement in the crowd. The pressing sound grasps the fans like an invisible hand and heavily shakes them. While singing with a dark voice the chorus lines "She'll be right here in my arms, so in love", Ville swaggers over the stage. Slowly and deliberate, the eyes penetrating turned towards the audience. Screaming female voices is the answer. Also the next number really hits. 'Your sweet 666' of the debut album 'Greatest Lovesongs Vol. 666' is about a tender, but unlucky love. "My songs are always about relationships or women", Ville says. "I just can't write about something else."

"Poison Girl", a song about a cunning girl, almost gets the crowd to ecstasy. For the first time Ville grins. With slow movements he takes off his black shirt, wipes the sweat off his face and throws it behind the amplifier. Then he climbs onto the monitor boxes, extremely stretches out and proudly presents his tattoos. Finally he turns around putting his butt tempting into the audience and is touched by some fans. The other HIM guys act the down-to-earth rockers with Ville's lascivious erotic show. Wearing a leather jacket and a cowboy hat bassist Mikko Paananen runs barefoot over the stage and is having tough string fights with guitarist Mikko Lindström. In the background drummer Gas Lipstick rages like mad behind his drums. Although sweat is pouring over his body he pulled a blue woolly hat far into his face. Next to him keyboarder Juska Salminen stands fixed like a statue. But when he starts playing the intro of 'Join me' and the cheering intensifies like a hurricane, there is a slight smile on his lips.

The mega hit ends the official part of the HIM show. After 2 encores - 'Gone with the sin' and 'Rebell Yell# - the musicians drop exhausted onto the armchairs in their checkroom. "I don't remember the German fans that hot" , Ville says with a relaxed smile. They're still on tour in Germany until April 23rd 2000. And in summer they are back again to play at several open-air concerts.

 

deutsche Version kommt bald!!!

 

 

Helsinki Icehockey Maniacs

 

...it sounds amusing from the ether when Ville Valo - probably for the thousandth time - is asked for the meaning of the acronym HIM during an interview of the ORB radio station RADIO EINS.

It truly is an interview marathon, which the Finn has to provide in mid January and it's amazing, how relaxed and professional he answers all the questions - no matter how often they are repeatedly asked. Eloquent support comes from his bassist Migé, who accompanies him on this strenuous promotion tour. But the main reason for both musicians giving the interviews is to prevent the curious crowd from focussing too much on the very expressive Ville Hermanni Valo. Even though Valo writes and sings all songs and, just because of that, doubtlessly is in the center of attention - HIM is a band and they want to be seen like that. May the singer's appearance on stage, on television or in the video clips be as glamorous as can be, off the limelights this man appears rather calm and shy.
"I want HIM to be seen as modest and hard-working musicians, who completely concentrate on their music.", Ville explains his self-image to me when we meet for the interview in Berlin."I don't like this rock star-fuss. We don't spend our money on expensive cars, but on new instruments." Thus the new media favourite does not mind giving interviews to small fan magazines. Keeping in touch with his listeners is important to him, since they're the ones who made him this successful. "We don't want to - like the Vengaboys - just get our money and then clear off.", he confirms his opinion.


 

ROCK `N`ROLL, SEX, RED WINE AND NICOTINE

Ville Valo in the meantime definitely became what would be called a star. And he is a star for the people - which makes him even more sympathetic, as he anyway appears to be, sitting there in his black washed out shirt, wrapped up in a scarf sipping at a can of beer or fuming a cigarette. He knows it's a role he has to play in the public. It's part of the business he's working in. The media don't want the nice guy from next door. They want the reincarnation of a Jim Morrisson living a life of rock'n'roll, sex, red wine and nicotine. And Valo does us the favour knowing this image is not just part of the big success, but also prerequisite for it. When asking him Ville does see himself as neither vain nor excessive. Make-up is only for the performance and the bottle of red wine, which is always present on stage, is not uncorked as often as it seems to be. (comment from Ville: "Don't tell the people I'm drinking beer right now. It would ruin my image!" ). Nicotine as he says is his only vice. Migé and Ville see the current success, which HIM is having in at least the German-speaking area, absolutely sensible and down-to-earth. Surely not an easy thing to do regarding the fact, that HIM is the first Finnish band to be in the top ten of the German charts and then to even stay on No. 1 for a couple of weeks. The Finns know they were lucky and that surely is necessary to be successful. But - it's not only for the luck! They're aware of that fact. The success of their first album "Greatest Lovesongs Vol.666" inclusive the Chris Isaak cover "Wicked game" may have been amazing. The hysteria breaking out when HIM contributed their song "Join me" to the Ronald Emmerich flop "The 13th floor" topped all expectations and everything the band had experienced so far. "Join me" became a real smash hit and made the hot tip HIM being shooting stars in just a few days. Even underground-resistant radio stations like RTL or ENERGY couldn't help, but play the new catchy tune. HIM became omnipresent! They were giving interviews to all big radio stations, were guests at MTV Select, gave make-up tips on VIVA 2 and even BRAVO, head voice of our fellow citizens in puberty, asked Ville about his tattoos. The amazing thing in this development is HIM did it making a name for themselves in the underground on the one hand and to get to the top of the commercial music industry on the other hand. Without loss of their face! The underground scene of all scenes, like mad being full of tolerance and imposing maximum penalty on commercial success, is well-disposed towards the Finnish quintette. Everything seems to go like clockwork! "Razorblade Romance", the second album, fits smoothly in the perfect story of success and in March HIM are going on tour to sweep the board on stage, too. Neither Ville nor Migé can explain this run. They seem surprised and speechless. Sure, they hoped for it - but in these dimensions?


 

THE NERVE OF TIME - THE MAGIC OF SONG WRITING

HIM seem to suit the people's taste. They're the right band at just the right moment. Valo emphasizes that not for a second he's thinking on how well the developing song might sell. Those thoughts "would destroy the magic of song writing!" It's important to him that he himself likes his songs. Everything else doesn't matter. Even though our friends from the far north don't create new music, even the biggest critics can't help, but award a certain quality to HIM's music. Valo, who sees his influences within the scope of Elvis and Black Metal, knows how to combine elements from different music eras: Marilyn Manson already proved that the glamour of the 70s is having lots of friends at the moment, the 80s enjoy a renaissance, catchy melodies anyway are timeless and nobody will say something against a good deal of heartache mixed with pathos. In addition, the son of a sex shop owner simply sings damn good! Therefore: even though many of the fanatic dribbling and panties-throwing girls in their ecstasy don't notice, HIM absolutely are talented musicians and, because of that, stand out against the majority of their similar successful - partly artificially created - colleagues. Ville Valo consciously stresses these skills. He can't stand the financial background or the visual aspect being the only matters deciding, if someone is successful or not. "A rich person may make himself a star", the singer muses about this topic, "but he's not nearly a talented musician yet."


 

GOTHIC FEELING AND DOOMSDAY ROMANCE GO DOWN WELL

Valo's texts seem to be of current interest. Their content actually can be summarized with just the two terms: "love" and "death". Again and again the texts are about death of emotions or the impossibility of a happy relationship between man and woman. "Join me in death", as the song is called on the album, is a classic example of the Valo lyric. It's the classic romance of Romeo and Juliet who can only be together and happy in death. There's some gothic feeling and doomsday romance about it and it goes down well. Ville does not see the danger of a confused fan taking his permanently stated longings for death too literal: "I hope the listeners are intelligent enough to know, that this is just about a nice story like Romeo and Juliet's. If I took my own lyrics too serious, I wouldn't sit here, but would be lying in my own grave instead." Winking he adds: "As well, it wouldn't be my thing when our fans kill themselves. After all they couldn't buy our records then!"
In this connection I ask the interviewee about the massacre of Littletown, when several people were shot by two kids on last year's 20 April. In the course of this act of madness, a discussion broke out about the influence of texts from bands like Marilyn Manson on kids. The song writer does not obviously see the stimulation to cruel acts like that arising from such texts. "The reason is much more, that in the US everyone is having a gun or is able to get one. The Americans rather arm their schools with metal detectors and their teachers with machine guns, instead of making it more difficult to get weapons. A mighty industry is to be blamed and its lobby which has an interest in selling many weapons."


 

HIM ARE SOON FORGOTTEN?

One doesn't like to talk about these negative things with people, who are almost succeeding in everything at the moment. But on the occasion I'd be interested in learning, whether the Finns live with the fear of failure? What would HIM do, if the third album became a flop? "We are not afraid of that", both answer almost at the same time and Ville goes on: "We don't want to conquer the world with our records. It would be enough, if the third album became successful in a way that enabled us to record a fourth. It would be nice, if I could just keep on writing my songs and then record and release them." Regarding the current success an almost modest striking aim. But one is absolutely able to tell the two Finns appreciate their current status and are willing to do something for its upkeep. And that will surely be necessary. At the moment HIM is wallowing in success and the wave seems to move just by itself. But someday the time will come when it is up to the Finns to keep this wave moving. How good HIM really is, they'll have to prove with their third album. Without wanting to see the gloomy side of it, there are enough examples for projects, which then disappeared after while. A comparison that suggested itself after I heard HIM for the first time, is the one with the Spanish band Heroes Del Silencio. Ten years ago they had a huge success with the song "Entre dos tierras" and the album "Senderos de traicion". They as well came to popularity in only a short time, with Enrique Bunbury they as well had a smart and powerful-voiced front man and - just like HIM - they, to a certain extent, lived from an exotic flair, which clinged to them because of their origin. Sadly the success shouldn't last for too long. There were rumours about too much alcohol and drugs and it seemed the Heroes Del Silencio would break by their sudden success. Although they still released several albums the Spaniards soon were forgotten.
Comparisons in this way are really hypothetical though. Ville Valo makes a much too level-headed impression on me, as if he thoughtlessly risked his young career. And that's why I'm sure, we're still going to hear the charming music of these sympathetic guys for a very long time. Let's wish them the best.

 

 

Helsinki Icehockey Maniacs

 

... SCHALLT ES AMÜSIERT AUS DEM ÄTHER, ALS VILLE VALO WAHRSCHEINLICH ZUM TAUSENDSTEN MAL IM RAHMEN EINES INTERVIEWS DES ORB-SENDERS RADIO EINS NACH DER BEDEUTUNG DES KÜTZELS HIM GEFRAGT WIRD.

Es ist ein wahrer Interview-Marathon, den der Finne Mitte Januar bestreiten muss, und es ist erstaunlich, mit welcher Gelassenheit und Professionalität er alle Fragen - und wenn sie noch so oft wiederholt gestellt werden - beantwortet. Eloquente Unterstützung findet der Frontmann in seinem Bassisten Mige, der ihn auf dieser anstrengenden Promo-Tour begleitet. Der eigentliche Grund aber, weshalb die beiden Musiker zu zweit Rede und Antwort stehen, ist der, dass man eine zu stake Fokussierung der wissbegierigen Menge auf den zugegebenermaßen sehr ausdrucksstarken Ville Hermanni Valo vermeiden möchte. Auch wenn Valo alle Songs schreibt bzw. singt und allein deshalb unweigerlich verstärkt im Mittelpunkt steht - HIM sind eine Band und als solche möchten sie sich auch verstanden wissen. Mag das Auftreten des Sängers auf der Bühne, im Fernsehen oder in den Videoclips noch so glamourös sein, abseits des Rampenlichts wirkt dieser Mann eher ruhig und zurückhaltend.
"Ich möchte, dass HIM als bescheidene und hart arbeitende Musiker gesehen werden, die sich voll und ganz auf die Musik konzentrieren", erläutert mir Ville sein Selbstverständnis, als wir uns in Berlin zum Interview treffen. "Ich halte nichts von diesem Rock-Star-Getue. Wir geben unser Geld nicht für teuere Autos, sondern für neue Instrumente aus." So ist sich der neue Medienliebling nicht zu schade, Interviews auch für kleine Fanzines zu geben. Der Kontakt zu seinen Hörern ist ihm wichtig, schließlich sind sie es, denen er seinen Erfolg zu verdanken hat. "Wir wollen nicht wie die Vengaboys einfach nur unser Geld verdienen und dann abhauen", bekräftigt er seine Einstellung.


 

ROCK `N`ROLL, SEX, ROTWEIN UND NIKOTIN

Ville Valo ist inzwischen sicherlich das, was man einen Star nennt. Und er ist ein Star zu Anfassen - das macht ihn noch sympathischer, als er ohnehin schon wirkt, wie er da in seinem schwarzen, verwaschenen Pullover eingehüllt in ein Halstuch, mal an einer Büchse Bier nippend, mal eine Zigarette rauchend vor mir sitzt. Er weiß wohl, dass es eine Rolle ist, die er in der Öffentlichkeit zu spielen hat. Das ist Teil des Geschäfts, in dem er tätig ist. Die Medien wollen keinen netten Jungen von nebenan. Sie wollen die Reinkarnation eines Jim Morrisson, der ein Leben bestehend aus Rock ´n´ Roll, Sex, Rotwein und Nikotin lebt. Und Valo tut uns den Gefallen, wohl wissend, dass dieses Image nicht nur Teil, sondern auch Vorraussetzung des großen Erfolges ist. Dabei schätzt sich Ville auf mein Nachfragen hin weder als eitel, noch als exzessiv ein. Geschminkt wird sich nur für den Auftritt und auch die zumindest auf der Bühne stets präsente Weinflasche wird lange nicht so häufig entkorkt, wie gemeinhin angenommen (Anmerkung von Ville: "Verrate den Leuten bloß nicht, dass ich hier Bier trinke. Das würde mein Image ruinieren!" ). Das Nikotin, so beteuert er, sei sein einziges Laster. Den derzeitigen Erfolg, den HIM zumindest im deutschsprachigen Raum genießen, wissen Mige und Ville durchaus vernünftig und bodenständig zu beurteilen. Sicherlich nicht unbedingt ein leichtes Unterfangen, wenn man bedenkt, dass HIM es als erste finnische Band überhaupt in die Top Ten der Deutschen Charts geschafft haben und sich dort auch noch wochenlang an der Spitze hielten. Die Finnen wissen, dass sie Glück hatten und das ist sicherlich notwendig, um erfolgreich zu sein. Aber - Glück allein reicht nicht! Dessen ist man sich bewusst. War der Erfolg des ersten Albums "Greatest Lovesongs Vol.666" inklusive des Chris Isaak-Covers "Wicked Game" schon erstaunlich, konnte die Hysterie, die ausbrach, als HIM ihr "Join Me" zum Soundtrack des Roland Emmerich Flops "The 13th Floor" beisteuerten, alles bisher in der Bandgeschichte dagewesene und sämtliche Erwartungen toppen. "Join Me" wurde ein echter Smash-Hit und machte aus dem Geheimtipp HIM binnen weniger Tage Shooting-Stars. Selbst so underground-resistente Radiostationen wie RTL oder Energy kamen nicht mehr umhin, den neuen Ohrwurm zu spielen. HIM wurden omnipräsent! Sie gaben Interviews bei allen großen Radiosendern, waren zu Gast bei MTV Select, gaben Schminktipps auf Viva 2 und selbst das Zentralorgan unser pubertierenden Mitbürger, die BRAVO, befragte Ville Valo nach seinen Tatoos. Erstaunlich ist bei dieser Entwicklung, dass HIM es geschafft haben, sich einerseits im Untergrund einen Namen zu machen und andererseits ganz an die Spitze der kommerziellen Musikwelt vorgestoßen sind. Und das ohne Gesichtsverlust! Gerade die vor Toleranz nur so strotzende Untergrund-Szene, die kommerzielle Erfolge sonst mit Höchststrafen belegt, bleibt dem finnischen Quintett weiterhin wohlgesonnen. Alles scheint wie am Schnürchen zu laufen. "Razorblade Romance", das zweite Album, fügt sich nahtlos in die bilderbuchartige Erfolgsgeschichte ein und im März gehen HIM auf Tour, um auch auf der Bühne abzuräumen. Eine Erklärung für diesen Run haben weder Ville noch Mige. Man gibt sich überrascht und sprachlos. Sicher, gehofft habe man schon - aber in diesen Ausmaßen?


 

DER NERV DER ZEIT DIE MAGIE DES SONGWRITINGS

HIM scheinen einfach den Nerv der Zeit zu treffen. Sie sind die richtige Band zur richtigen Zeit. Valo betont, dass er beim Schreiben seiner Stücke nicht eine Sekunde daran denke, wie gut sich das entstehenede Lied eventuell verkaufen ließe. Derlei Gedanken "würden die Magie des Songwritings zerstören!" Wichtig sei ihm, dass ihm seine Songs selbst gefallen. Alles andere ist egal. Auch wenn unsere Freunde aus dem hohen Norden das sprichwörtliche Rad nicht neu erfinden, selbst die größten Kritiker werden nicht umhin kommen, der Musik HIMs eine gewisse Qualität zuzusprechen. Valo, der seine Einflüsse in einem eng abgestreckten Rahmen zwischen Elvis und Black Metal sieht, versteht es, geschickt Elemente aus unterschiedlichen Musikepochen zu kombinieren: Schon Marilyn Manson bewies, dass der Glam der 70er momentan viele Freunde hat, die Eighties erfreuen sich einer Rainessance, eingängige Melodien sind ohnehin zeitlos und gegen eine Portion Herzschmerz vermengt mit Pathos hat wohl niemand so schnell etwas einzuwenden. Hinzu kommt, dass der Sohn eines Sex Shop-Besitzers schlichtweg verdammt gut singen kann. Ergo: auch wenn viele der fanatisch sabbernden und Schlüpfer schmeißenden Mädchen in ihrere Extasenichts davon mitbekommen, HIM haben musikalisch gesehen durchaus etwas auf dem Kasten und heben sich damit vom Großteil der ähnlich erfolgreichen - teilweise künstlich gezüchteten - Kollegen ab. Ville Valo legt bewusst Wert auf diese Fertigkeiten. Ihm ist es zuwider, dass alleine der finanzielle Hintergrund oder visuelle Aspekte darüber bestimmen können, ob jemand Erfolg hat oder nicht. "Ein Mensch mit viel Geld mag sich zum Star machen können", sinniert der Sänger über dieses Thema, "aber ein talentierter Musiker ist er deshalb noch lange nicht!"


 

GOTHIC-FEELING UND ENDZEITROMANTIK KOMMT GUT AN

Ganz im Trend scheint Valo mit seinen Texten zu liegen. Deren Inhalt lässt sich genau genommen zu den beiden Begriffen "Liebe" und "Tod" zusammenfassen. Immer wieder wird das Sterben von Gefühlen oder aber die Unmöglichkeit der glücklichen Beziehung zwischen Mann und Frau besungen. "Join me in death", so der Albumtitel des Hits, ist ein Paradebeispiel der valoschen Lyrik. Es ist die klassische Liebesgeschichte zwischen Romeo und Julia, die nur im Tod vereint und letztendlich auch glücklich sein können. Das hat etwas von Gothic-Feeling und Endzeitromantik und kommt gut an. Die Gefahr, dass ein verwirrter Fan seine permanent vorgetragenen Todessehnsüchte zu wörtlich nehmen könnte, sieht Ville nicht: "Ich hoffe, dass die Hörer intelligent genug sind, um festzustellen, dass es hier nur um eine hübsche Geschichte a la Romeo und Julia geht. Wenn ich nicht selbst meine Texte zu ernst nehmen würde, säße ich jetzt nicht hier, sondern würde in meinem eigenen Grab liegen." Augenzwinkernd fügt er hinzu: "Auch daran, dass sich unsere Fans umbringen, kann mir nichts liegen. Schließlich könnten sie dann nicht mehr unsere Platten kaufen!"
In diesem Zusammenhang spreche ich meinen Interviewpartner auf das Massaker von Littletown an, bei dem am 20.April des letzten Jahres mehrere Menschen von zwei Halbwüchsigen erschossen wurden. Im Zuge dieser Wahnsinnstat entbrannte eine Diskussion über den Einfluss, der Texte beispielsweise von Bands wie Marilyn Manson auf von Songtexten zu derart grausamen Taten animieren lassen sieht der Songwriter nicht so vordergründig: "Die Ursache liegt vielmehr darin, dass in Amerika jeder mit einer Waffe herumrennt bzw. sich jeder eine Waffe besorgen kann. Die Amis rüsten lieber ihre Schulen mit Metalldedektoren und ihre Lehrer mit Maschinenpistolen aus, anstatt beispielsweise den Erwerb von Waffen zu erschweren. Schuld daran ist sicherlich eine mächtige Industrie und deren Lobby, die ein Interesse daran hat, viele Waffen zu verkaufen."


 

HIM SIND BALD VERGESSEN?

Man mag sich mit Menschen, denen zur Zeit fast alles gelingt, gar nicht über diese negativen Dinge unterhalten. Wenn man aber schon einmal dabei ist, intressiert es mich zu erfahren, ob die Finnen mit der Angst vor einem Misserfolg leben? Was würden HIM machen, wenn das dritte Album ein Flop werden würde? "Wir haben davor keine Angst", antworten die beiden fast gleichzeitig und Ville führt weiter aus: "Wir wolen mit unseren Alben nicht die Welt erobern. Es reicht, wenn unser drittes Album so erfolgreich wäre, dass es uns ermöglicht, dadurch ein viertes aufzunehmen. Es wäre schön, wenn ich weiterhin meine Lieder schreiben und diese dann aufnehmen und veröffentlichen könnte." In Anbetracht des derzeitigen Erfolges fast schon ein bescheiden anmutendes Ziel. Aber man merkt den beiden Finnen durchaus an, dass sie ihren derzeitigen Status zu schätzen wissen und bereit sind, einiges für dessen Erhalt zu tun. Und das wird sicherlich auch nötig sein. Noch schwimmen HIM auf einer Welle des Erfolgs, die sich wie von selbst weiter bewegt. Irgendwann jedoch wird die Zeit kommen, in der es an den Finnen ist, für ein Fotbewegen dieser Woge zu sorgen. Wie gut HIM wirklich sind, werden sie mit ihrem dritten Album unter Beweis stellen müssen. Ohne Schwarzmalerei betreieben zu wollen, es gibt genügend Beispiele für Projekte, die nach kurzer Zeit wieder in der Versenkung verschwanden. Ein Vergleich, der sich mir schon bald, nachdem ich HIM zum ersten mal hörte, aufdrängte, ist der zu der spanischen Band Heoes Del Silencio, die vor ca. 10 Jahren mit dem Lied "Entre dos tierras" und dem dazugehörigen Album "Senderos de traicion" ebenfalls großen Erfolg hatte. Auch die Spanier kamen innerhalb kurzer Zeit zu großer Popularität, auch sie hatten mit Enrique Bunbury einen smarten und stimmgewaltigen Frontmann, der beitrug, und auch sie lebten - ebenso wie HIM - sicherlich zu einem gewissen Teil von einem exotischen Flair, das ihnen auf Grund ihrer Herkunft anhaftete. Leider aber sollte der Erfolg nicht lange anhalten. Gerüchte von zu starkem Alkohol- und Drogenkonsum machten die Runde, und es schien, als würden die Heroes Del Silencio an ihrem plötzlichen Erfolg zerbrechen. Obwohl sie noch mehrere Alben veröffentlichten, waren die Spanier bald vergessen.
Vergleiche dieser Art sind jedoch rein hypothetisch. Auf mich macht Ville Valo einen viel zu besonnenen Eindruck, als dass er seine junge Karriere leichtfertig aufs Spiel setzten würde. Und so gehe ich fest davon aus, dass wir noch lange Zeit die bezaubernde Musik dieser sympathischen Zeitgenossen zu hören bekommen. Wünschen wir Ihnen das Beste.

 

Interview Greek Magazine (Rock&Pop)

 

"A phenomenon or a bubblegum?Teenager idols or saviours of gothic?Serious musicians or clever professionals?Thanasis Athanassopoulos - from the Greek magazine 'Pop and Rock', recognising Ville Valo as the absolute sex symbol of the new decade, travelled to Finland to find a solution to these dilemmas."

The temperature had reached 12 degrees Celcius, the time was 14:10, while the appointment was arranged for 14 o'clock and I was planning my reactions to an eventual delay, as I had to leave Helsinki quite soon. While waiting at a picturesque bar of the Finnish capital, I was trying to remember the local names who had managed to sell their records at a wide range of European countries: first of all Bomfunk MC's, maybe the most successful of all, Jimi Tenor, the only warp artist who moved easily from jazz to techno and then to symphonic soul, the 22 Piste Pirko, who haven't backed down for so many years and famous Kirka, whose songs were repeatedly played by the Greek radio at the beginning of the last decade... While discussing with the barman, I learned that Kirka started his carreer with a... heavy metal band! When I heard the term "heavy metal", I got to remember the reason of my visit to this country: HIM, though, are supposed to play "love metal". This is an opinion, I thought, and then I had a look beside me. To my amazement, I saw Ville Valo looking at me! Before I managed to say anything, he greeted me as if we had met before and we had arranged to go out for a coffee-or how a Greek stands out in a Finnish bar...Slim, erect and not different from the "Razorblade Romance" cover, he's the type of guy who, to the question "what's your job?", would reply "a rockstar" [I, personally don't believe that he'd say this!!]. A proof that his minds aren't blown up by that is his apologising look when he said he was sorry about the delay. My first walk in the city helped me to come to some conclusions about the Finns' rhythms of life: they are similar to ours (the Greeks'), so the fact that he was late was simply considered as normal. He bought me a coffee and, suggesting a rather quiet table, he explained that the guitarist Migé Amour would be late because he had to go to the...dentist.
"We'll start our tour from Greece, we'll be there on the 27th and 28th October. I haven't ever visited your country because I haven't been able to afford it. I think we'll have a good time!..."
Migé arrives and, under the time pressure, I press the "record" button.

-How do you feel now that you are commercially successful?
Ville: I can say that I'd been ready for that since I first formed a band and started playing BBlack Sabbath covers! As HIM we're together for ten years and Migé and I have actually known each other since the 80's: we played in many bands and, at least for me, nothing has changed. Now things are just some kind of organised. We haven't been playing together with the other members of the band for a long time and I feel more close with Migé, we've changed more than ten bands together! So, our friendship, which started when we were schoolmates, is considered as the base of HIM. You know, since then we preferred playing music to playing cards!
Migé: In this country you can't make a living by playing music. For that to happen, we were obliged to sing in Finnish. Our dream to become known beyond the borders of our homecountry finally came true and the risk that we took by choosing the English language was effective. I like the fact that people from all over Europe buy our music and accept us. Of course, at the matter of sales, the music industry has the first word. I don't like the games they play, but it's a way-and apparently the only way-to become well-known outside your country. By now the only contacts we had were with Germany; we've ben well-known there and actually it's a country from which it happens that we have the most hearings. If I search for the reason, it'll maybe have something to do with the fact that we have a country similar to the German ones and we get easily influenced.

-It impressed me that you mentioned Black Sabbath, Ville...
Ville: I actually haven't managed to play much Black Sabbath, because I left that band quickly. About myself I can say that I started playing covers of Kiss songs, as a bassist. Afterwards we made the first efforts to create a band with permanent members, which meant that we had to try a lot of people to see how the group would come together, and I actually hated this whole thing... Then we started rehearsals twice a week and it was then when I started to try my luck behind the microphone (this is a Greek expression to see how good I was as a vocalist).

-There are always some bands that become successful in foreign countries,while loads of good ones are sentenced to be limited within their country's borders and be known only there.How do you explain this phenomenon?
Ville: It's clearly a matter of luck.You may know that there are many good bands all over the world whom we've never listened to.However strange your sound is,it's possible to become commercially successful with a little bit of luck.There are guys who do their best to promote their band but they can't manage to escape from the underground.To me,luck is a great factor for that.

-What has mostly influenced you as artists?
Migé: We can't give a precise answer to this question, because we're interested in lots of different names.
Ville: If you think it over, everything can influence you, even the music that can be heard from the speaker right now (he's referring to a stupid Finnish pop song). I like songs and not specific artists.. I like songs of Madonna, Cradle of Filth, Manowar, Elvis Presley. I love certain songs and not their artists, I think a nice melody or a single chorus is enough to make me feel nice. In my opinion, this is the most...healthy point of view.

-Two of the songs of your first album can be found in the second one as well. Why?
Ville: There is an explanation. These two songs ("Your Sweet Six Six Six" and "Wicked Game") can be found only in the European release of "Razorblade Romance" for the simple reason that "Greatest Lovesongs Vol.666" hasn't been released there. We chose these two songs because they were the best ones and they also give a general image of the first album.

-What made you cover "Wicked Game"?
Ville: I watched David Lynch's "Wild at Heart" and this song was the main theme of the film. I bought the soundtrack later; it was then when HIM was formed. So, as we had already three songs ready, there finally turned up a fourth one which we would be able to play.

-How do you face cinema?
Ville: Like everyone else. I like going to the cinema. Fortunately, in Finland smoking in the cinemas is allowed, unless I wouldn't be able to bear it, not to smoke for two hours... Now that I think it over, I actually go to the toilet quite often (my note: this must be because of the much alcohol!! What can we do with this guy?!), so there's another factor that stops you from enjoying a film!
Migé: I'll only say that I like amusing films...

-"Join Me (In Death)" can be heard at the futuristic film "The 13th Floor". If somebody asked you to take the entire soundtrack of a movie over, would you accept the deal?
Ville: If it were a comedy, definitely not. But for a dramatic one, such as "The English Patient", yes. I would certainly compose songs for a Tim Barton movie, because we're fanatics of him.

-For which movie of the past would you like to have composed the music?
Ville: There are masses of Finnish films that I liked, but we'd do that provided that we do the whole soundtrack, not only one song, as in "The 13th Floor". Hmm, I think that'll happen in about two years (laughs)!

-If tomorrow you entered the studio to record songs,what would your third record sound like?
Ville: We've already written some demos! It would possibly sound more like rock'n'roll, noisy, more rhythmical. But be patient, we've got nothing to do but wait for the new recordings to see what we'll sound like. Basically, I imagine it as more tuneful, more 70's; we've got to follow our tradition, which wants us heading backwards to the decades. This way is some kind of reproducing the music that could be heard then.

-Does that mean that we'll hear 60's hits in the fourth album?
Ville: I'm not worried about that one... I'm wondering what will happen in the tenth one, when we'll probably be playing with primitive African drums!! Now let's get serious, we'd like our next album to be more rhythmical, I face that as a sort of development for us. Something like that is essential when your sound is based on guitars.

-And what about the progress of technology?
Ville: I like electronic music, I consider Depeche Mode as pioneers and great artists. But if you play rock, you've got limited choices basically because of live performances. You're obliged to play standard instruments. If the music is composed on a synth, the drummer has to listen to the sequencers on the headphones to follow the track. If you play rock,you never play as you played the previous night, it's clear that in 200 gigs you'll play in 200 different ways, whether the songs are the same or not in your every concert. If you play the same thing every night, then it will become boring.

-But there are also the remixes.
Ville: I like them but we haven't done anything yet. John Fryer, our producer, would be the most suitable person for this job, I was excited by the remixes he's done for White Zombie. He's very productive, he can completely transform songs by remixes-this is actually the concept of remixes. I consider it as a difficult job. You can't get over some brilliant ones while, on the other hand, there are many people who take up the sport and so there are too many of them. To me, a remix has to be perfect, that's why it requires so much work. Back to Fryer and Rob Zombie, I have to say that I respect both of them at this certain domain.

-Are you aware of music outside Britain and the USA?
Ville: Of course we know what's happening in Europe, especially in central Europe. The country about which we know more is German; I like German music very much, for example their gothic. I know many names of that music scene. And, of course, as we said, there are many interesting bands all over the world.

-Whether you want it or not, you have been listed as a gothic band. Do you accept this term?
Ville: What else can we do?Though, I believe that we are a different specification of gothic, we are more tender than others of the kind. This persistence on gothic has to do with my personal tastes, as well. I like dressing in black; but it has to do with the finnish music tradition too. Our traditional music is very melancholic.

-The subject of your lyrics is love, lost loves etc. Is that all you care for?
Migé: Love is an important social relationship and if you look around you, you'll hear everybody talking about love-it inevitably takes on a big part of the music philology, 'cause everybody has an experience of love. From then on, personal relationships become social ones and we move on into bigger social groups. When we made a start ten years ago, we had already selected the frame in which we would act. The "Join Me In Death" lyrics were symbolic, but they became a reason for us to be misunderstood, as many people considered that we suggested suicide. But with death we symbolised the end of a relationship, the end of a love, we didn't mean physical death. When you start writing songs, you plan to talk about different situations which left their trace in your life and of course you emphasize melodies, sometimes in disadvantage of the lyrics.
Ville: What we want to give as HIM is amusement, 'cause whoever listens to us might not be interested in my opinions about things. You give what you write to people of different origins and, by singing about your biomes, they may compare them to theirs or even transform them into theirs. We actually don't want to declare anything by our lyrics, the political situation in Finland apparently doesn't influence us, and that's because it hasn't changed since the end of World War II. Here there is almost socialism (???!!!), there aren't really rich and poor people!

-And what would you vote at a gallop concerning your country's place in the E.U.?
Migé: I would vote for our remaining in the E.U., though I confess that I can't see which is our direct profit. I know that it's now easier to travel to other countries only with your passport, but there are quite a lot of people in Finland who are against the E.U., especially the farmers.

-At your concerts in Athens will you play Billy Idol's "Rebel Yell", as you usually do? And,by the way, why have you chosen this certain song?
Migé:Hmmm... maybe because it's a strong song and quite easy too, I like it very much. On the other hand, I'd choose to buy "Best of" the whole Billy Idol's discography, I like some of his songs, but as for the rest of them we'd better not discuss it... Now that I get to think of it, this song belongs to the best music times for me, to the second half of the 80's. You know, punk hasn't touched me at all, I don't even have "Never Mind the Bollocks".

 

deutsche Version kommt bald

 



 

HIM in Salzburg (Austria)

(Interview: Salzburg.com; Nina Strasser)

 

Fatty black hair, rings of fat loom under the t-shirt. What? THIS can't be the sexsymbol Ville Valo? Good luck: It's Migé Amour the bassist of the finnish band HIM, who is sitting in a café of a 'salzburger' hotel. And suddenly HE is there: Ville Valo, the frontman and singer of the band is in reality more menkind than on posters and videos. "Hello", he says, and lights his first (of the much more coming) cigarette(s), then he´s is ready for the interview.
 

 

FRITZ: How would you discribe your music?

Ville (laughs): Femine rock.

FRITZ: Why are your songs that dark and melanchonic?

Ville: That's the northern stile. Sad songs work better in Finland. Also I've got a preference for horror movies. They had an effect on my psyche, too (laughs). To sing is also an type of therapy, I don't have to spend my money on the psychiatrist and earn a lot of money, too.

FRITZ: Do you tell about your experiences in your texts?

Ville: My songs are like a personal diary. I hate invented texts!

FRITZ: Sometimes you are compared to Jim Morrison or David Bowie. Are you annoying about that?

Ville: I don't mind to be compared to legends.

FRITZ: Does it perturbe you that you are a teene idoll?

Ville: (sags his head and thinks a long time): This is a hard question. (and remains silent)

FRITZ: What's the most crazy thing ever happend to you?

Ville: To be a teene idol (is glad about his good answer).

FRITZ: Do you have a girlfriend?

Ville: Many. Most of my friends are women.

FRITZ: What are your plans for the future?

Ville: In the mid of july we´re going to go into the studio again. The new cd should be darker and more melanchonic.

FRITZ: Why don´t you sing songs in finnish?

Ville: This is a difficult language. It doesen´t rhyme and sounds hard.

FRITZ: What are you doing after a concert?

Ville: At first sleep late. Anyway we will go to a restaurante tomorrow.

On Thuesday the band really was seen in the 'linzner gasse'. He ate 'salzburger mozarttaler' and bought a pack of malboro light how FRITZ was exclusive told by a fan. Ville also said that salzburg is one of the most beautiful places he had visited ever.

 

HIM in Salzburg

(Interview: Salzburg.com; Nina Strasser)
 

 

Fettige, schwarze Haare, Speckschwarten zeichnen sich unter dem T-Shirt ab. Was? DAS kann doch nicht das Sexsymbol Ville Valo sein? Glück gehabt: Es ist Migé Amour, der Bassist der finnischen Gruppe HIM, der da im Café eines Salzburger Hotels sitzt. Und plötzlich ist ER da: Ville Valo, Frontman und Sänger der Band, ist in Wirklichkeit noch viel schöner als auf den Postern und Videos. "Hello", sagt er, zündet sich die erste (von vielen weiteren) Zigarette(n) an, dann ist er bereit für ein Interview.
 

FRITZ: Wie würdest du deine Musik beschreiben?

Ville (lacht): Femininer Rock.

FRITZ: Warum sind eure Lieder so düster und melancholisch?

Ville: Das ist eben der nordische Stil. Traurige Lieder kommen in Finnland besser an. Außerdem habe ich eine Vorliebe für Horrorfilme. Die hatten wohl auch Auswirkung auf meine Psyche (lacht). Singen ist also eine Art Therapie, ich spare mir den Psychiater und verdiene noch viel Geld.

FRITZ: Erzählst du in deinen Texten von eigenen Erfahrungen?

Ville: Meine Lieder sind wie ein persönliches Tagebuch. Erfundene Texte hasse ich!

FRITZ: Du wirst manchmal mit Jim Morrison oder David Bowie verglichen. Nervt dich das?

Ville: Mir macht es nichts, mit Legenden verglichen zu werden.

FRITZ: Stört es dich, dass du ein Teenie-Idol bist?

Ville: (senkt den Blick, denkt lange nach): Das ist eine harte Frage. (Und schweigt).

FRITZ: Was ist das Verrückteste, das dir bisher passiert ist?

Ville: Ein Teenie-Idol zu sein (freut sich sichtlich über seine gute Antwort).

FRITZ: Hast du eine Freundin?

Ville: Viele. Die meisten meiner Freunde sind Frauen.

FRITZ: Was habt ihr für Zukunftspläne?

Ville: Mitte Juli werden wir wieder ins Studio gehen. Die neue CD soll noch düsterer und melancholischer werden.

FRITZ: Warum singt ihr keine Lieder auf Finnisch?

Ville: Das ist eine zu schwierige Sprache. Sie reimt sich nicht und klingt hart.

FRITZ: Was macht ihr nach dem Konzert?

Ville: Erst einmal ausschlafen. Auf jeden Fall gehen wir morgen in ein Lokal essen.

Am Dienstag wurde die Gruppe dann wirklich in der Linzer Gasse gesichtet. ER aß Salzburger Mozarttaler und kaufte sich zwei Packerl Marlboro light, wie ein Fan FRITZ exklusiv informierte. Außerdem habe Ville gesagt, Salzburg sei einer der schönsten Plätze, die er je gesehen habe. 
 

 

The negative version of Bon Jovi

Scandinavia's gothic rock band No. 1 presents their second album "Razorblade Romance". Ville Valo and HIM on their way to the top of the charts? The success of the first single "Join me" proves that there is definitely a potential to do so. Since the debut "Greatest Lovesongs Vol. 666" was realeased in Finland over two years ago, the band developed in a way that not even the self-assured front-man and song writer Ville Valo had dared to predict.
In the isolation of the cold North gloomy, deeply melancholic, but yet catchy gothic rock songs were written, which one year later shook the scene up especially in Germany. Not least because of the cover version of the Chris Isaak hit "Wicked Game". (Ville Valo: "Without Chris we wouldn't be where we are now.") Two tours and several festival gigs later, the ground seems to be prepared for the next step: the first single "Join me" for some weeks now causes quite a stir in the German charts. In mid December the theme song of Roland Emmerich's movie "The 13th floor" is about to enter the top 20. A success which Ville immediately wants to have put in perspective during the interview: "I'm really happy about it, but the German charts just differ extremely from the Finnish. So honestly I can't assess its rating properly. People, who are in that business keep telling this is a good position in the charts, but I don't know how good. Especially because it's a rock song."
If the ordinary rock consumer didn't change his shopping behaviour, HIM are in for it now. German fans of guitars like buying records even more. Especially in the first two weeks. That's why the release of singles most often runs parallel to the release of the whole record and for that reason singles aren't too relevant. Particularly since German radio stations, without a proper reason (high positions in the US or England for example), shrink back from putting rock songs on their playlists. Maybe the song is successful because of the video and the promotion of the film distribution of "The 13th floor" that goes with it.
How does a newcomer band get such chance anyway?
"That's easy!", the slim Finn grins at me. "We were recording in the studio, when our manager called us and told us about the possibility to contribute to the film's soundtrack. We ordered a copy of the film, watched it and we liked it. The whole thing of course depended on our song being good enough. Unfortunately - or thank God - we didn't have time to write a new song for the movie. So we had to take an existing composition. That's why the album version is heavier and more like rock music than the single version."
This commercial point of view especially in this genre surely seems to be a bit peculiar, but the success proves the responsible people are more than right. Talking about success: in the meantime Germany seems to have become like a second home for HIM, which Ville immediately confirms: "Our first gig outside Finland or rather our first tour we played in Germany. We have really close friends here, the record company backs us. The German audience is very much like the Finnish audience, maybe a bit more enthusiastic like the people at home." Although "Greatest Lovesongs Vol. 666" was sold over 50.000 times here in Germany and the new album is possessing an even bigger hit potential, Ville stays realistic: "Of course this is a really good result for a debut album of this music genre, but the other European countries decide to wait and see. Many of the smaller countries take a look at the German market and only pick those artists, who might reach the audience in their country, too. Honestly, who was interested in this kind of music a few years ago? We just wait and see, don't rush things, but tackle one country after the other. Maybe somewhere else we can be as successful as we're here. But I don't have a recipe for success. I think touring is going to be really important."
Anyway on their last gigs the band quickly realized, that it's not easy as a relatively unknown rock band when - in smaller countries like Sweden for example - there is no undergound and for that reason no possibility to play. In this connection pigeonholes are rather troublesome than helpful, especially when one is filed under "heavy rock". "I don't consider us a heavy rock or metal band anymore like in the beginning. We are a rock band, but we also have a certain pop appeal. We're a negative version of Bon Jovi. Lyricswise, too. Bad things are good and good things are bad. We wanted to call the album "Slippery when dead", but then we thought it's too tactless. We don't want to be seen as necrophile. At least not now!" Then he's laughing.
If one listens to the album in one go, one can hardly imagine, it needed several attempts to get to this perfect mix of gloomy sounds and pop elements. After releasing the first album, songs like "Join me" (titled "Join me in death" on the album), "Right here in my arms" and "Ressurection" were done already, but they weren't good enough in Ville Valo's opinion. "Altogether we almost worked 2 1/2 years on the songs. We are not writing songs on tour because there's just no rest and no time. Especially as a newcomer you just have to give so many interviews in the beginning. As well, it would be too strenuous to hump along all the equipment. On our next tour, we're going to try to rehearse new songs while doing the soundcheck - that's not easy, too, but we'll probably be on tour even more with this album than with the last one. At the moment, we wrote 5 songs which are even better than the current songs. Some day we just want the record release to run parallel in all countries. The debut album was already released in 1997 in Finland. So one can imagine how tiring it is to still play those songs two years later when there is already new material. We don't want to bore people anymore."

Finnish fans still have to be patient for some time, since the mentioned single yet hasn't been released there. On the one hand it's got to do with the film (at the moment of the interview no one knew exactly whether it will be on screen there). On the other hand it's got to do with the fact Finnish radio stations don't mind setting stronger tones on the ether. So with the rather insipid version of "Join me" HIM might put their fans' noses out of joint - in this connection Ville is grinningly talking about the "street credibility we have to keep in Finland. After all we're not a pop band. In Finland singles aren't too important, but they're only used for promotion." (Last minute news: shortly after copy deadline we got the message, "Join me" directly hit No. 1 in the Finnish charts) Talking about that, it might be interesting, that for many fans (and journalists) HIM actually is only Ville Valo. Two times they changed members (before the first tour they had a new keyboard player, before the second they had to exchange the drummer), but it's obviously not as important to the public as it is with other bands. Ville himself doesn't even think it necessary to tell the names of the people concerned: "I'm not a sensitive person although many people think I am. Sometimes one has to be strict with decisions concerning business."
Perhaps for this reason the first recordings in the Finnvox Studios have been turned down. Only in the Rockfield Studios in Wales with John Fryer (White Zombie, Depeche Mode, NIN) they got the right feeling. "Maybe it was because of the time we recorded the first songs. The Finnish winter is so hard, it just blocks all motivation. The songs were too gloomy and too depressive. Too much heavy metal, hardly any keyboards, hardly any emotion. But John put us on the right track again. This guy is an absolute pro. Usually he only works with electronic combos which he always told how to sound, but with us it was really okay. That's why the album sounds so organic and more authentic than the first one. Now we sound very much like we sound playing live. As well, it was a great feeling to sing in the same room, in which Queen recorded 'Bohemian Rhapsody' and Black Sabbath recorded their first album. Usually as a singer one records one's part and then changes a few things. This time we decided to have a big party in the studio to create the right athmosphere. I was so stoned with some recordings! But then emotion and phrasing just get better across. We could take almost 70 percent of the sessions as they were. It was perfect."
Although the press reactions have been very positive in advance, Ville doesn't let it go to his head. "I don't care whether journalists like the album or not, it depends on the consumer. I don't consider our album good or brilliant, I'm content, yes. It's good as long as people buy it, come to our concerts and just really like it. That's what makes a good album. It's not a good album if nobody's interested in it. In my opinion it's not only about the music, but also about the cover, the lyrics, the gigs, the promotion, just all the things that go with it." As mentioned already: HIM actually are/is Ville Valo. As the main song writer, front-man and as main interviewee he's always in the centre of attention. Though the record company is trying hard to draw people's attention on the other band members - it remains a try. Bassist Migé Amour for example does only say something when he himself is asked. In this case to the above mentioned fact: "It's not a problem for us not to be on the album cover. I don't like make-up and all those things." Ville supplements self-assured: "When we discussed the new album cover, we didn't know who was going to be in the band anyway. The drummer was only with us for a few months. We then didn't know how things would develop. But now everything's fine. And by the way: I'm just writing all the songs."
Coming to an end, there still is the question what the band itself expects of their new record. I myself predict definitely more than 50.000 sold records. "We hope so, too. We'll see what happens. I don't care about the result in the end. The main thing is that we can go on playing and going on tour. Maybe with the third album we can play in Japan or in the US. 'Wicked Game' might be a good song for a Levi's commercial. We can only take it step by step. When I was a child I never had the money to travel. Now it's my job. That's cool." HIM travel again in March. At least that's the plan. Let's see what happens...

deutsche Version kommt bald

 

Rock Hard Tourbook


Do HIM rock hard?

A golden record for the single 'Join me', golden and platinum records for the album 'Razorblade Romance'. Finland's rock music export No. 1 is shaking the German charts up. Rock Hard visited the first shows of the sold-out tour and, amidst mutilated teddy bears and flying stoner-rock cds, tried to answer the question of all questions:
Do HIM rock hard or are they just a hyped one-hit-wonder?

Cologne, Live Musica Hall

Welcome to chamber 13

Taking the enthusiastic audience reactions, Ville Valo and co. gained during their performance, as standard, the band is on its way to the world of superstars. The Live Music Hall is jampacked and the audience (which consists of much more teenagers than the day before in Oberhausen) is frenetically celebrating Ville, while he's introducing the band members. The first rhythms of the opening song 'Right here in my arms' strike up. Although the Finnish tour ended only shortly before, the band is surprised at the euphoric reactions of the audience and can't help, but to grin a few times. Their performance before the concert at the 'Harald Schmidt Show' can also be seen as a success. (quotation H. Schmidt: "Come on, tell the truth: 'Join me' means: do you have something to smoke...?").
After all, HIM is the first band ever, which was allowed to play two songs in the show of Germany's leading windbag. After these stressful events of the day, it is only logical the band is finishing off the evening having a few drinks at the hotel bar and going to bed shortly afterwards. Only Ville and band manager Seppo stay and discuss the upcoming release of 'Razorblade Romance' in England together with BMG's international marketing boss.
Dozing, I can't forget about a confused warning by drum beast Gas Lipstick: the original held forth on the fantasy creature Mr. Apple and, while talking, meaningful stroked his belly. In the style of the Maiden classic 'Two minutes to midnight', as Mr. Lipstick was saying, one is just able to see this beast shortly before witching hour and just in special nights. The story is only topped by the conspiring grinning night porter, who is very kindly handing over to me the key to room 13. Since when are Finnish people devoted to voodoo magic?
And anyway: damned! Who is the beast with the fruity name?

 

Nordhorn, Vechta-Halle

Teenagers are human beings, too!

The logistic effort which is run on tour is enormous and it nearly doubled, since almost all concerts had to be moved to bigger arenas. The inner band circle is completed by manager Seppo Vesterinen and Silke, who's looking after the guys. Two people who, since the beginning of their career, loyally stood HIM by and in the meantime they are perfectly prepared on musicians' moods.
While the roadies already in the night go to the next venue and start to build up the stage, HIM only at the day of the show travel to the respective city. The only people awake during these trips are usually Gas and Seppo, the communication junkies from Nokia-land, who spend every free minute over their computers. Seppo is giving his blessings to elementary things such as promotion appointments, record releases abroad and the new HIM web page. Gas at the same time is intensively enjoying his mobile phone, like a little boy in a toys shop, and an internet accessible data bank...
At 3 o'clock there is a press conference with the local media and two hours later there is the soundcheck in the arena. Especially the press conferences feel like question time, always the same.

The absolute favourites are:

  • "Did the success come as a great surprise?" ("Of course, one can't plan anything like that." ),
  • "Does 'Join me' propagate suicide attempts?" ("No because the lyrics are inspired by Romeo and Juliet - one doesn't kill oneself after reading the book."),
  • "What do you think about teenagers increasingly coming to your concerts?" ("That's no problem for us - teenagers are human beings, too!").

The five people from Helsinki get through this question time with admirable patience and for journalists, who are more profound, there's always the one or other anecdote. That's what's called "professional"...
At the Vechta-Halle there's much more fun. Not only is the arena in the middle of nowhere, but people can also take a closer look from outside at the catering area. This results in hundreds of (mainly female) HIM-kids let themselves be carried away and shout 'Ville - we love you' or, the more offensive version 'Ville - please fuck us'. Four fifth of the band laugh while the lady-killer, rather unlike a sex-symbol, blushing picks at his food. As the best tour so far the opening band REAMONN can register their gig. Already with the first song 'Stripped' and the first announcement of singer Rea ('I'm Irish - and hardly speak German - but a bit still is better than nothing, isn't it?')the guys from Freiburg have the 4.000 viewers in the bag. Enthusiastically the audience celebrates hits like '7th son' or their first single 'Supergirl'. This band has a certain potential and definitely gained a lot new fans on tour because of their sympathetic personalties.
Livened up by the euphoric audience reactions, HIM then put up a great show. Several discussions with the sound engineers obviously helped: the songs sound crystal-clear and the quintette is even more self-assured. Bassist Migé and guitarist Lily established as eyecatchers amongst Ville. Especially Migé, wearing his cowboy hat and leather clothings as if he just escaped from the easy rider movie, forms a contrast to the rest of the band. In case the outer circumstances are fine, HIM play their songs with extra harshness. A fact that makes HIM being one of the strongest melodic rock bands ever. Otherwise, sometimes just the slightest hitch noticeably throws the quintette. No wonder - after all, except for Gas, the other musicians are only in their early 20s... The show is ended with 'Diabolical Rapture', today jokingly titled 'Dimmu Burger'. One musician after the other leaves the stage and in the end, only Migé and Linde cross their guitars in the style of Manowar.

Afterwards one is looking forward to a nice room party which lasts until the morning. Migé and Linde are taking the cake by lying on their beds in self-made, very bizarre monk's habits philosophizing about Finnish summer festivals (Migé) or, as another choice, remaining silent (Linde) and drink the one or other beer. The situation gets dangerous when the idea of getting Linde's dreadlocks into shape arises. Silke though points out the young man is going to have early hair loss due to an overhasty action. This warning and well thought-out tip puts the completely plastered party people off doing their venture. - Only Ville grumbles ('I was a rasta man myself when I was 14 - I know how to do it!'). Eventually though he's persuaded...
But the next day the project is to be put into action and Mr Apple, as Gas promises, is having his first visit. Some girls then ensure that there is the official final laugh. They're staying in the same hotel and in the meantime stumble puking through the corridors. True affection is something different...

Magdeburg, Stadthalle

The great teddy bear massacre and Mr Apple
Magdeburg rocks! The band's quickly aware of that, when they arrive at the Stadthalle in the afternoon and are welcomed by some hardcore fans. Since the outer circumstances are brilliant, too, HIM are relaxing in the spacious backstage rooms before the concert. Seppo is telling some anecdotes and Migé is thinking about the band's career so far: "We nearly split up.", he, who had his first musical attempts with a band having the rather uncommercial name 'Three Potatoes' says, "because the trouble with our former drummer and keyboard player was getting bigger and bigger. We then were so frustrated, we never thought we'd record a second album. But we learned from this situation: nowadays we discuss all problems - we never want kind of cliques again. Juska and Gas really saved our ass and they just fit in the band very well."
A fact the audience is able to go and see for themselves this day. HIM compactly bang away their programme into the sold-out arena, but shorten it by 'The Heartless' because Ville's slightly weakened voice shouldn't be overstrained. A wise decision considering the mind-blowing programme of concerts, promotion appointments and all the other things. Too dreadful to think about the chaos arising from canceling some shows... Nevertheless the band is in a good mood after the concert. Ville gives Linde real dreadlocks, Migé completely cured his cold and in an approach of vandalism, they behead the numerous soft toys, which were thrown onto the stage. "You see - we're a rock band!" Gas shouts triumphantly before he shows his stately belly and, by wildly squeezing it, manages to form a face out of the beer gut: "Hello - my name is Mr Apple..." Oh my god, are they all mad?
A few hours later in the hotel one can really conclude that because Mr Apple is put the one or other cigarette butt into his 'mouth' and another room party takes its course. As always without groupies, as always without hard drugs, but with amazing staying power. Some fans found out about the room number (presumably staff members, who already wanted to make a run on the tour bus for some autographs, told them). They call and Ville tells them to come to the north wing. "We always try to have some time for the fans, have our photographs taken and sign autographs, but you've got to call a halt somewhere." the front-man and main draw of the female covetousnesses explains. Of course - who wants to be woken up in the middle of the night? See, no one! By the way, the band is staying in the south wing of the hotel...

Hamburg Große Freiheit

The Finns are coming

Just the fact having the golden record awarding together with a party after the concert, would be enough to call the gig in Hamburg critical because of the expected media crowd. To make things even worse nearly the whole Finnish record company came to be present at the event. Already in the morning the Helsinki farce tries to live up to their repute of being a crowd who's holding their drinks well. With several dozen vodka-lemon drinks they get themselves going. As well the hotel is crowded round with hordes of fans. RTL, SAT 1 and MTV want interviews and the show takes place in a club, which is too small because the organizer didn't manage to move the event to a bigger arena. At some point the band is fed up. Due to the excessive hectic they barricade themselves in their wardrobe and talk to John Fryer who produced the 'Razorblade Romance' album and now came just for the show. Not even employees of their own record company are allowed to enter the backstage area. Today's performance is too important as to discuss business matters. Ville, Migé and Linde rather relax.
The trio instead organises a mini amplifying system and some guitars to give me a first foretaste of the third HIM album. "I'm having a few tapes with different ideas and riffs at home.", Ville says, "but since we're constantly on tour, we have to work on the songs when we have a little time off. We don't want to start the next recording sessions completely unprepared." Says, gets Migé's bass and Linde's guitar to play some tracks. The songs, in their instrumental version, sound a bit like being stoner-rock-influenced. The reason for that might be the bands' fondness of such bands. In the tourbus and at room parties the Finns swear by bands like Unida, Kyuss and the Spiritual Beggars, especially the last one is Ville's favourite: "I once saw them live - their intensity really is incredible."
Not less intensive is a little later the HIM concert in the jampacked Große Freiheit. Good light, good sound, only Ville's performance is far less extrovert than at the last gigs. A sure signal today's media crowd and the immediate following party after the concert really take it out of the sensitive HIM front-man. The golden record awarding then is taken rather uninterested, before they decide to leave the completely crowded venue in order to empty a small bar at the Reeperbahn together with the employees of their Finnish record company. The further course of the night is kept a secret...

Hamburg, the day after

Death metal at the Reeperbahn

Collective suffering is on the agenda after last night's excesses. Even the fire alarm which is triggered off in the early afternoon doesn't impress anyone.
"It's the old little game", Migé says man-of-the-world like. "The fans trigger off the alarm to see which rooms we're staying in.".
Only Juska is in a good mood because he just bought a whole new set of clothes at the Reeperbahn (not being completely drunk - things like that can be expensive). Drummer Gas, who grinningly ordered in perfect German 'a bag of diarrhea' in a few hotel lobbies, as well, keeps bouncing back. Shouting at the top of his voice "We are going to a death metal party" he's stomping through the bar and proudly presents to everyone, who wants to know (or not), his latest acquisition: a really ugly haircut machine. "I bought it from a guy at the Reeperbahn for 60 marks. It works well - I didn't have any injuries on my head so far..." Other parts of the HIM crew are doing their share of having head aches today. The Finnish crew, in breakneck speed, gets drunk with all available drinks within their reach and announes at 1 o'clock in the morning that now they're going to Herford to start building up the system. Have fun...

Herford, Kick

Highs and lows:

Incredible: the system is built up - and even works. But the roadie trio from the far north suffers from nasty depressions and is not talking to anyone the whole day. It's not very different with Ville who since two months had his first day off without any interviews in Hamburg, but is vocally weakened. Only Asko gets going, the A&R manager of the Finnish BMG who signed the band on in 1997. Armed with a video camera he walks round the Kick and interviews the waiting fans. Result of the interviews and of the following discussion: the set list is changed on a trial basis. 'Razorbalde Kiss' is today's opening song. 'Right here in my arms' which was the opening song so far, is on position five now and the encore block comprises 'Gone with the sin' and the Billy Idol cover 'Rebell Yell'.
So the changes keep within bounds, but they're enough to really throw the band. As well, the audience is extremely reserved giving the impression of being under the influence of valium. It's a quite shaky show. Later Migé admits he constantly played the wrong notes. Ville is shaken by severe coughing fits on stage and during the breaks he spits like a llama into a bucket. Of course after the show the mood is somewhere way below zero and the band is making a depressed impression. This depressed crowd has nothing in common with the glorified chart-topping band. They rather look like five kids who analyse their show extremely self-critical and at the moment would rather live on the moon.
In the end they can be persuaded to have a farewell drink. Mr Apple eventually saves the day. However: it's admirable how patient HIM cope with the current fuss about them. The fact that in all this trouble one single unsuccessful show causes a crisis of identity with the band, says something for the guys' ground holding. Respect!

 

Rock Hard Tourbook


Rocken HIM hard?

Gold für die Single 'Join Me', Gold und Platin für das Album 'Razorblade Romance'. Finnlands Rockexport Nummer eins rollt die deutschen Charts auf. Rock Hard verfolgte die ersten Shows der ausverkauften Tour und versuchte inmitten verstümmelter Teddybären und herumfliegender Stoner-Rock-CD´s die Mutter aller Fragen zu beantworten:
Rocken HIM hard, oder sind sie nur ein gehyptes One-Hit-Wonder?

Köln, Live Musica Hall

Willkommen in Kammer 13

Nimmt man die begeisterten Publikumsreaktionen als Maßstab, die Ville Valo und Co. während ihres Auftritts ernten, dann ist die Band auf dem Weg ins Reich der Superstars. Die Live Music Hall ist rappelvoll, und das Publikum (unter dem sich heute weitaus mehr Teenager als am Vortag in Oberhausen befinden) feiert Ville schon frenetisch, als er während der ersten Takte des Openers 'Right Here In My Arms' - die Band vorstellt. Trotz der kürzlich absolvierten Finnlandtour ist die Band von den euphorischen Publikumsreaktionen überrascht und kann sich das eine oder andere Grinsen nicht verkneifen. Als Erfolg kann auch der bereits vor dem Konzert absolvierte Liveauftritt in der Harald Schmidt-Show gewertet werden (Zitat H. Schmidt: "Gebt's doch zu: ,Join Me' heißt übersetzt: Hast du was zu rauchen...?").
Schließlich sind HIM die erste Band überhaupt, die im Programm von Deutschlands führender Schwatznase zwei Songs spielen durfte. Nach diesem stressigen Tagesprogramm ist es Logisch, dass die Band den Abend bei einigen Drinks in der Hotelbar gemächlich ausklingen lässt und sich bald darauf ins Bett begibt. Lediglich Ville und Bandmanager Seppo diskutieren noch mit der nach Köln eingeflogenen internationalen Marketingleiterin der BMG über die anstehende Englandveröffentlichung von 'Razorblade Romance'.
Im Halbschlaf will mir ein wirre Warnung von Schlagzeug-Tier Gas Lipstick nicht aus dem Kopf: Das Unikum hatte sich über die Phantasiekreatur Mr. Apple ausgelassen und dabei vielsagend seinen Bauch gestreichelt. In Anlehnung an den Maiden-Klassiker 'Two Minutes To Midnight', so Mr. Lipstick, könne man diese Bestie jedoch nur kurz vor der Geisterstunde, und dann auch nur in besonderen Nächten zu Gesicht bekommen. Die Story wird nur noch durch den verschwörerisch grinsenden Nachtportier getoppt, der mir freundlicherweise die Schlüssel zu Zimmer 13 über den Tresen schiebt. Seit wann geben sich Finnen dem Voodoo-Zauber hin? Und überhaupt: verdammt noch mal, wer ist das Biest mit dem fruchtigen Namen?

Nordhorn, Vechta-Halle

Teenager sind auch Menschen!

Der logistische Aufwand, der auf der Tour betrieben wird, ist gewaltig und hat sich durch die Tatsache, das fast alle Konzerte in größere Hallen verlegt werden mussten nahezu verdoppelt. Zum innersten Bandzirkel gehören mit Manager Seppo Vesterinen und Bandbetreuerin Silke zwei Leute, die seit Beginn der Karriere Ville & Co. loyal beiseite gestanden haben und sich mittlerweile perfekt auf die Musikerlaunen eingestellt haben.
Während die Roadies bereits in der Nacht zum nächsten Auftrittsort fahren und mit dem Bühnenaufbau beginnen, reisen HIM erst am Tag der Show in die jeweilige Stadt. Wach sind bei diesen Transfers für gewöhnlich Gas und Seppo, die als Kommunikationsjunkies aus Nokia-Land jede freie Minute über ihren Computern verbringen. Seppo, um so elementare Dinge wie anstehende Promotermine, Auslandsveröffentlichungen und die neue HIM- Webpage abzusegnen; Gas, um sich wie ein kleiner Junge im Spielzeugladen intensiv mit seinem Handy, gleichzeitig eine Datenbank mit Internetzugang, zu beschäftigen...
Um 15 Uhr gibt es als festen Programmpunkt eine Pressekonferenz mit den örtlichen Medien, bevor es zwei Stunden später zum Soundcheck in die Halle geht. Besonders die Pressekonferenzen geraten dabei zu ewig gleichen Fragestunden.

Die absoluten Favoriten lauten:

  • "Seid ihr von dem Erfolg überrascht worden?" ("Klar, sowas lässt sich nicht planen" ),
  • "Propagiert 'Join Me' Selbstmordversuche?" ("Nein, denn der Text ist von Romeo und Julia inspiriert - nach dem Lesen des Buches bringt sich ja auch keiner um"),
  • "Wie findet ihr es, dass verstärkt Teenies zu euren Shows kommen?" ("Damit haben wir kein Problem - Teenager sind auch Menschen!").

Mit bewundernswerter Geduld hangelt sich der Helsinki-Fünfer durch diese Fragestunden und hat für die etwas tiefsinniger gepolten Journalisten immer die eine oder andere Anekdote parat. Das nennt man wohl "professionell"...
Weitaus lustiger geht es da schon an der Vechta-Halle selbst zur Sache. Nicht nur, dass die Halle mitten in der Pampa Liegt - auch der Catering-Bereich ist heute von außen einsehbar, was dazu führt, dass sich einige hundert (meist weibliche) HIM-Kids zu Sprechchören wie "Ville - we Love you" oder in der offensiveren Variante zu "Ville - please fuck us" hinreißen lassen. Vier Fünftel der Band lachen, während der Frauenschwarm wenig Sex-symbol-like mit hochrotem Kopf in seinem Essen herumstochert... Als bisher beste Show der Tour können die Opener REAMONN ihren Gig verbuchen. Schon beim Einstieg 'Stripped' und der ersten Ansage von Sänger Rea ("Ich komme aus Irland und spreche kaum Deutsch - aber ein bisschen ist immer noch besser als überhaupt keins, oder?") haben die Jungs aus Freiburg die knapp 4.000 Zuschauer im Sack. Begeistert werden Knaller wie '7th Son' oder die erste Singleauskoppelung Supergirl abgefeiert. Diese Band hat Potential und dürfte auf der Tour durch ihre sympathische Ausstrahlung eine Menge neuer Fans hinzugewonnen haben.
Angeheizt durch die euphorischen Publikumsreaktionen, fahren auch HIM im Anschluss ein mächtiges Brett. Die diversen Besprechungen mit den Soundleuten zeigen Wirkung: Heute rocken die Songs glasklar durch die PA und geben dem Quintett zusätzliches Selbstbewußtsein. Längst haben sich Basser Migé und Gitarrist Linde neben Ville als Blickfang etabliert. Vor allem Migé, der mit seinem Cowboyhut und den Lederklamotten aussieht, als wäre er gerade jenem Easy Rider-Streifen entsprungen, bildet einen optischen Kontrast zum Rest der Band. Stimmen die äußeren Umständen, dann hauen HIM ihre Songs mit zusätzlicher Härte heraus, was sie zu einer der stärksten Melodic Rock-Bands überhaupt macht. Ansonsten reicht manchmal schon die kleinste Panne, um das Quintett spürbar zu verunsichern. Welch Wunder – schließlich sind bis auf Gas alle Musiker erst Anfang 20... Die Show lässt man heute mit dem scherzhaft 'Dimmu Burger' betitelten 'Diabolical Rapture' ausklingen, in dessen Verlauf sich ein Musiker nach dem anderen von der Bühne verabschiedet und zum Schluss nur noch Mige und Linde die Klampfen im Manowar-Stil kreuzen.

Danach freut man sich auf eine nette Zimmerparty, die bis in die frühen Morgenstunden andauert. Den Vogel schießen dabei Migè und Linde ab, die in selbstgenähten, sehr bizarren Mönchskutten auf ihren Betten liegen, über die finnischen Sommerfestivals philosophieren (Migè) oder wahlweise schweigen(Linde) und das eine oder andere Bier trinken. Gefährlich wird die Situation, als die Idee aufkommt, Lindes Dreadlocks in Form zu bringen. Erst der mahnende und überraschend durchdachte Hinweis von Bandbetreuerin Silke, dass dem jungen Mann aufgrund einer überhasteten Aktion der vorzeitige Haarausfall droht, bringt die komplett verstrahlten Partyteilnehmer von ihrem Unterfangen ab.- Lediglich Ville nölt herum ("Ich war als l4jähnger auch als Rastamann unterwegs -ich weiß wie’s geht!"). Lässt sich aber schlußendlich doch überzeugen.. Morgen soll die Aktion aber definitiv über die Bühne gehen und Mr. Apple. so des Versprechens von Gas, wird uns ebenfalls seinen Antrittsbesuch abstatten. Für einen amtlichen Abschlusslacher sorgen dann noch einige Mädels. die sich im gleichen Hotel wie die Band einquartiert haben und mittlerweile kotzend über die Flure stolpernd. Echte Zuneigung ist was anderes...

Magdeburg, Stadthalle

Das große Teddybär-Massaker und Mr. Apple
Magdeburg rockt! Soviel wird der Band schon klar, als sie am Nachmittag an der Stadthalle ankommen und von einigen Hard-Fans in Empfang genommen wird. Da auch die äußeren Bedingungen vom Feinsten sind, hängen HIM die Stunden vor der Show in den geräumigen Backstageräumen herum und relaxen. Seppo gibt einige Anekdoten zum Besten und Migé denkt über den bisherigen Karriereverlauf der Band nach: "Wir standen kurz davor, uns aufzulösen", erzählt der Tieftöner, der seine ersten musikalischen Gehversuche in einer Band mit dem wenig kommerziellen Namen "Drei Kartoffeln" absolvierte, "denn der Stress mit unserem damaligen Drummer und Keyboarder wurde immer größer. Wir waren damals so frustriert, dass wir echt nicht damit gerechnet haben, ein weiteres Album aufnehmen zu können. Aber wir haben unsere Lehren aus dieser Situation gezogen: Heute werden alle Probleme offen angesprochen – einen Cliquenbildung soll es bei uns nie mehr geben. So gesehen haben uns Gas und Juska echt den Arsch gerettet, zumal sie auch menschlich super in die Band passen."
Eine Tatsache, von der sich auch das Publikum an diesem Tag überzeugen kann. HIM ballern ihr Programm äußerst kompakt in die ausverkaufte Halle, kürzen den Set allerdings um 'The Heartless' weil Villes leicht angeschlagene Stimme nicht übermäßig strapaziert werden soll. Bei dem anstehenden Wahnsinnssprogramm aus Livekonzerten, Promoterminen und sonstigem Schnickschnack eine clevere Entscheidung. Nicht auszudenken, welches Chaos entstehen würde, wenn man einige Shows absagen müsste... Trotzdem ist man nach der Show gut gelaunt. Ville verpasst Linde endlich korrekte Dreadlocks, Migés Erkältung ist auskuriert, und in einem Anflug von Zerstörungswut werden die zahlreichen Plüschtiere, die auf der Bühne gelandet sind, enthauptet. "Siehst du – wir sind eine Rockband!" johlt Gas triumphierend, ehe er seine stattliche Plauze enthüllt und es durch wildes Gequetschte schafft, aus dem Bierspoiler eine Art Gesicht zu formen: "Hello – my name ist Mr. Apple...." Gott im Himmel, sind denn hier alle komplett durchgeknallt?
Einige Stunden später im Hotel kann man durchaus zu diesem Schluss kommen, denn Mr. Apple wird inzwischen die eine oder andere Kippe in den 'Mund' geschoben und eine weitere Zimmerparty nimmt ihren Lauf. Wie immer ohne Groupies, wie immer ohne harte Droge, aber mit erstaunlicher Ausdauer. Einige Fans, die über dunkle Kanäle (vermutlich vom dem Hotelpersonal, das wegen einiger Autogrammen bereits den Tourbus stürmen wollte) die Zimmernummer herausbekommen haben, rufen irgendwann an und werden von Ville in den Nordflügel bestellt. "Wir versuchen immer, uns zeit für de Fans zu nehmen, lassen uns fotografieren und geben Autogramme, aber irgendwann ist auch mal Schluss." Erklärt der Frontmann und Hauptanziehungspunkt der weiblichen Begehrlichkeiten. Schon klar – wer würde sich gerne nachts aus dem Bett klingeln lassen? Eben, niemand. Die Band schläft übrigens im Südflüge des Hotels....

Hamburg Große Freiheit

Die Finnen sind los:

Alleine die Tatsache, dass nach der Show die Album-Goldverleihung mitsamt Party ansteht, würde ausreichen um Hamburg wegen des erwarteten Medien-Auflaufs zu einem kritischen Auftritt zu machen. Aber es kommt noch besser, denn die finnische Plattenfirma ist nahezu komplett in die Hansestadt gereist, um dem Event beizuwohnen. Schon morgens versucht die Helsinki-Posse ihrem Ruf als trinkfestes Völkchen gerecht zu werden und bringt sich mit einigen Dutzedn Wodka-Lemon auf die entsprechende Betriebstemperatur. Dazu wird das Hotel von Fanscharen geradezu belagert. RTL, Sat.1 und MTV wollen Interviews, und dann finden die Show auch noch in einem viel zu kleinen Club statt, weil es in den Veranstaltern nicht mehr gelungen ist, das Ereignis in eine größere Halle zu verlegen. Die Band zieht irgendwann den Stecker, verbarrikadiert sich wegen der übermäßigen Hektik in ihrer Umkleidekabine, unterhält sich mit John Fryer der das 'Razorblade Romance'-Album produziert hat und eigens für die Show eingeflogen ist, und lässt nicht mal mehr Mitarbeiter der eigenen Plattenfirma in den Backstagebereich. Zu wichtig ist der heutige Auftritt, als dass man sich mit geschäftlichen Dingen auseinandersetzen will, da lassen es Ville, Migé und Linde lieber geruhsam angehen.
Das Trio organisiert statt dessen Miniverstärker und Gitarren, um mir einen ersten Vorgeschmack auf das drittes HIM-Album zu geben. "Ich habe zu Hause Tapes mit verschiedene Ideen und Riffs rumliegen", erzählt Ville, "aber da wir ständig auf Tour sind, müssen wir die Songs immer ausarbeiten, wenn wir etwas Zeit haben. Wir haben keinen Bock darauf, völlig unvorbereit in die nächsten Aufnahem Sessions zu gehen." Sprich's greift sich Migés Bass und später Lindes Gitarre, um einige Tracks anzuspielen. In der Instrumentalversionen klingen die Nummern etwas Stoner-Rock-beeinflusst, was allerdings auch an der Vorliebe der Band für solche Gruppen liegen könnte. Im Tourbus und auf Zimmerparties, schwören die Finnen nämlich bedingungslos auf Bands wie Unida, Kyuss oder die Spirutal Beggars, besonders letztere haben es Ville angetan: "Ich habe die Jungs mal live gesehen – die Intensität dieser Band ist wirklich unglaublich."
Nicht weniger intensiv geht wenig später die HIM-Show über die Bühne der bis unters Dach vollgepackten Großen Freiheit. Gutes Licht, guter Sound, nur Villes Performance ist weitaus weniger extrovertiert als bei den bisherigen Gigs. Ein sicheres Zeichen dafür, dass dem sensiblen HIM-Frontmann der heutige Medienandrang und die sich unmittelbar an die Show anschließende Party gehörig an die Substanz und damit au die Nerven gehen. Die Goldverleihung wird dann auch eher lustlos hingenommen, ehe man sich kurzerhand entschließt, den völlig überfüllten Ort des Geschehens zu verlassen und mit den Mitarbeiter der finnischen Plattenfirma eine kleine Bar auf der Reeperbahn leerzutrinken. Der weiter Verlauf der Nacht bleibt unter Verschluss...

Hamburg am Tag danach:

Death Metal auf der Reeperbahn:

Kollektives Leiden ist nach den Exzessen der letzten Nacht angesagt. Auch der am frühen Mittag ausgelöste Feueralarm beeindruckt niemanden sonderlich.
"Das ist doch das alte Spiel", gibt sich Migé weltmännisch. "Die Fans lösen den Alarm aus und wollen dann sehen, in welchen Zimmer wir wohnen".
Für Stimmung sorgen lediglich Juska, der sich auf der Reeperbahn mal eben komplett neu eingekleidet hat (allerdings nicht im Vollsuff – sowas kann teuer werden...) und Gas, der Drummer, der im perfektem Deutsch schon in so mancher Hotellobby grinsend "eine Tüte Durchfall" geordert hat, ist auch heute nicht kleinzukriegen. Lauthals "We are going to a Death Metal Party" johlend, stapft er durch die Bar und präsentiert jedem, der es wissen will (oder auch nicht) stolz seine neueste Errungenschaft: eine potthäßliche Haarschneidemaschine. "Das Teil hab ich irgendeinem Typen auf der Reeperbahn für 60 Mark abgekauft. Funktioniert ab gut – Kopfverletzungen hab ich bisher nicht davongetragen...." Daran arbeiten heute andere Teile des Him Trosses mit Macht. Die finnische Crew haut sich jedenfalls in einem Affenzahn alle in Reichweite verfügbaren Drinks hinter die Binde und erklärt um ein Uhr nachts allen, dass man nun schon mal nach Herford fahren werde, und mit dem Aufbau der Anlage zu beginnen. Viel Spaß dabei...

Herford, Kick

Höhen und Tiefen:

Unglaublich: Die Anlage steht – und funktioniert sogar. Allerdings leidet das Roadie-Trio aus dem hohen Norden unter üblen Depressionen und ist den ganzen Tag über wenig ansprechbar. Nicht viel anders verhält es sich Ville, der in Hamburg zwar den ersten interviewfreien Tag seit zwei Monaten(!) hinter sich gebracht hat, zu allem Übel aber stimmlich angeschlagen ist. Gute Laune versprüht nur Asko, der A&R-Manager der finnischen BMG, der die Band 1997 unter Vertrag genommen hat. Bewaffnet mit einer Videokamera, umrundet er das Kick und führt diverse Interviews mit den wartenden Fans. Resultat der Befragungen und der sich anschließe Diskussionen: Die Setliste wird probeweise geändert. 'Razorblade Kiss' wird heute als Opener ausgewählt. 'Right Here In My Arms', der bisherige Starter, rutscht auf Position fünf, und der Zugabenblock umfasst 'Gone With The Sinn' und das Billy-Idol-Cover 'Rebell Yell'.
Die Veränderungen bewegen sich also im Rahmen reichen allerdings aus, um die Band gehörig zu verunsichern. Dazu kommt ein äußerst zurückhaltendes Publikum, das den Eindruck erweckt, komplett unter Valium zu stehen. Es wird eine ziemlich wacklige Show. Mige gibt später zu, sich ständig vergriffen zu haben. Ville wird auf der Bühne von Hustenkrämpfen geschüttelt und rotzt während der Pausen Lama-mäßig in einen bereitstehenden Eimer. Logisch, dass sich die Stimmung nach der Show im Minusbereich bewegt und die Band einen niedergeschlagenen Eindruck macht. Mit glorifizierten Chartstürmern hat der deprimierte Haufen nichts mehr gemeinsam. Eher mit fünf Kids die ihre eigene Show Extrem selbstkritisch analysieren und im Moment gerne auf dem Mond leben würden.
Zu einem Abschiedsgetränk lässt man sich aber wenig später doch bewegen. Mr. Apple rette schließlich die Situation. Wir auch immer: Es ist bewundernswert, mit welcher Geduld HIM den momentanen Wirbel um ihre Person verkraften. Das inmitten den ganzem Trubels eine einzige schlechte Show ausreicht, um die Band in eine Identitätskrise zu stürzen, spricht für die Bodenhaftung der Jungs. Respekt!

 

English version of "The colour black" comes soon!!!

 

Die Farbe Schwarz

(Berliner Morgenpost 31/03/00)



Nur nicht anecken: HIM aus Finnland präsentierten sich in der Treptower Arena als brave Männchen

Das Erste, was einem beim Betreten der Arena auffällt, ist das Publikum. Langhaarige Rocker, Schwarzkittelträger, Punks und viele, viele Alternative-Girlies säumen den Saal. Abgrenzungen unter Jugendgruppen sind auf einmal ausgehebelt. Dies schafft im Rockzirkus momentan nur einer: Ville Valo, Sänger der finnischen Fünferbande HIM, die unlängst mit der Single "Join me" an der Spitze der Charts stand.
Auch unter den Bandmitglieder gilt keine feste Kleiderordnung. Nur schwarz muss es sein. Drummer Gas Lipstick hat sich eine Wollmütze übergezogen. Bassist Migé Amour bevorzugt einen Cowboyhut. Gitarrist Lily Lazerpräsentiert seine Dreadlockmähne. Keyboarder Zoltan Pluto hätte in den achtziger Jahren (wichtige Dekade für HIM) auch bei Sisters of Mercy eine Chance gehabt. Im Mittelpunkt steht Valo. Der Bandname HIM stimmt zumindest phonetisch mit dem englischen Wort für Hymne überein. Das ist der Schlüsselbegriff für den Finnen-Sound. Es soll ruhig etwas rocken, darf düster anmuten, muss aber auch glatt und melodisch sein. "Love Metal" nennt Valo diese Mischung.
HIM tun alles, um nicht anzuecken. Lily Lazer hält seine Saiten im Zaum. Wenn Lipstick seinem Arbeitsgerät geradlinige Disco-Rhythmen entlockt und aus dem Keyboard atmosphärisches Wabern dringt, fällt einem Billy Idol's "Rebel Yell" ein. Diese Stil-Parodie zieht sich wie ein roter Faden durchs Programm und ist bezeichnend für die Einfallslosigkeit dieser Gruppe.
Valo scheint mehr mit sich selbst beschäftigt zu sein. Der Mann beherrscht das ABC der Rockerposen. Am Ende steht mit "Join me" der geplante Höhepunkt. Als die Band nach diesem sanften Stück von der Bühne geht, kehrt gespenstische Ruhe ein. HIM hatten ihr Publikum eingelullt. Oder sind es Zweifel? Die Zugabe wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Him spielen Idols "Rebel Yell" - nur viel tolldreister als all ihre eigenen Songs. Zum ersten Mal klingt Herzblut durch. Es besteht Hoffnung, dass aus diesen braven Männchen noch etwas wird.

 

English version of "His infernal Majesty" comes soon!!!

 

Seine infernalische Majestät

(Berliner Morgenpost 29/03/00)

Mädchenschwarm aus Finnland: Shootingstar Ville Hermanni Valo erobert mit seiner Band HIM nicht nur Anhänger(innen) der Rockmusik, sondern auch Gothic- und Dance-Fans.

Der junge Mann an der Bar lacht gerne und viel. Darf er auch, denn er ist überaus erfolgreich. Und Erfolg macht bekanntlich nicht nur sexy, sondern auch die Geldbörse nicht unerheblich schwerer. Ville Hermanni Valo heißt der Mittzwanziger und mittlerweile frenetisch umjubelte Mädchentraum aus Finnland. Mit seiner Band HIM und dem Debütalbum "Greatest Lovesongs Volume 666" avancierte er Mitte 1998 zum Shootingstar. Drei Top-10-Singles und ein Album, das inzwischen mehrfach mit Platin "veredelt" wurde, zieren den Weg nach oben.
Doch damit nicht genug: Schon zu Beginn seiner Karriere räumte Valo mit seiner Band so ziemlich jeden Preis ab, den man als Newcomerband mitnehmen kann. Bei den Jahres-Polls der zwei größten finnischen Musikmagazine wurden HIM in der Kategorie "Newcomer des Jahres" zweimal auf Platz 1 gewählt. In derselben Kategorie verlieh man ihnen im Januar 1999 sogar den konservativen Emma-Award, das finnische Pendant zum Grammy. Das zweite Album "Razorblade Romance" hielt sich wochenlang auf Platz eins der deutschen Albumcharts und ist noch immer unter den Top 10.
Mit dem Hit "Join Me", der Single-Auskopplung und dem Soundtrack zum Roland Emmerich-Film "The 13th Floor", folgten ihm nicht nur ältere Fans des Genres aus Gothic, Rock und bizarrem Dance-Pop. "His Infernal Majestiy", kurz HIM, bezeichnet seine Musik selber als "Lovemetal".
"Zu Hause sind wir ja schon fast zu bekannt", meint er ironisch, "da wird es schwierig, einfach so draußen herumzulaufen, ohne von Fans umlagert zu werden." Erfolg verpflichtet eben. Außerdem: "Rockstar wollte ich schon immer werden", sagt der Finne, der im Alter von neun Jahren mit Musizieren anfing.
Dass auf dem besagten Emmerich-Soundtrack auch seit Jahren etablierte Künstler wie David Bowie vertreten sind, lässt den Jungstar ziemlich kalt. "Das interessiert mich nicht die Bohne, ich mag Bowie überhaupt nicht, das ist mir inzwischen zu lasch, zu viel von intellektuellem Kunstsinn ertränkt." Doch Songs anderer Künstler zu covern, etwa von Depeche Mode, betrachtet Valo als Teil seines Musikerjobs. So finden sich auch auf "Greatest Lovesong" Coverversionen von Blue Öyster Cult ("Don't Fear The Reaper") und Chris Isaak ("Wicked Game").
Thematisch ranken sich die HIM-Songs um "die Unbegreiflichkeit, die sich Liebe nennt." Valo liebt gerne und viel, "egal, ob nun platonisch oder anders, mein Herz ist immer so voll von Liebe und Leidenschaft fürs Leben überhaupt. Ich gehe gerne direkt auf Menschen zu, wenn ich mich erst mal dazu entschlossen habe", erzählt er. "Darin steckt auch manches Leid, davon handelt auch "Razorblade Romance"."
Seine tiefe Stimme erinnert an Type O'Negative-Boss Pete Steele, nur dass Ville Valo weder auf Muskelmann macht noch diesen diabolischen Blick drauf hat. Dabei nannten sich Valo & Co. vor vier Jahren noch düster "His Infernal Majesty", ohne Kurzform HIM. "Auch wenn wir eine Rockband sind, liebe ich es, romantische Gefühle zu vermitteln", meint der HIM-Sänger mit Blick auf Jim Morrison, dem er auch ein wenig ähnelt. An der Bar eines Kreuzberger Musikcafés wirkt er dagegen fast schon wieder schüchtern. Fürs heutige Konzert in der Arena gibt es nicht mehr allzu viele Karten.




 

English version of "chainsmoker with love for morbide romance" comes soon!!!

 

 

Kettenraucher mit Hang zu morbider Romantik

(Berliner Morgenpost 20/01/00)



Ein Kino-Thriller machte "Join me" zum Hit

Als Ville Valo und seine Jungs nach dem höchst erfolgreichen Debüt "Greatest Lovesongs Vol. 666", den lustigen Liebesgrüßen vom Leibhaftigen, wieder ins Finnvox Studio in Helsinki gingen, um den Nachfolger aufzunehmen, da sorgte sich die Plattenfirma. Irgendwann stand der Label-Verantwortliche dann in der Tür, hörte sich die neuen Nummern an und meinte: "Jungs, ich will euch rau, ich will euch wild."

"Unsere Plattenfirma ist das komplette Gegenteil einer normalen Plattenfirma", sagt HIM-Sänger Valo, der zwar abgerissen aussieht, aber eigentlich ein ganz wohlerzogenen Bürschchen ist, "die haben ständig Panik, dass wir zu gefällig werden. Deren größter Alptraum wäre, wenn HIM so klängen wie Bon Jovi."

Von Oberschnulzen a la "Bed of roses" mögen die Finnen noch ein gutes Stück entfernt sein, vollständig haltlos ist die Besorgnis des Arbeitgebers jedoch nicht. Man schaue sich bloß die Entwicklung der Band in den letzten zwei, drei Jahren an. 1996 gegründet, um Villes Vision von "Düsterrock mit Popappeal" in die Tat umzusetzen, fand sich zunächst eine illustre Fanschar durchgeknallter Freunde des Gruftrocks bei den Konzerten ein. Ob des Make-Ups oder des androgynen Appeals verglich man den Frontmann, der zu Schulzeiten hin und wieder im Sexshop seines Vaters hinter der Kasse stand, zunächst mit Marilyn Manson, aber den mag er nicht besonders: "Der ganze Kerl ist ein einziges lächerliches Gimmick. Ich hoffe doch innig, dass bei uns immer die Musik im Vordergrund stehen wird."

Die Sache mit der Schminke hat Ville inzwischen drangegeben. Als HIM dann einen Vetrag bei einem deutschen Hard Rock-Anbieter unterschrieben, wurden sie hierzulande zunächst als Metalband promotet, "zu unseren Shows kamen am Anfang nur dicke Kuttenträger mit sechs Bierdosen in der Jacke". Und nun?

Die aktuelle Single "Join me", auch Titelsong des von Roland Emmerich produzierten Thrillers "The 13th floor" kam inklusive Pianopassagen schon recht poppig und gepflegt daher, und einige Stücke des neuen Albums "Razorblade Romance" erinnern in ihrer Opulenz und epischen Breite an Meat Loaf zu seinen fettesten Zeiten.

"Ich habe mir mehr Mühe mit meiner Stimme gegeben", sagt Ville Valo. Wer übrigens meint, der Name hört sich komisch an, muss wissen, dass sich in Finnland alle Namen komisch anhören. Jedenfalls: "Die Gitarren stehen nicht mehr so im Vordergrund, aber ich finde immer noch, dass wir eine Rockband sind." Um den allzu lieblichen Tendenzen entgegenzuwirken, schickte besagter Plattenfirmenmann die Band im vergangenen Sommer aus der finnischen Sonne in den walisischen Regen, zu Soundtüftler John Fryer. Der hat schon mit Nine Inch Nails und White Zombie zusammengearbeitet, und hat es vollbracht, "unser Material gründlich aufzumotzen".

Von den Texten hat der Produzent freilich die Finger gelassen. Die macht Ville ganz alleine.

Tod, Düsternis und Verdammnis, das sind die bevorzugten Sujets, könnte man meinen, aber der vier Packungen täglich verschlingende Dauerraucher grinst: "Ich bin bestimmt nicht halb so morbide wie das manchmal klingt. Wenn schon Selbstmord, dann höchstens langfristig mit meinen Zigaretten." Razorblade Romance" ist kein depressives, sondern ein romantisches Album. Es handelt mehr von den kleinen Toden beim Sex. Man soll das alles ironisch sehen. Statt "Slippery when wet" wie bei Bon Jovi, heißt es bei uns eben "Slippery when dead"."

 

English version of "Interview with Ville Valo" comes soon!!!

 

Interview mit Ville Valo

(Bravo 5/2000)

 

Es ist zehn Uhr morgens. Für HIM-Frontmann Ville Valo (23) verdammt früh. Mit verschlafenen Augen sitzt er im Kölner Hotel Chelsea am Frühstückstisch, nimmt einen Schluck Kaffee und stochert lustlos in seinen Rühreiern herum. "Ich habe in den vergangenen Tagen nie mehr als vier bis fünf Stunden Schlaf gehabt. Ein Interviewtermin jagt den nächsten", erzählt der Sänger mit tiefer, verrauchter Stimme. "Aber ich habe mir immer gewünscht, ganz oben zu stehen. Und dafür verzichte ich natürlich gerne."

BRAVO: Mit "Join me in Death" habt ihr euern ersten Nr.1-Hit gelandet. Der Song ist auch auf dem Soundtrack zum Film "The 13th Floor" vertreten. Habt ihr ihn extra für den Film geschrieben?
VILLE: "Nein. Unsere Plattenfirma hatte das Angebot für einen Soundtrack-Song. Einer der Bosse fragte uns, ob wir nicht "Join me in Death" dafür hergeben wollten. Klar, dass wir sofort zusagten."

BRAVO: Habt ihr euch den Film vorher angeschaut?
VILLE: "Nein. Die Leute in der Firma sagten uns, dass er ganz gut wäre. Das reichte. Wir waren zu der Zeit gerade mit den Aufnahmen für unser aktuelles Album "Razorblade Romance" beschäftigt. Ich wollte deshalb nicht irgendwo hinfliegen, nur um mir den Film vorab anzusehen."

BRAVO: Welche Art von Filmen siehst du privat gerne?
VILLE: "Ich stehe auf witzige Us-Komödien wie "Die nackte Kanone" oder "Solo für zwei"."

BRAVO: Kaum zu glauben, wenn man euren Düstersound hört. Warum klingt eure Musik eigentlich so schwermütig?
VILLE: "Ich weiß es nicht. Vielleicht liegt es daran, dass wir in Finnland solche langen, harten Winter haben, da ist es viel länger dunkel als bei euch. So etwas drückt aufs Gemüt. Wenn ich dieses Gefühl in meinen Songs verarbeite, bin ich danach gut drauf, denn ich lache gerne und oft."

BRAVO: Ihr nennt euch HIM- "His infernal Majesty" ( Seine teuflische Majestät ). In deinen Texten kommt oft das Wort "Tod" vor. Beschäftigst du dich privat mit Okkultismus?
VILLE: "Überhaupt nicht. Ich habe noch kein einziges Buch darüber gelesen und halte die ganze Sache für Hokuspokus. Das einzige düstere in meinem Leben ist, dass ich ein wahnsinniger Fan der Kult-Gruppe Black Sabbath bin. Zu dem Zeitpunkt, als wir uns einen Namen suchen mussten, dachte ich, dass sich etwas Mystisches ganz gut anhören würde. Aber es gibt keinen okkultistischen Hintergrund. Ich bin nicht einmal religiös. Ich glaube ienfach nur an unsere Musik."

BRAVO: Wovon handeln eure Songs?
VILLE: (grinst) "Girls, Girls, Girls! Ich habe noch nie über was anderes als über die Liebe und hübsche Frauen geschrieben. "Join me in Death" ist einfach eine moderne Version von "Romeo und Julia", eine unglückliche Liebesromanze."

BRAVO: Was bedeutet das riesige Tattoo auf deinem rechten Arm?
VILLE: (lacht) "Das ist sowas wie ein Unfall und bedeutet, dass man nie zu viel trinken sollte. Denn ein Kumpel, der ein Tattoostudio besitzt, hat mich auf einer Party gefragt, ob ich mich nicht tätowieren lassen wolle. Ich war schon ziemlich betrunken und sagte einfach ja. Am nächsten Tag habe ich mich nicht mehr getraut einen Rüchzieher zu machen. Das war vor knapp einem Jahr und ich habe mich immer noch nicht richtig daran gewöhnt."

BRAVO: Hast du beruflich jemals etwas anderes als Musik gemacht?
VILLE: "Nein. Mir war schon immer klar, dass ich Musiker werden will. Ich hatte noch nie einen anderen Job. Das einzige, was ich vorher mal getan habe, war, im Laden meines Vaters auszuhelfen. Er ist Besitzer eines Sexshops."

BRAVO: Er hat einen Sexshop?!
VILLE: "Ja. Für mich ist das aber nichts Besonderes, ich bin ja damit aufgewachsen. Nur meine Schulkollegen hatten manchmal Probleme damit: Sie wollten mich ständig besuchen, aber ihre Eltern haben ihnen das verboten."

BRAVO: Haben dich deine Eltern bei deiner Karriere unterstützt?
VILLE: "Oh ja! Obwohl mein Vater überhaupt nicht musikalisch ist, war es ihm immer wichtig, dass ich Gitarre übe. Ich durfte erst raus auf die Straße, wenn ich meine Übungen gemacht hatte. Er ist sehr stolz auf mich und verkauft sogar unsere Cds im Laden- zwischen Sexheftchen und Videos (lacht)." BRAVO: In einem früheren Interview hast du mal behauptet, dass HIM ein Soloprojekt ist. Stimmt das?
VILLE: "Nicht ganz. HIM ist eine Band und ich bin der Frontmann. Ich singe und schreibe die Songs. Gemeinsam mit Migé, dem Bassisten, habe ich vor vielen Jahren eine Schülerband gegründet. Alle HIM-Musiker sind Kumpels, die ich aus Helsinki kenne. Das ist für mich sehr wichtig. Da wir uns alle gut kennen und verstehen, müssen wir uns nicht erst miteinander arrangieren, sondern können uns voll und ganz auf die Musik konzentrieren."

BRAVO: Hast du eine feste Freundin?
VILLE: "Nein, leider nicht. Ich bin momentan solo und lebe allein in einer kleinen Wohnung in Helsinki. Aber wenn ich die Richtige treffen sollte, wäre es mir egal, dass ich ständig auf Achse bin. Ich würde es einfach ausprobieren und auf ihre Toleranz hoffen. Denn obwohl ich hin und wieder einen One-Night-Stand habe, bin ich im Grunde ein Beziehungstyp."

BRAVO: Wann kommt ihr endlich mal wieder nach Deutschland?
VILLE: "Wir starten unsere Tour am 22.03. in Dortmund. Doch schon am 12.02. geben wir unseren Fans bei der BRAVO SUPERSHOW in Köln eine kleine Kostprobe!"

 

English version of "Ville Valo - his mystical world" comes soon!!!

 

Ville Valo - Seine mystische Welt

(Bravo 2000)

Geheimnisvoll, düster und ein bisschen durchgeknallt: HIM-Sänger Ville Valo ist vielen ein Rätsel. Bravo zeigt seine Spleens

Eigentlich ist Ville Valo ein ganz normaler junger Mann. Eigentlich. Denn sobald eine Kamera auf ihn gerichtet ist, oder er im Scheinwerferlich steht, verwandelt sich der Shootingstar der Rockszene in ein Wesen von einem anderen Stern. Seine Augen funkeln dämonisch, sein Gesichtsausdruck wirkt böse, seine Gestik bekommt etwas Geheimnisvolles.
Wie ist der Mann wirklich, dem die Frauenherzen auf der ganzen Welt nur so zufliegen? "Ich bin ein ganz normaler Typ", sagt er mit tiefer Bassstimme. "Na ja, vielleicht lebe ich etwas intensiver als andere Menschen und stelle außerdem meinen Körper gerne zur Schau..."
Ein Blick darauf lohnt sich: Villes Körper ist übersäht mit Tattoos und mystischen Zeichen. -der 23-jährige Kultrocker erklärt: "Viele Tattoos bergen kein großes Geheimnis in sich, die meisten sind aus einer spontanen Laune heraus entstanden!" Sein komplett tätowierter linker Arm zum Beispiel. In einer durchzechten Nacht wettete er mit seinem Kumpel Hyke, sich von ihm den Arm tätowieren zu lassen. Ville: "Ich litt Höllenqualen, die Prozedur zog sich über mehrere Tattoo-Sitzungen. Das Muster ist jedoch ohne Bedeutung, es ist einfach eine Verzierung. Am Anfang war ich geschockt, doch jetzt liebe ich es und zeige es bei jeder Gelegenheit gerne her."
Andere Zeichen auf Villes Körper haben durchaus eine tiefere Bedeutung. Das kleine Herz an seinem rechten Handgelenk zum Beispiel. "Ich liebe Herzen über alles. Sie sind das Symbol für Leben, Liebe und Menschlichkeit", sagt er. Auch an seinem Hals baumelt ein rotes Herz an einer Kette. Er grinst geheimnisvoll: "Das Geschenk einer guten Bekannten!"
Dieses Girl könnte vielleicht das tätowierte "Heart-a-gramm", das Villes Schamgegend ziert, noch ein bisschen genauer und vollständiger betrachtet haben, als die meisten seiner Fans. Ville: "Das Tattoomotiv ist auch das Bandlogo von HIM und symbolisiert die innere Zerrissenheit eines Menschen - Liebe und Has liegen oft erschreckend nah beieinander. Das ist wie mit unserer Musik - sie ist hart und trotzdem voller Wärme. Ich liebe Extreme..."
Extrem ist auch Villes Lebensstil! Obwohl er schon seit seiner Kindheit Asthma hat, raucht er täglich bis zu 80 Zigaretten. Sport kennt er nur aus dem Fernsehen, und zu einem Drink sagt er selten Nein. Mit müden Augen blickt er zu Boden und sagt leise: "Manchmal weiß ich nicht, ob ich meinen 30. Geburtstag noch erleben werde." Ein bisschen Wahnsinn steckt wohl in jedem Genie...

 

English version of "SMS-Interview" comes soon!!!

 


Das SMS-Interview

(Bravo 2000)

Mit ihrer neuen Single "Gone with the sin" steuern HIM wieder auf Hitkurs. Frontmann Ville Valo funkte uns per SMS die aktuellen News der finnischen Rocker.

Ville, wo befindet ihr euch zur Zeit?
- Wir sind unterwegs in ganz Europa und rocken heute Abend die Fans in Madrid.

Seit ihr dort auch so bekannt wie bei uns?
- Ja, auf der Straáe werden wir schon erkannt und unsere Song laufen im Radio. Das Konzert ist jedenfalls ausverkauft.

Worum geht es in eurem aktuellen Hit "Gone with the sin"?
- Ich singe über ein Girl, das mit mir zusammen war und gestorben ist.

Ist dir das denn tatsächlich passiert?
- Nein, die meisten Geschichten meiner Songs entstehen in meinem Kopf.

Auch dieser Titel ist wieder sehr melancholisch. Wie depressiv bist du wirklich?
- Gar nicht. Wenn ich traurig bin, schreibe ich ein Lied, und alles wird wieder gut. Das ist Selbsttherapie.

Wie weit seid ihr mit dem nächsten Album?
- In meinem Kopf ist es schon fertig. Wir müssen es nur noch aufnehmen. Das passiert im Winter.

Wie wird es kligen?
- Definitiv härter. Die Titel, die ich geschrieben habe, sind alle um einiges rockiger.

Wann kommt ihr wieder nach Deutschland auf Tournee - noch in diesem Jahr?
- Bestimmt nicht. Aber sobald die neue Scheibe raus ist, werden wir wieder live loslegen. Zuerst in Deutschland. Versprochen!

 

English version of "HIM - love messengers" comes soon!!!

 

HIM - Die Liebesboten

(Break Out 02/00)



Irgendwie war es abzusehen. Mit dem ersten Album "Greatest Lovesongs Vol.666" konnten sich die finnischen Herzensbrecher HIM, angeführt von Sänger, Komponist und Bandkopf Ville Valo, eine mehr als vielversprechende Ausgangsposition erkämpfen. Bereits die Vorab-Single "Join Me", die Ende des letzten Jahres das zweite HIM-Album andeutete, explodierte förmlich und hält sich auch noch jetzt (Anfang Januar), da ich diese Zeilen verfasse, in den höchsten Regionen der deutschen Single-Charts auf, Tendenz: steigend. Und was heißt das für den kommenden Longplayer? Wohl oder übel, dass er urplötzlich als heißer Kandidat für die Pole Position der deutschen Album-Charts gehandelt wird. Kann man all dies nur auf die enorme Präsens zurückführen, die ihm sogar den Zutritt in die Seiten der Bravo ermöglichte?

Wohl kaum. Denn in allererster Linie ist der junge Finne ein ausgezeichneter Komponist, ein ausdrucksstarker Sänger, und so verwundert es nicht weiter, dass auch "Razorblade Romance", so der endgültige Titel des kommenden Longplayers, eine erneut mitreißende und romantische musikalische Reise darstellt, mit intelligenten Texten und einem enormen Hitpotential. Da stört es auch nicht weiter, dass der englische Produzent John Fryer seinen Einfluss ausspielte und die auf dem ersten Album noch allseits präsente Portion Heaviness leicht zurückschraubte. Doch das ist nicht wirklich schlimm, weil so die ausgefeilten Melodien fast noch besser zur Geltung kommen und weil das Album immer noch weit davon entfernt ist, gebügelt oder weichgespült zu klingen.

Ville ist ein äußerst angenehmer Zeitgenosse, und bei unserem Gespräch habe ich nie das Gefühl, dass ihm der derzeitige Trubel um seine Person und die Band nahegehen könnte. Der Mann ist trotz seines jungen Alters ein Vollprofi, und wie er mir in einer Kölner Bar an der Theke so gegenübersitzt, kann ich mir nicht vorstellen, dass er in den nächsten Monaten abheben oder in einiger Zeit gar wieder von der Szene verschwinden könnte. Obwohl ihm eine Publikation letztens mit dem kultig-sinnlosen Prädikat "gehypter Gothic-Loser" bedachte.

Nicht, dass das so eminent wichtig wäre, aber im Vorfeld gab es so einige Diskussionen und Vorschläge bezüglich des endgültigen Albumtitels.
"Das war in der Tat eine fast schon unendliche Geschichte", kann Ville inzwischen über den Sachverhalt lachen. "Es gab ungefähr zehn verschiedene Titel-Alternativen. In der ersten Phase war "Razorblade Romance" der absolute Favorit, aber irgendwann erschien uns das etwas oberflächlich. "Greatest Lovesongs Vol.666" war seinerzeit eben ein sehr guter, vielschichtiger und vor allem sehr zutreffender Albumtitel. Danach darf man halt nicht mit etwas Einfallslosem ankommen. Irgendwann hatten wir ungefähr sechs Bilder, die auf dem Cover hätten sein können. Und als wir uns dann für eins entschieden hatten, passte "Razorblade Romance" doch wieder. In Verbindung mit dem Cover und dem Inhalt des Albums passt der Titel sehr gut."

Das häufig gespielte Video zu "Join Me" wurde zunächst als Trailer für den Science Fiction-Thriller "The 13th Floor" verwendet, die aktuelle Produktion des Roland Emmerich. Und der gleiche Song läuft auch im Abspann der europäischen Version des Filmes. Doch wie bewertet Ville Herrn Emmerich als Filmemacher? "Godzilla" "Independence Day" oder auch "Joey" waren doch kaum mehr als relativ gut gemachte Popcorn-Unterhaltung.
"Immerhin kann Roland die Menschen mit seinen Filmen unterhalten. Viele Filmemacher versuchen es, schaffen es aber nicht. Aber wie du weißt, ist "The 13th Floor" nur bedingt ein typischer Emmerich-Film. Kein Actionfilm im Videoformat und schon gar nicht patriotisch. Eher ein Science Fiction-Drama. Mir hat der Streifen ziemlich gut gefallen, auch aufgrund der ruhigen, angenehmen, flüssigen Atmosphäre und der guten Schauspieler. Ich hatte überhaupt keine Einwände dagegen, dass unser Song für den Film benutzt wird und war hingegen ziemlich überrascht, dass man uns eine Teilnahme anbot. Es ist immer wichtig und gut, seine Musik in einem Film unterzubringen. Und in "The 13th Floor" läuft "Join Me" in Abspann, also nicht zerhackt mitten im Film oder irgendwo ganz leise im Hintergrund. Um so besser ist es dann, wenn es sich um einen guten Film handelt! Bevor ich es vergesse: Der ursprüngliche Titel des Songs, den die Plattenfirma für eine Singleauskopplung aber wohl für viel zu übertrieben und brutal hielt, war "Join Me in Death". Auf dem Album steht er allerdings."

Wenn du dir die Mitwirkung von HIM an einem Film aussuchen könntest, wo würdest du denn gerne einen von euren Songs unterbringen?
"Wie wär's denn mit einem der "Dirty Harry"-Filme mit Clint Eastwood?" lacht Ville. "Stilistisch würde es vielleicht nicht hundertprozentig passen, aber es wäre nicht übel. Vielleicht kommt da ja noch irgendwann eine Fortsetzung und somit für uns eine Chance."

Und welches sind deine Lieblingsfilme?
"Da gibt es schon einige. Vor allem solche, die einen zum Denken animieren. Aber ich lasse mich auch liebend gerne von Filmen unterhalten. Es kommt wirklich immer darauf an. Denn es gab gute Stummfilme, ebenso aber auch gute Movies aus den Achtzigern. Ich mag gute Experimentalfilme, kann mir aber auch einen einigermaßen guten Zombie-Streifen anschauen. Dazu muss ich aber sagen, dass ich absolut nicht auf Kinos stehe. Ich schaue mir Filme lieber gemütlich zu Hause an als in einem schlecht belüfteten und überfüllten Kino, wo die Zuschauer mit ihren Tüten knistern und laut schmatzend ihre Pizza verzehren oder Bierflaschen rollen lassen. Das passt halt zu Filmen überhaupt nicht und stört mich tierisch. Denn wenn ich mir meine Lieblingsfilme wie zum Beispiel "Ekel" von Roman Polanski anschaue, möchte ich ungestört sein und den Film genießen können. Auf den neuen Polanski "Die neun Pforten" mit Johnny Depp freue ich mich übrigens sehr. Ich weiß zwar nicht genau, wann er bei uns in Finnland anläuft, aber ich habe bereits im Vorfeld nur großartiges davon gehört. Und auf "The Blair Witch Projekt" bin ich ebenfalls gespannt, den will ich mir demnächst auch anschauen. Notgezwungen im Kino."

Wie sehr überraschte dich eigentlich der Erfolg von "Greatest Lovesongs Vol.666" und wie sehr beeinflusste er die Identität der neuen Stücke?
"Der Erfolg war natürlich sehr angenehm, denn es ist schon eine sehr große Bestätigung, wenn ein Album, in das man soviel Energie und Arbeit investiert hat, dermaßen erfolgreich wird. Aber die neuen Stücke sind dadurch garantiert nicht beeinflusst worden. Sie wurden eben komponiert, aufgenommen, und jetzt kann man nur noch darauf hoffen, dass die Leute sie mögen werden. Den allgemeinen Musikgeschmack kann man sowieso nie so ganz einschätzen, denn er ändert sich bei vielen Menschen konstant. Dennoch hoffe ich, auch diesmal mit guten Melodien bestehen zu können. Zu den neuen Stücken fällt mir ein zusammenfassendes Wort ein: Selbstvertrauen. Das erste Album ist aufgenommen worden, wurde veröffentlicht, und niemand von uns wusste so genau, was damit passiert und wie es einschlägt. Dieses Mal wussten wir, dass wir einen gewissen Bekanntheitsgrad haben und ein gewisses Publikum ansprechen. Aber auch das ist keine definitive Sicherheit, denn sicher ist im Musik-Business so gut wie überhaupt nichts. Aber besser ist dieses Wissen auf alle Fälle."

Das Material für das neue Album unterlief angeblich gleich einige Veränderungen. Eingeweihte sprachen davon, dass eine der vorläufigen Versionen recht metallisch klang, die nächste eher poppig, die nächste elektronisch. Wie gelangte man schließlich zu dem Endergebnis?
"Vor allem dadurch, dass bei uns in Gas Lipstick und Migé Amour(geniale Pseudonyme!) ein neuer Schlagzeuger und ein neuer Keyboarder einstiegen. Das Material unterlief tatsächlich zahlreiche Veränderungen, und erst mit den neuen Bandmitgliedern konnten wir es in die bestmögliche Form bringen. Vor allem Gas half uns enorm. Wir fingen mit den Aufnahmen ohne einen Schlagzeuger an, und es hat vorne und hinten nicht funktioniert. Wir dachten dann auch über einen Studiomusiker nach und jammten sogar mit einem Drum-Computer. Aber weder die Band noch die Plattenfirma mochten eine solche Verlegenheitslösung. Letztlich fanden wir Gas, und es ging sehr gut voran. Ich denke, dass nicht zuletzt das belegt, dass HIM nicht nur aus meiner Person besteht. Viele meinen das ja, aber es stimmt einfach nicht! Die anderen mögen halt diesen ganzen Medien- und Fanrummel nicht sonderlich. Ich übernehme das für sie. Aber musikalisch sind wir eine Einheit. Heute mehr denn jemals zuvor. Klingt vielleicht wie ein Klischee, stimmt aber wirklich. Denn unser ehemaliger Schlagzeuger hatte niemals große Lust zu proben und kümmerte sich mehr um seine Familie als um die Band. Das ist natürlich nicht tragisch, aber zwei größere Tätigkeiten lassen sich nunmal nicht miteinander verbinden. Und man muss eben miteinander umgehen können. Denn wenn man es nicht kann, kommt es spätestens im Studio oder auf Tournee zu echten Schwierigkeiten. Und ich sehe die Band und auch all die Menschen, die für und mit uns arbeiten, als eine große Familie. Unser Beleuchter zum Beispiel arbeitet seit unserem ersten Konzert mit uns, unser Mischer ist ebenfalls sehr lange dabei. Diese Vertrautheit und Bindung ist sehr wichtig, denn ansonsten könnte diese Arbeitsprozess-Atmosphäre entstehen, und die ist die Kreativität und Energie mehr als tödlich."

Aber ist es wirklich so, dass die anderen in ihrem stillen Kämmerlein sitzen und Däumchen drehen, während du hier in Köln bei einer rauschenden Party abhängst und sich sichtlich gut unterhältst?
"Ich schreibe die meisten Songs, kümmere mich um die Arrangements, singe und stehe zwischen Band und Plattenfirma. Konkret zu dieser Party wollte ich auch unseren Bassisten Zoltan mitnehmen, denn er ist ein echt lustiger und angenehmer Zeitgenosse. Aber die Plattenfirma machte die klare Ansage, dass der Flug für eine zusätzliche Person von Finnland nach Deutschland viel zu kostspielig wäre. Aber auch deswegen gab es kein böses Blut, und die Jungs sind mit ihrer derzeitigen Position mehr als zufrieden, und wir sind sehr gute Freunde."

Bei unserem letzten Treffen erwähntest du, dass euch der Erfolg des ersten Albums in eine äußerst günstige Position brachte. Du sagtest, dass ihr euch den geeigneten Produzenten und das richtige Studio aussuchen konntet. Handelte es sich nun bei Produzent John Fryer und bei den Studios um eure erste Wahl?
"Die Plattenfirma schlug uns einige Namen und Örtlichkeiten vor, wir überlegten uns ebenfalls einige. Irgendwann trafen wir uns mit John, und er schien richtig nett zu sein und eine große Ahnung zu haben. Eigentlich der perfekte Mann für uns. Wir hatten nur die Befürchtung, dadurch, dass er in der Vergangenheit mit solchen Bands wie Depeche Mode arbeitete, könnte er uns leicht in eine deutlich elektronisch orientierte Stilrichtung zwängen. Das wollten wir aber auf keinen Fall. Wir nahmen dann zur Probe drei Stücke mit ihm auf, waren aber irgendwie nicht hundertprozentig zufrieden. Electronic-Anflüge waren zwar keine zu vermelden, dafür waren die Songs aber etwas zu hart und klangen nicht unbedingt so, wie wir uns den optimalen HIM-Sound vorstellen. Einige Zeit später fingen wir dennoch an, mit John zu arbeiten, stürzten uns in die komplette Produktion, und plötzlich lief alles optimal. Beide Seiten konnten die Fehler der ersten Vorproduktion meiden und klickten perfekt zusammen. Im Endeffekt war die Arbeit so gut, dass wir richtige Freunde geworden sind. Es geht sogar so weit, dass ich gemeinsam mit unserem Bassisten und mit John voraussichtlich im Januar einen Urlaub in London einlegen werde! Ach ja: Und das Studio war ebenfalls genial. Es liegt auf dem Land, abseits von jeglichem Trubel, und man kann sich dort herrlich auf die Arbeit konzentrieren. Black Sabbath nahmen dort ihr erstes Album auf, Queen "Bohemian Rhapsody", und auch Bands wie Oasis und Suede waren dort schon zugange. Das Studio ist nicht einmal so teuer, ist aber sehr angenehm und hat integrierte Appartements. Das heißt, dass jeder Musiker ein eigenes Zimmer hat und von dort jederzeit ins Studio gehen kann. Meinetwegen auch mitten in der Nacht, in Unterwäsche. Wir waren dort von der Außenwelt abgeschottet und konnten uns gut auf die Arbeit konzentrieren. Immerhin brauchte man ungefähr einen zwanzigminütigen Fußmarsch, um in das nächste Städtchen zu gelangen und ein gepflegtes Guinness zu schlürfen. Beim nächsten Mal gehen wir sicher wieder dorthin oder in einen ähnlichen Komplex. Es ist schon erfrischend, die Ruhe genießen zu können und daraus die für die Aufnahmen notwendige Energie zu gewinnen. Und wenn man richtig entspannen will, kann man immer noch Billard spielen oder einen guten Film schauen."

Welche zum Beispiel?
" Wir schauten uns mehr als einmal "Blade" mit Wesley Snipes an. Ein wirklich brillianter Film, den man nicht oft genug sehen kann. Unser Bassist hat übrigens ein richtig ausgefallenes Faible für Mumien, und so schauten wir uns, gewollt oder ungewollt, immer wieder irgendwelche Mumien-Streifen an. Querbeet. Aus den Fünfzigern, Sechzigern, Siebzigern, Achtzigern, aber auch aus den Neunzigern. Gute, aber auch richtig schlechte. Erinnern kann ich mich auch an "Saving Private Ryan" oder auch "The Negotiator" mit Samuel L. Jackson und Kevin Spacey. Vergessen darf ich nicht, dass in dem Studio ein richtig guter Koch ist, der uns die verschiedensten Gerichte zubereitete und uns regelrecht verwöhnte. Er brachte uns sogar mein heißgeliebtes Sushi oder aber richtig variantenreiche Kost. Es machte dort so richtig Spaß, und ich hoffe, dass man das auf dem Album auch hört. Zumal die komplette Band die ganze über Zeit zusammen war und sich jederzeit gegenseitig aushelfen konnte. Während sich zum Beispiel der Bassist an seinen Parts versuchte, spielte ich mit dem Gitarristen Frisbee und entspannte auf diese Weise."

Deine Liebe zu eingängigen und wirksamen Hymnen im Stile großer und bekannter Bands und Interpreten der achtziger Jahre ist auch dieses Mal nicht zu überhören.
"Es geht nun mal in erster Linie um starke, einprägsame Songs. Und solche sind in den Achtzigern gleich massenweise entstanden. Ich finde, dass das neue Album auf eine gewisse Art und Weise noch mehr in den Achtzigern verwurzelt ist. Für meinen Geschmack ist es noch viel melodischer als das erste. Wobei die meisten Stücke aber auch viel besser nach vorne gehen und rocken. Eben ganz so wie in der Live-Situation. Für mich ist dieses Gerede über Jahrzehnte, in denen gute Musik, und solche, in denen nur Ausschuss entstanden ist, absolut haltlos. Es gab jederzeit gute Songs, gute Interpreten und gute Konzerte. In den Sechzigern wie in den Neunzigern. Nur war die allgemeine musikalische Bewegung einmal mehr, einmal weniger interessant. Aber meine Hauptvorliebe gilt eben großen, dramatischen, melancholischen, herzbrecherischen Melodien und Stücken."

Große, dramatische, melancholische und herzbrecherische Melodien. All dies und noch viel mehr enthält die Single-Auskopplung "Join Me". Doch kann es denn sein, dass sich Single- und Albumversion in einigen Punkten unterscheiden?
"Der "Join me"- Mix auf dem Album ist etwas anders. Vor allem das Schlagzeug klingt auf der Albumversion besser und macht den kompletten Sound rauher. Die ursprüngliche Version ist drei Tage lang in London abgemischt worden, und uns ist relativ schnell aufgefallen, dass sie etwas zu geschliffen und poppig rüberkommt. Doch HIM sollte keine Pop-Band sein, und wir mischten den Song noch einmal neu in Finnland, damit er auch besser zum Gesamtsound des Albums passt."

Apropos umgestalten: Angeblich ist es so, dass "Razorblade Romance" zweimal aufgenommen worden ist. Gibt es von dem Album tatsächlich zwei verschiedene Versionen?
"Könnte man so sagen" nickt Ville zustimmend. "Wir haben nämlich bereits im letzten Dezember in Finnland angefangen, mit unserem damaligen Produzenten Hiili das Album aufzunehmen. Es sind dabei ungefähr neun Songs entstanden, wovon nur ein einziger auch fertig abgemischt worden ist. Das Ergebnis war nicht besonders gut, teilweise auch etwas vorhersehbar. Wir entschieden uns also, die ganze Sache noch einmal durchzuziehen. Damals spielte wohl auch die Problematik eine wichtige Rolle, dass wir keinen Keyboarder und keinen Schlagzeuger hatten. Aber mit der neuen Besetzung änderte sich auch die Stimmung in der Band total, und wir waren bereit, das Album noch einmal und dann auch richtig anzugehen. Aber so ganz möchte ich die damalige erste Session nicht abhaken. Es sind, mit dem nötigen Abstand betrachtet, einige wirklich interessante Sachen entstanden. Unter anderem auch eine neunminütige Version von "Join Me in Death". Sie klang relativ anders, war aber auch ganz anders arrangiert. Und dann gab es noch etwa fünf Songs, die letztlich unter den Tisch fielen. Vielleicht werden wir sie noch irgendwann neu abmischen und auf einer EP oder einer Single als Bonus-Tracks veröffentlichen. Denn schlecht waren sie gewiss nicht! Aber es war trotzdem gut, die Chance zu erhalten, das komplette Album noch einmal machen zu dürfen."

Auf der "Join Me"- Maxi tauchte in "Dark Sekret Love" ein Song der allerersten HIM-EP auf, die es seinerzeit nur in Finnland zu kaufen gab. Besteht denn die Möglichkeit, dass nach und nach all die aus dieser EP stammenden Stücke in Deutschland veröffentlicht werden? "Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es so sinnvoll wäre. Die Band hat sich seit dem viel weiterentwickelt. Und damals war es auch noch so, dass bei HIM zwei Gitarristen und kein Keyboarder tätig waren. Damals war das noch eine ganz andere Band und eine andere Situation. Ich schäme mich keineswegs für die damalige Ära, aber ich bin auch nicht sonderlich heiß darauf, bei meiner deutschen Plattenfirma anzurufen und sie zu überzeugen, dass sie die EP wiederveröffentlicht oder die restlichen Stücke auf irgendwelchen Singles verbrät. Da gibt es doch tonnenweise viel interessanteres Material, dass man in Bonustracks umfunktionieren könnte. Es gibt hochwertige Demos, unveröffentlichte Songs, gelungene Live-Aufnahmen oder aber auch witzige Remixes. Es gibt die Überlegung, nach dem dritten oder vierten HIM-Album eine Raritätenkompilation zu veröffentlichen mit all diesen Stücken. Dabei geht es nicht darum, den Fans das hart verdiente Geld aus den Taschen zu ziehen, sondern darum, ihnen etwas Interessantes und Ausgefallenes zu bieten. Ich bin selber Fan von einigen Bands und Interpreten und stehe total auf Raritäten. Und ich könnte mich zum Beispiel totärgern, dass man einige Maxi-B-Seiten von den Sisters Of Mercy nicht auf CD bekommen kann. Genauso wie einige Fields Of The Nephilim-Singles, die heute überhaupt nicht mehr zu kriegen sind."

Nett übrigens, dass die "Join Me"- Maxi all diese Raritäten enthält. Die ersten beiden Maxis zu "Wicked Game" und "When Love And Death Embrace" enthielten ja nur absolut nichtssagende, leicht abweichende Fassung von den Titelsongs.
"Das waren auch totale Fehlgriffe, die ich aber der Plattenfirma in die Schuhe schieben muss. Sie hat die Maxis eben veröffentlicht. Andererseits muss man auch sagen, dass wir damals noch eine ziemlich junge Band waren, die nicht so viele veröffentlichungswürdige Raritäten in der Hinterhand hatte, um mit ihnen die Maxis aufzuwerten."

Auf "Razorblade Romance" steht im Gegensatz zum ersten Album keine Coverversion. Wolltet ihr keine aufnehmen, weil ihr auf dem ersten Album zwei gemacht habt, oder gab es keinen geeigneten Song?
"Das erste Argument war sicher wichtiger. Wir wollten zeigen, dass wir keine Heavy-Metal-Jukebox sind. Wir wollen unsere Karriere nicht darauf aufbauen, fremde Stücke neu zu interpretieren. Sollte sich das neue Album auch ohne eine Coverversion verkaufen, um so besser."

Eine Sache noch. Weshalb endet auf "Greatest Lovesongs Vol.666" das Lied "It's All Tears (Drown In This Love)" auf eine so unkonventionelle Art und Weise?
"Du meinst das Ende, das klingt, als ob die Lautsprecher total kaputt wären? Wir wussten damals nicht ganz genau, wie man den Song beenden könnte. Auf ein konventionelles Ausblenden hatte niemand von uns Lust, und so ließen wir uns beim Mastern etwas ganz anderes einfallen. Es gelang ziemlich gut. Sogar so gut, dass so manche Fans mit dem Album zurück in den Plattenladen gingen und die CD umtauschen wollten, weil sie dachten, sie sei beschädigt."




Romeo und Julia à la David Lynch
"Razorblade Romance" Song für Song in den Worten des Ville Valo

"I Love You (Prelude To Tragedy)"
"Ein Song, den wir zum ersten Mal in Dortmunder Soundgarden spielten. Zwei Tage, nachdem ich ihn geschrieben hatte. Er hat sofort funktioniert und eröffnet das Album. Du wirst lachen, aber für mich kommt es rüber wie eine Mischung aus D:A:D und den Sisters Of Mercy. Der Text befasst sich wie die meisten meiner Texte mit Liebe. Allerdings in einer recht ungewöhnlichen Sichtweise. So in etwa als würde David Lynch einen Liebesfilm inszenieren."

"Poison Girl"
"Definitiv kein Hass-Song, auch wenn das einige Leute meinten. Ich mag vor allem den Text sehr. Es geht um ein Mädchen, dass ich mag und dem ich etwas nicht besonders Gutes angetan habe. Auf eine bildliche Art und Weise habe ich sie vergiftet."

"Join Me In Death"
"Ein relativ alter, auf eine pessimistische Weise optimistischer Song. Die Hauptmelodie stand in einigen Stunden, aber es dauerte ungefähr ein halbes Jahr, bevor das endgültige Arrangement stand. Alles in allem gab es davon ungefähr fünf Fassungen. Textlich eine moderne Adaption der "Romeo und Julia"- Geschichte. Zwei Menschen, die sich lieben und sich vom Rest der Welt und vor allem der eigenen Familie nicht verstanden fühlen. Viele haben den Song missverstanden und meinten, er würde ausschließlich von Selbstmord handeln. Das ist aber schlichtweg falsch. Vielmehr ist es eine melancholische Hymne, so ziemlich im Stil von "When Love And Death Embrace" vom ersten Album. Und ich habe definitiv nicht an Vampire gedacht, auch wen du das damals als einen Interpretationsansatz erwähntest. Ganz so gotisch ist der Text nun auch wieder nicht."

"Right Here In My Arms"
"Erinnert irgendwie an Billy Idol oder sogar an Bon Jovi. Der Song entstand gleich nach der Fertigstellung des ersten Albums. Das heißt irgendwann im Jahre 1997. Das Achtziger-Feeling ist unüberhörbar. So etwas wie eine Gothic-Party-Hymne."

"Gone With The Sin"
"Der Song war sehr schnell fertig, genauso der Text. Inhaltlich eine wiederum leicht abgedrehte Liebesgeschichte. Ein klares Statement an eine Person, die ich seinerzeit liebte. Eine basische, schöne Pop-Ballade mit Gothic-Einflüssen."

"Razorblade Kiss"
"Ein sehr guter Live-Song, der schon seit einigen Jahren gibt. Wir arrangierten ihn so lange um, bis diese endgültige Fassung entstand. Von den Gitarren her erinnert er mich etwas an die neueren Alben der schwedischen Band Entombed. Textlich ziemlich düster."

"Bury Me Deep Inside Your Heart"
"Vom Keyboardmotiv etwas an Depeche Mode angelehnt. Enthält allerdings auch Einflüsse von Kyuss, den Smashing Pumpkins und sogar ein wenig Roxette. Eine große Rockballade mit einem Text, der viele alte Erinnerungen enthält."

"Heaven Tonight"
"Sollte man nicht mit den Songs von Hole oder von Yngwie Malmsteen verwechseln. Wiederum ein starkes Achtziger-Feeling und auf eine gewisse Art und Weise die einfache Botschaft an jemanden, den man sehr mag. Übrigens der letzte Song, den ich für das Album schrieb."

"Death Is In Love With Us"
"Der ursprüngliche Titel war "Six Six Six Revisited". Wir wollten neben "Heaven Tonight" noch einen relativ kurzen und rauhen Song auf dem Album haben."

"Resurrection"
"Noch ein älterer Song mit eindeutigen Achtziger-Einflüssen. Klingt etwa so, als wenn Bon Jovi zu einer Gothic-Band mutieren. Allerdings bezieht sich der Vergleich mehr auf die ursprüngliche Version des Stückes. Immerhin brachte uns dieser Vergleich auf einen Arbeitstitel des Albums, den wir dann allerdings doch nicht verwendeten: "Slippery When Dead"."

 

English version of "The Fins are coming" comes soon!!!

 

Die Finnen kommen!

(eVITA 2000)



HIM auf Deutschland-Tour

Das finnische Quinett HIM aus Helsinki hat mit seinem Düsterrock mit Pop-Appeal endlich den internationalen Durchbruch geschafft. Mit der Single "Join me in death" aus Roland Emmerichs Kinofilm "The 13th Floor" eroberte der skandinavische Fünfer europaweit die vorderen Plätze in den Hitlisten.

Nachdem der Song auch in der Bundesrepublik den ersten Platz und mittlerweile Gold-Status erreichte, schoss auch ihr zweites Album "Razorblade Romance" von Null auf Eins in die deutschen Charts. Sänger Ville Valo erzählte eVITA von Tourstress und Erfolg.

eVITA: Nach dem Debüt-Album "Greatest Lovesongs Vol. 666", dem damit verbundenen Erfolg in Skandinavien und langen Europa-Tourneen stand die Band während der Produktion der neuen CD vor einer Zerreißprobe. Wie hast Du diese schwierige Phase in den Griff bekommen?
Ville Valo: "HIM befand sich plötzlich an einem Punkt, an dem es ans Eingemachte ging und von jedem mehr Professionalität gefordert gewesen wurde. Die Prioritäten mussten sich bei allen Bandmitgliedern durch den Erfolg in Finnland quasi über Nacht ändern. Damit hatten wir alle schwer zu kämpfen. Vor allem, weil du dich selbst und dein Umfeld durch den musikalischen Erfolg veränderten. Du selbst kannst gegen diesen Druck von Außen fast nichts anderes machen als kämpfen. Unser Schlagzeuger und unser Keyboarder haben dies eben nicht auf die Reihe bekommen und mussten deshalb die Band verlassen, um den anderen und der Entwicklung der Formation nicht weiter im Weg zu stehen. Unser neuer Drummer Gas Lipstick ist mittlerweile schon seit einem und Keyboarder Juska seit einem halben Jahr dabei."

eVITA: Was hat Dich genau bei der ersten Produktion zum neuen "Razorblade Romance"-Werk gestört?
Ville Valo: "Die ersten Aufnahmen, die wir wieder zusammen mit unserem Produzenten Hiili wie schon beim Erstling in Helsinki in den Finnvox Studios durchzogen, führten schnell zu internen Auseinandersetzungen. Mir hat die musikalische Richtung nicht gepasst. Die ersten sieben Titel, die wir aufgenommen hatten, klangen irgendwie viel zu elektronisch. Fast wie Depeche Mode. Dieses Zeug konntest du nicht anhören."

eVITA: Die neuen Songs sind teilweise auf Eurer letzten Tour entstanden. Viele Stücke habt Ihr damals schon live dargeboten und auf seine Publikumstauglichkeit getestet.
Ville Valo: "In dieser Hinsicht bin ich sehr perfektionistisch veranlagt. Denn nicht nur einem selbst, sondern auch den Leuten, für die du Musik machst, muss es gefallen. Da reicht es nicht aus, dass der technische Feinschliff im Studio stimmt – es muß auch bei einem Live-Auftritt zusammen mit den Emotionen der Zuschauer funktionieren. Durch den Besetzungswechsel haben wir uns für die weiteren Aufnahmen schließlich noch etwas Zeit gelassen. Wir sind somit erst wieder im Sommer in Wales mit einem neuem Produzenten ins Studio gegangen."

eVITA: Vor einigen Monaten hätte es sicherlich keiner für möglich gehalten, dass HIM so atemberaubend rasant die europäischen Hitparaden stürmen wird. Was geht in diesen Tagen in Dir überhaupt vor? Wie kommst Du mit dieser Situation zu recht?
Ville Valo: "Es ist natürlich auf der einen Seite unheimlich schön, diesen Erfolg, auf den du seit vier Jahren ununterbrochen hingearbeitest hast, in vollen Zügen zu genießen. Durch unsere Erfolge in Finnland haben wir in den letzen Jahren schon reichhaltige Erfahrungen sammeln können. Mit dieser enormen Erwartungshaltung der Fans und vor allem der Medien musst du auf alle Fälle erst einmal fertig werden. Wenn du diesen Druck nicht gewöhnt bist, ist es verdammt schwer damit umzugehen. Heute geht dies aufgrund der Vorerfahrung wesentlich einfacher, weil man damit schon einmal konfrontiert worden ist."

Erfolgsgeheimnis: Zweiseitigkeit

eVITA: Was ist für Dich bei der Arbeit mit Produzent John Fryer (Nine Inch Nailes) anders gewesen?
Ville Valo: "Mir war sofort klar, dass wir bei den ersten Aufnahmen zum neuen Album nicht das Optimum erreicht hatten und die Depressivität der Songs zu groß gewesen ist. Vielleicht lag es ja daran, dass es beim ersten Mal Winter gewesen ist. Wir Finnen sind in dieser Jahreszeit bekanntlich immer sehr melancholisch. Der walisische Sommer hat uns zusätzlich einen völlig anderen Einfluss mitgegeben. Diese Zweiseitigkeit, die man jetzt in unserer Musik spürt, ist sicherlich das Geheimnis unseres Erfolgs. Hauptverantwortlich dafür ist John gewesen. Er hat aus uns die Stärken herausgefiltert und sie perfekt umgesetzt."

eVITA: Trotz zahlreicher Bewerbungsversuche hat HIM erst 1996 einen Plattenvertrag erhalten. Mit dem reinen Coversong-Album "Greatest Lovesongs Vol. 666" gelang Euch mit Leichtigkeit der Eintritt ins Musikbuisness.
Ville Valo: "Wir hatten zu Beginn nicht so viele eigene Titel geschrieben. Es ist zudem leichter, sich als unbekannte Formation mit bekanntem Material gegen die Konkurrenz auf dem Markt durchzusetzen, was uns schließlich mit "Wicked Game" spielend glückte. Dass wollten wir zuerst nicht kapieren. In dieser Branche läuft es aber anders als viele Nachwuchscombos denken. Die Luft ist verdammt dünn. Allerdings ist für uns schnell klar gewesen, dass wir auf dem darauf folgenden Album nur eigene Songs präsentieren werden. Viele Journalisten hätten uns ansonsten als simple Coverband etikettiert. Dies würde aber auch unserer eigenen Philosophie nicht entsprechen."

eVITA: Die größte Aufmerksamkeit des Publikums und der Medien erhält in der Regel in allen Bands der Sänger. Das ist bei HIM nicht anders. Doch auch auf den Presse-Fotos tauchen die anderen Mitglieder nicht auf. Du stehst auch hier im Mittelpunkt. Warum?
Ville Valo: "Ehrlich gesagt, verstehe ich die Frage nicht ganz. Wir sind eine demokratische Band, in der jeder sagen kann, was ihm nicht gefällt. Dass ich in der Öffentlichkeit im Vordergrund stehe, ist eine Frage des Marketings. Die Plattenfirma fand es eben besser, den Schwerpunkt auf eine Person zu konzentrieren. Unser Bassist hat seine großen Auftritte dagegen im Tour-Bus, wenn er für uns alle den Affen macht und uns zum Lachen bringt. Juska inszeniert schließlich die Party dazu. Jeder ist ein Teil von HIM. Jeder hat seine Stärken und seine Schwächen."

eVITA: Für Blödeleien im Tour-Bus werden die beiden in den nächsten Tagen wieder reichlich Gelegenheit haben.
Ville Valo: "Nach zahlreichen Promo-Terminen in den letzten Tagen, geht es jetzt in Finnland mit den ersten Gigs los. Insgesamt bestreiten wir quer durch Europa über 20 Konzerte am Stück. In Deutschland sind wir zum ersten Mal am 22. März in Dortmund live zu sehen. Ich freue mich schon riesig darauf."

eVITA: Schon jetzt sind aufgrund des großen Erfolgs einige Konzerte restlos ausverkauft. Da werden viele chartorientierte Teenager in der ersten Reihe stehen, die erst durch "Join me" auf HIM gestoßen sind.
Ville Valo: "So etwas stört mich eigentlich nicht besonders. Denn ich bin auch einmal ein Teenager gewesen. Ich kann sie also sehr gut verstehen."

eVITA: In den neuen Songs erzählst Du sehr persönliche Geschichten...
Ville Valo: "...ja für das Mädchen, auf das Du bestimmt anspielst, habe ich viele Songs geschrieben. Sie existiert übrigens wirklich. Alle Titel sind deswegen auch nicht-fiktional, sondern real zu interpretieren. "Razorblade Kiss" dreht sich beispielsweise um eine gescheiterte Beziehung. Mehr möchte ich dazu aber nicht sagen."

English version of "HIM - Razorblade Romance" comes soon!!!

 

HIM - Razorblade Romance

(eVITA, 06/03/00)



"Razorblade Romance" heißt das zweite Album der finnischen Band "Him" und ist mittlerweile auf Platz 1 der deutschen Albumcharts gelandet. Das Cover ziert der Frontmann Ville Hermanni Valo im Marlene Dietrich-Stil, veredelt mit einem Heiligenschein. Edel ist vielleicht überhaupt das Wort zur Band. Denn Edel-Gothic-Rock ist das, was sie machen und auch, wonach sie aussehen. Ville darf man durchaus als männliche Diva bezeichnen und dieser Rolle wird er ohne die bei seinen Kolleginnen so häufig anzutreffende Zickigkeit gerecht.

Das Album klingt nicht anders als das Debüt, aber sehr viel ausgefeilter und gereift. Produzent John Fryer (NIN, Depeche Mode) leistete dazu einen großen Beitrag. Denn in seinem walisischen Studio wurde das Album nach (laut Bandaussage) einer zu depressiven ersten Aufnahme noch einmal gänzlich neu eingespielt. Dadurch ist es zwar nicht fröhlich geworden. Aber es klingt angenehm melancholisch und wie in warmen Samt eingehüllt, ohne in unermeßliche seelische Abgründe abzugleiten.

Dem Sog der ersten Singleauskopplung "Join Me In Death" (Sountrack zu "The 13th Floor") konnte sich bereits niemand entziehen und auch die anderen Tracks sind im guten Sinne Ohrwürmer. Düstere Balladen und treibender Gothic-Rock. Dabei befinden sich Ville Valos Stimme und der kraftvolle Sound seiner Bandgenossen in immerwährender Symbiose. Mal wirken die Vocals dynamisch und bestimmt, mal leidend und demütig. Des Sängers Texte drehen sich wie beim Vorgängeralbum wieder ausschließlich um die Liebe. Und ein anderer Stoff mag für diese Musik auch kaum taugen.

Es ist eindeutig, dass die Finnen dem Druck, der auf eine so gefeierte Newcomerband nach dem ersten Album einwirkt, gewachsen waren. Was den verehrten Hörer angeht, so sollte er das Album einfach in den CD-Player einlegen und dann beherzt auf repeat drücken, denn satthören wird er sich daran bestimmt nicht.

Gesamtspielzeit: 65 Minuten

 

English version of "Ville and Mige telling secrets" comes soon!

 

Ville und Mige plaudern aus dem Nähkästchen

(Laut.de 26/04/00)



Am Rande ihres letzten Deutschlandkonzerts in Stuttgart erzählten Ville und Mige von HIM im LAUT-Interview über Death, Metal, kreischende Mädels, den "Fluch der Teeniepresse", seine Selbstgebrannten u.v.a.

Wie sieht es mit den neuen Bandmitgliedern aus, haben sie sich gut in den Bandkontext eingelebt?
Mige: Es ist immer schwer, neue Leute zu integrieren, aber wir sind ja schon einige Zeit auf Tour und haben viele Konzerte gespielt, das hilft. Die Tour lief bislang prima für uns. Wir haben in grossen Hallen vor vielen Leuten gespielt. Bis jetzt waren wir in Deutschland, Österreich, in der Schweiz, Luxemburg, Belgien und Holland.
Ville: Wir haben jetzt einige Tage Ruhe, danach gehen wir nach England, Spanien, Italien und Portugal.

Ihr habt davon gesprochen, dass das neue Album auch im Rest von Europa veröffentlicht wird.
Ville: Ich glaube die Platte wird in England im Juni veröffentlicht. Es ist ein bisschen merkwürdig. Durch den plötzlichen Erfolg von "Join Me" wurden auf einmal alle Plattenfirmen hellhörig. Wir versuchen die dritte Platte überall gleichzeitig zu veröffentlichen. Das erste Album wurde ja ausserhalb von Finnland, Deutschland, Österreich und der Schweiz nirgendwo veröffentlicht und deshalb kennt niemand die Band. Wir fangen dort praktisch noch mal von vorne an, was aber auch seinen Reiz hat.

Wie ist das mit den kleinen kreischenden Mädels, die jetzt überall dort auftauchen, wo Ihr seid. Ist das nicht ein wenig seltsam?
Ville: Das ist der Fluch der Teeniepresse. Wir dachten aber, dass es wesentlich schlimmer sein würde. Aber unser Publikum hat sich eigentlich gar nicht verändert. Da sind immer noch die gleichen Goth- und Pop-Fans, genauso wie die Rocker oder die Metal-Freaks. Sogar viele ältere finden unsere Musik gut. Aber insgesamt gesehen war es nicht so seltsam. Es ist nicht so schlimm wie wir erwartet hatten.

Ist Euer grosser Erfolg nicht gefährlich für Eure Glaubwürdigkeit?
Ville: Auf was es ankommt ist letztendlich die Musik. Wir haben "Razorblade Romance" gemacht, bevor wir wussten, dass wir auf dem Cover der Bravo sein werden. Wir haben die Platte nicht für spezielle Leute gemacht. Wir wollten einfach nur ein gutes Album machen und damit auf Tour gehen. Es ist ja auch nicht so, dass ich zum Second Hand CD-Laden gehe und meine CDs von den Bands verkaufe, die erfolgreich geworden sind, auf die Musik kommt es an. Madonna schreibt gute Songs und auch Savage Garden haben ein paar verdammt gute Lieder.

Die Metal-Szene könnte man aber als sehr konservativ bezeichnen
Ville: Ich glaube nicht, dass das heute noch so ist. Die Metal-Szene hat sich ziemlich ausdifferenziert. Ich weiss schon gar nicht mehr, was heute eigentlich noch Metal ist. Da gibt's dieses New-Metal Zeugs wie Limp Bizkit. Das halte ich aber eher für Scheisse als Metal. Für mich ist Metal eher so etwas wie Iron Maiden, W.A.S.P. und der ganze 80er Kram wie Black Sabbath.

Was inspiriert Dich, Deine Texte zu schreiben?
Ville: Ich versuche einfach meine Idole zu imitieren. Ich habe einfach viele Texte von guten Bands gelesen.

Und was ist der Grund dafür, dass Du Dich so sehr mit diesem Liebe, Tod und Sünde Kram beschäftigst?
Ville: Die Sachen, in denen das Wort "Death" vorkommt sind sehr alt, so um die drei Jahre. Aber das ist sowieso eher symbolisch gemeint. Nicht in dem Sinne, dass man sich selbst oder jemanden anderen umbringt. Eher in dem Sinne, dass ich kleine Tode in Beziehungen beschreibe. Als wir die Band gründeten war ich von den Wortspielen der Gothic-Szene beeindruckt und ich habe ziemlich viele Horrorfilme gesehen.

Es ist aber nicht so, dass Du so emotional bist, dass Du über diese Sachen unbedingt schreiben musst?
Ville: Irgendwie handelt jeder Song, den ich bisher geschrieben habe, von Liebe. Das ist einfach ein Thema, das ich sehr mag. Normalerweise ist es so: je persönlicher die Sachen sind, die du schreibst, desto universeller werden sie. Jeder hat so seine Vorstellungen über Liebe und Liebe ist ja ein grosses Wort und bedeutet für jeden etwas anderes und wenn Du so etwas behutsam beschreibst und vieles offen lässt, dann bleibt auch Raum für Interpretationen und das ist sehr wichtig.

Wie sieht es in Finnland aus? Hat Euer Erfolg hier in der finnischen Musikszene etwas verändert?
Mige: Es gibt viele Musiker in Finnland aber bislang ist noch nicht viel von dort gekommen. Das hängt sicher mit unserer Kultur zusammen. Die Plattenfirmen trauen sich aber auch nicht, Bands ins Ausland zu bringen. Vielleicht sollte man den entsprechenden Leuten nur mal ordentlich in ihre fetten Ärsche treten.
Ville: Ich habe gehört, dass da jetzt Interesse besteht, finnische Bands, die englisch singen, im Rest von Europa bekannt zu machen und das ist gut für die Szene dort.

Gib doch mal einen kleinen Überblick über die finnische Musikszene, denn hier sind ausser den Leningrad Cowboys kaum andere Bands bekannt.
Ville: Das sind doch alte Fürze und eher Komödianten als richtige Musiker.
Mige: Es gibt viele Alternative-Bands dort. Die schielen aber nicht ins Ausland, weil sie denken, dass das sowieso nicht passieren wird, dass sie mal raus kommen.
Ville: Die Finnen sind wahrscheinlich zu verrückt, um normale Sachen zu machen. Es gibt viele Alternative- und Black Metal-Bands und auch viele Künstler, die elektronische Musik machen, die auch in der ganzen Welt bekannt sind, aber ein grosser kommerzieller Erfolg war bislang nicht dabei, keine Ahnung, warum.
Mige: Vielleicht wollen sie einfach nur zu originell sein.
Ville: Es gibt aber eine ganze Reihe von guten Bands. Die machen eher so Hardrock Sachen oder Stoner Rock wie Kyuss.

Mige, weisst Du, dass es im Internet eine Adresse gibt, wo sie Nacktfotos von Dir veröffentlicht haben?
Mige: Oh ja, das ist cool. Ich habe mich in einer Dokumentation über HIM so gezeigt.
Ville: Er war noch nie sonderlich schüchtern. Er ist der Hippie der Band. Er kümmert sich gar nicht darum. Ich wäre gerne so extrovertiert wie er. Die haben diese Dokumentation in der Hauptsendezeit in Finnland gebracht, somit hat jeder fünfte in Finnland seinen Schwanz gesehen.
Mige: Ja, mein Schwanz ist berühmter als ich es bin.

Hier in Deutschland wurde Eure CD zusammen mit der neuen von Phillip Boa als erste mit einem Kopierschutz versehen. Was sagt Ihr dazu?
Ville: Das ist schon komisch. Ich habe selbst sehr viele gebrannte CDs weil ich nicht viel Geld hatte, um mir neue zu kaufen. Ich habe in den 80ern auch viele Platten auf Kassetten kopiert und das hat die Musikindustrie in keinster Weise getroffen, es hat einfach die Musik unter die Leute gebracht. Es gibt genug, die sich die CDs kaufen, wenn ein Album rauskommt. Mit dem Originalcover, Bildern und dem ganzen Zeugs. Klar verlieren sie dadurch Geld, wir ja auch, aber mir ist das eigentlich egal. Es ist wichtiger, dass die Leute die Platten haben, dann kommen sie auch zu Konzerten, wenn ihnen die Musik gefällt. Nicht jeder hat die Kohle, um sich Platten zu kaufen. Mit den Tapes war es doch auch so, dass man sich die Sachen von Freunden kopieren liess und dann mal reingehört hat, ob einem das gefällt und dann hat man sich das dann auch gekauft.
Mige: Das ist doch auch eine Art von Promotion, um die Musik unter die Leute zu bringen.

Was macht Ihr eigentlich im Internet?
Ville: Ich habe mit Computern eigentlich nichts am Hut.
Mige: Ich mag es, E-Mails zu verschicken. Das ist eine sehr nette Art, zu kommunizieren, speziell auf Tour.
Ville: Für die Musik ist es ein verdammt guter Weg, ein Album zu gestalten. Zum Beispiel kann man mehrere Covers anbieten, kleine Filmchen einbauen, aber ich selbst mag es lieber, in einem Plattenladen herumzulaufen und ein wenig zu stöbern.

Das Internet wird wohl in Zukunft eine grosse Rolle beim Vertrieb von Musik spielen.
Mige: Ja klar, aber man muss es auch kontrollieren können und da frage ich mich wie?
Ville: Das kann aber auch kompliziert werden, wenn jeder seine Sachen über das Internet vertreibt. Das wird dann schnell ziemlich unübersichtlich. Man braucht dann Jahre, um zu schauen, was wirklich abgeht.

Aber für neue Bands ist es doch eine gute Möglichkeit, sich zu präsentieren.
Ville: Ja, das stimmt. Aber der beste Weg, sich über Musik zu informieren, ist immer noch, am Freitag in einen Club zu gehen, gute Musik zu hören und Leute zu treffen.

Du hast gemeint, dass Du die Rob Zombie-Remixes magst. War das auch der Grund dafür, dass Ihr mit John Fryer zusammengearbeitet habt?
Ville: Nein nicht wirklich. Die Plattenfirma hat da einen Typen vorgeschlagen, den ich gar nicht kannte. Wir haben ihn dann in London getroffen und auf einem Zettel stand dann, was er bislang alles gemacht hat. Ich hatte zuerst Bedenken, dass wir zu elektronisch klingen könnten, weil er viel mit Sequenzern arbeitet aber er hat viele verschiedene Sachen gemacht, sogar Weltmusik.

Ist das auch Deine Philosophie von Musik, immer ein offenes Ohr zu haben?
Ville: Mhh, es ist einfach gut zu wissen, was vor sich geht. Das macht es auch einfacher, gute Riffs zu klauen. Ha ha
Mige: Aber ein bisschen umändern. Ha ha
Ville: Mit Fryer, das war ein wirklich glücklicher Umstand, dass wir mit ihm zusammengearbeitet haben. Er ist ein wirklich netter Zeitgenosse und mittlerweile ein guter Freund geworden. Ich würde gerne das nächste Album mit ihm aufnehmen. Im Juli nehmen wir Demos von neuen Songs mit ihm auf.

Ihr habt schon neue Songs geschrieben?
Ville: Von acht Songs stehen die Riffs, der Chorus und die Melodien aber es gibt noch keine Texte und richtig arrangiert sind die Sachen auch noch nicht. Es gab ja eine grosse Zeitspanne zwischen dem ersten und dem zweiten Album. "Greatest Love Songs" ist ja in Finnland schon '97 erschienen. Das sind über zweieinhalb Jahre und für einen Künstler ist das ziemlich lang. Du fängst an, dich zu langweilen, wenn Du immer den alten Kram spielst. Wir werden die neuen Sachen im November aufnehmen und im Frühjahr kommt die nächste Platte.

Schon?
Ville: Ja, dann bleibt die Sache für uns und auch für die Fans interessant. Wir brauchen dazu keine drei Jahre. Wir wollen ein Album so schnell wie möglich aufnehmen. Platten sind ja immer Momentaufnahmen einer Band und deswegen interessiert mich "Razorblade Romance" schon gar nicht mehr. Das war unser Sound vom letzten Jahr.

Dann habt Ihr ja einen richtigen kreativen Lauf.
Ville:
Das haben wir immer. Man ändert sich auch und das hat Auswirkungen auf das, was Du machst. Speziell in der Musik. Wenn ich zum Beispiel traurig bin, hört man das auch. Wir wollen das so machen wie in den 70ern. Album aufnehmen, Promotion machen, auf Tour gehen und wieder ein Album aufnehmen. Wenn man die Sachen schnell macht, gibt einem das die Möglichkeit auch mal ein Scheissalbum zu machen.
Wenn du an einer Platte ein ganzes Jahr arbeitest, dann dauert es letztendlich drei, um sie zu veröffentlichen und das erzeugt einen immensen Druck, auch von der Plattenfirma und dann muss man mit einem verdammten Meisterstück rüberrücken, um das zu rechtfertigen. Für uns sind die Aufnahmen immer etwas sehr spontanes. Man denkt zwar vorher immer an die Möglichkeiten, die man hat, aber zum Schluss geht man einfach hin und legt los. Die Songs müssen natürlich zu einem Grossteil stehen. Ich halte die Sache gerne kompakt. Man wird ja schizophren, wenn man an einem Ding drei Monate ununterbrochen arbeitet.

 

English version of "HIM: We are no prayers" comes soon!!!

 

HIM: Wir sind keine Prediger

(Laut.de 15/02/00)



Den Preis für die Superstars des Frühjahres haben HIM im Vorbeifliegen eingesackt. Nun war das Medieninteresse natürlich entsprechend gross. Mit zwei Nummer Einsen im Gepäck, kamen die fünf Finnen um Ville und Mige nach Deutschland, um der Journaille Rede und Antwort zu stehen. Das Renaissance-Hotel in Köln wurde bei Ankunft der LAUT-Crew schon von ungeduldigen Kids belagert, die zumindest einen Blick auf den schönen Ville erhaschen wollten.
Als die stolze Plattenfirma HIM ankündigte, präsentierten sich HIM und hier vor allem Ville und Mige, als überaus unterhaltsame Gesprächspartner. Mige musste zwangsweise einige Fragen beantworten, damit Ihre Majestät dem Kettenrauchen nachgehen konnte.

Auffallend war, dass sich trotz des Fehlens kreischender Teenies, die Fraktion der weiblichen Endzwanziger unter den "Journalisten" durch häufiges Gegacker und Getuschel hervortaten, ts ts ts ...

Für die Single "Join Me" wurde, im Anschluss an die Pressekonferenz, die goldene Schallplatte als Zugabe verliehen und als Gratulant gesellte sich kein Geringerer als TV-Junkie Michael Mittermaier dazu. Was HIM zu sagen hatten, könnt Ihr hier lesen, viel Spass!

Was war Eure Reaktion auf die Meldung, dass Ihr in Deutschland in Single- und Albumcharts auf Nummer eins steht und wie waren die Reaktionen in Finnland?
Ville: "Ich weiss nicht, wir halten uns gar nicht so oft zu Hause auf. Meine Eltern waren glücklich und ich bin immer noch sprachlos. Es ist wie ein Geschenk der Rock 'N Roll Götter. Es war schon witzig, denn als wir mit "Join Me" Nummer eins geworden sind, sassen Mige und ich in einer Bar in Helsinki und um das Ereignis zu feiern, mussten wir uns von Freunden Geld pumpen."

Was sagt Ihr dazu, dass Ihr bei Teenies so beliebt seid?
Ville: "Das ist schon seltsam. Ich bin mit Bands wie W.A.S.P., Twisted Sister und Kiss aufgewachsen. Jetzt ist es so, dass die Kids mit unserer Musik aufwachsen. Es ist doch toll, wenn sich zwei zum ersten Mal küssen, während "Join Me" im Hintergrund läuft. Das ist schön, aber ich persönlich interessiere mich eher für ältere Ladies."

Wie steht's mit Politik, habt Ihr irgendeine Message?
Ville: "Wir lassen die Kirche im Dorf und politische Sachen bei Rage Against The Machine. Wir singen lieber über Liebe und den ganzen Kram. Ich bin eher an der Politik der Plattenindustrie interessiert aber sonst ... Wir sind diejenigen, die Party machen und die ganze Zeit besoffen sind, das ist unser Job."
Mige: "In Finnland fand zuletzt die Präsidentenwahl statt und ich glaube, keiner von uns ist zur Wahl gegangen. Wir sind kein Prediger, sondern Entertainer."

Was sagst Du denjenigen, die Dich mit Jim Morrison vergleichen?
Ville: "Hmm, was soll ich sagen, ich mochte die Doors eigentlich gar nicht, aber vielleicht werde ich ja auch mal dick, mit einem langen Bart, wer weiss. Aber ich weiss nicht, was meine Mutter in den Siebzigern gemacht hat, ha ha."

Wo liegen Eure Haupteinflüsse?
Ville: "Jeder in der Band beeinflusst den Sound auf seine Weise und jeder hat seine eigenen Vorlieben. Aber ich bin der Diktator, eigentlich brauche ich die Anderen gar nicht, ha ha. Die Haupteinflüsse für mich sind Kiss und Black Sabbath. Diese Bands sind auch der Grund, warum ich angefangen habe, Musik zu machen."
Mige: "Ja, wir sind Sklaven. Sklaven von Jim Morrison."

Euer neues Album hat John Fryer produziert. Hat die Tatsache, dass er schon mit Bands wie White Zombie und Nine Inch Nails gearbeitet hat, irgendwelchen Einfluss auf Euren Sound gehabt?
Ville: "Unser neues Album ist sehr organisch und nicht elektronisch, wie er es von anderen Bands gewohnt ist. Wir beschäftigen uns nicht so sehr mit Sequenzern und Samplern, das war auch eine neue Erfahrung für ihn."
Mige: "Er wollte den Sound nicht so sehr beeinflussen. Er hat die Arrangements nicht geändert, es war sehr locker."
Ville: "Er hat nur das Geld genommen und ist abgehauen. Quatsch, nein. Was er gamcht hat, war, dass er ein gutes Feeling erzeugt hat. Wir haben nackt auf dem Tisch getanzt. Um ehrlich zu sein, Mige war ganz nackt, ich nur halb."

Viele sehen Dich als ein Sexsymbol an. Ist das für Dich in irgendeiner Hinsicht wichtig?
Ville:
"Wir haben eigentlich kein richtiges Image. Wir können machen was wir wollen, mit Make Up rumlaufen, oder ohne. Wenn mich das zum Sexsymbol macht, ist mir das aber egal. Ich bin ja sowieso eher ein langweiliger Typ."
Mige: "Ich versuche damit klar zu kommen, wir teilen uns ja das Hotelzimmer. Es ist schon schwer, mit einem hübschen Jungen das Zimmer zu teilen, aber keine Angst, es ist rein platonisch."

Nachdem Ihr Deutschland im Sturm genommen habt, gibt es Pläne welches Land als nächstes dran ist?
Ville: "Wir haben viele Pläne aber wir sind immer noch eine junge Band. Mit "Greatest Love Songs Vol.666" sind wir sehr erfolgreich gestartet. Zuerst in Finnland, dann hier in Deutschland. Man kann aber nicht alles auf einmal wollen, wir gehen da Schritt für Schritt vor. Wir spekulieren damit, das Album in ganz Europa, in Amerika und Japan zu veröffentlichen. Speziell Japan wäre geil, ich bin ein grosser Sushi Fan."

Was können wir von der Deutschland-Tour erwarten?
Ville: "Blut, Schweiss und Tränen, ha ha. Es ist auf jeden Fall ein grosser Schritt nach vorne, dadurch, dass die Hallen grösser sind als auf unserer letzten Tour. Es wird auf jeden Fall aufregend sein."

Seht Ihr Euch in einer Tradition mit den Finnen von Hanoi Rocks?
Ville: "Die Hanoi Rocks waren eine gute Band, aber wir haben nicht viel mit ihnen gemeinsam, ausser unserem Manager Seppo. Aber sie waren auf jeden Fall eine der wenigen guten Bands, die aus Finnland kamen."

Das Tattoo auf Deinem Bauch, woher hast Du es, und was bedeutet es?
Ville: "Ich habe diesen Typen vor einigen Jahren kennengelernt. Wir haben zusammen gefeiert und morgens bin ich mit einem Tattoo auf dem Handgelenk aufgewacht. Er hat sogar einmal bei uns Gitarre gespielt, ein netter Bursche. Dieses speziell? Idiotismus? Nein, ha ha, es stellt das "Heartagramm" dar, das Symbol der Band, eine Mischung aus Herz und Pentagramm. So etwas wie das Yin und Yang Symbol, gut und böse. Obwohl, an dieser Stelle eher böse, ha ha."
Mige: "Jetzt übertreibt er mal wieder."

Ville hat ja alle Songs geschrieben, haben die Anderen nichts beizusteuern?
Mige: "Er macht nun einmal einen guten Job. Wenn Du einen Songschreiber vom Format Villes in der Band hast, dann ist es doch nicht sehr klug, Streit darüber anzufangen. Es ist auch von Vorteil, wenn das eine Person macht, das hält die ganze Sache auf einer Linie." (Ville gibt Mige 70 Mark)
Ville: "Hier, das ist für Dich, 70 Mark, ha ha!"

Ist es kein Problem für Euch, dass nur eine Person auf dem Cover und den ganzen Postern ist?
Mige: "Schau uns doch an! Das wäre keine weise Idee ... Ich bin nicht neidisch auf solche Bilder. Ich bin ja nicht in einer Band, um auf Bildern zu erscheinen. Wir bekommen ja auch so unser Geld. Er bezahlt mich ja auch dafür, demütig zu sein, ha ha. Nein, wir sind eine richtige Band!"
Ville: "Als wir mit HIM angefangen haben, war ich ja auch der Bassist und nicht der Sänger. Insofern war das keine geplante Geschichte."

Was ist der Grund dafür, dass Ihr "Razorblade Romance" nochmal neu eingespielt habt?
Ville:
"Es war gar nicht richtig fertig. Wir hatten so ungefähr acht Songs aufgenommen, aber abgemischt war noch gar nichts. Zu dem Zeitpunkt waren Gas und Zoltan noch nicht in der Band und alles war sehr unausgereift. Als die beiden dann dabei waren, war es wie in einer Familie. Hinzu kommt, dass unser Label so freundlich war, uns noch einmal den Aufenthalt im Studio zu finanzieren."

Gas, Lilly und Zoltan, wie weit habt Ihr das Album beeinflusst?
Gas: "Die Hälfte der Songs war schon geschrieben, als ich in die Band kam. Ich habe eher den Sound durch mein Spiel beeinflusst."
Ville: "Eigentlich ist es ja einfacher mit Sequenzern zu arbeiten. Die schwitzen und stinken auch nicht so wie Du Zoltan und passen auch in eine kleinere Kiste, ha ha. Du bist sooo einfach zu ersetzen."
Mige: "Aber er sieht gut aus, das ist auch der einzige Grund, warum er in der Band ist."
Ville: "Und wir brauchten mindestens einen Schwulen in der Band, ha ha."
Mige: "Ja, er ist schwul, ha ha."


English version of "HIM - Razorblade Romance" comes soon!!!

 

HIM - Razorblade Romance

(Laut.de 2000)



[Supersonic/GUN/BMG]

TRACKLIST

1. I Love You (Prelude To Tragedy)
2. Poison Girl
3. Join Me In Death
4. Right Here In My Arms
5. Gone With The Sin
6. Razorblade Kiss
7. Bury Me Deep Inside Your Heart
8. Heaven Tonight
9. Death Is In Love With Us
10. Resurrection
11. One Last Time

Da isser nu, unser liebes HIMchen, mit einem Superhit im Rücken und Album Nummer zwei am Start.
Auch mit "Razorblade Romance" weicht der Finne nicht einen Deut vom Konzept des Debuts ab. Ein klein wenig Traurigkeit, gepaart mit eingängigen Melodien, begleitet von sägenden Riffs aus der Stromgitarre, obendrauf ne gute Portion Schmalz und fertich is dat Ding. Die Harmonien haben durchgehend hohen Wiedererkennungswert, was die Halbwertszeit der Stücke jedoch stark herunterschraubt. Viel zu entdecken gibts auf "Razorblade Romance" nicht. Die Ecken und Kanten, die einer Platte oftmals den letzten Kick geben, wurden dem dominanten Popappeal geopfert. Kommerz ist keine Todsünde, macht eine CD aber nicht unbedingt interessanter. Aus diesem Grund ist das Attribut "Gothic", das HIM gerne angeheftet wird, komplett fehl am Platz.

""Gone With The Sin" ist für mich, neben einer rauheren Version von "Join Me" (deswegen auch "Join Me In Death" genannt) der absolute Höhepunkt. Dieser Song geht eiskalt den Rücken runter." Respekt, Liebesliedchens schreiben kann Ville, darin besteht sein eigentliches Talent. Nur sollten sich zu diesen romantischen Schmonzetten auch noch RICHTIGE Kracher gesellen und nicht halbgares Geknödel wie der Opener "I Love You" (bekommt den Preis für den aussergewöhnlichsten Songtitel), dann wäre "Razorblade Romance" eine richtig spannende Angelegenheit. So aber ist der Zweitling zu einer sicheren Sache geraten, ohne grosse Überraschungsmomente.

Was den Auf-den-Sack-geh-Faktor erhöht, ist das ewig gleiche Gefasel von "Love, Death, Sin" undsoweiterundsofort. Wenn ich mir dann noch das Pinke Cover anschaue, mit dieser Jim Morrison-für-arme-Pose, kann ich mir ein Kichern nicht unterdrücken.

Nicht schlecht, das Ding, aber auch nicht übermässig klasse. Mal schauen, ob das mit der nächsten Platte was richtig dolles wird, laut Vallo existieren bereits mehrere Songs, die "noch" besser sein sollen.

AMEN

 

English version of "The adonis from Helsinki" comes soon!!!

 

Der Adonis aus Helsinki

(Metal Heart 2000)



Die magischen drei Buchstaben HIMstehen bekanntlich als Kürzel für "His Infernal Majesty" und dürften damit einen bestimmten Teil der charismatischen Persönlichkeit von Ville Valo, Frontmann der finnischen Gothic Rocker, reflektieren. Mit seiner fesselnden Selbstinszenierung beginnt er sich als eine herausragende Persönlichkeit zu etablieren, ein Mythos beginnt zu wachsen. Die "Greatest Lovesongs Vol. 666" lehrten uns 1998 eine neue Verbindung von Romantik und Melancholie; HIM meistern es, Gefühle direkt anzusprechen. Die Liebe und der Tod als krasse Gegensätze bilden das zentrale Thema bei HIM und werden völlig frei von Klischees mit einer fast schon frechen Selbstverständlichkeit dargeboten. Der Name war schnell in aller Munde und HIM schienen Hörer der verschiedensten musikalischen Sparten zu vereinen, Qualität schien sich durchzusetzen. Der Druck bezüglich des Nachfolgealbums war nicht gering, doch bereits die vorab erschienene MCD "Join me" nahm sämtlichen Zweifeln den Wind aus den Segeln und rotierte wochenlang auf sämtlichen Kanälen. "Razorblade Romance" nennt sich das zweite Album der Finnen, und es darf vorneweg als Meilenstein bezeichnet werden. Erneut verzaubern dunkle Melodien und der klagende Gesang von Ville den Hörer ungemein, jeder der Tracks ist seinem Banner würdig.

Der Erfolg ist vorprogrammiert, "Razorblade Romance" präsentiert sich als ein durchweg starkes Album mit neun potentiellen Hitsingles. Ville Valo scheint der ganze Rummel um seiner Person noch relativ wenig zu beeindrucken, gelassen gibt er sich auch uns gegenüber und zieht seine erste Bilanz vor Veröffentlichung der CD. "Um ganz ehrlich zu sein, habe ich mir das kommende Album erst einmal ganz angehört. Wir haben die Songs lange geprobt und uns bei den Aufnahmen im Studio massig Zeit gelassen; ich habe ein sehr gutes Gefühl, was das Ergebnis angeht." Dies darf er auch haben. Doch nicht dass sich die Finnen nun ausruhen oder für bevorstehende Tour-Aktivitäten schonen würden, nein, im Januar will man bereits wieder für Demo-Aufnahmen ins Studio. "Wir haben schon wieder sieben bis acht neue Songs fertig geschrieben und wollen diese als Demo aufnehmen. Ich kann jetzt schon sagen, dass diese Songs noch besser sind, als das, was wir bis dato veröffentlicht haben."
Dem kann man sicherlich Glauben schenken, doch zunächst einmal dürfen wir uns noch eine Weile an "Razorblade Romance" erfreuen. Die Entwicklung dieser Scheibe verlief nicht unbedingt in geraden Bahnen, doch der Reihe nach: Wie schon beim Erstlingswerk, griff man zunächst auf die Künste von Produzent Hiili in den renommierten Finnvox-Studios (unter anderem Amorphis, Nightwish) zurück. Mit dem Ergebnis war man jedoch unzufrieden und wollte mehr aus den Songs herausholen, weshalb man das Album kurzerhand ein zweites Mal einspielte. Unter der Regie von John Fryer, der zuvor beispielsweise mit Nine Inch Nails und Depeche Mode gearbeitet hatte, versuchte man nun, seiner Idealvorstellung näher zu kommen und war begeistert. "Das Ganze war im Grunde ein glücklicher Zufall. Wir bekamen John Fryer empfohlen und testeten ihn während einer kurzen Probesession. Da alles sofort hervorrragend harmonierte, gingen wir zu ihm und nahmen dort das Album nochmals auf. Ob wir auch das nächste Album mit ihm machen werden, kann ich nicht sagen, schließlich habe ich auch nach unserer ersten Scheibe behauptet, dass wir wieder mit Hiili aufnehmen werden. Es ist aber sicherlich möglich, dass wir wieder auf John zurückgreifen." Solange das Ergebnis stimmt, soll es uns recht sein.

Was die lyrische Seite betrifft, so hat man erneut im Einklang mit der Musik Songs über Romantik, Sehnsucht oder den Tod geschrieben. Für Ville sind dies zentrale Themen, es ist selbstverständlich für ihn, darüber zu schreiben. "Die meisten der Titel handeln von der Liebe, oder von Gefühlen, die man damit verbindet. Die Texte sind für mich wie ein persönliches Tagebuch, alles handelt von Erfahrungen, die ich während der letzten beiden Jahre gesammelt habe." Mit Fantasie habe das wenig zu tun, womit wir bei den charakterlichen Eigenschaften von Ville wären. So, wie einen die Texte direkt ansprechen, malt man sich den Frontmann eher als schüchterne, verträumte Person aus."Ich habe eigentlich gar keine Zeit zum Träumen, da ich hart daran arbeiten muss, dass meine Träume wahr werden. Man kann sein Leben auch verträumen, und im Endeffekt ist nichts geschehen. Es ist aber grundsätzlich schwierig für mich, über meine eigenen Eigenschaften zu sprechen, dazu sollte man besser andere in der Band befragen. Es gibt Leute, die halten mich für eine romantische Person, andere wiederum nicht. Ich sage es nur so, ich packe meine Romantik lieber in meine Texte, anstatt mit Blumen zu einer Frau zu rennen." Dennoch scheinen es besondere Momente zu sein, in denen die Lyrics entstehen. "Das ist sehr unterschiedlich, normalerweise bekomme ich in einer bestimmten Stimmung eine Idee und beginne dann einfach, daran zu arbeiten. Es dauernd nicht selten Monate, bis ein Text endgültig fertig ist. Die Musik hingegen ist sehr schnell geschrieben, das ist im Vergleich zu den Texten ein Kinderspiel."

Im Info des Labels BMG vergleicht man Ville aufgrund seiner Optik und seines Charmes mit der Rocklegende Jim Morrison von den Doors. Ein waghalsiger Vergleich, auch wenn Ville eine ähnlich spirituelle Austrahlung besitzt wie Morrison. Ville durchlebt seine Musik und schafft es alleine durch seine Erscheinung, einen mitzureißen. "Ich habe einige Bücher und Biographien über die Doors und Jim Morrison gelesen, was ich überhaupt sehr gerne tue. Morrison hat die Welt des Pop sicherlich stark beeinflusst und in gewisser Weise verändert, doch ich möchte nicht behaupten, ein allzu großer Fan seiner Musik zu sein. Ich bewundere vielmehr die Person Jim Morrison und sein Leben und das, was er geschaffen hat. Was den Vergleich betrifft, so ist dieser sicherlich nicht gerechtfertigt, doch ich lasse mich lieber mit Jim Morrison vergleichen, als mit Scooter." Dort liegen auch weniger die Einflüsse des symphatischen Sängers, auch wenn er sich wohl daran gewöhnen muss, mit Künstlern wie diesen bald öfter aufzutreten. "In den Achtzigern begannt bei mir alles durch Kiss, die brachten meine Karriere sozusagen ins Rollen. Später kam Black Sabbath als sehr großer Einfluss dazu, ich würde sogar fast sagen, das Sabbatz für HIM an sich der größte Einfluß war. Was die Texte betrifft, so habe ich viele Einflüsse, ich mag Nick Cave oder Eldritch. Drücken wir es so aus: Ich mag gute Songs, dabei ist es mir gleich, welche Richtung es ist. Ich mag Songs von Madonna, Savage Garden, Depeche Mode oder Dimmu Borgir. Ich mache dabei keine Einschränkungen. Ebenso wenig begrenzen sich die Schichten der Band, die längst nicht mehr nur der reinen Gothic-Szene angehören. Dennoch ist man schon etwas verwundert, HIM plötzlich sowohl auf einer Snowboard-Convention zu sehen, als auch bei Top of the Pops und Ähnlichem. Das ist immer sehr interessant, wobei sich das Publikum in den meisten Fällen jedoch sehr änhlich verhält. Der Auftritt bei Top of the Pops war etwas komisch, da wir es nicht gewohnt waren, mit Playback aufzutreten. Einige werden uns deshalb vor, dass wir uns für Geld verkaufen würden und allmälich zur Pop-Band mutieren. Das ist doch Blödsinn, dasselbe geschah mit Marilyn Manson in den Staaten, obwohl sich Manson im Grunde einen Dreck um Ruhm und Anerkennung schert und vollkommen gegen den Mainstream schwimmt. Wobei ein bestimmter Mainstream sicherlich erforderlich ist, um Massen zu erreichen. Doch erst dann kann man vielen zeigen, dass auch anders geht und dass es mehr als nur Bullshit wie Aqua, Scooter etc. gibt. Ich habe viel Respekt vor Manson, ich mag seine Darstellung und einen Teil seiner Idee." Warten wir noch ein Weilchen, bis die Hysterie beginnt und die ersten Biographien über Herrn Valo erscheinen. "Razorblade Romance" sollte seit Januar in den Läden stehen, wenig später wird die nach "Join me" nächste Single "Right here in my arms" erscheinen, ein weiterer Ohrwurm im gewohnten Stil. Live werden HIM ab Februar im großen Stil durch Europa touren, wobei das Hauptaugenmerk neben dem Heimatland Finnland vor allem auf Deutschland gelegt wird. Freuen wir uns jetzt schon auf eine der schönsten Entdeckungen der Musikgeschichte und auf die damit verbundene Zukunft.


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Tourtagebuch Teil 1

(Orkus 06/00)


12.04. Stuttgart "The Perfect Fan"

Alles beginnt mit einem furchtbaren Geräusch, und zwar dem des widerhallend dröhnenden Fabriksounds der Schleyer-Halle 2 in Stuttgart. Beide Bands, sowohl Reamonn, die als Vorband agierten, als auch unsere neuen finnischen Superstars HIM fallen an diesem Abend der Akustik der Halle zum Opfer. Gerade den Jungs um Ville Hermanni Valo ist ihre Opferrolle angesichts der sinkenden Motivation deutlich anzumerken. Die Show mutiert bald zu einem routinierten, wenig lusterfüllten Auftritt. Egal, denn dem Publikum scheint das alles wenig auszumachen. Brave deutsche Mädels erheben begeistert die Hände zum Evil-Zeichen, schreien "More, more, more" beim Billy Idol-Cover "Rebel Yell", der Zugabe, oder brüllen aus tiefster Teenager-Brust: "Villeeee!!!!"... Und danach fallen sie um und werden von den Sanitätern hinausbefördert....
Jetzt seid ihr auch im Bilde (insofern ihr diese Trivialität überhaupt wissen wollt), warum der Bericht über die erste Nacht meiner Zeit "on tour" mit HIM von einem Titel der Backstreet Boys überschrieben ist, die für ihre hysterischen Fans bekannt sind.
Doch nun heißt es erst einmal Mutti suchen. Mutti ist Promoterin Silke, die, wie der Name schon sagt, bei den süßen Finnen die Rolle von Betreuerin, Kindermädchen, Seelsorgerin - eben einer Mutter übernommen hat. Schließlich mit ihr vereint, begeben wir uns zusammen mit der Gewinnerin eines Bravo TV-"Meet & Greet" in den Backstage-Bereich, wo die ausgepowerten, aber offenbar hungrigen Jungs sich erst einmal auf das catering-Futter gestürzt haben. Eine bescheidene Begrüßung - gähn - und etwas Small Talk, und ab geht's in den Bus.
Die mitternächtliche Fahrt in die Stuttgarter Nobel-Herberge wandelt sich zu einer Verfolgungsjagd, hinweg über dunkelgelbe Ampeln. Acht PKWs fangen den Tourbus vor dem Eingang der Schleyer-Halle ab und kleben uns bis zum Hotel an der Stoßstange. Dort angekommen, warten auch in der Lobby schon ungeduldige Fans, zu 100 Prozent weiblichen Geschlechts, auf die fünf Gothic Rocker. Zwei Damen sind dabei besonders amüsant. Die beiden schweizerischen Girls reisen HIM schon seit einigen Shows hinterher und wissen auf wundersame Weise auch immer, in welchem Hotel die Band gerade abgestiegen ist. Der eigentliche HIM-Fan unter den beiden ist eine kleine Dunkelhaarige, die ihre Freundin, eine große Blonde, die von Haus aus ursprünglich Fan der Backstreet Boys ist, dazu zwingt, sie bei ihrer HIM-hinterher-Tour zu begleiten. An jenem Abend scheint das blonde Girl jedoch endgültig die Faxen dicke zu haben und prustet los: "Also, ich finde diese HIM ganz furchtbar! Schreckliche Musik. Und dieser Ville-Typ sieht mal richtig scheiße aus..."
Sichtlich genervt von dem ganzen Fantrubel, haben sich vier der fünf HIMs bereits umgehend auf ihre Zimmer verdrückt, um in aller Ruhe ihren Privatangelegenheiten, sprich dem Schönheitsschlaf, nachzukommen. Drummer Mikko Karppinen alias Gas Lipstick, der normalerweise - milde ausgedrückt - die wenigsten weiblichen Fans um sich schart, nutzt in der Pianobar die Gelegenheit für ein abendliches Bad in der Groupie-Menge... und erntet dafür von seinen Kollegen am nächsten Tag nett gemeinten Hohn und Spott.

13.04. Stuttgart / Zürich "In Style"

Der Tourbus wartet vor dem Hotel und soll pünktlich gegen zwölf Uhr mittags starten, doch schon gegen elf Uhr ist der Eingangsbereich wieder von wartenden Fans bevölkert. Fünf Minuten vor dem Take-Off stolpert die Band heran. Ville zeigt sich alles andere als erfreut ob des Anblicks seiner Fans und erzählt mir, wie er die ganze Nacht hindurch auf seinem Zimmer angerufen und gebeten wurde, doch in die Lobby zu kommen, um mit seinen Fans zu sprechen. Verständlich, dass der Gute nach einem anstrengenden Tag die ersehnte Nachtruhe vorgezogen hat. Als dann alle Mann und Frauen im Bus versammelt sind, starten wir unsere Fahrt gen Zürich.
Abgesehen von den amüsierten Leseversuchen völlig überzogender Berichte über HIM in einschlägigen Teenie-Blättern ("Satansjünger", "Tieropfer" etc.), dem Konsum von Tankstellen-Snacks, dem Telefonieren, Schlafen, Wassertrinken, Turbonegro-Hören, Rauchen und "Tekken"-Spielen, passiert auf der dreieinhalb-stündigen Fahrt nicht viel. Gegen vier kommen wir schließlich im Hotel im schönen Zürich an und widmen uns zunächst alle dem Nichtstun. Für Ville ist dieser Tag übrigens seit der zweiten Januarwoche der erste interviewfreie Tag! Da ein Day Off den HIMs aber auch immer eine willkommene Gelegenheit zum Shoppen bietet, ist Geldausgeben angesagt.
Basser Mikko Paananen alias Migé Amour ersteht ein paar Sandalen, die er auch dringend benötigt. Die Shopping-Tour durch Zürich hatte er nämlich zunächst barfuß absolviert. Außerdem erstehen Migé und Gitarrist Mikko Lindström, genannt Linde, riesige Wasserpfeifen samt dem dazugehörigen nassen Tabak mit Kirschgeschmack. Keyboarder Jussi Salminen ist, wie auch sein Frontman Ville, der auf eine zweite Karriere in der Modebranche hofft, so sich sein Musiker-Erfolg dem (nicht absehbaren) Ende neigen sollte, bekennender Klamotten-Fan und gibt sein frisch verdientes Geld für ein paar schwarze Leibchen und eine - wie er sie nennt - Technohose aus. Und damit der Schopf zum Kleid passt, bittet er schließlich noch Mutti, ihm die schwarzen Haare schwarz zu färben.
Migé und Gitarrist Linde sind derweil zusammen mit Manager Seppo im Hotelrestaurant mit kultiviertem Teetrinken beschäftigt. Neben dem Wasserpfeife-Rauchen scheinen die beiden eine gewisse Freude an der stilgerechten Zeremonie der englischen Tea Time gefunden zu haben, was insofern nicht überrascht, als zwei Monate des exzessiven Partymachens und Alkoholismus' genügen, auch den härtesten Finnen zum Abstinenzler werden zu lassen. Na ja, fast. In diesem Sinn neigt sich der Abend dann auch relativ ruhig dem Ende entgegen.

14.04. Zürich "Marathon Men"

Der Tag steht unter einem guten Stern, wird man mit Clips der aktuellen HIM-Single "Right Here In My Arms" auf VIVA2 geweckt. Gegen zwölf Uhr treffen sich Band, Bodyguards, Chauffeur und der Rest von uns in der Hotel-Lobby, um zu einer Autogrammstunde in einem großen Züricher Plattenladen gebracht zu werden. Zunächst jedoch ist unser Erstaunen nicht gerade gering, als wir in der Lobby auf die beiden schweizerischen Backstreet Boys-/HIM-Fans aus dem Hotel in Stuttgart treffen. Welch ein Durchhaltevermögen! Denke ich jedoch noch immer: "Pah, Bodyguards sind ja schon etwas übertrieben", werde ich auch diesbezüglich bald eines Besseren belehrt. Hunderte von Fans stehen seit acht Uhr morgens an, um ein Autogramm ihrer finnischen Idole erhaschen zu können, wie mir der Geschäftsführer der Filiale erzählt. Ein netter Zufall ist, dass just an diesem wunderschönen, sonnigen Tag in Zürich "Razorblade Romance" in der Schweiz Goldstatus erreicht hat. Die Band wird also durch die Tiefgarage in den Laden geführt und auf einem Podest platziert. Und sofort recken sich die Hälse, wird nervös auf- und abgetreten und der eine oder andere verzückte Schrei ausgestoßen. Nachdem die Türen dann endlich geöffnet sind, heißt das Stichwort des Nachmittags "Geduld". Autogramme auf Poster, Photos, Aufsteller, Arme, T-Shirts, gemeinsame Photos; ein nettes Wort und zu überreichende Geschenke lassen die Autogrammstunde zu einem Marathon werden. Da Ville und Migé aber bald zur Pressekonferenz im "Volkshaus" erwartet werden, muss dem Ganzen zwangsläufig irgendwann ein Ende gesetzt werden. Wenn einem jedoch enttäuschte Fans mit gesenkten Häuptern missmutig entgegenschmollen, leidet man schon ein bisschen mit. Oder man muss ein wenig schmunzeln, wenn man überhört, wie ein kleiner Zehnjähriger, der eben noch stolz seine HIM-CD in der Hand hielt, in gestochenem Züricher Schwytzerdütsch trotzig zu seinem Freund sagt: "So! Ich hab kein Autogramm gekriegt, jetzt bin ich auch gar kein HIM-Fan mehr!"
Am "Volkshaus" angekommen, tummeln sich auch hier schon ein paar Fans. Für Linde, Jussi und Gas ist jetzt erst einmal Warten angesagt. Die Langeweile wird kurzzeitig mit dem Lesen von Fanbriefen vertrieben, die sie während ihrer Shows zugesteckt bekommen. Davon abgesehen erstaunt es mich jedoch immer wieder, wie lange sich Finnen manchmal gegenübersitzen können, ohne auch nur ein Wort aneinander zu richten. Währenddessen machen sich Ville und Migé missmutig zur Pressekonferenz auf, wo wir auch unseren nimmersatten Schweizer Fan aus dem Hotel in Stuttgart - diesmal ohne ihre Freundin - wiedersehen. Kaum betreten die beiden Musiker den Raum, bricht ein Blitzlichtgewitter los. Nach gut 15 Minuten findet sich endlich der erste der anwesenden Journalisten bereit, einige Fragen an die beiden zu richten. Irgendwann ergreift ein Vertreter der schwarzen Journaille das Wort - und lässt es nicht so schnell wieder los. Die Rede ist von Kommerz, Plastik- Musik etc., davon, dass HIM einmal behauptet hätten, sie hätten mit Gothic nichts am Hut. Dass dem nicht so ist, sei damit bewiesen, dass Ville mich gleich zu Anfang dafür getadelt hat, ich hätte die neue Sopor Aeternus-Plate nicht mit auf die Tour gebracht, neugierig meine Joy Division-CD beäugte und sich nach dem anstehenden Fields Of The Nephilim-Album erkundigte. Noch Fragen? Bald hat Ville genug. Um dem Ganzen ein Ende zu machen, meint er schließlich schnippisch: "Was willst du eigentlich? Macht es dich glücklich, wenn wir jetzt sagen, dass wir Goths sind?!" Strike! Wieder zurück im Backstage-Bereich bietet sich das unveränderte Bild von drei sich langweilenden, stumm herumsitzenden Gestalten. Die Crew ist derweil eifrig damit beschäftigt, die Bühne für den abendlichen Auftritt vorzubereiten. Einige Stunden später. Nachdem die lokalen Vorbands das Feld geräumt haben, ist es für die finnischen Gothic Rocker dann endlich soweit. Showtime. Wie gewohnt zeigen sich Ville, Migé, Linde, Jussi und Gas auch an diesem Abend souverän und doch um Längen besser als bei ihrer Stuttgarter Show. Es ist verblüffend, wie aus fünf gelangweilt abhängenden Typen binnen weniger Akkorde eine mitreißende Band wird, die ihr Set herunterspielt, als gäbe es keine nächste Show. Highlights des Auftrittes von HIM sind immer wieder der Hit "Join Me", bei dem, sobald dessen typische Keyboard-Line einsetzt, die Fans in Ekstase geraten, sowie das grandiose Finale, bei dem Migé und Linde ihre Gitarren übel malträtieren und dann mit garstiger Rock'n'Roll-Attitüde von sich werfen. Nach diesem heftigen Abschluss der Show wird wohl kaum jemand im Publikum noch behaupten wollen, HIM seien nichts weiter als eine seichte Pop-Band. Fazit: Für die Finnen ein ermattender, aber erfreulicher Tag, auf den am Abend ein einwandfreier Gig vor - wie immer - ausverkauftem Haus folgte, der in eine weitestgehend ruhige Nacht mündete.
Fortsetzung folgt!

 

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Tourtagebuch Teil 2

(Orkus 07/00)

15.04., Yverdon "Saatana!"

Diese Information nur vorweg: "Saatana!" ist neben "Vittu!" das am häufigsten gebrauchte finnische Schimpfwort der Tour. Zunächst jedoch gibt es keinen Grund, den Namen des Deibels zu missbrauchen, denn wir befinden uns auf einer angenehmen kurzen Reise nach Yverdon, einem kleinen Städtchen in der wundervollen französischen Schweiz.
Normalerweise bekommt die Band von den Schönheiten der Natur, geschweige denn von den Städten, in denen sie auftritt, wenig mit. Damit sich die Jungs aber zumindest eine Vorstellung davon machen können, wo sie sich gerade befinden, hängt im vorderen Teil des Tourbusses eine jeden Tag vom Busfahrer aktualisierte Karte, die Ziel und Weg aufzeigt. Außerdem hängt dort der verstümmeite Kopf eines Plüschhundes. Also doch Tieropfer im Namen Satans? Nicht ganz so spannend:
Ville hatte sich diesen vormals sehr süßen Plüschhund gekauft, ist dann irgendwann ausgerastet und hat ihn um die Ecke gebracht. So einfach ist das - oder auch nicht.
Jedenfalls kann niemand, so meine ich zumindest, der nicht schon selber einmal mit weiteren zehn Leuten eingepfercht auf engstem Raum einige Monate zugebracht hat, einschätzen, welchem psychischen Druck man in so einer Lage ausgeliefert ist und wie sehr man sich in manchen Momenten zusammenreißen muss, um einander nicht an die Kehle zu springen. Im Falle von HIM läuft alles jedoch noch in verhältnismäßig geordneten Bahnen ab. So jung die fünf auch sind, so diszipliniert und professionell sind sie zumeist. Und wenn einmal einer ausflippt, dann sind die anderen, Promoterin, Mutti Silke, oder Manager Seppo zur Stelle. Als wir am frühen Nachmittag am "Amalgane" ankommen, warten auch hier schon ein paar Fans. Die Band wird von den lokalen Veranstaltern herzlich willkommen geheißen und bewirtet.
Besonders hervorzuheben sind im "Amalgane" zuerst einmal der gelbe Backstage-Bereich, der genauso groß ist wie die Halle, das kalte Buffet sowie das mehrgängige, teuflisch gute Catering. Nach einem kurzen Soundcheck widmen sich Migé und Linde ihrer Wasserpfeife und werden von den vorbeispazierenden Einheimischen kritisch beäugt. "Es ist nur Tabak!" - im Moment zumindest. Juska und Ville spielen derweil im Bus Schach, und Gas WAPt mit seinem Mobiltelefon. Als dann irgendwann auch Migé und Linde fertig geraucht haben, findet sich die Band im Tourbus zusammen, um ein wenig zu proben. Nein, nicht etwa für die bevorstehende Show, sondern für einen Turbonegro-Tribute-Sampler, auf dem auch HIM mit der Cover-Version von "Rendezvous With Anus" (vom Album "Apocalypse Dudes") vertreten sein werden. Noch haben HIM keinen einzigen Ton des Songs einstudiert, der schon in drei Tagen in einem Studio in Luxembourg aufgenommen werden soll. Während sich Ville noch in Liegestützen an den Lehnen der Bussitze übt, haben Migé und Linde ihre Gitarren herausgekramt und versuchen, die ersten Töne nachzuspielen. Gas trommelt seinen Part in die Luft, und Jussi täuscht das Keyboard mit seiner Stimme vor. Bei der Wiederholung des Retrains "with anus" erheben alle ihre Stimmen zum Chorgesang, was ganz besonders drollig klingt.
Zwischendurch greift Ville zur Gitarre, um seinen Jungs zu zeigen, wie er sich die HIM'sche Version des analen Dates vorstellt. Seit langem zeigt sich hier mal wieder, welchen Spaß die fünf Finnen doch am Musikmachen haben können. Bei einer Textzeile des Songs lässt sich Ville dann sogar zur Improvisation hinreißen. Statt "gonna give you an electric shock" singt er "gonna give you an electric Goth".

Nachdem die lokale Vorband gespielt hat, eine gotische Kapelle mit Sängerin, heißt es schließlich "Showtime" für HIM. Der Club ist proppenvoll. Im Gegensatz zu den bisherigen Shows, bietet sich ein für HIM-Verhältnisse ungewohntes Bild. Das Publikum besteht nicht nur aus Teen-Girlies, sondern aus Jungs und Mädels aller kompatiblen Altersklassen. Erfrischend, trotz der erdrückenden Hitze im Saal. Es ist so heiß, dass sich Migés Schweiß beim Bangen über die vorderen Reihen versprüht. Um Migés Leiden zu lindern, offeriert ihm ein aufmerksamer Fan in der ersten Reihe einen Joint, den der Basser dankend annimmt. Unzählige Hände, die das Evil-Zeichen formen, erheben sich, und plötzlich schließen sich die Fans zu wiederholten Anfeuerungs-Rufen zusammen: "666 is the number of the beast!". Eine komplett andere Stimmung also, als bei "The Dome" oder "Top Of The Pops" Ach ja, apropos 666! Stichwort: satanistische Tieropfer. Ein weiteres Indiz für ebensolche wurde von mir auf der Bühne an einer Box hängend erspäht: ein Hirschkopf aus Plastik!
Nach der Show ziehen sich alle bis auf Juska, der ein Interview geben muss, erschöpft in ihren Umkleideraum zurück. Auf meinem Spaziergang zum Zigarettenautomaten in der Halle, hält mich eine Mademoiselle auf, die ich bereits während des Gigs bemerkt habe, als sie Ville mit glasigen Augen aus der ersten Reihe anstarrte, ihm ihre Zigarette anbot und schrie: "Ville, for you!". Reizend. Nun, ihr könnt euch sicherlich denken, was die hübsche junge Dame im Sinn hatte, als sie mich bat, sie backstage zu ihrem Schwarm zu führen

16.04., Frankfurt "Fairground Attraction"

Wovon weibliche HIM-Fans wahrscheinlich jede Nacht träumen, wird in dieser Nacht für mich unbequeme Realität, nämlich unter Ville Valo eine Nacht zu verbringen. Nun, ganz so toll ist das dann auch nicht, handelt es sich doch um das unterste Bett im Tourbus, in das ich mich zur Nachtruhe quetschen muss - unter das Bett Villes eben. HIM können sehr froh sein, dass sie nur noch wenige Nächte im Bus, statt dessen die meisten im Hotel verbringen können. Rückenschmerzen bringt diese Nächtigungsvariante nämlich mindestens mit sich. Wenigstens schnarcht keiner der anwesenden Finnen. Beim Aufwachen befinden wir uns bereits vor dem Frankfurter Hotel in der Nähe des Messegeländes.
Im Hotelzimmer, das Silke und ich uns teilen, dann eine lustige Überraschung: der Fernseher begrüßt uns mit "Herzlich willkommen, Herr und Frau HIM! Am Nachmittag kommen ein paar Sicherheitsbeamte ins Hotel, um die Band auf das Frankfurter Messegelände zu eskortieren, wo gerade die Musikmesse tobt. HIM werden dort zu einer Autogrammstunde am Stand von Shure erwartet. Die Firma Shure stellt Mikrophone her und hat einen Endorsement-Deal mit Ville. Während die Jungs ihre Autogramme geben, warten die drei finnischen Techniker der Band, Iké alias Ilkka Kuusimäki (Licht), Pasi Hara (Monitor), Janne Vuori (FOH) sowie Seppo, Silke und ich im Empfangspavillon von Shure. Nach der Autogrammstunde, die sich als eine der weniger komplizierten erwiesen hat (bei anderen wurde Ville schon zu Boden gezerrt und ihm die Haare herausgerissen), geht es auf zum Bummel über das Messegelände. Ville möchte zunächst eigentlich nicht dabei sein. Da er aber manchmal eine kleine Diva sein kann, die erst ja, dann wieder nein und schließlich doch ja sagt, obwohl sie nein meint, kommt er dann doch mit - und bereut es. Ständig werden Migé, Linde und Ville von Fans angesprochen und um weitere Autogramme gebeten. Ville zischt mir ein "I hate this!" zu, doch ist er professionell genug, um zu wissen, was von ihm verlangt wird, und dies auch mit freundlicher Miene zu tun. Auf der anderen Seite kann man aber verstehen, dass auch er einfach jemand ist, der dann und wann seine Ruhe braucht. Als schließlich ein Typ an ihm vorbeiläuft und ihm ins Gesicht sagt: "Your music sucks!", kommentiert das Ville nur noch mit einem lethargischen "Yeees."
Für den Abend haben die Leute von Shure etwas ganz Besonderes geplant: ein Essen mit der Rocklegende Uriah Heep. Doch selbst das kann nur Gas, Migé, Linde und die finnische Crew hinterm Ofen hervorlocken - die anderen beiden sind zu erschöpft. Nach dem äußerst interessanten und guten Essen, sorgt die Fahrt zurück ins Hotel für das Highlight des Abends. Migé, Seppo, Iké und ich teilen uns ein Taxi. Als ob der ausländische Taxifahrer wüsste, dass es sich bei seinen Passagieren um zwei Mitglieder von HIM handelt, die in ihrem Set ein Billy Idol-Cover einschließen und außerdem große Fans der guten alten Rockmusik sind, macht er das Radio aus, wühlt in seinem Kassetten-Koffer und kramt ein Tape heraus. Und dann bläst er uns "White Wedding" von Billy Idol und "Black Dog" von Led Zeppeliri in höllischer Lautstärke um die Ohren: "That's Rock'n'Roll!".

17.04., Luxembourg "Kippis!"

Am nächsten Morgen steht uns eine dreieinhalbstündige Fahrt nach Luxembourg bevor, die von einigen durch Schlafen, von anderen durch Videospielen oder Telefonieren überbrückt wird. Silke und ich versuchen derweil, uns per SMS die neuesten Informationen aus dem "Big Brother"-Haus zu ergattern. Als der Bus in Luxembourg eintrifft, fährt ein LKW an uns vorbei, auf dessen Anhänger ein McDonald's Burger abgebildet ist.
Drummer Gas, von einer Fanin aufgrund seiner Leibesfülle unlängst als "Doppelmann" bezeichnet (Ville war dementsprechend der "Supermann"), fühlt sich unbeobachtet und flüstert die verzweifelten Worte: "Oh ja, McDonald's!" Im Hotel in Luxembourg angekommen, gibt es zunächst die übliche Prozedur. Man zieht sich zurück. Ville kommentiert: "Ich bin hyperaktiv. Ich gehe mich ausruhen."
Nach einem nachmittäglichen Abendessen mit Band, Crew und lokalem Veranstalter, fahren wir in einem abgedunkelten Kleinbus zum Club, dem "Den Atelier", wo, wie üblich, schon einige Fans warten. Als sich die Band vor dem Club die Beine vertritt und herumalbern, kommt ein weiblicher Fan hinzu, die Ville ein Geschenk überreicht einen pinkfarbenen Dildo mit aufgemaltem HIM-Logo. Süß. Dann wird schon wieder geruht, dieses Mal im gemütlichen Backstage-Raum. Dort wird dann auch der Entschluss gefasst, das einstudierte Turbonegro-Cover doch nicht am nächsten Tag vor Ort aufzunehmen, sondern erst im September. Dann werden HIM nämlich sowieso im Studio sein, um einige neue Stücke einzuspielen. An diesem Abend sind übrigens einmal wieder Reamonn (oder Raemonn, oder Reaman oder Raeman - der Name ist immer noch ein Rätsel für mich, MTV und VIVA - denn niemand scheint zu wissen, wie's richtig heißt) mit von der Partie und heizen das Publikum gut vor. Unter frenetischen Beifallsstürmen betreten dann die Finnen die Bühne und bieten ihren Fans eine gewohnt gute Show. Und behaupte noch mal einer, HIM würden ihre Fans mit ihren lebensverneinenden Texten in den Selbstmord treiben! Wenn man 3000 Leute begeistert "this life ain't worth living" mitsingen hört, weiß man, wie positiv die Fans die Stücke von HIM aufnehmen. Als Ville dann auf den Monitoren herumklettert und den Fans seinen wackelnden Popo zum Anfassen präsentiert, kocht der Pit.
Da Reamonn (?) an diesem Abend ihre vorletzte gemeinsame Show mit HIM bestritten haben und am nächsten Tag schon abreisen werden, findet man sich heute Nacht noch in der Hotellobby zum gemeinsamen Umtrunk zusammen. Bis auf Ville sprechen alle Anwesenden stark dem Alkohol zu und amüsieren sich köstlich. "Kippis!" (finnisch für Prost) wird zum Wort des Abends erkoren. Unter diesen Umständen komme ich schließlich auch noch in den Genuss der sagenumwobenen Sopor Aeternus-Imitation von Linde. Jussi, das Baby der Band, geht schließlich als Erster k.o. . Gas unterhält sich derweil mit dem Reamonn (?)-Drummer stundenlang über Drums und das Drumming (sein Lieblingsthema), Migé und Linde amüsieren sich mit dem Lichttechniker Iké darüber, dass er wie Chewbakka aus "Star Wars" aussieht. Ville hingegen beobachtet das Ganze gelangweilt. Mit den Worten "Es macht keinen Spaß, anderen beim Trinken zuzuschauen, wenn man selbst nüchtern ist", verzieht er sich schließlich. In diesem Sinn verlassen wir jetzt den Ort des Geschehens und sagen allen Beteiligten ein herzliches Kitos -
Danke! --

English version of "In own words: Razorblade Romance" comes soon!!!

 

In eigenen Worten:
"Razorblade Romance"

(Orkus 09/00)



"I love you [Prelude to tragedy]"

Dasjenige Stück des Albums, das ich selbst am wenigstens mag. Es ist zu hart und laut in meinen älter werdenden Ohren. Mir gefällt jedoch der Text... immer schon wollte ich einen Song "I love you" nennen: kitschig, nicht wahr?

"Poison girl"

Einige Leute haben die textliche Seite dieses Stückes als "Hass-Song" mißverstanden. Eigentlich ist es so ziemlich das Gegenteil: ein verzweifelter Schrei nach Vergebung. Musikalisch ist dieser Song ein Beispiel dafür, wohin wir uns mit unserem neuen Material bewegen werden.

"Join me [in death]"

Ursprünglich wurde der Song im frühen Jahr 1997 geschrieben und ist deshalb ein Stück, dass wir schon zu Tode gespielt hatten, bevor wir überhaupt ins Studio gingen, um es aufzunehmen. Es ist ein Lied über Vertrauen und dessen Verlust.

"Right here in my arms"

Unsere Hommage an die Achtziger. Ein einfaches, Billy Idol-eskes-Liebeslied darüber, sich so lange Zeit schlecht zu fühlen, dass man Angst davor hat, auf irgendeine Weise wieder Glück zu empfinden.

"Gone with the sin"

Mein Lieblingssong, so warm, minimalistisch und zerbrechlich. Es ist das ehrlichste und wahrhaftigste Liebeslied, das ich jemals geschrieben habe. Ich bin stolz darauf.

"Razorblade Kiss"

Eine der rockigeren Nummern der Platte. Ursprünglich mit "Razorblade Romance" betitelt, was später aber der Titel des Albums wurde. Eine gute Live-Nummer.

"Bury me deep inside your heart"

Die "melagonamisches Stadium"-Ballade mit einer Wende. Wenn du lange Zeit tief unter einem Berg von Scheiße begraben warst, fängst du irgendwann an, Gefallen daran zu finden. Nun, zumindest ist das bei mir so.

"Heaven tonight"

Ein reiner Pop-Track. Eine Geschichte über die Liebe, die so stark ist, dass du nicht loslassen kannst, noch nicht einmal, wenn du es wolltest.

"Death is in love with us"

Eine Gothic-Hymne. Ein wenig Stoner Rock ist aber auch dabei. Das Stück ist Teil unserer Umweltkampagne "Save the Goths". Schwarzer Lippenstift ist cool.

"Resurrection"

Das Stück entstand zur selben Zeit wie „Join me". Stell dir Bon Jovi in Cradle of Filth-Make-up vor, die einen Song über eine Liebe singen, die seit langem tot ist.

"One last time"

Der lezte Schrei um Vergebung. Eigentlich war das, was eintrat, nachdem der Song geschrieben war, nicht Glück, sondern die tiefste Verzweiflung - darum wird es auch auf dem nächsten Album keine "shiny happy people" geben.


English version of "Bravo, your Majesty" comes soon!!!

 

Bravo, Eure Majestät!

(Orkus 02/00)



Es war einmal ein König, hoch oben im Norden, den alle Menschen nur "Seine infernalische Majestät" nannten. Sein Zeichen war das Herzagramm, das Herz der Verliebten verschmolzen mit dem Pentagram des Teufels. Seine Zahl war die süße 666. Das bedutete jedoch nicht, dass der König böse war, wie viele, die ihn nicht kannten, anfangs verkündeten. Nein, dieser König war charmant und seinem Volk und seinen Anhängern wohlgesonnen. Die Mägde seines Landes verzehrten sich nach ihm, denn er besaß nicht nur eine goldene Stimme, sondern auch ein wohlanzuschauendes Äußeres. Seine Lieder von Liebe und Schmerz, die er tagein, tagaus sang, kursierten durchs gesamte Reich und fanden schließlich ihren Weg in die große, weite Welt. Es ward nicht lange, bis sich auch die Frauen anderer Königreiche nach ihm sehnten. Die Männer des Volkes waren dem jungen, schönen König zunächst wenig zugetan. Da entschloss sich der König zusammen mit seinen lustig dreinschauenden Hofmusikern, die fremden Länder zu bereisen und den Leuten seine Lieder vorzusingen. Viele hunderte Männer und Frauen kamen zu den Audienzen und überzeugten sich von dem Talent und dem Charisma Seiner Majestät. Auch die Männer waren nun begeistert. Die Lieder des Königs erzählten zwar noch immer von Herzelied und Liebeskummer, doch es gab da etwas, das auch gestandene Mannsbilder beeindruckte. Der junge König war nämlich nicht nur hübsch, sondern zudem den einfachen Leuten verbunden. Er machte keinen Hehl daraus, dass auch ihm die wenig tugendhafte Seite des Lebens nicht fremd war. Viel Wein wurde getrunken und Tabak geraucht. Auch von lasterhaften Geschäften, bei denen der König als junger Mann seinem Vater zur Hand gehen musste, war die Rede. Heute erzählt man sich überall, auch in der BRAVO, die Geschichten über den König, hört und singt seine Lieder und betrachtet seine Abbilder. Und so begab es sich, dass "Seine infernalische Majestät", "His Infernal Majesty" alias Ville Hermanni Valo, weit und breit berühmt wurde und glücklich und zufrieden...

Was sich zunächst wie ein Märchen anhört, ist für Ville und Co. inzwischen zwar kein bitterer, so doch realer Ernst geworden. Dennoch kam der Erfolg, anders als viele annehmen würden, nicht über Nacht. Seit einigen Jahren schon hatte Ville von einer Karriere im Miusikgeschäft geträumt. 1996 war dann das Jahr eins. Ville Valo stellte zusammen mit einigen Freunden aus Helsinki seine Band H.I.M. auf die Beine. Einige Songs wurden geschrieben, ein Vertrag mit der BMG Finnland unterschrieben, und kurze Zeit spoäter stand das Debutalbum "Greatest Lovesongs, Vol. 666" in den lokalen Plattenläden. Ab diesem Moment schien es für die jungen Finnen kein Zurück mehr zu geben. Hysterisch kreischende Teenager, Plattenverkäufe, von denen andere Newcomer Acts nur fantasieren können, zeichneten ein Bild des schnellen Erfolgs, den H.I.M. nicht zuletzt ihrer wirkungsvollen Mischung aus Liebesschnulze und energischem Gothic-Rock zu verdanken haben.

Schließlich erreichte die H.I.M.-Hysterie mit der Lizensierung des Debutalbums durch GUN Records auch das deutsche Publikum. "Greatest Lovesongs, Vol. 666" wurde von Presse und Musikfans mit heftigem Beifall bedacht, Konzerttouren und eine Vielzahl von Auftritten im Rahmen der diesjährigen Sommerfestivals taten ein Übriges und verhalfen H.I.M. zu einer großen Anhängerschaft und Ville Valo, dem charismatischen Frontmann der Band, zu einer fanatischen Masse von Verehrerinnen. Eine einmalige Chance in der noch jungen Karriere der Finnen ergab sich Ende 1999, als die Band die Gelegenheit erhielt, "Join Me", die erste Single-Auskopplung des neuen Albums, als düster-rockigen Titelsong des Soundtracks zum neuen Roland Emmerich-Streifen "The 13th Floor" zu präsentieren. Der Videoclip, in dem sich Ville, wie schon in früheren Clips, einmal mehr zu einem androgynen dunklen Rockprinzen wandelt, wurde und wird auf den gängigen Musiksendern auf und ab gespielt und eröffnete der Band somit ungeahnte Perspektiven, ein noch breiteres Publikum anzusprechen. "Es überrascht mich, dass 'Join Me' noch immer auf dem Vormarsch ist", so Ville. "Ich hätte diesen Erfolg niemals erwartet, denn ich finde das Stück gar nicht mal so großartig. Es gibt viele bessere Titel auf dem neuen Album. Wir müssen abwarten, wie das Album ankommt, denn H.I.M. ist keine 'Single-Band'. Bald wird man uns womöglich als Mainstream-Bastarde bezeichnen. Schon jetzt bekommen wir böse E-mails an unsere Website (www.heartagram.com - Anm.d.Verf.), die uns vorwerfen, bei 'Top of the Pops' mitgemacht zu haben. Manche Leute wollen uns einfach lieber im Untergrund sehen." Ungeachtet dessen sind H.I.M. weiter auf dem Weg nach oben und mit "Join Me" inzwischen nicht nur ständiger Gast bei allen relevanten Radiosendern Deutschlands, sondern sie haben mit dem Song kurz vor Weihnachten Platz 16 der deutschen Single-Charts erklommen, die Single 100.000-mal verkauft und in ihrem Heimatland Platinstatus erreicht - Grund genug, nicht nur für Auftritte bei "Top of the Pops", sondern auch für einschlägige Teenie-Shows wie BRAVO-TV die Band in Helsinki zu besuchen. "Das war total witzig. Migè (der Bassist von H.I.M. - Anm.d.Verf.) und ich wurdengemeinsam interviewt. Wir haben uns die ganze Zeit totgelacht. Natürlich ist es seltsam, wenn man weiß, dass das Publikum solcher Sendungen hauptsächlich aus sehr jungen Teenagern besteht. Wir sind jedoch schon daran gewöhnt, denn in Finnland sind wir bereits seit einiger Zeit populär und in den Kiddie-Magazinen. Es ist aber schon sehr eigenartig, da wir ja nicht gerade gute Vorbilder im traditionellen Sinne sind", lacht Ville verschmitzt. Dass es kaum in seiner Absicht liegt, ein gutes, sauberes Teenie-Idol zu werden, steht dem Goldkehlchen, der seine Stimme mit Rotwein und starken Zigaretten trainiert, breit ins Gesicht geschrieben.

Die Erwartungshaltung bezüglich der neuen Scheibe der unreinen Teenie-Idole ist groß, und so steht das neue Jahr für H.I.M. ganz im Zeichen der Bewährung. Jetzt heißt es, den Erfolg des vergangenen Jahres zu überbieten und mit dem neuen Album "Razorblade Romance" einen würdigen Nachfolger zu "Greates Lovesongs, Vol.666" zu präsentieren. Während einer Listening Session Ende letzten Oktobers in Köln zeigte sich Ville noch unsicher, ob das Publikum auch das neue Album zu würdigen wissen würde. Zweifelsohne begründete sich diese Unsicherheit auf gerade diesem Erfolgsdruck, der nicht nur über die Medien, sondern auch von Seiten der Plattenfirma und der Fans auf den Schultern der Musiker lastete. "Es ist manchmal furchtbar. Jeder will ein Stück vom Kuchen abhaben, mitentscheiden und beteiligt sein. Leute, die nichts über die Band wissen, meinen, sie wüssten alles besser als wir selber. So ist das Musikgeschäft nun mal... Alles Huren." Harte, zynische Worte von Ville Valo. Gottlob haben sich H.I.M. allerdings wenig sagen lassen, was den eigentlichen kreativen, musiklaischen Teil ihrer Arbeit anbelangt. Schlimm genug, dass sich die Band vor der Fertigstellung des Albums mit einigen Schwierigkeiten ganz anderer Art konfrontioert sah.

Zunächst einmal musste das Line-Up zwangsläufig einige Veränderungen durchleben. Der Drummer und der Keyboarder der Band stiegen aus. Ersatz war glücklicherweise mit einem eher unbekannten Tastenmann namens Juska und dem bereits berüchtigten Drummer Gas Lipstick (Ex-Kyyria) bald gefunden. Obwohl die Songs für "Razorblade Romance" schon längst geschrieben und live getestet wurden, stellten die Aufnahmen im Studio ein weiteres Problem dar. Zunächst begab man sich ins Finnvox Studio in Helsinki und nahm das gesamte Album zusammen mit Produzenten Hiili auf, entschied sich jedoch einige Zeit später, unzufrieden mit dem Ergebnis, alles komplett neu einzuspielen, dieses Mal zusammen mit Produzenten-Größe John Fryer (Nine Inch Nails, Depeche Mode etc.) im Rockhouse Studio in Wales. "Die Zusammenarbeit mit John Fryer war ein Zufall. Die englische BMG stellte uns einander vor. Wir setzten uns fünf Tage zusammen, um herauszufinden, ob wir ein gutes Team sind. Wir kannten ihn schließlich vorher nicht und machten uns natürlich ein paar Gedanken, da er sehr erfahren ist, jedoch mehr im elektronischen Metal-Bereich. Ich machte mir Sorgen, dass wir wie Stabbing Westward oder so klingen würden. Alles funtionierte jedoch perfekt. Es war eine beidseitig positive Erfahrung. John Fryer veränderte kaum etwas an unseren Melodien, auch nicht an den Gesangslinien oder Arrangements. Er war eher derjenige, der die Stimmung einfließen ließ und es schaffte, unsere Millionen Ideen auszusortieren und zu führen. John hielt uns an der Leine und stellte uns unsere eigenen Ideen wieder vor, so dass wir den entsprechend passenden Ansatz finden konnten. Es war eine sehr freundliche Zusammenarbeit, die sich mehr wie ein Erholungsurlaub anfühlte." Man merkt schnell, dass Ville dem neuen Album in der Zwischenzeit mehr als poositiv gesonnen und zuversichtlich bezüglich der Reaktionen von außen ist. "Wir sind sehr zufrieden, aber unglücklicherweise habe ich kaum Zeit, meinen Freunden das neue Album vorzuspielen oder es mir selber anzuhören. In der letzten Zeit hetze ich nur noch von Termin zu Termin. Manchmal ist es einfach höllisch..."

Dass bereits bei einem moderaten Erfolg in diesem Geschgäft kaum Zeit für ein Privatleben bleibt, ist bekannt. Die Auswirkungen dieser Popularität können eben auch unerfreuliche Dimensionen annehmen. Deshalb zeigen sich Ville & Co. froh darüber, in Finnland zuhause zu sein. "Klar, die Leute erkennen mich auf der Straße, aber in Finnland ist es erfreulicherweise nicht so, dass man angesprochen wird. Finnen sind sehr schüchtern und introvertiert. Das macht alles sehr viel leichter und angenehmer. Helsinki ist eine gute Heimatstadt. Ich mag die Stadt, weil die Dinge dort einfach und überschaubar sind." Villes Familie und Freunde sind, so der Sänger, sehr stolz auf ihn und seinen Erfolg. "Meine Mutter und mein Vater freuen sich sehr für mich. Sie fragen mich ständig nach ein paar Gratis-CDs", lacht er. "Es ist aber eigetnlich nichts Besonderes für meine Familie und Freunde, mich auf der Bühne zu sehen. Fünfzehn Jahre lang haben sie mich beobachtet, wie ich mich auf diesen Moment vorbereitet und dafür geprobt habe. Jetzt sind sie einfach glücklich, dass ich endlich das machen kann, was ich schon immer machen wollte und zu allem Überfluss damit auch noch meine Miete bezahlen und meine eigenen Zigaretten kaufen kann." Und das will etwas heißen, kostet eine Schachtel Zigaretten mancherorts in Helsinki umgerechnet 12 Mark.

Was das optische Image von Ville Valo angeht, verglich man ihn anfangs oft mit dem legendären The Doors-Sänger Jim Morisson. Inzwischen bedient man sich gerne der Beschreibung als moderner Ziggy Stardust. Ab und an vergleicht man Ville aber auch mit Brian Molko, dem Frontmann der Band Placebo, sehr zum Missfallen des Finnen. "Ich mag Brian Molko überhaupt nicht, und seine Musik stinkt. Molko ist eine billige Imitation von Dingen, die es in der Vergagenheit bereits gab, und zwar in viel besserer Form. Na ja, manche Leute denken ja, dass auch ich so jemand bin", fügt Ville lachend hinzu. "Jim Morisson gefällt mir da viel eher. Es ist natürlich blöd, dass man Menschen oder Dinge überhaupt miteinander vergleichen muss. Ich werde jedoch lieber mit echten Legenden verglichen, als mit trendigen Pop-Fakes. Eigentlich ist es mir egal, solange es dazu beiträgt, unsere Platten zu verkaufen." Die Frage, was für ihn am wichtigsten ist, ob Liebe, Geld oder Erfolg, beantwortet Ville dennoch ganz seinen Songs entsprechend. "Liebe. Das ist zwar eine langweilige Antwort, aber Liebe ist das, was mich inspiriert. Wenn mich etwas inspiriert, schreibe ich einen Song darüber, der dann hoffentlich erfolgreich wird und mir viel Geld einbringt." Obwohl Ville dies sagt, ist er dennoch nicht gänzlich bereit, sich und seine Person auszuverkaufen. Fragen nach seinem Privatleben oder gar nach seinem Liebesleben geht er zumindest im Rahmen eines offiziellen Interviews geschickt aus dem Weg. "Mein Privatleben ist mir wichtig. Da bin ich in letzter Zeit sehr streng geworden. Wenn man erst einmal angefangen hat, sehr intime, persönliche Fragen zu beantworten, hören die Leute nicht auf, immer mehr dieser Fragen zu stellen. Am Ende interessiert sich niemand mehr für das, was wirklich bedeutsam ist, nämlich die Musik." In diesem Sinne hört man sich, wenn man wirklich wissen will, wie man sich Villes Traumfrau vorstellen darf, auf alle Fälle am besten das neue Album, besonders den Song "Gone With The Sin" an. Nach einem schweren Atemzug fügt Ville hinzu: "Aber klar, ich weiß schließlich, wie der Markt funktioniert. Das ist es eben, was die Leute interessiert. Ich habe mir letzlich ausgesucht, eine Person des öffentlichen Lebens zu sein..."

 

English version of "Psycho-Check - Ville Valo" comes soon!!!

 

Psycho-Check - Ville Valo

(Popcorn 2000)



Harte Schale, weicher Kern! Auf der Bühne spielt der Frontmann von HIM den coolen Rocker! Doch Ville ist ein sehr sensibler, leicht depressiver Typ. Seine wahren Gefühle versteckt er, um seine Seele zu schützen!

14 Fragen an Ville:

Was war der wichtigste Moment in deinem Leben?
- there are too many to mention

Was war der traurigste Moment in deinem Leben?
- The hangover this morning

Wann hast du das letzte Mal geweint?
- can't remember probably when I was a baby

Kannst du dich an ein spirituelles Erlebnis erinnern?
- no

Wovor hast du am meisten Angst?
- hangovers

Worüber regst du dich schnell auf?
-

Bist du abergläubisch?
- no, not at all

Glaubst du an Leben im Weltall?
- no

Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?
- no

Hast du einen Traum, der immer wiederkehrt?
- no

Kannst du dich an deinen letzten Traum erinnern?
- no

Klassische Liebe ist für dich...
- I haven't figered it out yet

Kannst du behaupten, einen Komplex zu haben? Wenn ja, welchen?
- too many to mention


Baumanalyse:

Der Baum wurde oben links ins Blatt gezeichnet, was die Flucht in eine irreale Wunschwelt andeutet. Der Baum mit den erstarrten Žsten steht auf einem Hügel und verrät damit innere Vereinsamung und Selbstbezogenheit. Am Ast rechts unten hängt eine Gestalt, die auf Reitod und damit auf eine depressive Situation hinweist. Am Stamm selbst klafft eine tiefe Wunde, die ein seelisches Trauma in der Mutter-Kind-Beziehung andeutet.


Selbstbildnis:

Wenn das Selbstbildnis der Lebens- und Wesensart des Zeichners entspricht, ist der junge Mann im Begriff, seinen Gesundheit durch Rauchen und Trinken zu ruinieren. Das Gesicht deutet mit seiner ausgeprägten Stirn Intelligenz an, der šbergang zur kräftigen Nase spricht für starke Ausdrucksfähigkeit. Dagegen ist das Untergesicht mit den sinnlichen Lippen und dem zurückweichenden Kinn typisch für Willensschwäche und mangelde Durchsetzungsfähigkeit. Fazit: Ein Typ, der am Abrung balaciert!


Ein Blick in Villes Tasche:

In seine engen Taschen passt nicht viel, also kommt nur das Wichtigste rein: Zigaretten, ein Feuerzeug sowie Räucherstäbchen. Das steht für Genusssucht und den Wunsch, sich in außergewöhnliche Stimmung zu bringen. "Ohne Zigaretten gehe ich nicht auf die Bühne", sagt Ville. Einen Geldbeutel trägt der charismatische Finne selten bei sich. "Mit Geld kann ich nichts anfangen!" Und die Räucherstäbchen? "Ihr Duft beruhigt meine Nerven und schafft eine sinnliche Atmosphäre!"


Handlesen:

Die linke Hand steht für Fähigkeiten und das Potential der Person. Villes Handlinien zeigen, dass er als dynamischen, sportliches Energiebündel geboren wurde. Die klare Lebenslinie bestätigt seine robuste Natur. Die Kopflinie ist anfangs mit der Lebenslinie verbunden, was auf ein großes Defizit hinweist: Mangel an Selbstvertrauen. Auspassen! Auch in Situationen, in denen er eigentlich cool alle Fäden in der Hand hätte, kann er durch Selbstzweifel den möglichen Erfolg vermasseln. Die Gabel am Ende der Lebenslinie zeigt, dass er durchaus ein Erfolgsstreben besitzt. Sein Ziel kann Ville aber nur durch Entschlossenheit und klugen Geschäftssinn erreichen. Auch in Liebesbeziehungen kommt Ville trotz anfänglicher Zurückhaltung (gerade Herzlinie) meist ans Ziel. Liebe ist jedoch kein Business. Sollte er sein Leben lang mit Liebe wie mit Aktien handeln, wird er am Ende doch zum Loser und ganz allein dastehen. Tipp: Lass die Türen zu deinem Herzen weit offen und gebe deinen Emotionen nach - nur dann wird es wirklich spannend, denn aufregende Begegnungen und viele šberraschungen warten auf dich...


Grafologie:

Diese unregelmäßige, nach rechts fallende, dünne Schrift steht für große Kreativität und Sensibilität, aber auch starke Selbstzweifel, die bis hin zu Depressionen reichen können. Der Schreiber hat hat jedoch ein Gegengewicht zu dieser düsteren Seite entwickelt: Ironie. Damit bringt er sich bei Krisen wieder ins Gleichgewicht. Seine Kritikschärfe und Beobachtungsgabe sind die Basis für seine intellektuelle Souveränität. Sein Kontaktvermögen ist geprägt von freundlicher Zurückhaltung. Ville lässt sich ungern in sein Innerstes schauen und verbirgt seinen Weltschmerz!


Astrologie:

Geboren am 22.11.1976 in Helsinki Das Horoskop von Ville ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich: Er weiß nicht, ob er Skorpion oder Schütze ist, da er seine genaue Geburtszeit nicht kennt. Bis 6 Uhr morgens geboren, wäre er Schütze, danach Skorpion. Das macht ihn ungeheuer dynamisch und vielseitig, damit aber auch für andere schwer einschätzbar. Ville hat eine unwahrscheinliche Power und muss lernen, seine Kräfte in die richtigen Bahnen zu lenken. Ansonsten richtet sich die Kraft gegen ihn selbst. Von der Liebe hat Ville eine fast überirdische Vorstellung. Er möchte mit seiner Partnerin verschmelzen, und zwar über den Tod hinaus. Diese Leidenschaft brennt wie ein Feuer in ihm.


Gesichtsanalyse:

Der skeptische und gleichzeitig offene Blick spiegelt das ganze Wesen des Finnen wieder. Seine wachen Augen lassen darauf schließen, dass er in der Liebe häufig mit Eifersucht, Machtansprüchen und Abhängigkeiten konfrontiert wird. Er braucht eine Partnerin, der er sein ganzes Vertrauen schenken kann, die Freude und Leid mit ihm teilt, ihm seine Zweifel nimmt. Seine Lippenform deutet wieder darauf hin, dass er nur wenig von sich preisgeben möchte. Er schützt seine Seele durch Zurückhaltung und Schweigen und lässt sich nur ungern in die Karten schauen. Ville bleibt Menschen und seinen Gefühlen gegenüber skeptisch!

 

English version of "How Ville became my friend"

 

"So wurde Ville mein Freund"

(Rennbahn Express, 09/00)



Roman Gregory sagt, wie es zum Duett mit Ville kam...

Beim Forestglade Festival in Wiesen feierten zwei alte Kumpels - auf der Bühne und backstage - Wiedersehen: der finnische Superstar Ville Valo und Ex-Alkbottle Sänger Roman Gregory. Wie es zu dieser seltsamen Freundschaft kam, erzählt Roman exklusiv im RE.

Absoluter Höhepunkt beim Forestglade-Festival in Wiesen: das Duett zwischen Ville Valo und Roman Gregory, mit dem ein fulminantes HIM-Konzert zu Ende ging. Ihre rockige Version der Backstreet-Boys Nummer "Larger Than Life" riss die 8000 Zuschauer im ausverkauften Festgelände zu frenetischem Applaus hin. Zwischen Roman (neue Single: "So guad daham") besteht schon seit Jahren eine engere Freundschaft. Vor dem Auftritt blödelten die zwei Sänger und Bassist Migé angeregt und tauschten Rockmusikergeschichten und -gschichtln aus. Resümee von Ville: "Sobald ich in den Tourbus einsteige, werde ich wieder zum Kind. Musiker auf Tour benehmen sich einfach kindisch." Damit ist Migé nicht einverstanden: "Nein, nicht kindisch. Musiker benehmen sich schlecht. Wenn wir auf Tour sind, tun wir alles, was uns zu Hause verboten ist..." Was sonst noch zwischen Roman und Ville besprochen wurde, und wie es zur finnisch-österreichischen Freunschaft kam, erzählt euch der Wiener hier selbst:

Lieber Leser! Ich wurde von der RE-Redaktion gebeten, meine Freundschaft mit Ville in eine kleinen Bericht zu beschreiben. Wie es dazu kam, warum, weshalb und wieso. Das sind meine Eindrücke, an die ich mich noch erinnern kann:
"Hi, I am Ville!", grinste mich ein untergewichtiger, schwarzgekleideter Finne in der Garderobe der Szene Wien an, als Alex (damaliger A&R bei der BMG Ariola, der Plattenfirma von HIM) und ich den Jungs ein kleines Säckchen grünen Tee zur Entspannung vorbeibrachten. "Really? Your name ist Willi?", fragte ich verwundert, woraufhin er in schallendes Gelächter ausbrach. Willi war auch wirklich zu blöd. Aber ich hatte etwas wie "his infernal majesty" erwartet und keinen netten, humorvollen Typen ohne Allüren und Selbstdarstellung. So kamen wir noch ein wenig ins Gespräch, bevor das erste HIM-Konzert in Österreich vor ca. 300 Besuchern über die Bühne ging. Und sie kickten Ass. Mir fiel auf, dass Ville eine nach der anderen rauchte und die ganze Zeit eine Weinflasche in der Hand hielt, während er zugegebener Maßen geniale Gesangsmelodien über die stampfende Groove der Band intonierte. Später meinte er dazu, dass er früher ja Gitarre auf der Bühne spielte und einfach das Gefühl braucht, "etwas in der Hand zu halten. Michael Jackson braucht das auch", meinte er dazu noch ausführlicher und grinste dreckig.
Am Silvestervorabend 1998 rief mich wieder mal Alex an und fragte mich, ob ich schon was vorhabe und bereit wäre, den Jahreswechsel finnisch anklingen zu lassen. HIM spielen in der Silvesternacht vor dem Riesenrad im Wiener Prater und er ist ihr Chauffeur und Betreuer. Also verfraßen und versoffen wir teure Plattenfirmakohle und ich unterhielt die Band mit der Aufzählung von typisch österreichischen Bräuchen und Traditionen. Sie wunderten sich zum Beispiel darüber, dass es in Österreich kaum eine Rockband in die Charts geschafft hat, ist das in Finnland doch gang und gäbe. "Da spielen sie eben Elton John, Metallica, Backstreet Boys und HIM hintereinander im Radio. Es kommt sogar sehr oft vor, dass finnische Metalbands in den Top Ten zu finden sind!" Wir plauderten über unsere gemeinsamen Idole "Kiss" und machten uns darüber lustig, welch peinlich-fette Clowns sie doch geworden sind.
Der darauf folgende Silvesterabend war scheißkalt und nach dem Auftritt der Jungs zwei kleine Wohnwagen unsere einzige Zufluchtsstätte. "So feiern Stars Silvester - wie die Penner: im Wohnwagen und aus Pappbechern saufend!" rief mir Ville Mitternacht zu, während er sich bereit machte, etwa fünf halberfrorenen Mädchen Autogramme zu geben.
Vor dem letzten Wien-Konzert im April rief mich Ville am Nachmittag überraschend an und lud mich zum Gig ein, den ich leider nicht sehen konnte, weil ich selber spielte. So kam ich ins Hotel nach, wo die Jungs schon bestens gelaunt in der Lobby saßen und Bier mit Fernet genossen. Ich erzählte Ville vom Alkbottle-Split und dass ich gerade mein Soloalbum fertiggestellt hätte, woraufhin er meinte, dass es cool wäre, wenn wir doch mal zusammen auftreten würden.
Wir waren äußerst begeister von dieser Idee, aber wir waren auch schon sehr besoffen. Umso mehr freute ich mich, als wir in Wiesen gemeinsam den mir zuvor völlig unbekannten Backstreet-Boys-Song "Larger than Life" als letzte Zugabe sangen und uns danach darüber lustig machten...


English version of "Is Ville Valo bisexuell?" comes soon!!!


 

Ist Ville Valo bisexuell?

(Rennbahn Express, 06/00)


Androgynes Aussehen, geschmeidige Bewegungen, Make-Up - dann noch dauernd diese Fotos in Umarmung mit seinem besten Freund Migé. HIM-Fans fragen sich: Steht Ville Valo auch auf Männer? Der RE-Report über Villes geheimes Sexleben!

Er ist das Sexsymbol des Rock - kein Wunder, dass sich die HIM-Fans auch brennend für Ville Valos geheimes Sexleben interessieren. Eines der meistgehörten Gerüchte: Der finnische Superstar mit der "Heartagram"-Tätowierung über den Lenden soll bisexuell sein - also auch auf Männer stehen! Ville selber gibt sich geheimnisvoll: "Vielleicht bin ich es. Vielleicht bin ich es nicht. Die Leute brauchen nicht alles über mich zu wissen. Ist doch stinklangweilig zu lesen, wo Ville Valo seine Socken wäscht, was er zum Frühstück isst und mit wem er ins Bett geht, oder?"
Seine Fans denken da offenbar anders darüber. Seit dem letzten RE-Interview, in dem Ville auch über die besondere Freundschaft zu seinem Bandkollegen und allerbesten Kumpel Migé Amour sprach, mailten uns viele Mädels, ob die beiden womöglich ein Verhältnis hätten? "Wir sind die besten Freunde und schlafen auf Tour auch immer im selben Zimmer", bestätigte Migé bei einer Pressekonferenz in Deutschland, "aber unsere Beziehung ist rein platonisch." Schwul sei hingegen Zoltan, plappert er in weinseliger Laune aus: "Den haben wir in die Band genommen, weil er schwul ist und so gut aussieht. Der ist besser als ein Drumcomputer!" so Migé.
Villes Sexleben ist aber auch so nicht gerade langweilig. "In unserem Tourbus ist nichts los, da schlafen wir uns nur in Ruhe aus", meint Ville mit unschuldigem Gesicht. Nachsatz: "Ach ja, habe ich erwähnt, dass ich in der Öffentlichkeit grundsätzlich lüge?"
"Rakkaus" (finnisch: Liebe) und "Kulema" (finnisch: Tod) sind in den Songs am Album "Razorblade Romance" allgegenwärtig. Doch wie schätzt Ville, der als Teenager im Sexshop seines Vaters aushalf, den Stellenwert von Sex in seinem Leben ein? "Von Zeit zu Zeit kann es ganz entspannend sein", sagt er grinsend mit diabolisch tiefer Stimme. "HIM", die Abkürzung für "His Infernal Majesty" (Seine teuflische Majestät) ist "ein bandinterner Joke über meine Qualitäten als Frauenheld", vertraute uns Ville schon im ersten RE-Interview an. Und dass er auf der Tour ein Mädel nach dem anderen abschleppt, konnte der RE bereits selbst beobachten. Dabei war seine allererstes Mal Geschlechtsverkehr ein glatter Reinfall, verriet er uns im RE-Interview in Linz: "Es passierte Hals über Kopf im Hinterzimmer einer Teenagerparty. Nach zwei Minuten war alles schon wieder vorbei." Heute läuft in Sachen Erotik alles weitaus glatter. Zumal Ville nicht nur nach Models Ausschau hält: "Jedes Mädchen ist auf seine Art sexy."
Doch wenn Villes Nokia-Handy mir seiner "Halloween"-Kennmelodie läutet, ist in letzter Zeit viel häufiger ein Typ von der Plattenfirma, als ein hübsches Mädchen dran. Denn HIM räumen europaweit ab: Die Hörer eines deutschen Radiosenders wählten "Join Me" zum drittbesten Song aller Zeiten. Die nächste Single "Poison Girl" ist bereits in Vorbereitung. Und Ende des Jahres wollen HIM neue Songs aufnehmen. "Das ist aber noch Zukunftsmusik."
Vorerst will Ville, der eigentlich nicht gerne über den aktuellen Tag hinausdenkt ("Lange vorausplanen ist eine schlechte Angewohnheit"), sowieso nur ein Ziel erreichen: "Mein Idealgewicht von 66,6 kg."
(Ob er's geschafft hat, können ihn 5mal 2 RE Leser im Juli persönlich fragen. Beim heurigen Forestglade Festival in Wiesen werden HIM nämlich nach ihrer ausverkauften Frühjahrstour am 9.7. ein weiteres Mal in Österreich spielen. Wie man beim RE-Startreff mitmacht und HIM hautnah kennenlernen kann, erfahrt ihr auf unserer Homepage unter www.rbxpress.at) "

 

English version of "With HIM through the sevenstring forest" comes soon!!!

 

Mit Him durch den Siebensaiter - Wald

(Rock Hard 12/00)


Vor einigen Wochen fand auf unserer Homepage unter den Lesern eine Diskussion zu Thema "siebensaitige Gitarren" statt. Diese Diskussion und die Emsigkeit, mit der die Instrumentenhersteller im Moment ein Model nach dem anderen auf den Markt werfen, hat uns dazu veranlasst, einige dieser Dinger mal anzutesten. Ausgesucht haben wir uns vier bezahlbare Modelle der Mittelklasse, die eigentlich nur die Gemeinsamkeit haben, dass sie jeweils über zwei Humbucker in der Steg- und Halsposition verfügen. Um dem Ganzen mehr Würze zu geben, schleppten wir Linde von HIM in die Redaktion, der ja bekanntlich eine normale sechssaitige Gitarre in der Stimmung einer Siebensaitigen spielt. Soll heißen: Er benutzt einen Siebensaiter-Satz, lässt die hohe E-Saite weg und stimmt das Ding eine Quart tiefer, also H, E, A, D, Fis, H. Eine erste Überraschung ergibt sich, als Linde sein neuestes Schätzchen - eine '77er Gibson SG - aus dem Koffer holt, die er für schlappe 1.300 DM in einem kleinen Shop in Helsinki erworben hat. Der gute Mann ist nämlich wieder zur normalen Stimmung zurückgekehrt.

"Ich hab' jetzt mehrere Jahre in der tiefen Stimmung gespielt, und mittlerweile langweilt es mich einfach, so dass mal wieder eine Veränderung her musste."

Dann dürften eure Songs live ja jetzt ein wenig anders klingen.
"Nein, eigentlich nicht. Einige Songs werden wir wohl aus dem Set nehmen, aber ansonsten nehme ich, wenn ich z. 8. einen H-Powerchord spiele, einfach noch mal die Ouinte (Fis) au f der tiefen E-Saite mit, so wie es Ritchie Blackmore öfters macht. Das klingt sogar druckvoller als in der tiefen Stimmung, weil der Akkord transparenter rüberkommt."

Warum hast du in den vergangenen Jahren nie eine Siebensaitige gespielt?
"Als ich mich dazu entschlossen habe, in dieser tiefen Stimmung zu spielen, gab es kaum ansprechende Modelle auf dem Markt. Da ich totaler Gibson-Fanz bin, kam es für mich überhaupt nicht in Frage, mir irgendwas anderes um den Hals zu hängen."

Da liegt es natürlich nahe, dass er sich zunächst mal die Epiphone Les Paul schnappt und einer Prüfung unterzieht. Die Gitarre hat einen Korpus aus Mahagoni, 22 einwandfrei verarbeitete Jumbo-Bünde, zwei Epiphone-Humbucker und einen eingeleimten Hals, Also eigentlich alles wie bei einer normalen Les Paul, wäre da nicht dieses Monster von Hals. Das Ding gewinnt durch die zusätzliche Breite soviel mehr an Volumen, dass es für Leute mit kurzen Fingern ziemlich schwer wird. sich auf diesem Baumstamm zurechtzufinden. Gerade dann, wenn man wie Linde die Angewohnheit hat, mit dem Daumen über dem Griffbrett zu spielen, ist erst mal eine längere Fingergewöhnungsphase nötig.
"Obwohl es natürlich erst mal ziemlich ungewohnt ist, auf einer Siebensaitigen zu spielen. finde ich den Hals gut. Er vermittelt ein gutes Spielgefühl."

Und so jagt Linde ein paar Stoner-Rock-Riffs durch die Speaker, immer wieder unterbrochen von kurzen Rock`n`Roll-Licks im Stile eines Angus Young. Die Epiphone hat einen natürlichen, satten und warmen Klang, wie man es von einer Les Paul gewohnt ist. Auch die leichte Kopflastigkeit die sich durch den fetten Hals ergibt. scheint Linde nicht zu stören.
Die Epiphone ist ein Siebensaiter in einer traditionellen Form, inklusive alter Vor- u. Nachteile einer herkömmlichen Les Paul. Für 1.300 DM bekommt man eine gute Gitarre, die für ein bisschen frischen Wind in der bisher so einseitigen Siebensaiter-Modellpalette sorgt. Als nächstes schnappt Linde sich die Ibanez RG 7420. Und wieder hört man seine Vorliebe für Gitarristen wie Josh Hemme, Neil Young oder John Lee Hooker - also nix mit Düster-Rock. In einer kurzen Spielpause erzählt er, wie er zum Gitarrespielen gekommen ist:

"Als ich etwa zehn Jahre alt war, hab ich in einem Schaufenster eine Gitarre gesehen und war direkt so fasziniert von dem Ding, dass ich sie unbedingt haben musste. Es war also nicht so wie bei den meisten Leuten, die über einen Sonq, ein Riff oder einen Freund, der bereits eine Gitarre hat, zu diesem Instrument kommen."

Wenn dich der bloße Anblick einer Gitarre so in Verzückung versetzt hat, sollte man eigentlich davon ausgehen, dass du deine Klampfen hegst und pflegst und nicht bloß als einen simplen Gebrauchsgegenstand betrachtest.
"Jein. Bei manchen Auftritten verspüre ich das dringende Bedürfnis, das Teil komplett in seine Einzelteile zu zerlegen. Das wurde ich wohl nicht tun, wenn mir besonders viel an den Dingern läge. Allerdings hab' ich auch einige Gitarren, die ich nur im Studio einsetze, z.B. eine Dia. Ich glaube, diese Firma existiert schon länger nicht mehr. Die Gitarre ist zwar eine japanische SG-Kopie, aber sie klingt sehr gut. Da sie sehr alt und selten ist, benutze ich sie nie bei Live-Auftritten. Ansonsten verwende ich live aber genau dieselben Sachen wie im Studio; sowohl der Amp als auch die Pedale sind absolut identisch."

Doch zurück zur Ibanez. Die Axt ist mit zwei V 77Humbuckern, 24 Jumbo-Bünden, einem Lindenkorpus sowie einem Lo-Trs 7-Tremolo bestückt. Also nicht unbedingt das Material, das allgemein als hochwertig bezeichnet wird, aber da an der Verarbeitung nichts auszusetzen ist und für, die Klampfe mit ein bisschen Suchen auch nicht mehr als 1.500 DM auf den Tisch gelegt werden müssen, soll uns das nicht weiter stören.
"Die Gitarre klingt im verzerrten Betrieb ein wenig heftiger als die Epiphone und dürfte wohl in erster Linie pure Metaller ansprechen. Der dünne Hals erleichtert zwar das Umsteigen von eurer Sechssaitigen, gefällt mir persönlich aber nicht so gut. Ich bevorzuge eher etwas dickere Hälse, die vermitteln mir ein besseres Spielgefühl. Die Frickelfraktion dürfte aber ihre helle Freude daran haben. Das Tremolo macht hingegen einen guten Eindruck. Ich selbst benutze zwar keine Tremolos, aber wer es braucht, wird hier gut bedient."

Nach dieser Aussage sollte man gar nicht glauben, dass Steve Vai, der ja bekanntlich maßgeblich an der Entwicklung diverser Ibanez-Modelle (u.a. auch der erste Siebensaiter- Markt kamen) beteiligt war, einen großen Einfluss auf den Werdegang des Mannes aus Helsinki hatte.
"Ich war früher ein totaler Steve Vai-Fan. Diesen Einfluss hört man meinem Spiel zwar nicht an, aber er ist auch heute noch der einzige dieser ganzen ShreddingGitarristen, den ich gerne spielen höre, weil er einen einzigartigen Stil hat. Diese Bewunderung gipfelte darin, dass ich vor ein paar Jahren nach Boston ging und einen zweimonatigen Sommerkurs am Berkley-Institut belegte. In diesen zwei Monaten habe ich mehr gelernt als in den zwei Jahren an einer Musikschule in Helsinki, die ich vier bis fünf Mal die Woche besucht habe. Ich hatte vor- und nachher auch noch einige private Lehrer, aber keiner war in der Lage, mir den Stoff gut zu vermitteln wie die Jungs in Amerika. Allerdings das Ganze natürlich auch mit viel Disziplin und Arbeit verbunden. In manchen Phasen habe ich bis zu acht Stunden am Tag geübt."

Mittlerweile hat er sich die ESP/LTD M 207 umgeschnallt und schreddert noch mal die gleichen Riffs und Licks runter. Die Gitarre ist der Ibanez sehr ähnlich. Optisch unterscheidet sie sich in erster Linie durch die nach oben gerichtet. Kopfplatte und die sogenannten Arrowhead-Inlays auf dem Griffbrett, die das Instrument ein wenig edler aussehen lassen. Anstelle des Lo-Trs 7-Tremotes gibt es ein Floyd Ros Licensed 7, das u.a. dadurch auffällt, dass der Hebel nicht nur (wie beim Ibanez-Modell) eingesteckt, sondern zusätzlich noch verschraubt wird. Es ist schon ein wenig enttäuschend, dass den Technikern nach all den Jahren immer noch keine bessere Lösung eingefallen ist. Auch wenn man die Mutter sehr fest anzieht, hat der Hebel immer noch zuviel Spiel, so dass die Spielbefehle mehr oder weniger indirekt die Saiten erreichen. Da hat Ibanez einfach immer noch die Nase vorn. Von den beiden Duncan-Design-Humbuckern, abgesehen, ist der Rest der ESP mit der Ibanez identisch. Drei-Wege-Schalter für die Tonabnehmer, ein Poti für die Lautstärke, einer für die Tonregelung, 24 Jumbo-Bünde auf dem Hals, der erneut ziemlich flach daherkommt. Allerdings fällt er etwas breiter aus als bei der Ibanez, so dass das Handling für die Leute mit den kurze Fingern wieder ein bisschen schwieriger werden dürfte.
Linde kommt zu einem fast identischen Fazit:

"Wieder eine Gitarre für die Shredding-Abteilung, und dass das nicht so mein Fall ist, erwähnte ich ja bereits. Das Gerät klingt zwar nicht ganz so aggressiv wie die Ibanez, hat dafür aber ein wenig mehr Volumen im Klang. Dass die beiden Gitarren durch den aufgeschraubten Hals und das Tremolowenig Sustain haben, stört mich dagegen weniger, da ich eh keine Solos mit endlos langen Tönen spiele."

Auch wenn sich auf diesen dünnen Hälsen wunderbar rumflitzen lässt, sollte man nicht vergessen, dass sie entsprechend sensibel auf äußere Einflüsse reagieren. So reicht manchmal schon eine kleine Verbeugung, und der Ton senkt sich hörbar nach unten. Dass für die ESP zwei Blaue mehr als für die Ibanez berappt werden müssen, wirkt sich auch nicht gerade positiv auf die Bewertung aus.

Bevor Linde sich die letzte Gitarre, eine Schecter A-7, schnappt, gewährt er einen kurzen Einblick in den Songwritingprozess bei HIM.
"Ville schreibt eigentlich alle Songs und kommt oft schon mit den fertigen Sachen in den Proberaum. Dadurch habe ich natürlich nur einen begrenzten Rahmen, in dem ich meine Sachen unterbringen kann. In diesen Grenzen kann ich aber spielen, was ich will. Wenn mir irgendwas überhaupt nicht gefällt, spiele ich es auch nicht. Es kommt allerdings auch vor, dass wir die Sachen dann im Proberaum ziemlich lange jammen und der Song noch einige Male verändert wird. Wenn bei diesem Jammen ein geiles Riff herauskommt, kann es sein, dass der ganze Seng anschließend darauf aufgebaut wird oder ein komplett neuer Song entsteht."

Mittlerweile knallt Linde seine Riffs über die Schecter durch die Speaker und zeigt zum ersten Mal ein wenig Begeisterung:
"Das ist die bisher beste Gitarre! Mit dem Hals komme ich sehr gut zurecht, und das Ding klingt satt undfett. Die Optik ist zwar nicht ganz so meinDing, aber das ist ja Geschmackssache."

Die Schecter kommt in einem originellen Design daher, das man durch die beiden verschieden langen Cutaways wohl am ehesten als stark modifizierte Strat-Form bezeichnen kann. Der massige Body aus Mahagoni ist in mattem Schwarz lackiert und gibt dem Instrument eine Metal-Optik, ohne jedoch zu dick aufzutragen. Es kommen die gleichen Duncan-Design-Humbuckerwie bei der ESP zum Zuge, und auch die Anzahl der Bünde ist mit 24 identischmit den beiden vorangegangenen Modellen. Der Hals fällt ein wenig dicker aus, ist aber von den Maßen der Epiphone noch ein gutes Stück entfernt.
Die Mechanik für die zusätzliche Saite befindet sich am oberen Rand der Kopflatte, wohingegen die restlichen sechs an der unteren Seite angebracht sind, was die Orientierung beim Stimmen vereinfacht. Ansonsten ist altes wie gehabt. Drei-Wege-Schatter für die Wahl der Tonabnehmer und je ein Poti für die Lautstärke und die Tonregelung. Allerdings kommt die Gitarre ohne Tremolo aus, wodurch sie mehr an Sustain gewinnt. Durch den massigen Korpus bringt sie zwar noch ein gutes Kilo mehr auf die Waage als die Les Paul (die Ibanez und ESP sind absolute Leichtgewichte), hat aber dadurch den Vorteil, noch fetter und druckvoller zu klingen. Selbst die tiefsten Akkorde klingen absolut transparent und kein bisschen muffig, und die Tonabnehmer verleihen dem Sound die nötige Aggressivität, ohne ihn an Wärme einbüßen zu lassen. Für 1.700 DM bekommt man eine qualitativ hochwertige Gitarre in einem außergewöhnlichen Design. Während Linde sich abschließend noch mal seine '77 SG umschnallt, plaudert er über ein Side-Project:

"In Helsinki spiele ich zum Spaß in einer Stone-Rock-Band namens Daniel Lion Eye And The Blues Explosion, in der ich singe und Gitarre spiele, während Ville am Schlagzeug sitzt und Mige den Bass bedient."

Da eure US-Pläne mit HIM ja erst mal auf Eis liegen, müsstet ihr doch eigentlich genügend Zeit finden, mal was aufzunehmen und eventuell sogar eine Platte zu veröffentlichen.
"Es gab durchaus einige Labels, die Interesse daran hatten, " Razorblade Romance" in Amerika zu veröffentlichen. Allerdings kamen sie kurz vor Abschluss der Verträge zu dem Schluss, dass ein Text wie "Join Me" - wohl doch ein wenig heiß für ein Land wie die USA sei, und wollten dann einfach zuviel Einfluss nehmen, so dass wir uns entschlossen habe das Ganze vorerst sein zu lassen. Auch wenn HIM absoluten Vorrang haben, kann es sein, dass wir mit der Blues Explosion mal ein Studio besuchen werden, wenn sich zwischen der nächsten Europatour und den Aufnahmen zu neuen HIM-Album genügend Zeit findet."

Nachdem der letzte Ton verklungen ist, fällt Lindes Fazit bezügtich der Siebensaiter wenig überraschend aus:
"Da ich ja zur normalen Stimmung zurückgekehrt bin, brauche mir eigentlich keine Gedanken iiber die Anschaffung einer Siebensaitigen zu machen. Im Test konnte mich auch keine der vier Gitarren davon überzeugen, meine Gibson durch etwas anderes zu ersetzen. Sollte mich allerdings ein Freund beim Kauf einer Siebensaitigen um Rat bitten, werde ich die Schecter empfehlen. Was die Spielbarkeit und den Klang betrifft, entspricht sie meinem Geschmack am ehesten. Frickelfinger werden aber mit Sicherheit mehr Freude an den flachen Hälsen der ESP oder lbanez finden."

Der Vollständigkeit halber sollte noch erwähnt werden, dass Schecter die A-7 und andere Modelle mit Tremolo anbietet, während Ibanez und ESP verschiedene Modelle auch ohne Tremolo ausliefern.Wer sich für einen Sieberisaiter entschieden hat und die Dinger zu den oben angegeben Preisen im Laden entdeckt, sollte möglichst schnell zugreifen, denn es ist damit zu rechnen - dem Euro sei Dank - dass sich die Preise in nächster Zeit spürbar nach oben bewegen werden.

 

English version of "Helsinkis Heroes" comes soon!!!

 

Helsinkis Helden

(WOM 02/00)

Die finnische Band HIM erlebte eine der überraschendsten Erfolgsstorys der letzten Jahre. Die Metal-Band liebäugelte zwar mit genre-üblicher Gothic-Ästhetik, hat aber mit Sänger Ville Valo eine Identifikationsfigur, die so gar nicht in das von Macho-Klischees geprägte Umfeld dieses Musikstils passen will.

Ville Hermanni Valo hat Charme, und zwar jede Menge. Der ist schon in seiner sonoren, stets bedächtigen Redeweise nicht zu überhören. Übersehen kann man den 23-Jährigen schon gar nicht; Hoch aufgeschossen, schlank, fast schmächtig, betont er seine androgynen Züge mit greller Schminke und einem neuen, halblangen Haarschnitt. Sein linker Arm ist fast flächendeckend tätowiert, der Blick so gerade und direkt, dass es schwer fällt gegenzuhalten. Kein Wunder, dass Unmengen junger Mädchen von Helsinki bis Haldern bei dem bloßen Gedanken an diesen Mann weiche Knie bekommen.

Schon als Achtjähriger begann Ville zu musizieren. Während seiner Schulzeit spielte er in diversen Bands, versuchte sich an den unterschiedlichsten Instrumenten von Bass über Klavier und Schlagzeug bis hin zur Tuba und tummelte sich in mindestens ebenso vielen Stilrichtungen: Sein Repertoire reichte von Free Jazz bis Death Metal. Kaum volljährig, hatte er bereits eigene Songs geschrieben und genug Kontakte geknüpft, um die richtigen Musiker um sich zu sammeln. So gründete er 1995 His Infernal Majesty, kurz: HIM. Bei den ersten Live-Shows bestand das Programm noch zur Hälfte aus Fremdkompositionen, darunter für eine Metal-Combo eher ungewöhnliches Material von Madonna, Depeche Mode und Billy Idol. Publikum und Talentscouts waren so angetan, dass HIM bereits nach der ersten kleinen Tour und einer Demo-CD mit vier Songs ein großer Plattenvertrag angeboten wurde.

Das erste Album "Greatest Lovesongs Vol. 666" setzte das Quintett auf Anhieb an die Spitze der einheimischen Rockbands, lief im Radio heiß und warf Single-Hits, Preise und Auszeichnungen ab. Kurz darauf unterschrieb die Band beim deutschen Label Supersonic (wo u.a. auch die Guano Apes unter Vertrag sind) und war nicht mehr zu stoppen.

Die Debüt-CD enthielt mit Chris Isaaks "Wicked Game" und "Don’t Fear The Reaper" ( Blue Öyster Cult) noch zwei Cover-Versionen, das neue Album "Razorblade Romance" dagegen besteht komplett aus Ville-Valo-Schöpfungen. "Wir haben keinen Platz mehr für Fremdkompositionen", gibt sich der HIM-Gründer selbstbewusst. "Die Coversongs sind damals sowieso nur aus Zufall auf dem Album gelandet. Der Isaak-Song war ein Wunsch der Leute unseres Labels, da sie ihn als Single veröffentlichen wollten. Und "Reaper" ist nie fertig geworden, sondern bloß ein Demo. Es wurde in letzter Sekunde draufgepackt, weil das Album sonst zu kurz gewesen wäre, wir aber keinen eigenen Song mehr parat hatten."

"Join me", die erste Single aus dem neuen Album, stieg in Finnland gleich an der Spitze der Charts ein. In Deutschland konnte sich der Song aus dem Soundtrack zu dem von Roland Emmerich ("Independence Day") produzierten Sci-Fi-Thriller "13th Floor" bis auf Platz acht vorkämpfen. Ein Erfolg, der auch amerikanische und englische Labels auf den Plan rief. Bisher gab es HIM-CDs nur in ihrer Heimat, in Japan und im deutschsprachigen Raum. "Natürlich wäre es großartig, auch in England und den USA Erfolg zu haben", träumt Ville, weist aber gleich darauf hin, es sei ihm generell nur wichtig, genügend Platten zu verkaufen, um weiterhin Musik machen zu können. Er will nicht wieder Nachtschichten im Sexshops seines Vaters schieben müssen und nur bei Tage seiner wahren Berufung nachgehen können. "Mir ist eigentlich egal, ob und wo sich unsere Platten verkaufen. Deutschland war sehr gut zu uns, die Leute hier sind immer sehr freundlich. Wer weiß, ob das in Amerika auch so wäre. In England sind wir nur auf Arroganz und Hohn gestoßen. Als ob man dort die einzig wertvolle Musik machen würde und alle anderen keine Ahnung hätten. Früher oder später wird die britische und amerikanische Musikindustrie einsehen müssen, dass Rock’n’Roll aus Japan, Deutschland, Frankreich, aus Finnland, Kuba oder Sumatra genauso gut und wichtig ist."

HIM-Chef Ville Valo über die Mitternachtssonne, Pathos und "Love Metal"

Ihr habt euer neues Album zweimal eingespielt, einmal in Finnland mit eurem alten Produzenten Hiili und dann noch mal in London mit John Fryer (Depeche Mode, Cocteau Twins, Nine Inch Nails, Die Krupps). Was gefiel euch an der Version nicht?
"Es wäre besser zu fragen, was uns überhaupt daran gefallen hat. Ich war mit den Arrangements nicht zufrieden, die Songs waren nicht wirklich fertig. Der Sound war zu ungehobelt, ohne jedoch wirklich Power zu haben. Vor allem aber waren einige Bandmitglider nicht wirklich bei der Sache."

Deshalb die Trennung von eurem bisherigen Drummer und von Keyboarder?
"Die beiden sind von sich aus gegangen. Das Bandleben wurde ihnen zu stressig. Mit Gas Lipstick von Kyyria am Schlagzeug und Zoltan als Keyboarder bin ich allerdings auch als Musiker viel glücklicher. Wir haben schon angefangen, gemeinsame Stücke zu schreiben. Was bisher bei HIM noch nicht vorgekommen ist, da ich immer alles alleine machen musste."

Habt ihr bei eurem Erfolg in Deutschland schon mal daran gedacht, Finnland zu verlassen?
"Nein, nicht wirklich. Sicher wäre es manchmal praktischer, hier zu leben. Wir spielen öfter in Deutschland als zu Hause, und die größeren Business-Entscheidungen werden auch hier getroffen. Aber ich mit ganzem Herzen Finne. Ich kenne kein schöneres Land."

Auch im Winter, wenn es bei euch für höchstens zwei bis drei Stunden am Tag hell wird?
"Auch dann. Für mich ist das ganz normal. Ich bin so aufgewachsen, auch mit der Mitternachtssonne im Sommer. Diese über der gesamten Landschaft und ihrer Bevölkerung dämmernde Schwermut gehört einfach dazu."

Es gibt Leute, die behaupten, ihr wärt eine Light-Version von Type 0 Negative oder den früheren Paradise Lost. Ihr selbst nennt euren Sound "Love Metal"...
"Wir haben das Pathos und die Härte des Metal in unseren Songs, aber es geht bei uns um echte Gefühle, nicht um breitbeiniges Biersaufen oder bloßen Sex oder Gewalt. Ich empfinde unseren Sound eher als eine Art "Garbage spielt Manowar" oder besser "Depeche Mode interpretiert Black-Sabbath-Songs für einen David-Lynch-Film.""

In euren Texten geht es wirklich ausschließlich um die ganz großen, romantischen Gefühle. Allerdings handelt keiner eurer Songs von wirklichem Glück. Glaubst du denn selbst an die ewige Liebe?
"Hmm... ich weiß nicht, ob es sie wirklich geben kann. Ich bin einfach zu oft bitter enttäuscht worden. Ich bin mir aber zumindest ganz sicher, dass wir nach ihr suchen sollten. Alles andere wäre reine Zeitverschwendung!"

 

English version of "My sins" comes soon!!!

 

Meine Sünden

(Yam! 11/00)

"Gone with the sin" ist der aktuelle Hit von HIM. Mit Yam! sprach Ville über seine ganz privaten Sünden...

Geheimnisvoll, lasziv, wild - Villa Valo (24) ist der Rockstar mit der extremsten Ausstrahlung. Girls bekommen bei seinem sexy Aussehen und seiner melancholischen Stimme weiche Knie. Jung & Alt sehen ihn als Vorbild für Coolness und Styling. Im Yam!-Interview erklärt der HIM-Frontmann, wer er wirklich ist mit allen Ecken und Kanten...

Yam!: Eure aktuelle Single heißt "Gone with the sin" - deutsch: Dahingegangen in Sünde. Worum geht es in den Song?
Ville:
"Es ist ein trauriges Liebeslied über eine zerbrochen Beziehung. Sie betrügt ihn und zerstört damit ihre große Liebe. Der Song hat einen realen Hintergrund:
Eine meiner ersten Freundinnen hat mich betrogen.Das war so vor acht Jahren. Danach stand ich aus Verzweiflung monatelang total neben mir. Ich hatte dieses Girl geliebt
wie keinen anderen Menschen zuvor - und dann das: Sie steigt mit einem anderen ins Bett! Meine Welt stürzte ein!"

Im Video sieht man dich unter anderem auf einem Friedhof...
Ville:
"Das war meine Idee. Mit dem Song und dem Clip wolle ich die Beziehung endgültig beerdigen."

Wenn man deine Texte liest ist schwer vorstellbar, dass du noch an die große Liebe glaubst...
Ville:
"Natürlich glaube ich an die Liebe. Sie ist gefährlich, reizvoll und unberechenbar. Das macht sie so großartig. Und wenn sie in die Brüche geht, schreib ich einen Hit. Pervers, aber wahr!"

In "Gone with the sin" singst du von Sünde - welche Sünden hast du schon selbst begangen?
Ville:
"Wir sind ja bekannt für unseren Alkoholkonsum, überall und immer. Das ist so eine Unsitte, die in unseren finnischen Wurzeln steckt. Zwei Flaschen Rotwein gehen bei mir zum Aufwärmen drauf. Danach gibt es Jägermeister in rauhen Mengen - genau wie bei der Bloodhound Gang. Alkohol und Zigaretten sind aber unsere einzigen Drogen. Wir sind ja keine Selbstmörder!"

Was war dein peinlichstes Erlebnis bei einem Date?
Ville:
"Ich war total betrunken und kotzte ihr vor die Füße."

Kettenraucher sind also keine Selbstmörder?
Ville:
"Okay, drei Schachteln Marlboro sind schon heftig, aber ich belaste meinen Körper wenigstens nicht noch durch Sport (lacht)."

Keine Sünden im Vollrausch?
Ville:
"Doch, ich büße meistens direkt. Neulich habe ich mich besoffen in einem Hotelflur mit einem Skateboard aufs Maul gelegt.Ich hab geblutet wie ein Schwein."

Hand aufs Herz: Hat ein Sexsymbol wie du keine One-Night-Stands?
Ville:
"Ach so, das ist auch eine Sünde? Im Ernst: Ich bin auch nur ein Mann. Logisch landet da auch schon mal das eine oder andere süße Girl in meinem Bett. Aber im Gegensatz zu unserer Anfangszeit habe ich inzwischen auch schon wieder andere Hobbys als Mädchen zu vernaschen. Schließlich gibt es in meinem Leben seit einiger Zeit einen Menschen, der mir das Groupie-Abschleppen ziemlich übel nehmen würde. Im Moment hin ich zu 90 Prozent treu!"

Wie lautet deine Lebensphilosophie?
Ville:
"Live long and prosper!"

Deine Freundin Suzanna ist ein offenes Geheimnis. Wie hast du sie kennen gelernt?
Ville:
"Ich möchte ein paar Geheimnisse für mich behalten. Nur so viel: Sie ist Finnin etwas jünger als ich. Ich habe sie vor ein paar Jahren in Helsinki kennen gelernt, doch bis aus Freundschaft Liebe wurde, ist einige Zeit vergangen. Fragen nach Kindern, Heirat und so Sachen beantworte ich prinzipiell nicht. Sorry! Du musst geheimnisvoll bleiben um in diesem Business interessant zu sein."

Du giltst als Egozentriker....
Ville:
"Ich bin das große Arschloch der Band. Das ist aber auch mein gutes Recht! HIM war meine Idee - und wenn ich nicht wäre, wären die anderen vier nie über irgendwelche Kellerbands hinausgekommen. Als Teenager war ich noch viel verrückter. Damals war Elvis Presley mein Idol. Im Vergleich mit ihm, bin ich doch heute echt ein ziemlich entspannter Typ, oder?"

Gibt es etwas, das du hasst?
Ville:
"Ich habe schreckliche Höhenangst, vor allem Flugangst. Im Flugzeug besaufe ich mich meistens aus Panik so sehr, dass ich gar nicht mehr weiß, wo ich bin."

Hast du irgendwelche Aussetzer, wenn du mal schlecht drauf bist?
Ville:
"Ja, ich werde dann blöderweise grob zu Guten Freunden. Ich vergraule genau die, die mir helfen wollen."

Wie weit ist euer drittes Album?
Ville:
"Wir sind im Studio und basteln an neuen Songs. Zwölf sind schon fast fertig, überzeugen uns aber noch nicht ganz. Es wird alles ein bisschen mehr in Richtung AC/DC oder Metallica gehen. Die Veröffentlichung ist für April 2001 geplant. Dann kommen wir auch wieder nach Germany auf Tour. Stellt schon mal den Jägermeister kalt!"

 

English version of "Morrison, Bolan, Cobain, Valo" comes soon!!!

 

Morrison, Bolan, Cobain, Valo

(Zillo 02/00)


Der Mann ist blaß geschminkt und sieht auf Photos eher mitleiderregend aus. Doch die Fans lieben Ville Valo gerade für sein kränkliches Äußeres. Dass er und seine Band HIM so ganz nebenbei mit "Join Me" einen echten Hit an den Start brachten, ist seiner Karriere auch nicht eben hinderlich. Jetzt folgt das neue Album "Razorblade Romance".
Die Presse jubiliert: Der Erbe von Jim Morrison ist gefunden. Sein Name: Ville Hermanni Valo. Seine Berufung: Dem neuen Jahrtausend einen charismatischen Frontmann zu bescheren, wie es seit Kurt Cobain keinen mehr gegeben hat. Weshalb seine Entdeckung nun aber so überaus wichtig ist, darüber scheiden sich momentan noch die Geister. Die einen behaupten, die Rockszene brauche Idole mit einer starken Ausstrahlung, brauche jemanden, mit dem sich die Jugend identifizieren kann. Besonders jetzt, im Zeitalter von Rechtsradikalismus, Hooligans, von sinnlosen Kriegen um fruchtloses Land, von Crack, Koks und Kondommüdigkeit. Denn wer - bitteschön - könne die Jugend auf dem rechten Weg halten? Die Politiker? Ha! Die zeigen der nachwachsenden Generation höchstens, wie man es nicht machen sollte. Lernen kann man bei den Clintons, Kohls, Jelzins, und Husseins dieser Welt höchstens die negativen Auswüchse von Macht, von Selbstgerechtigkeit, Vetternwirtschaft und Schweine-lgeleien. Und (fast schon im positivsten Fall) welch obszöne Dinge sich mit einer Zigarre noch anrichten lassen, außer der Möglichkeit sie zu rauchen. Da müsse nun also die Jugend ihre Heroen eben aus den eigenen Kreisen rekrutieren, und sich nicht auf saturierte alte Männer verlassen, deren einziger Lebensinhalt in profanem Machterhalt besteht. Andere sagen, Valo sei deswegen ein Geschenk des Himmels, weil die gesamte internationale Musikszene seit der abgeebbten Grunge-Welle auf dem Zahnfleisch ginge. Sinkende Verkaufszahlen, rückläufiges Interesse an Konzerten. Die Unterhaltungsindustrie ist ratlos. Und stürzt sich deshalb auf alles, was nur ein Fünkchen von Hoffnung auf baldige Besserung bringt. Und da kam ihnen allen Valo natürlich gerade recht.

Nur - der weiß momentan noch gar nicht so genau, was da alles um ihn herum passiert. Vielleicht ist es gut so - und gesundheitlich sogar vonnöten - dass Valo sich zur Zeit noch mehr Gedanken darüber macht, wie er seine kleine Kapelle im Fahrtstrom hält. Und das ist nach den Umbesetzungen der vergangenen Monate gar nicht so leicht. Der bisherige Schlagzeuger mußte quasi gefeuert werden, der angestammte Keyboarder gleich hinterher (oder war's umgekehrt?). Er sei "...ein bischen enttäuscht, denn bisher waren HIM wie eine Familie", leidet Valo, um jedoch sofort wieder seinen gierigen Blick auf eine vielversprechende Zukunft zu bekommen. Er sagt: "Aber es ist wie bei Freundschaften: Man muss loslassen können. Ich will doch nicht meine Karriere ruinieren, nur weil einige Leute zu faul sind, um die entsprechenden Schritte einzuleiten. Außerdem: Unser neuer Drummer und der neue Keyboarder passen hervorragend in die Band."

Er spricht von Gas Lipstick, einem Landsmann Valos, und vor seiner Ernennung zum Weggefährten des neuen Rockidols bei der verblichenen Rockformation Kyyria unter Brot und Wasser. Bei dem neuen Tastendrücker handelt es sich um einen gewissen Juska, der irgendwie aber nicht weiter in Erscheinung tritt und auf dem Albumcover komplett totgeschwiegen wird. Faul sind sie also gewesen, und nicht richtig bei der Sache, die Geschassten. Das kann man sich natürlich kaum erlauben, wenn man mit seinem Debütalbum "Greatest Lovesongs Vol. 666" wie ein Geschenk des Himmels, wie die musikalische Offenbarung für das nächste Jahrtausend behandelt wird. Dann nämlich, wenn Bravo und VIVA, wenn MTV, der WDR und alle teutonischen Radiostationen nun glauben, hier sei man auf etwas Begnadetes gestoßen.

"Greatest Lovesongs Vol. 666" war in der Tat ein besonders gelungenes Opus an der Schnittstelle von Gothic und Rock, von trendy Dunkelmann Musik und traditionellen Arrangements. Poetisch außergewöhnlich Berufene fabulierten sogar etwas von "Düsterrock mit PopAppeal". Auch wenn sich ein nicht eben geringer Teil der Begeisterung auf einen Song focussierte, der gar nicht aus der Feder von Valo stammte: "Wicked Game", jener Hit, mit dem einst der schmachtende Chris Isaak die Weiberherzen gleich tausendfach schmelzen ließ. "Wicked Game" war wichtig für HIM, trug dazu bei, dass die Band dorthin katapultiert wurde, wo sie eigentlich noch gar nicht hingehörte. Auf die Bühne, nämlich. Allerdings, bühnenerfahren oder gar sturmerprobt war die Erstbesetzung in keiner Weise. Wie auch? "Die Wahrheit ist: HIM haben vor dem ersten Album nie getourt", gesteht Valo eventuelle Versäumnisse ein. Doch wer hatte schon erwartet, dass dieses kleine, eher unscheinbare Silberscheibchen für derartig euphorische Reaktionen sorgen würde. HIM jedenfalls waren gänzlich unvorbereitet. "Dementsprechend war die erste Tournee, die wir nach unserem Debütalbum machten, die erste Zerreißprobe für die Band. Der Erfolg des Albums und die Tour änderte die komplette Chemie innerhalb der Truppe. Auf einmal wurde für alle notwendig, sich weit mehr und weitaus zeitintensiver als bisher für die Band zu engagieren. Dadurch stießen einige Bandmitglieder an die Grenzen des für sie Machbaren, und darüber hinaus. Wir mussten also handeln, um den zweiten Schritt überhaupt realisieren zu können."

Die Evolution der Bandgeschichte also innerhalb weniger Wochen. Was einst die Bandmitglieder zusammengeschweißt hatte, trennte sie nun barsch voneinander: Die Aussicht auf Erfolg und die damit verbundenen Mühseligkeiten des ganzen Drumherums. "Wir alle hatten vorher Day Jobs." Auf deutsch (bzw. finnisch): HIM versuchten, beim Spagat zwischen Broterwerb und Musikerdasein die goldenen Mitte zu treffen. Wer dann noch auf die nun aber wirklich abstruse Idee kam, er wolle irgendwie und so'n bisschen wenigstens mal zwischendurch und vielleicht zumindest am Wochenende ganz kurz und knapp Familie haben (was???), der konnte dem Marschtempo der Musikindustrie nicht mehr standhalten. Also raus mit ihm. Dabei hatten sie doch alle nicht mit einem solchen Boom gerechnet, der durch "Greatest Lovesongs" ausgelost wurde. Unbedarftheit als Impulsgeber, Naivität als Grundlage für erfrischend vitale Songideen. Valo: "Wir produzierten einfach ein Album, und hofften darauf, dass es einigen Leuten gefällt. Von der Reaktion der Fans, vor allem von dem Zuspruch in Deutschland waren wir völlig überrascht. Natürlich hatten wir insgeheim Ziele, aber als sie plötzlich erreichbar wurden, änderte sich das gesamte Leben." Und damit die Ansprüche, sowohl die eigenen als auch diejenigen die von außen an die Band herangetragen wurden.

Die Rückkehr in den Proberaum, die weiteren Arbeiten an neuem Material erwiesen sich als ähnlich problematisch, wie die Erfahrungen auf Tournee. Und das, obwohl HIM hinsichtlich neuer Kompositionen eigentlich ziemlich gut vorbereitet waren. Seit über einem Jahr hatten Valo & Kollegen bereits geschrieben, arrangiert, geändert, verbessert. Dadurch war die Band in der Lage, einige der neuen Songs sogar schon beim Publikum zu testen. Optimale Voraussetzungen also, um gleich mit hochgekrempelten Ärmeln an die Arbeiten zum zweiten Album zu gehen. Man setzte bewusst auf die bewährten Mittel, verpflichtete Debütalbum-Produzent Hilli, buchte die Finnvox Studios in Helsinki - und erlitt postwendend eine Bruchlandung! Für den nächsten großen Schritt reichten die Aufnahmen bei weitem nicht. Die Plattenfirma nörgelte, das Management schüttelte ablehnend mit dem Kopf, und auch die Musiker selbst waren nicht restlos von der Qualität der Produktion überzeugt, "obwohl," so Valo, "ich dazu sagen muss, dass einige der Aufnahmen auch nur als Demoversionen gedacht waren. Aber zugegeben, das Material klang nicht so, wie es hätte klingen sollen. Unser Schlagzeuger hatte nie Zeit zum Proben, und darunter litten letztendlich die Aufnahmen. Oh Mann, wenn ich daran denke: Wir waren auf dem direkten Wege, uns aufzulösen." Nun mal langsam mit den Pferden. So schnell löst man sich nicht auf! Da haben andere immerhin noch ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Denn wer gleich mit dem Erstwerk schwarze Zahlen geschrieben hat, wer also aus dem Stand seinen Brötchengebern ein Vielfaches des eingesetzten Kapitals beschert, der darf nicht einfach mir nichts dir nichts den Laden zumachen, bloß weil nicht alles auf Anhieb glatt läuft. Hier nun ist das Kämpferherz gefragt, und eine kritische Distanz zur eigenen Kunst. Valo scheint hierfür der Richtige zu sein. Seine Fehleranalyse: "Viele Arrangements waren einfach zu lang, außerdem der Gesamtsound zu poppig, nicht rockig genug. Doch nach den ersten Aufnahmen gingen wir zum Glück auf Tournee. Dadurch wurden wir weitaus selbstbewusster. Als wir wieder nach Hause kamen, waren wir so voller Energie, dass wir gleich entschieden, die Stücke noch einmal aufzunehmen. Und diesmal richtig."
Richtig, das heißt: Nicht in Helsinki, nicht mit Hilli, sondern westwärts von Finnland, auf der grünen Insel, in Wales mit John Fryer. Der Mann ist beileibe kein Unbekannter. Seine Reputation ist glänzend, seine Credits reichen von Depeche Mode über Trent Reznor aka, Nine Inch Nails bis hin zu Metalacts vom Schlage White Zombie. Was Fryer in die Hand nimmt, wird etwas. "John hört die Demos und hatte sofort Ideen, wie man dem Material zum entsprechenden Sound verhelfen könnte. Er fing gar nicht erst an, über die Arrangements zu diskutieren, oder sie sogar ändern zu wollen. Er konzentrierte sich einfach darauf, die richtige Stimmung für den jeweiligen Sound herauszufinden und dann studiotechnisch umzusetzen. Er orientierte sich an unserem Livesound, sein Ziel war es, der natürlichen Atmosphäre unserer Kompositionen möglichst nahe zu kommen. Und das machte er mit unglaublicher Ruhe und Gelassenheit. Mit ihm zu arbeiten war unbeschreiblich entspannt. Ich denke, John ist ein wirklich guter Psychologe, der auf die Bedürfnisse einer Band eingehen kann." So ist das mit den jungen Pferden: Kaum sind sie auf der Koppel, schon brauchen sie jemanden, der ihnen gut zuspricht. Fryer war also das perfekte Allheilmittel für die gesundheitlich angeschlagenen Gothic-Rock-Hymnen? "Ja, und vor allem arbeiteten wir im richtigen Studio. Im Rockhouse-Studio in Wales haben ja auch schon Black Sabbath aufgenommen. Und von denen sind wir alle riesige Fans. Außerdem konnten wir deutlich konzentrierter arbeiten, da wir im Rockhouse auch gewohnt haben. Wenn man jeden Äbend nach Hause in sein eigenes Bett geht, verliert man immer ein wenig den Bezug zur Produktion."
Der scheint auf dem neuen Album "Razorblade Romance" jedoch besonders eng ausgefallen zu sein, denn in ersten Reaktionen spricht die Presse bereits von musikalischen Weiterentwicklungen, einem stilistischen Reifungsprozeß und größeren technischen Feinheiten. Das ist um so erstaunlicher, da die Medien ein ähnliches Vokabular schon beim Debütwerk anschlugen, ihre Jubelarien aber dennoch nicht zum Anlass nahmen, dem zweiten Album eine Bedeutung zuzumessen, das es gar nicht haben kann. Valo sieht das Ganze auch eher realistisch, weiß, dass "Razorblade Romance" kein Erdrutsch-Werk geworden ist, sehr wohl aber ein zum Erstling konkurrenzfähiger Nachfolger. Und das ist ja auch nicht schlecht, oder? Er spricht davon, dass das neue Material "heavy as hell" sei. Nun ja, wer weiß auch schon, wie heavy die Hölle wirklich ist? Legt man derbe Metaltunes zugrunde, so ist "Razorblade Romance" eher ein Fliegengewicht. Bedenkt man jedoch, dass Macher und Manager den weiteren Weg der HIM-Hymnen eher im Radio und bei VIVA sehen, so besitzt das Album in der Tat eine überraschende Schärfe. Valo sagt weiter, er halte die neuen Songs für "very romantic". Auch hier die Frage: Nach welchen Kriterien wurde gemessen? Couch und Kerzenlicht? Quicky im Wald? Tiefe Blicke bei Wein und französischer nouvelle cuisine? Aber bleiben wir fair: Für die anvisierte Zielgruppe klingen Songs wie "I Love You", "Right Here In My Arms", "Bury Me Deep In Your Heart" oder "Heaven Tonight" tatsächlich anheimelnd, schmachtend, und wie die Gothic gewordenen Varianten zu "Light My Fire" oder "Love Me Two Times". Valo philosophiert weiter: Er halte "Razorblade Romance" für "pretty melodic". Kein Widerspruch. Punkt. In wieweit es sich bei diesem Album aber tatsächlich um den von Valo genannten "touch of gothic magic" handelt, müssen andere beurteilen. Magie ist etwas, das in Kopf und Bauch entsteht, und das sich mit rationalen Erklärungen nicht fassen lässt und dazu gehört auch das passende Image, das Aussehen, Habitus und Zeitgeist. Dem hat Valo schon mal Rechnung getragen, in dem er seine Frisur auf Halbmaß gestutzt, und sie mit allerlei Wässerchen sowie vereinzelten Lockenwicklern in hippe Position gebracht hat. Zusätzlich hat er sich offensichtlich an Photos von Marc Bolan respektive T. Rex erinnert, zeigt neuerdings Bauchnabel, schmale Hühnerbrust und einen betont lasziven Augenaufschlag. Noch scheint er sich nicht ganz einig mit seinen Förderern zu sein, in welche Ära die Sache stimmungs- bzw. imagemäßig gehen soll. Die rebellischen Sixties, in denen James Dean seinen Freiheitsdrang filmisch ausleben durfte, und in denen Jim Morrison als Frontmann der Doors zum Sexsymbol par excellence aufstieg? Ober aber die Glam-Ära adaptierend, nur knappe fünf Jahre später, als die roaring seventies mit Glitzer und Pomp, mit rosa Hemdchen, Plateauschuhen und Federboa die Lust an extrovertierter Selbstdarstellung förderte? Ziggy Stardust 2000? Valo scheint's egal, solange der Erfolg stimmt. Und der bekam durch die überraschende Berücksichtigung des Songs "Join Me" im Roland Emmerich-Streifen "The 13th Floor" einen fast katalysatorhaften Schubs von hinten. Seitdem dudelt nicht nur das deutsche Teenyvielquatschundwenigbrauchbaremucke-Fernsehen mehrmals täglich "Join Me", sondern gehört der Song mittlerweile auch zum guten Ton aller ansonsten mächtig viel Quark verzapfender Radiosender.

Vor Monaten dröhnte einem aus jedem Rundfunkempfänger Liquidos "Narcotic" entgegen, nicht allzu viel später durfte man sich allenthalben über die Plüschohren von Bloodhound Gang freuen, jetzt scheinen also HIM an der Reihe zu sein, den Gang durch alle medialen Instanzen anzutreten. "Wir hatten von Roland Emmerich und seinem neuen Film gehört, und dass er auf der Suche nach einem geeigneten Soundtrack sei. Als dann eines Tages die Filmcompany Kontakt zu unserer Plattenfirma aufnahm, wurde die Sache konkret. Wir besaßen allerdings nicht mehr genügend Zeit, um einen Song extra für diesen Film zu komponieren. Also griffen wir auf ein bereits fertiges Stück zurück, und das scheint offensichtlich perfekt zu passen." Von Größenwahn ist Valo gottlob noch nicht befallen, hält das Zusammentreffen von "Join Me" und "The 13th Floor" nicht etwa für ein Zeichen Gottes, für Fügung oder gar das gerechte Schicksal einer begnadeten Band. Er weiß, dass der Schlüssel allen Erfolges - wie auch in diesem Fall: - auf der Grundlage des "meet the right people at the right moment" basiert. "Es war Glück, Zufall, oder wie immer man es nennen will.
Jetzt aber, da man diese Chance erhalten hat, darf man sich natürlich nicht mehr auf Zufälle verlassen sondern aktiv am weiteren Verlauf der Geschichte arbeiten." Und dies geht auch weiterhin in erster Linie über die Konzertschiene. "Wir versuchen es Schritt für Schritt. Zuerst waren wir nur in Finnland bekannt, dann kam Deutschland hinzu, und jetzt haben wir sogar eine europaweite Chance." Da heißt es, sich den Songs entsprechend möglichst atmosphärisch zu präsentieren. Valo weiß genau, wo er ansetzen muß. Er erklärt klar und deutlich: "Unser Lichtmischer ist das sechste Bandmitglied. Er arbeitet schon seit dem Beginn unserer Karriere für HIM, er weiß wie er uns in Szene zu setzen hat. Wir brauchen viel Nebel auf der Bühne, bevorzugen dunkles Licht, und orientieren uns an den Stimmungen, die man bei Gothic-Bands erlebt. Wir wollen die Leute gut unterhalten." Hier nun unterscheidet er sich krass von Cobain, der wütend das Gegenteil fordert: "Here we are now, entertain us." So war das während der Grunge-Ara, die Typen wollten unterhalten werden, anstatt von sich aus den Sinn ihres Instrumentenspektakels zu begreifen. "Here we are now, entertain us", nein, ein solcher Flegel ist Valo mitnichten. Fast sogar schon eine Spur zu brav, zu down to earth. Die ganz großen, charismatischen Persönlichkeiten der Musikgeschichte hatten stets auch immer irgendwelche ausgeprägten Macken, oder zumindest - übrigens besonders medienwirksam - suizidale Neigungen. Man bangte um sie, man belustigte sich über sie, man fand sie zum Kotzen, zum Anspeien, zum Niederbuhen, zum Küssen. Aber man fand sie nie belanglos. Bleibt also abschließend die Frage: Quo vadis, Valo? Wird er Rebell oder Schmusekater? Morrison, Bolan, Cobain oder der Patrick Lindner der DarkWave-Generation?
Das Beste, was Ville Hermanni Valo passieren könnte, wäre, dass er sich treu bleibt. Nicht ganz einfach, mit einem Dauersendeplatz auf VIVA und MTV. Wie sagte er (hoffentlich zukunftsweisend) über die neuen Qualitäten, die HIM auf ihrer komrnenden Tournee unter Beweis stellen wollen. "Alles ist jetzt natürlicher, hat mehr mit uns zu tun, ist enger am Album, enger an den Grundgedanken unserer Songs. Kurzum: Everything is more personal." Hauptsache nicht - frei nach Depeche Mode - personal Jesus!

 

English version of "Ville beside Mola - HIM gets Viva Comet" comes soon!!!

 

Ville neben Mola - HIM erhalten Viva Comet
(Sonic Seducer)


Streß, Streß, Streß. Das Leben eines Rockstars ist wirklich nicht gerade leicht. Da bekommt Ville Valo mit Anhang, also HIM, die Auszeichnung der "Comet"-Verleihung - diesmal auf der Hannoveraner Expo und nicht bei der PopKomm - und ist zwischen Tür und Angel (sprich Veranstaltung, Präsentation und After Show Party) schnell noch für ein kurzes Interview zu haben. Immerhin gibt es doch ein paar News, die es wert sind, vom finnischen Mädchenschwarm selbst kommentiert zu werden.

Vom Underground zum Allerweltsdarling ist der Schritt nun offenbar nicht mehr allzu groß, stellt man sich die Hektik vor, die diesem Tag zugrunde liegt. Aber, wie so oft, muß man sich fragen, wie lange dieser Ruhm auch anhält. HIM teilen sich ihre Chart-Positionen und somit auch den "Comet" von Viva (!) mit Nichtmusikern, die nur Barbiepuppen ihrer cleveren Hintermänner sind, und müssen sich natürlich bewusst sein, analog zu deren kurzer "15 minutes of fame"-Phase von ebenfalls kurzlebigen Fans gehandelt zu werden. Also spielt man das Spielchen mit, denn um Top zu bleiben, muß man auch mit den Wölfen, den "Top of the pops" heulen:

Sonic: Wie stehst du zu Veranstaltungen wie der "Comet"-Verleihung?
Ville: "Normalerweise würde ich sagen: ein Haufen Wichser (das englische Wort "wankers" ist - analog zu "fuck" - im Alltag etwas milder gebraucht als das deutsche Pendant; Anm. d. Verf.). Aber man macht das mit, weil es dazu gehört und weil sich dadurch die Chance ergibt, dass man Menschen, die man niemals erreicht hätte, plötzlich auch für seine Person und für seine Musik einnehmen kann. Dafür lohnt sich der ganze heuchlerische Kram schon wieder."

Das klingt nun wirklich sehr gestresst. Dabei dachte ich noch unlängst, was der gute Finne eigentlich will - die Girls liegen ihm zu Füßen, sein Antlitz ziert sämtliche Titelseiten, die CDs verkaufen sich wie blöd - und dann heult er in "Join me" was von "this life ain't worth living"?! Aber unterschätzen wir diesen Mann nicht. Melancholie und Querdenkerei waren schon jeher Kennzeichen vieler erfolgreicher Musiker und Künstler - insbesondere bei große (auch kommerzieller) Popularität. Und so muß man auch die nächsten Statements des Finnen verstehen:

Sonic: Dieses Leben erscheint nicht lebenswert. Ein merkwürdiger Satz für ein Leben, das neben der Musik auch aus vielen Parties besteht. Nachher gehst du auf die After Show Party, triffst viele Prominente (vor allem den tollen Moderator Mola Adebisi), mit Sicherheit auch viele Groupies...
Ville: "Oh, nein, Himmel, ich bin froh, wenn es vorbei ist. Das ist alles überhaupt nicht mehr mein Ding. Eine große Wichserei in meinen Augen, die ich mit dem Gedanken an unser ruhiges Hotel mitmache. Dann gehe ich in einen nahegelegen Irish Pub, relaxe und spiele Pool Billard."

Sonic: Also ein bißchen alternativ mit Irish Beer & Musik feiern?
Ville: "Auch das ist es nicht. Ich spiele einfach nur gerne Pool."

Sonic: Als du eben andeutetest, dass ein Teil des Showbiz dich anwidert, muss ich daran denken, dass du mal bei der Teenie-Sendung "Top of the pops" warst. Dein Gesichtsausdruck hat ungefähr die Statements von eben widergespiegelt.
Ville: "Naja, ab einem bestimmten Level muss man eben jeden Mist mitmachen - es dient der heute absolut notwendigen Vermarktung. Aber einiges davon ist auch Routine und anderen macht wiederum richtig Spaß."

Sonic: Mal hypothetisch gefragt: Wenn der Ruhm nun schlagartig vorbei wäre mit HIM, oder auch niemals so groß geworden wäre - was würdest du dann machen?
Ville: "Dann wäre ich der typische Musiker in einer Garagenband. Underground bleibt Underground."

Sonic: Und wenn du mit Musik nun überhaupt nichts zu tun hättest, was würdest du dann machen?
Ville: "Mich um das Geschäft meines Vaters kümmern, vielleicht. Aber das kann ich wirklich nicht beantworten, weil ich kein Mensch bin, der im "was wäre, wenn..." denkt. Ich kümmere mich ausschließlich um das, was jetzt gerade ist."

Sonic: Eine gute Überleitung - ihr habt gerade neues Material als Demos eingespielt.
Ville: "Ja, Rohfassungen von ganz neuen Songs, die, wenn alles gut geht, bald ihren letzten Schliff bekommen, so dass wir im Frühjahr dann das neue Album veröffentlichen können. Es wird so aussehen, dass wir uns natürlicher und organischer anhören. Etwas weg von dem geleckten Produzentenschinckschnack, dafür einen Hauch mehr Led Zeppelin. So würde ich sagen. Der Drahtseilakt zwischen Rock und Pop wird weiterhin bestehen, nur in der schon angedeuteten, lebendigeren, etwas rauheren Art und Weise. So, wie wir uns vom ersten zum zweiten Album hin entwickelt haben, so wird auch der Unterschied zur kommenden CD werden - schleichend, aber vorhanden."

Sonic: Ein Video ist auch gerade entstanden?
Ville: "Das Video befindet sich derzeit in der Postproduktion - es wird im November zu sehen sein. Vielleicht schon etwas früher, dann müsste aber alles sehr glatt laufen. Der Titel ist die neue Single "Gone with the sin", die dann ebenfalls herauskommen müsste. Das Album ist im Frühling 2001 geplant, passend zu den ersten Festivals des Jahres. Und dann wird auch direkt eine Tour folgen."

Streß, Streß, Streß - da haben wir es wieder. Und entsprechend seines offentsichtlich engen Terminkalenders rasselt Ville auch die knappen, nackten Facts aufgrund der Hektik des Gesprächs herunter. Weiter gehts mit diesem Pingpong.

Sonic: Ihr habt auch eine Cover-Version gemacht?
Ville: "Ja, von Turbonegro. Klingt ein bißchen so, als ob Alfred Hitchcocks Soundtracks durch das Steinzeitalter gejagt würden. Hat unglaublichen Spaß gemacht und ich denke, die Turbonegro Fangemeinde wird diesen Song lieben, zumindest zu schätzen wissen."

Sonic: Da du gleich auf einem Promi-Treffen sein wirst: Gibt es wieder Projekte aus dem Filmbereich, Angebote zu Soundtracks und ähnliches? Vielleicht noch ein Paar geheime Details aus deinem Privatleben?
Ville: "Da ist zur Zeit noch nichts in Sicht, was Film betrifft. Aber mal sehen, vielleicht ergibt sich ja wirklich was, obwohl wir nun nicht gerade auf der Suche sind. Und mein Privatleben - nun, ich bin endlich aus der Notwendigkeit heraus, dieses offenbaren zu müssen. Und so möchte ich es auch halten."

Sonic: Dann Kopf hoch für die Promi-Wichserei und viel Spaß beim Pool.

Streß, Streß, Streß...

 

English version of "Finland Festival" comes soon!!!

 

Finnland Festival


(Top of the pops 2000)


Endlos lange Straßen. Die Landschaft rast vorbei. Ein immer gleiches Bild: Wiesen, Seen und Weite. Hinweisschilder gebieten Obacht, weil Elche den Straßenverkehr kreuzen könnten. Kaum zu glauben, dass in weniger als 24 Stunden in Seinäjoki, unserem Zielort 300 Kilometer nördlich von Helsinki, der Teufel los ein wird. Him rocken als Headliner bei einem der größten finnischen Festivals: des Provinssirock 2000.

Ein wahres Heimspiel für HIM, dennoch herrscht Nervosität. "Das hier ist das zweitgrößte Festival in Finnland. Wir sind allerdings der erste nationale act, der hier headliner ist", erklärt Bassist Migé.
"Außerdem haben wir alle unsere Freunde hier. Das ist toll, aber verstärkt auch ein bisschen die Nervosität", setzt Ville nach. Bereits am Freitag sind die Jungs von HIM mit Sack und Pack nach Seinäjoki gereist, um im Kreise ihrer Lieben das Festival genießen zu können. Alle wollten unbedingt "Queens Of The Stone Age" sehen. Die anschließende Party im Hotel steht heute, am Samstag beim Soundcheck, noch allen Bandmitgliedern ins Gesicht geschrjieben. Einer fehlt - Frontmann Ville.
Später beim Interview, erklärt der sichtlich ausgeschlafene Ville "Wenn der Soundcheck um elf Uhr morgens ist, lasse ich ihn schon mal sausen. Ich weiß ja, wie's geht und ich brauche meinen Schlaf." Aha! Wie lang schläft denn der Maestro? Ville: "Heute bis 13.30 Uhr. Manchmal auch länger. Aber an Konzerttagen muss ich meine Stimme schonen."
Bei dem Pensum, das HIM hinter sich haben, ist Ausschlafen wichtiger denn je: Seit dem Mega-Hit "Join Me" ist die Band ständig unterwegs. Ob es die anderen Bandmitglieder nervt, dass sich die ganze Aufmerksamkeit auf Ville konzentriert? "Nun, Migé ist genervt, weil alle denken, dass ihn die Situation nervt. Viele Leute haben einfach Geschichten erfunden, geschrieben ich sei dies und jenes. Aber die Band kennt die Wahrheit, das sind Freunde von mir seit wir Kinder waren. Es ist eigentlich ganz einfach. Alles was bei uns zählt, ist die Musik. Und normalerweise wollen die Menschen mit den Personen reden, die für die Musik verantwortlich sind. Aber jetzt werden wir demokratischer in dieser Hinsicht", erklärt Ville. Migé und Keyboarder Jussi nehmen Ville von Zeit zu Zeit Interviewtermine ab.
Außerdem habe jeder in der Band seine Rolle. "Migé ist der Komödiant, er reisst einen Witz nach dem anderen. Er ist mein bester Freund, ich kenne ihn seit ich acht bin. Er ist ein toller Kerl. Ich bin das ernste Arschloch, der Diktator - nein. Ich bin der Typ, der hinter der Musik steht", bekennt Ville. "Unser Gitarrist Linde ist das Partytier - du solltest ihn mal feiern sehen! Andererseits ist er ziemlich leise. Er ist einer der besten Gitarristen, die ich kenne".
Moment mal, da fehlen doch noch zwei - Jussi und Drummer Gas. Ville: "Das ist schwer, die anderen beiden sind erst seit eineinhalb Jahren in der Band. Wenn du die ganze Zeit nur im Bus unterwegs bist, soviel Zeit miteinander verbringst, da muss ein Blick reichen, um zu wissen, was der andere fühlt. Die Chemie muss stimmen. Aber da die Jungs noch nicht solange dabei sind, haben wir noch keine bestimmten Rollen für sie. Migé, Linde und ich kennen uns seit 15 Jahren. Und es ist ziemlich schwer, in dieses Bermudadreieck - wie wir es nennen - reinzukommen." Trotz alledem, gerade die letzten sechs Monate haben die Band enger zusammengeschweißt. "Das merkt man schon", sagt Ville, "die Familie ist deutlich enger zusammengewachsen. Die Band hat jetzt so viel zusammen erlebt, das verbindet."
Das sieht man spätestens beim Gig vor 40 000 begeisterten Finnen. Mit elf Songs und drei Zugaben mischen HIM ihre Fans so richtig auf, bevor sie sich mit der Rockversion des Backstreet Boys Hit "Larger Than Life" verabschieden. Na dann, bis zum nächsten Mal...

 

English version of "HIM - No Rockstar costoms, but 100 % charism" comes soon!!!

 

HIM - Null Rockstar- Allüren, aber 100 % Charisma


Als erstes möchten wir uns - hier an dieser Stelle - bei der Silke bedanken, die dafür gesorgt hat, dass wir für euch diesen Bericht überhaupt machen konnten. Ganz im Speziellen für ihre Engelsgeduld, da wir doch sehr ausführlich filmen durften, mehr als das normalerweise vielleicht der Fall gewesen wäre. Und natürlich auch bei Ville Valo selbst, der sich im Laufe des nun schon zweiten Interviews (Das aktuelle könnt ihr auf unserer Movie - Site sehen! Anm.d. Verf.), als ein sehr kritischer und humorvoller Zeitgenosse entpuppte. Kritisch deshalb, weil er zu den gängigen Rockstar - Trademarks ein doch recht gespaltenes Verhältnis hat, zum einen ist er ein Fan von tollen Rock-Shows und Klassikern wie Kiss, zum anderen unterstrich er im Laufe des Interviews doch sehr deutlich, das Rockstars im Grunde nur eingebildete Egozentriker seien, er aber mit diesem Etikett herzlich wenig anfangen könne (Aber davon überzeugt ihr euch besten selbst.). Charismatisch ist Ville Valo nicht nur auf der Bühne, denn dort ist er meistens dann doch ganz der "Macher", der genau zu wissen scheint, wie man dem Publikum einheizt, sondern auch in einem Interview, denn dort war er u.a. sehr selbstkritisch. Warum ich das jetzt so deutlich betone? Nun, dieses Mal hatten wir auch einmal einen sehr großen Fan von HIM während des Interviews mit dabei, die ihren Star auch mal von einer ganz anderen Seite kennenlernen konnte.

Die Stimmung hinter den Kulissen war, bis auf den Interview - Streß (Ville Valo gab bis kurz vor Konzert - Beginn am laufenden Band Interviews!) eher relaxter Natur. Was allerdings schon vor Konzert - Start im Bereich vor der Bühne los war, konnte man zwar nicht zur Gänze mit den Verhältnissen eines Backstreet Boys Konzerts vergleichen, hatte aber doch teils ähnliche Dimensionen. Noch bevor überhaupt die Vorgruppe gespielt hatte, wurden schon die ersten, total erschöpften Mädels von den Ordnern aus dem Pulk gezogen. Als es dann endlich losging, öffnete erst einmal der Himmel seine Pforten, um die HIM - Fans mit einem deftigen Regenguß zu segnen. Dieser fiel allerdings nicht weiter ins Gewicht, da der Bereich vor der Bühne überdacht war.

Die Stimmung hinter den Kulissen war, bis auf den Interview - Streß (Ville Valo gab bis kurz vor Konzert - Beginn am laufenden Band Interviews!) eher relaxter Natur. Was allerdings schon vor Konzert - Start im Bereich vor der Bühne los war, konnte man zwar nicht zur Gänze mit den Verhältnissen eines Backstreet Boys Konzerts vergleichen, hatte aber doch teils ähnliche Dimensionen. Noch bevor überhaupt die Vorgruppe gespielt hatte, wurden schon die ersten, total erschöpften Mädels von den Ordnern aus dem Pulk gezogen. Als es dann endlich losging, öffnete erst einmal der Himmel seine Pforten, um die HIM - Fans mit einem deftigen Regenguß zu segnen. Dieser fiel allerdings nicht weiter ins Gewicht, da der Bereich vor der Bühne überdacht war.

HIM machten ca. eine halbe Stunde später richtig Dampf. Unter viel Gekreische und Gejohle, betraten die Finnen die Bühne und zeigten von der ersten Minute an, wo's lang geht. Mit gewohnter Lässigkeit rauchte Herr Valo eine Zigarette nach der anderen, zudem kommt noch der Fakt, dass ich noch nie jemanden gesehen habe, der wie Ville Valo in der Lage ist, ohne einen Arsch in der Hose zu haben, trotzdem elegant mit den Hüften zu wackeln (schmunzel...). Ganz besonders beeindruckend und energiegeladen war allerdings auch die Bühnenpräsenz der anderen Bandmitglieder. Gas Lipstick (dr.) spielte nicht nur punktgenau seine Parts, sondern war geradezu ein Paradebeispiel an Spiellaune und Energie. Etwas zurückhaltend dagegen Keyboarder Zoltan Pluto , was aber nicht weiter schlimm war, denn Basser Migé Amour und Lily Lazor (git.) standen ihrem Frontmann in Sachen Souveränität in nichts nach.

Das HIM live ´ne ganze Ecke mehr Gas geben, dürfte ja mittlerweile kein Geheimnis mehr sein, trotzdem ist es immer wieder eine wahre Wonne, das ein oder andere verdutzte Gesicht in den ersten Reihen zu sehen, wenn es so richtig zur Sache geht... Ich will jetzt nicht auf jeden Song im Einzelnen zu sprechen kommen, das wäre langweilig und würde den Rahmen dieses Berichts auch sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es fehlte kein Hit. "Poison Girl" wurde vom Publikum lauthals mitgesungen, "Your sweet six six six" kam stampfend durch die Boxen und irgendwann flogen dann auch die ersten Plüschherzen auf die Bühne. Bei der zweiten Zugabe spielte HIM dann auch endlich den Song, den ich unbedingt hören wollte, nämlich das Chris Isaac - Cover "Wicked Game".

Jau, das war es, was ich brauchte! Fett, fett kann ich nur sagen! Doch es wurde noch besser! Irgendwann im Laufe der zweiten Zugabe machte Herr Valo die Ansage: "We changed from Beck´s to Miller, so now it´s time for Rock´n Roll! " Und der kam dann auch in Reinkultur, mit der Coverversion des Billy Idol - Klassikers "Rebel Yell". Zum Schluß gab´s dann noch ein fettes Black Sabbath Cover, bei dem Ville von Basser Migé auf die Schultern genommen wurde, Herr Valo aber den Bass weiter bediente. Kurz darauf lieferten sich Ville und Lily Lazer ein Fechtduell mit Gitarre und Bass, während sich Migé daranmachte, das Schlagzeug zu ramponieren. Wenn mir jetzt noch mal einer erzählen sollte, HIM wären eine schwuchtelige Teenie - Combo, der sollte sich besser mal ´ne Show der Finnen einverleiben.

 

 

English version of "The heritage of Jim Morrison" comes soon!!!

 

Jim Morrisons Erbe

(Music News, 02/00)

Wenn er auf die Bühne kommt, dunkles T-Shirt, schwarze Hose, der linke Arm pendelt frei, mit der Hand balanciert er anmutig eine Rotweinflasche, in der Rechten hält er eine Zigarette, wirkt er auf den ersten Blick wie die Reinkarnation des blutjungen Jim Morrison. Dieselbe Diabolik, die Augen düster umrandet, sensible Lippen, Haarsträhnen, die über die Stirn fallen. Ville Hermanni Valo aus Helsinki, Finnland, hat Charisma. Und nicht nur das: Sein Talent machte ihn praktisch über Nacht zum neuen Shootingstar des Rock, zur düsteren Ikone des neuen Jahrtausends. Was Filme wie 'Sixth Sense', 'Matrix' oder 'Die Neun Pforten' optisch dokumentieren, bringt Ville Valo mit seiner Band HIM - "His Infernal Majesty" - musikalisch ein: Die Sinnfrage des Menschen an der Schwelle zum Jahrhundert der virtuellen Visionen.
Nicht umsonst wählte er für sein Debütalbum den Titel "Greatest Lovesongs Vol. 666". Die magische Zahlenfolge 666 symbolisiert in der Mystik die Nähe von Liebe und Tod.
Mit den Lovesongs 666 öffnete Ville die Tür zum Erfolg. Eine perfekte Synthese aus düsteren Klängen und eingängigen Melodien. "Durch die ersten Erfolge", sagt er heute, "wurde eine riesige Erwartungshaltung aufgebaut. Das war nicht leicht für uns." Dazu mussten im Laufe des vorletzten Jahres noch Drummer und Keyboarder ersetzt werden. Der erste Versuch zum zweiten Album in Helsinki ging daneben. "Wir hatten das Gefühl, bei weitem nicht das Optimum herausgeholt zu haben. Vielleicht lag das einfach an der Jahreszeit. Der Winter in Finnland ist einfach zu bedrückend, als dass man sich seiner Kraft entziehen kann." Was blieb, klang depressiv ausufernd. Schließlich nahm sich Soundtüftler John Fryer in den Rockhouse Studios in Wales der Band an. Ville: "Er hat uns die Augen geöffnet, weil er an das Material völlig unbefangen herangegangen ist." Von der ersten Singleauskopplung "Join Me" war Hollywood-Regisseur Roland Emmerich so begeistert, dass er die kleine Gothic-Rock-Oper in den Soundtrack des Films "The 13th Floor" einbaute. Im Sog des Movies knallte die Single in die Top 10 der Charts. Inzwischen ist auch "Razorblade Romance" fertig. Beinahe beänstigend intensiv werden da düster-morbide Tracks wie "Gone With The Sin" oder "Join Me" interpretiert, während treibende Songs wie "(She'll Be) Right Here In My Arms", der Titel-Track oder die Reminiszenz an das Debüt "666 Revisited" erstaunlich leicht aus den Boxen rocken.

 

English version of "Ville and the 13th floor" comes soon!!!

 

Ville und the 13th Floor

Der Song "Join Me In Death" zum Roland Emmerich-Film "13th Floor" rennt ja schon seit Monaten in Verbindung mit dem opulenten Video die Charts hoch und höher.
Auch auf dem provokant kitschigen Cover zum jetzt endlich erschienenen Album 'Razorblade Romance' sieht HIMs Shouter Ville Hermanni Valo, political uncorrect mit Kippe im Erdbeermund, aus wie ein abgehalfteter Jim Morrisson.

Wie fühlt man sich denn so als erstes Rock-Sexsymbol 2000? "Ouu... na ja, das Musikbiz ist ja nun mal Entertainment, und wenn man dadurch mehr Geld verdienen kann, ist das auch gut, aber ich sehe mich weder als Sexsymbol noch als großartigen Komponist oder Künstler. Wenn die Leute meinen, dass ich sehr schön aussehe, okay, ich habe die Augen meiner Mutter und den Mund meines Vaters und so weiter. Hauptsache, die Fans kaufen die Scheibe. Wir, die Band HIM – und ich möchte einfach mal herausstellen, dass wir eine Band sind und kein Produkt um mich herum – , wollen ganz einfach nur viel Spaß haben.
Uns geht es eben nicht darum, die besten Musiker der Welt zu sein, sondern wir wollen uns als eine Einheit verstanden wissen. Wenn du das Outfit im Video ansprichst, der Regisseur wollte einen Kontrapunkt zu den Lasereffekten haben, viel Glitter, Make-up, Kostüme und so, da hatten wir nicht mal großartig Mitspracherecht. Ist übrigens auch nicht meine Kiste – ich steh nicht auf Jim Morrisson und David Bowie."


Was bei 'Razorblade Romance' besonders auffällt, ist, dass Ville stimmlich gewaltig zugelegt hat. Der Junge hat ein megatiefes Organ, muß sich im Gegensatz zu vielen Sangeskollegen selbst live nicht besonders anstrengen, um die Deeps zu erwischen. Aber wer z. B. im Refrain von "Razorblade Kiss" wie ein junger Ozzy Osbourne johlt und auch sonst immer wieder in andere stimmliche Gefilde abschweifen kann, der hat zumindest das Rüstzeug zum Superstar. "Den Vergleich mit Ozzy werte ich mal als Lob, ich bin ein großer Fan von ihm, doch habe ich es nicht darauf angelegt, so zu singen wie Ozzy", meint Ville.

Wie auf dem Vorgänger 'Greatest Lovesongs 666' ist auch das neue Album gespickt mit Songs übers Lieblingsthema. Und wieder sind es die tragischen Momente, die HIM musikalisch perfekt einfangen. Mit "Poison Girl" (wo's übrigens nicht das Dissen einer Verflossenen geht, Ville hat sie vielmehr selbst verlassen) oder "Gone With The Sin" (DIE Mega-Ballade und leider nicht als Single vorgesehen) lassen es HIM wieder allerherzschmerzlichst angehen. "Du weißt doch, 'Gone With The Wind' ('Vom Winde verweht' - Kinoklassiker, falls das irgend jemand nicht weiß - Red.) war ja ein rromantischer Film, wir haben es als Wortspiel verwendet, um einen ebenso romantischen Song hinzuzaubern, allerdings mit einer überraschenden, ja tragischen Wendung darin." Und von den tragischen Romanzen dieser finnischen Rockband (natürlich sind die leicht gothic rockenden Metalgitarren auch auf "Razorblade Romance" tragendes Instrument) kann man scheinbar nie genug bekommen!

 

 

English version of "With HIM in Helsinki" comes soon!!!

 

Mit HIM in Helsinki



Hier sind Ville, Migé, Gas, Zoltan und Lily aufgewachsen, haben sich gefunden und gemeinsam in einem feuchten Kellerloch von Proberaum den Traum von der großen Rockband geträumt. Sie haben ihr Ding durchgezogen: Love Metal, in Zeiten von HipHop und Electronic. Ihr Traum ist wahr geworden. Ihrem Proberaum sind sie treu geblieben. Typisch Helsinki.

Summertime: Wir treffen Ville und Migé zu einem Stadtspaziergang. Viller erzählt: " Der Sommer bei uns ist toll, aber kurz. In dieser Zeit leben wir doppelt intensiv und verbringen so viel Zeit wie möglich draußen." Intensiv heißt: Feiern, trinken, durchmachen, als gäbe es kein Morgen. Und selbst der notorischste Tagmensch wirft seine Prinzipien über Bord und feiert mit.
Helsinki ist blau und weiß. Weiß wie der Silberstreif, der zur Mittsommerzeit, wenn ganz Helsinki eine einzige Party ist, nie ganz vom Horizont verschwindet. Blau wie der Blues, der die Finnen erfasst, wenn im Winter die Sonne kurz über den Horizont schielt und beschließt, schon wieder nicht zu scheinen. "Dann versuche ich, möglichst wegzukommen", erzählt Ville, "Es ist zu dunkel, das macht alle so depressiv". Aber wegziehen? "Nie im Leben. Hier ist meine Familie, meine Freunde. Hier ist meine Heimat. Das wird sich nie ändern."
Und außerdem hat Helsinki der Sturheit seiner Einwohner zu verdanken, dass bestimmte Auswüchse modernen Lebens hier keine Chance haben: Konkurrenzspielchen unter Künstlern zum Beispiel. "Statt sich gegenseitig das Messer reinzujagen, hilft jeder dem anderen. Schließlich haben wir alle den gleichen Traum: Musik zu machen und dabei Spaß zu haben", meint Ville. Als Jimsonweed, eine finnische Rockgruppe, auftritt, stehen HIM geschlossen im Publikum. Alle Rockmusiker kennen einander schließlich. Und die zweite finnische Erfolgstruppe, Bomfunk MC? "Das ist eine ganz andere Szene", meint Migé vorsichtig, "DJs und HipHopLeute. Mit denen kommen wir eigentlich gar nicht zusammen." Und Ville, nach einer Pause: "Ich mag Künstler, die ein Instrument beherrschen und damit Musik machen. Nicht Typen, die auf Computern rumtippsen".

Klartext. In Helsinki wird eben nicht herumgeredet. "Wir haben keine Smalltalkkultur und keine Floskeln", erklärt Ville, "Man sagt was man sagen will, Punkt". Da unterscheidet sich Finnland wieder einmal vom restlichen Skandinavien. "In Schweden zum Beispiel sind sie sehr amerikanisch geworden." Amerikanisch, das heißt: plappern, laut sein, drumherum reden, mit dem Strom schwimmen. Ein Unding in Helsinki, besonders Letzteres. Ein Hoch dem Individualismus, und dem Nicht-darüber-Nachdenken, was die anderen sagen könnten. Beispiel? HIM-Manager Seppo Versterinen: Er managt die zur Zeit erfolgreichste Rockband Europas. Aber er hat auch andere Dinge laufen: Ein Kustprojekt hinter der berühmten Finland-Halle. Wir treffen ihn mit der Schaufel in der Hand beim Blumen einsetzten. "Hat mich zwei Jahre Vorbereitungsziet gekostet" verkündet er stolz, bevor er losfährt, um die neue HIM-Website in Augenschein zu nehmen.

Melancholie. Die Finnen ist ein Mythos, und Helsinki bietet ihm ein Zuhause. Immer mehr junge Leute beschäftigen sich mit ihrer Geschichte. "Ich habe mich sehr mit der Mythologie unseres Landes beschäftigt", meint auch Ville, "viele junge Leute tun das." Egal, woran das liegt: Für den Besucher verschwimmen Mythos und Realität zu einer packenden Empfindung: Wenn du um vier Uhr morgens durch dieses unglaubliche Blau einer Sommerdämmerung heimwärts schwankst und die Möwe lautlos über deinen Kopf weggleitet. Während du einen einsamen Platz überquerst, schickt sie dir einen klagenden Schrei hinterher, der dich tief in der Seele trifft.
Und plötzlich wirst du traurig. Weil du erkennst, dass Helsinki sich etwas bewahrt hat, das wir in Europa längst verloren haben: Sturheit und Individualität. Dass du aber nicht bleiben kannst. Denn was würden die anderen dazu sagen ........

Tipps v. Ville und Migé:

Spine Farm: Ecke Fredrikinkatu/Arkadjankatu. Der Laden gehört Freunden von HIM. Ville: "gute Alternativabteilung".

Indian Bazar: In der Shoppingmeile der U-Bahn-Station unterm Hauptbahnhof. Mige: "Ein guter 2nd-Hand-Laden, wo du unter anderem indische Hemden kriegst, wie ich sie gern trage."

 

English version of "Play me the song of (small) death" comes soon!!!

 

Spiel mit das Lied vom (kleinen) Tod

H.I.M. Fünf Finnen und ihr Gothic-Rock-Siegeszug

(TV Media 03/00)

"Join me in death", dröhnt Ville Hermanni Valo aus dem Radio, und Zigtausende Fans scheinen diese leidenschaftlich instrumentierte Todessehnsucht zu teilen. In nur drei Wochen erreichte das Finnen-Quintett H.I.M. Spitzenpositionen in den österreichischen Single- (Join Me) und Albumcharts (Razorblade Romance) - wobei der mystische Sex ihres Sängers nicht gerade hinderlich war. "Ich kann nicht behaupten, dass es mich anekelt, in den Spiegel zu schauen. Aber die Hysterie der Groupies, die sich mir nach den Auftritten an den Hals werfen, ist schon gewöhnungsbedürftig", artikuliert Ville im ACTION-Interview Zurückhaltung. Dabei dürften ihn Lippenstiftspuren nach dem intensiven hautkontakt mit den Fans nicht stören. Denn der Finne färbt ab: Farbenfrohes Make-up, hautenge Shirts, Glitzer-Effekte und extravagante Körpersprache sind die Markenzeichen des H.I.M.-Stars, der seit 1996 am internationalen Durchbruch arbeitet. Damals gründete er in Helsinki eine Band, um seinen "Düster-Rock mit Pop-Appeal" durchzusetzen - und wurde schon mit dem zweiten Demoband von BMG erhört. Das Debütalbum Greatest Lovesongs Vol. 666 - in Anspielung auf die diabolischen drei Zahlen - machte H.I.M. zu legitimen Anwärtern auf den Gothic-Rock-Thron. Mit Rozorblade Romance samt Welthit Join Me haben sie ihn nun verdient in Besitz genommen.

Kurzinterview mit Ville Valo:

ACTION: Sie singen von Todessehnsucht. Ist das Leben wirklich so trauig?
Ville: "Mein Leben ist großartig, aber ich hasse dümmliche Popsongs, kann stundenlang zu düsterer Musik vor mich hin sinnieren. Tut mir leid, aber bei Britney Spears muss ich leider kotzen."

ACTION: "I Love You - Vorspiel zur Tragödie" ist einer Ihrer Hits. Muss Liebe immer tragisch enden?
Ville: "Das tut sie doch meistens. Anfangs ist die Liebe aufregend und leidenschaftlich, doch irgendwann erlischt das Feuer. Ich glaube, es muss so sein: Ohne schreckliches Ende gibt es auch keinen feurigen Anfang."

ACTION: Sie werden als neues Sexsymbol gehandelt.
Ville: "Damit kann ich genauso wenig anfangen wie mit den Groupies: Für mich muss eine Frau so cool sein wie ich!"

 

English version of "Ville Valo at World of Bit Interview (Viva)" comes soon!!!

 

Ville Valo im World of Bit Interview (Viva)

(World of Bits 02/00)

Die absolut durchgeknallte Rockröhre Nina Hagen, Schmalzlegende Frank Sinatra und Schockrocker Alice Cooper - das wäre die Traumband von HIM-Sänger Ville Valo, der gerade mit "Join me" und dem dazugehörigen Album die deutschen Charts voll im Griff hat. Das finnische Quintett ist zur Zeit auf Promo-Tour in Europa unterwegs. Ihre Single "Join me" besetzt seit vier Wochen die Pole-Position der deutschen Charts. Und auch mit ihrem zweiten, gerade erst veröffentlichten Album Razorblade Romance sind HIM nicht weniger erfolgreich. Der androgyne Frontmann Ville Valo scheint besonders auf die weiblichen Fans eine Wirkung zu haben.

VV: "Wir hatten ein Radiointerview in Holland und da waren super viele Mädchen aber kaum Security - keine Ahnung was das für Voodoofreaks waren - aber sie wollten mir die Haare ausreißen und sie sich als Souvenir mitnehmen! Wenn das so weiter geht habe ich in zwei Wochen eine Glatze!"

Nach der Veröffentlichung des zweiten Albums im Januar ging ein kollektives Raunen in der Gothic-Szene um. Die Fans rätselten über das in Pink gehaltene Cover.

VV: "Das Cover von Razorblade Romance ist pornomäßig pink, für meinen Geschmack sehr obszön. Die Idee kam von mir. Meine Intention war es die Gothic-Szene ein wenig auf die Schippe zu nehmen. Sie neigen dazu alles ein wenig zu ernst zu nehmen. Sie kennen keine Selbstironie oder so etwas."

Im Vergleich zu HIM's ersten Album GL666 sind die neuen Songs kürzer und weniger gitarrenlastig.

VV: "Das ist eine ganz natürliche Entwicklung, du kannst nicht immer das gleiche machen. Außerdem haben wir einen neuen Drummer und Keyboarder, die ihren eigenen Sound in die Musik einfließen lassen. Das ist mehr Rock'n Roll, irgendwie alltäglicher."

Zum Inhalt der neuen Songs hat der 23-jährige eine ganz einfache Beschreibung gefunden.

VV: "Alle unsere Songs sind langweilige Liebeslieder, langweilige Rocksongs mit vielen "Babys" und "My Darlings". Texte schreiben ist für mich eine Psychotherapie. Das ist besser, als einen Psychotherapeuten zu bezahlen. Ich verdiene Geld damit, negative Gefühle in meine Texte zu packen. Ich habe lustige Musik immer gehaßt. REM sollen das ruhig machen."

Wer Lust hat auf traurige, langweilige Liebeslieder, der sollte sich schleunigst um Tickets kümmern, denn im März sind HIM auf Deutschland-Tour.

 

 

English version of "Person in the limelight" comes soon!!!

 

Die Lichtgestalt



Das langersehnte zweite Album der finnischen "Newcomer des Jahres 1998" (so wollte es der Leserpoll) steht in den Startlöchern. Trotz einiger Komplikationen im Vorfeld, dürfen sich Fans auf das erste Highlight des neuen Jahrtausends gefasst machem - wir hörten und sahen es vorab.

In den Berliner VTTV-Studios sieht man die Hand vor Augen nicht: das hätte man sich gewünscht, als Maren Gilzer anläßlich des hier stattfindenden Glücksrads noch Buchstaben umdrehte. Es ist so dunkel, dass ich mir dreimal das rechte Knie anschlage, den Ellbogen lädiere und die Birne anrenne (trifft also keine wertvollen Teile). Hinter dieser Kulisse vernehme ich Stimmengewirr - heller wird es deshalb noch lange nicht. Vorsichtig (man will ja nicht Hals über Kopf in das Set plumpsen) luge ich um die Ecke - und erhasche einen Blick auf das Objekt der Begierde. Ville Valo erstrahlt, beschossen von verschiedenen Lasern, in vollem Glanz!
Der Sänger hat seine Optik ein wenig verändert. Die schulterlangen Haare sind einer Frisi gewichen, die modisch kurz gehalten ist, und er hat wie seine Band-Kollegen Make Up augelegt (bekommen). Genauer gesagt sieht er aus, als ob Brandon "The Crow" Lee in die Fänge von Fummeltrinen gefallen wäre. Dieses androgyne Auftreten habe jedoch nichts mit der Attitüde zu tun, "sondern nur damit, dass der Regisseur des Videos einen glamourösen und schimmernden Look haben wollte", gibt Ville lächelnd zu Protokoll. "Ich schminke mir nicht nach dem Aufstehen direkt die Augen." Erwähnter Mann hinter der Kamera heißt Robert Wilde und ist mit seinem Star mehr als zufrieden. "Excellent, fantastic!", dröhnt es nach fast jeder Einstellung vom Regiestuhl. Ville Valo weiß sich in Szene zu setzen - auf der Bühne wie im Videoshooting. Anlass ist der Beitrag HIMs zum neuen Emmerich-Science-Fiction-Streifen "The 13th floor". Der Song heißt "Join me" und gibt schon einen leichten Fingerzeig auf das restliche Material: Die neuen Tracks besitzen einen absolut rockigen Aufbau, sind noch eine Spur melodischer als dies im Debüt der Fall ist und bieten eine Grundlage, auf der sich Ville Valo stimmlich voll austoben kann. "Das ist das Ergebnis der langen Tourneen. Vor "Greatest Lovesongs Vol. 666" hatten wir gerade mal zehn Gigs gespielt - heute besitzen wir viel mehr Selbstvertrauen und das hört man auf der neuen Platte", meint Ville, der auch diesmal wieder alle Songwriting-Fäden fest in der Hand hielt. Auf Cover-Versionen wird dieses Mal gänzlich verzichtet. Man will ja schließlich nicht als Band gelten, die nur über Kopien Popularität erlangte. Eigentlich hatten wir und schon im März in Helsniki über das neue Werk unterhalten. Das Finnvox-Studio war Ort des Geschehens. Valo zeigte sich sehr zufrieden mit den Ergebnissen und der Arbeit von Stammproduzent Hiili, bevor man sich urplötzlich entschloss, den ganzen Kram unter finnischem Eis zu begraben und mit John Fryer (Depeche Mode, Nine Inch Nails) einen Neuanfang zu starten. "Damals war die Lage in der Band sehr schwierig. Das Line-Up war einfach instabil. Mit Drummer Gas Lipstick und Sultan als neuem Keyboarder haben wir musikalisch und zwischenmenschlich einen großen Schritt nach vorne getan. Zu Beginn war ich sehr skeptisch, was die Arbeit mit Fryer betraf. Wir mussten uns erst zusammenraufen. Es zeugte von seiner Klasse, dass ernicht versuchte, uns mit Elektronik vollzustopfen, sondern sich vor allem um flüssige Arrangements bemühte, während Hiili eher einen rauhen, ungehobelten Sound bevorzugt hätte." Dieser ist nun einer einheitlichen Klangfarbe gewichen, die laut Valo nicht mehr blanke Melancholie verbreitete, sondern "vor allem beim letzten Song "One last time" für den Hörer überraschenden Optimismus bereithalte." Inhaltlich geht es um drei Themen: Frauen, Frauen und nochmals Frauen. "Irgendwie ist das zu diesem Zeitpunkt des Lebens das Thema, über das ich mich am liebsten auslasse", begründet Valo die beängstigende Vielfalt seiner Texte. Doch genug geredet - es ist Zeit, zum Set zurückzukehren, wo sich ein blondes Model anschickt, die Hüllen fallenzulassen. Das heißt: Die gesamte Journaille raus - ebenso wie die Band. Das führt bei einigen Leutem zu massivem Protest, während sich Keyboarder Sultan bereits am Fenstersims entlanghangelt, um sich vielleicht doch noch "brüsten" zu können. Doch vergebens - krachend fliegt auch die letzte Tür ins Schloss. "Das ist der Unterschied zu unserem ersten Videodreh "Wicked Game"", resümiert Valo. "Es waren irgendwie viel mehr hübsche Frauen um mich herum." Sein eigenen Gesicht betrachte er auf dem Fernsehschirm ohnehin kritisch. "Als Künstler muss man sich ständig auf den Prüfstand stellen." Diesen sollte er mit dem noch unbetitelten Longplayer ohne weiteres bestehen können. Der Mann läßt einen eben nicht im Dunkeln stehen...


English version of "Razorblade Romance" comes soon!!!

 

Razorblade Romance


Willkommen, liebe Kinder, zum größten Hype der letzten zehn Jahre und laßt Euch bloß von niemandem mehr erzählen, Rock'n'Roll wäre tot, denn irgendwo in Finnland, da wo es immer kalt ist, wo Schnaps und Zigarettten richtig viel Geld kosten und wo ansonsten furchtlose Skispringer, grimmige Mercedesfahrer und marodierende Rentiere für Furore sorgen, ist er so lebendig, dass er eine Welle erzeugt, die derzeit die gesamten europäischen Charts unter sich begräbt. HIM sind in aller Munde, HIM sind phänomenal. Das neue Album verkauft sich trotz bedenklicher Kompatibilitätsmanipulationen – manche nennen sowas Kopierschutz - seitens einer raffgierigen Plattenfirma wie geschnittenes Brot und Ville Valo, androgyne Schmalbrust und seines Zeichens singender Frontmann des skandinavischen Bandwunders, dürfte sein Konterfei nelkenumkränzt oder von einem umgedrehten Kreuz geziert in mehr Mädchenschlafzimmer wähnen als jeder noch lebende Boygroup-Fratzenmann.
Da wir aber an dieser Stelle weniger das Massenphänomen HIM als vielmehr die Qualität des zweiten Longplayers mit dem schnittigen Titel RAZORBLADE ROMANCE zu besprechen haben, werden wir uns nun der musikalischen Handwerkskunst der jungen Männer widmen. RAZORBLADE ROMANCE unterscheidet sich vom HIM Erstling (GREATEST LOVESONGS VOL. 666) musikalisch vor allem dadurch, dass man den neuen Songs sorgfältig alle Ecken und Kanten abgescheuert hat, was bekanntlich dem Verkauf des eigenen Werks in einem breiteren Rahmen durchaus zuträglich sein kann. Altfans hingegen dürften während der kitschigeren Pasasagen des Albums an der ein oder anderen Stelle ein wenig zusammenzucken, aber letztlich ist eine Kommerzialisierung nur dann erfolgreich, wenn man so viele Geschmacksrichtungen abdecken kann, wie irgend möglich.

Dies dürfte dann auch der wahre Grund sein, warum man das bereits vor einiger Zeit quasi fertige Songmaterial für diese LP noch einmal komplett überarbeitet hat – sprich: Der musikalisch kompliziertere Kram wurde kurzerhand in die Tonne gehauen. Genau das ist auch die Schwachstelle von RAZORBLADE ROMANCE. Keine Frage: Das Werk als solches ist sehr homogen und geht satt ins Ohr, allerdings um den Preis, dass HIM ihre auf dem Debütalbum eindrucksvoll zur Schau gestellten Fähigkeiten im Bereich des komplexeren Songwritings nicht mehr zur Geltung bringen, was um so bedauerlicher ist, da es dem Album an echten Highlights fehlt. JOIN ME (IN DEATH), bei dessen Singleauskopplung die Plattenfirma natürlich tunlichst auf den in Klammern stehenden Nachsatz verzichtete – man will sich ja nachher keine Vorwürfe machen lassen, wenn völlig losgelöste 12-jährige voller Bewunderung die Rasiermesser ansetzen – ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie HIM ihren neuen Sound gestalten. Die Gitarrenmacht wurde zurückgenommen, der Beat ist plötzlich kompatibel und selbst auf ein hypnotisch vor sich hin loopendes Trance-Sample verzichtete man nicht. Mit diesen Zutaten – und der leicht depressiv angehauchten Sangesfreude eines Ville Valo – ist wohl fast jede internationale Hitliste zu knacken.

So gesehen ist die ganze Platte ein Schaf im Wolfspelz, was der Opener I LOVE YOU (PRELUDE TO TRAGEDY) ganz deutlich unterstreicht: HIM eröffnen den Abend mit einem krachenden Gitarrenbrett, um dann aber sofort nach unten abzuregeln, damit die Sache bloß nicht außer Kontrolle gerät. Diese Vorgehensweise dürfte nicht bei jedermann auf Gegenliebe stoßen. Bewundernswert ist und bleibt das stimmliche Leistungsspektrum von Ville Valo. Ob es nun um die zerbrechlich anmutende und falsett-lastige Kommentierung ruhiger Klavierpassagen geht, oder um das vokale Kräftemessen im Zweikampf mit dumpf-bedrohlichen Gitarrenriffs, bei dem er ein sonores und ausgesprochen kraftvolles Knurren als Hilfsmittel wählt: Der Junge hat es ohne Zweifel drauf und zeigt zu jeder Zeit Souveränität und eigenes Profil. Mit Sicherheit enthält die CD noch so manchen potentiellen Chartbreaker, was aber auch daran liegt, dass sich HIM zu keiner Zeit ihrer alten Experimentierfreude hingeben. Statt dessen serviert man dem Hörer sehr viel Pathos und einen gewissen Hang zu effekthascherischer Theatralik. Anders sind Tracks wie das schmalzig-depressive GONE WITH THE SIN und das leicht schwuchtelig wirkende RESSURECTION kaum zu erklären.

Neue HIMnen gibt es auf jeden Fall reichlich: Songs wie RIGHT HERE IN MY ARMS eignen sich vorzüglich zum Mitgrölen auf der anstehenden Tour. Textlich bleibt man sich natürlich treu: Die Lyrics sind üppigst ausgestattet mit allen gängigen Klischees der Dunkelmusik: Tod und Teufel sind nun einmal Modethemen und den Kids wird es gefallen, wobei die branchenüblichen Schlachtrufe à la 666 auf Dauer doch etwas ermüdend wirken, zumal gerade letzterer an allen möglichen und unmöglichen Stellen des Albums eingesetzt wird.

Wie fällt denn nun ein einigermaßen objektives Fazit für dieses Werk aus? Im Endeffekt ist es wohl eine Rock’n’Roll Scheibe, die derzeit so viele junge Menschen in die Plattenläden treibt und das ist doch ein ermutigendes Zeichen für das Jahr 2000. Andererseits hat das Teil natürlich einen dermaßen aufgeblasenen Kauf-mich-Faktor, dass man geneigt ist, den Jungs ihren Kram achtkantig um die Ohren zu hauen. Trotzdem: Songs können sie schreiben und irgendwie bin ich davon überzeugt, dass HIM ihr songwriterisches Potenzial auf Dauer nicht werden bändigen können. Diese Band ist für jede Überraschung gut und in Anerkennung dessen, wollen wir an dieser Stelle nicht kleinlich sein, zumal RAZORBLADE ROMANCE stellenweise durchaus eine Menge Atmosphäre zu bieten hat. Es mag schon sein, dass viele der neuen HIM Fans noch mit dem Teddybären ins Bett gehen, aber es gibt durchaus Grund zu der Annahme, dass sie gemeinsam mit ihren neuen Idolen erwachsen werden könnten. Dementsprechend...

 

 

English version of "HIM" comes soon!!!

 

HIM



HIM steht für "His Infernal Majesty" alias Ville Hermanni Valo, der die Band 1995 aus der Taufe hob.
Bevor er mit seiner Band an den Start ging, war er des öfteren hinter dem Tresen des väterlichen Sex Shops anzutreffen, wo er als Verkäufer jobbte.

Vallo ist ein Romantiker, der seine Mucke schon mal als "Love Metal" bezeichnet. Sägende Gitarren, dazu die schmachtende Stimme seiner Majestät, mit etwas Morbidität ausgestattet und ein klein wenig nach Gruft müffelnd. Liebe, Tod und Teufel sind die Themen der HIM-Songs. In Finnland, seiner Heimat, ist der Bubi mit der Hühnerbrust, der sich schon mal gerne in Jim Morrison Pose ablichten lässt, der absolute Superstar. So weit hat er es im Rest der Welt noch nicht gebracht, aber er arbeitet kräftig daran.

Nachdem das Debut "Greatest Love Songs Vol. 666" (Hat laut Vallo nix mit Satan und dem ganzen Gedöns zu tun, also besorgte Christen: bitte setzen) trotz Chris Issac-Cover ("Wicked Game") nicht so hammermässig eingeschlagen hat, wie Vallo sich das vielleicht erhofft hat, gehts jetzt langsam, aber stetig bergauf. Zum Science-Fiction-Thriller "13th Floor" haben HIM den Titelsong ("Join Me") beigesteuert. Die dazugehörige Single kletterte bis in vorderste Chartpositionen und ein neues Album ist für Frühjahr 2000 in Arbeit.

 

English version of "The No.1 of the German Single Charts" comes soon!!!

 

Die Nr. 1 der deutschen Single-Charts:

(Sputnik.de)

Ville Valo und seine Band Him waren am Sonntag bei Sputnik.de - die Show

Im manchen Teilen Finnlands ist 7 Monate im Jahr Winter, kein Wunder, dass das neue Album von Him "Razorblade Romance" nicht eben zur locker-flockige Partyscheibe geriet. "Der Winter in Finnland ist einfach zu bedrückend, als dass man sich seiner Kraft entziehen kann. Ich glaube, deshalb klangen die Songs in ihrer Endversion zu depressiv, zu ausufernd." So spricht Ville Valo, Sänger von Him, heute, nachdem die Band die komplette erste Version des Albums in die Tonne gekloppt und nochmal von vorn angefangen hatte.

Mit "Greatest Lovesongs Vol. 666" hatte 1996 alles begonnen. Kritiker und vor allem das weibliche Rockpublikum waren sich einig. Der Jim Morrison des neuen Jahrtausends heisst Ville Valo.

Bei Him stimmte alles. Die leicht angedüsterten Songs passten perfekt zu Valos Stimme, seine Erscheinung war die Antwort auf die allgegenwärtige gecastete Boygroup-Erotik. Ville Valo verkörpert die dunkle Seite des Sex: eine laszive Stimme, lange, strähnige Haare, ein bauchfreies T-Shirt und noch unter dem Nabel ein Tatoo...

Mit dem ersten Hit "Wicked Game", einer Chris-Isaak-Coverversion kochten Him auch die deutschen Fans sofort butterweich. Zwei souveräne Touren und viele, viele Gigs auf Festivals bereiteten den Boden für den aktuellen Erfolg. Mit "Join me" hat die Band die Nr. 1 der deutschen Single-Charts erreicht.

HIM - Act der Woche

Diese Woche werdet Ihr fünf Titel des aktuellen Albums "Razorblade Romance" (mit den drei Singleauskopplungen "Join me", "Right here in my Arms" und "Gone with the sin") und fünf ältere Songs der Band hören.

HIM haben Euch mit ihrem androgynen Frontmann Ville Valo am 30.01.2000 bei Sputnik im gläsernen Studio Rede und Antwort gestanden...:

Chatprotokoll vom Chat mit Ville Valo, dem Sänger von Him

Ville: hi @ all

Nicole: Gives Ville after the concert in Hamburg signatures?
Ville: @ nicole: yes

MichaVudE: @ VILLE: how old are you and your friends?
Ville: @ Micha I'm 23, and i don't have any friends
Sonnenblume: Ville. now you have friends :-)

loreann: What is ur birthday?
Ville: @ lore 22.11. 76

fenchel: @Ville do you know Pesäpallo. [Das ist der Nationalsport in Finnland - d.R.]
Ville: @ fenchel, yes i know and i hate it.

Inga: Ville, will there be any tour in Germany?
Ville: @ Inga : yes startet 22 th march.

Petrus: @ville: why do you think most of the music coming from finland and you can hear in europe is a kind of metal with a drepressive feeling?
Ville: @ petrus because we are funny!!!!
Petrus: @ville: so it´s just a kind of show?

SexBomb: Do you has a Girlfriend?
Ville: No i habe a boyfriend, called mige amour.
MichaVudE: @ VILLE: a boyfriend? are you a gay???

Tanja: Hey Ville, what is your opinion about Jim Morrison ?
Ville: I hate Jim Morrison

MichaVudE: @ VILLE: are you millionears with "join me"
Ville: @ Micha not yet

CorsaT: @ Ville - Are you a fan of Chris Isaak? *smile*
Ville: @ corsa T not really
CorsaT: @ Ville - But the song "wicked game" must have fascinated you, otherwise you surely would not have covered it ...
Ville: may be

loreann: WHAT FOR TATOOS DO U HAVE AND WHERE
Ville: i have too many tatoos

loreann: WHICH SONG DO LIKE MOST TO PERFOM
Ville: @ loreann Don't shake me lucifer

pebbles: @ Ville: I sort of get the impression about artists like you guys, that you make sort of fun of us all the cult around you, looking down smiling, "uuuh these kids look at them!" how close do you let this whole trouble around your person get to you?
Ville: @ peebles it's stranged

Sonnenblume: Ville, whats your biggest fear?
Ville: @ Sonnenblume: lungcancer
Sonnenblume: Ville, When your biggest fear is lungcancer, why do you smoke?

Marion: Do you sometimes visit your official homepage?
Ville: @ marion: I don't have a Computer
Petrus: @Ville: the fact that you don´t have a computer sounds a bit strange to me because finland is said to be the most linked country in europe....

yellowsubmarine: @VILLE is this yur first CHAT?
Ville: no

Ville: @ bye, bye , thanks to see you in the show!

 

English version of "unbroken success" comes soon!!!

 

UNGEBROCHENER HÖHENFLUG

(Supersonic News, 06/04/00)

06.04.2000 HIM - Charts/ Tourdates

Mit ihrer zweiten Single-Auskopplung 'Right Here In My Arms' stehen HIM in der 3. Verkaufswoche weiterhin auf Platz 25 der Single-Charts.

Parallel zu der 3-Track Single (Right Here In My Arms, Join Me/ Razorblade Mix, The Heartless/ Club Remix) wird es für die Fans der ersten Stunde ein besonderes Dankeschön der Band geben. Für die limitierte 4-Track Fan-Edition von `Right Here In My Arms` hat Ville höchstpersönlich in seinem privatem Hitarchiv gekramt und den bisher unreleasten Bonustrack Ì've Crossed Oceans Of Wine To Find You`lockergemacht. Achtung!! Die besagte Single gibt es natürlich nur solange der Vorrat reicht...

Auch mit ihrer Erst-Single und den beiden Alben bleibt die Band standhaft in den Charts vertreten.

Single-Charts: Join Me/ 11. Verkaufswoche - Platz 47 Album-Charts: Razorblade Romance/ 9. Verkaufswoche - Platz 6 Album-Charts: Greatest Lovesongs 666/ Platz 69

HIM Live on Tour:

Achtung!!!!
Da einige Konzerte bereits jetzt ausverkauft waren, wurden diese in grössere Hallen verlegt!!!

22.03. Oberhausen Turbinenhalle
23.03. Köln Live Music Hall
24.03. Nordhorn Scheune verlegt in die Vechte Halle!!!!
25.03. Magdeburg Factory verlegt in die Stadthalle!!!!
26.03. Hamburg Grosse Freiheit
28.03. Herford Kick
29.03. Berlin Kesselhaus verlegt in die Arena!!!!
30.03. Apolda Festhalle
31.03. Dresden Eissporthalle
01.04. Glauchau Sachsenlandhalle
03.04. Neu Isenburg Hugenottenhalle
04.04. Nürnberg Hirsch verlegt in das Forum!!!!
05.04. München Incognito verlegt in das Colosseum!!!!
06.04. Prag Palac Akropolis
08.04. A-Wien Libro-Music Hall
09.04. A-Linz Posthof
10.04. A-Salzburg Rockhaus
12.04. Stuttgart Schleyerhalle 2
14.04. CH-Zürich Dynamo verlegt in das Volkshaus!!!!
15.04. CH-Yverdon Amalgame
17.04. Luxemburg Den Atelier ausverkauft!!!!
18.04. Luxemburg Den Atelier
23.04. Düsseldorf WDR-Rocknacht-Phillipshalle

11.05. Porto - Portugal, Parque da Cidade
12.05. Covilha - Portugal, Anil Pavilion
13.05. Guarda - Portugal, Nerga Pavilion
15.05. Lisboa - Portugal, Paradise Garage
16.05. Algarve - Portugal, Complexo Desportivo da Panha
17.05. Braganca - Portugal, Nerba Pavilion
19.05. London - Garage
20.05. Leeds - Cockpit
21.05. Glasgow - Cathouse
22.05. Dudley - J.B.'s
23.05. Bristol - Fleece&Firkin
25.05. Nottingham - Rock City
30.05. Barcelona - Bikini
31.05. Bilbao - Gwendolin
01.06. Madrid - Caracol

04.06. Riga, Latvia, Riga Forte Festval
24.06. Hurricane Festival, Scheessel
25.06. Southside bFestival, München

08.07. Midtfyn Festival, Denmark
09.07. Wiesen Festival, Austria
14.07. Gurten Festival, Switzerland

11.08. Heitere Zofingen Festival, Switzerland
12.-13.08. M'era Luna Festival, Hildesheim
19.08. Alive Festival, St. Vith, Belgium
26.-27.08. Highfield Festival, Erfurt

Für alle HIM Fans die leider nicht auf eines der Konzerte gehen konnten, wird das Konzert der Band in Berlin aufgezeichnet. Es wird dann an folgenden Terminen ausgestrahlt:

15.04. VIVA 20.00 Uhr - 21.00 Uhr
19.04. VIVA 13.00 Uhr - 14.00 Uhr
20.04. VIVA 23.00 Uhr - 24.00 Uhr
Wer mehr über die Band erfahren möchte, sollte sich die Artistpage anschauen.

 

English version of "Melancolic kisses for the sad dancing soul" comes soon!!!

 

Melancholische Küsse für die traurig tanzende Seele



1996 gründete Frontmann Ville Hermanni Valo mit einigen Freunden in Helsinki die Band, um seine persönliche Version von "Düsterrock mit Pop-Appeal" in die Tat umzusetzen. Bereits mit dem zweiten Demo konnte die Band einen Deal bei der finnischen BMG landen und veröffentlichte kurz darauf das Debütalbum "Greatest Lovesongs Vol. 666". Zwei Top- Ten-Singles und eine Album-Goldauszeichnung später schwappte die Hysterie über die Band auch nach Deutschland über. Die perfekte Synthese aus düsteren Klängen, die sich wohl am ehesten mit der schon sprichwörtlichen finnischen Melancholie und eingängigen Melodien erklären lassen, zündete gewaltig und katapultierte die Band in den Leser-Polls der einschlägigen Musikpresse weit nach vorne. Ville Valo, Frontmann und Hauptsongwriter in Personalunion, hatte nicht nur die Looks, um bald darauf mit dem jungen Jim Morrison verglichen zu werden, sondern führte HIM auch souverän durch zwei Deutschland-Tourneen und alle wichtigen Events der diesjährigen Festivalsaison, doch das exzessive Touren stellte die junge Band vor eine erste Zerreißprobe:
"Erst unter extremen Bedingungen, wie sie während einer Tour üblich sind, merkt man, ob eine Band richtig funktioniert oder nicht. Wir standen plötzlich vor dem Problem, den Drummer und den Keyboarder ersetzen zu müssen", so Ville rückblickend. Das Problem wurde jedoch schnell gelöst. Juska, ein bisher kaum in Erscheinung getretener Musiker, besetzte den vakanten Posten des Keyboarders, und mit Gas Lipstick (ex-Kyyria) klemmte sich ein echter Haudegen der Helsinki-Szene hinter die Drums.
Im vergangenen Frühjahr ging das Quintett dann daran, das zweite Album aufzunehmen, um einige Monate später der überraschten Presse zu verkünden, dass man die Scheibe komplett neu einspielen wolle. Eine Entscheidung, die Ville heute - mit dem notwendigem Abstand - folgendermaßen erklärt:
"Wir hatten das Gefühl bei weitem nicht das Optimum herausgeholt zu haben. Vielleicht lag es an uns selbst, vielleicht lag es aber auch an der Jahreszeit, in der wir die Scheibe aufgenommen hatten. Der Winter ist in Finnland einfach zu bedrückend, als dass man sich seiner Kraft entziehen kann. Ich glaube, deshalb klangen die Songs in ihren Endversionen zu depressiv, zu ausufernd...".
Einige Monate später verschanzten sich HIM wieder im Studio. Diesmal unter der Anleitung von Soundtüftler John Fryer ( NIN, White Zombie, Depeche Mode ), der dem Quintett einen zusätzlichen Push verschaffte.
"John hat uns die Augen geöffnet, denn er ist an unser Material völlig unbefangen herangegangen und hatte keine Erwartungshaltung. Er hat sich darauf konzentriert, unsere Stärken voll zum Tragen zu bringen und uns wertvolle Tips gegeben. Der Typ ist ein absoluter Vollprofi."

Das Ergebnis der Kollaboration heißt "Razorblade Romance" und wie professionell zu Werke gegangen wurde, beweist die Tatsache, dass bereits die erste Single zur Nummer Eins avancierte. "Join Me" - der erste Meilenstein des Jahres 2000.

 

English version of "Love, Death and Devil" comes soon!!!

 

Liebe, Tod und Teufel


(Salzburger Nachrichten 18/01/00)

Dank dem Album "Razorblade Romance" sind die Gothic-Rocker HIM nun auch außerhalb Finnlands bekannt. Frontman Ville hat noch dazu das Zeug zum Mädchenschwarm.

Endlich werden Ville-Valo-Poster, die bislang nur wenige Mädchenzimmer au-ßerhalb Finnlands schmückten, mit Ehrfurcht bedacht. Denn seit er mit dem Song "Join me" Platz eins der Österreichischen Single Charts belegt, sind Ville Hermanni Valo und seine Gruppe HIM kein reiner Geheimtipp mehr.
Diejenigen, die ihm schon zuvor die Treue hielten, hatte nicht allein das 1998 erschienene Debutalbum "Greatest Lovesongs Vol. 666" begeistert, sondern vor allem das Aussehen des Frontmanns Ville Valo. Aber der dünne Finne, der jetzt seine Haare kurz trägt, sieht nicht nur ansprechend aus. Bei Interviews versprüht er Witz und Charme. Das hätte ihm bei seinen Liedtexten nicht jeder zugetraut. Da dreht sich nämlich alles um Liebe, Tod und Teufel. Auch die Musik ist melancholisch. Ville meint selbst: "Ich hasse fröhliche Musik."
Bei dem zweiten Album hat der Finne es damit wohl zu weit getrieben. Den ersten Versuch, der vor rund einem Jahr fertiggestellt wurde, fand sogar Ville zu depressiv. "Vielleicht lag es an uns selbst, vielleicht lag es an der Jahreszeit. Der Winter ist in Finnland einfach zu bedrückend, als dass man sich seiner Kraft enziehen kann", meinte Ville, der mal als Satansanbeter, dann wieder als Jim-Morrison-Nachfolger gehandelt wird.
HIM nahm "Razorblade Romance" (BMG-Ariola) also ein zweites Mal auf, diesmal nicht in Finnland, sondern in Wales. Dort war das Wetter offensichtlich besser, wie man aus dem Erfolg der CD schließen kann.

 

English version of "HIM - Biography" comes soon!!!

 

HIM-Biographie


Es wurde der erste musikalische Meilenstein des neuen Millenniums, das zweite HIM-Album " Razorblade Romance" - No. 1 der Albumcharts und gleichzeitig No. 1 der Singlecharts mit der Auskopplung "Join Me". Nicht schlecht für eine Band, deren Name noch vor kurzer Zeit allenfalls Finnland-Insidern ein Begriff war.

Blenden wir zurück:

1996 gründete Frontmann Ville Hermanni Valo mit einigen Freunden in Helsinki die Band, um seine persönliche Version von "Düsterrock mit Pop-Appeal" in die Tat umzusetzen. Bereits mit dem zweiten Demo konnte die Band einen Deal bei der finnischen BMG landen und veröffentlichte kurz darauf das Debütalbum "Greatest Lovesongs Vol. 666". Zwei Top- Ten-Singles und eine Album-Goldauszeichnung später schwappte die Hysterie über die Band auch nach Deutschland über. G.U.N. Records lizensierten "Greatest Lovesongs Vol.666", und überschwengliche Pressereaktionen sorgten schnell dafür, dass die Band als legitimer Anwärter auf den Gothic-Rock-Thron gehandelt wurde. Die perfekte Synthese aus düsteren Klängen, die sich wohl am ehesten mit der schon sprichwörtlichen finnischen Melancholie und eingängigen Melodien erklären lassen, zündete gewaltig und katapultierte die Band in den Leser-Polls der einschlägigen Musikpresse weit nach vorne.

Aber es war nicht nur die unbestritten gute Musik und das Kokettieren mit der magischen Zahlenfolge 666 (mit der HIM die Nähe von Liebe und Tod stilisieren), die die Newcomer zum Objekt der Begierde machten. Ville Valo, Frontmann und Hauptsongwriter in Personalunion, hatte nicht nur die Looks, um bald darauf mit dem jungen Jim Morrison verglichen zu werden, sondern erwies sich im einsetzenden Interviewmarathon als schlagfertiger und eloquenter Gesprächspartner, der trotz seiner traurig-düsteren Kompositionen so ganz und gar nicht das Klischee vom eigenbrödlerischem Griesgram erfüllen wollte. Ville Valo war es auch, der HIM souverän durch zwei Deutschland-Tourneen und alle wichtigen Events der diesjährigen Festivalsaison führte, denn das exzessive Touren stellte die junge Band vor eine erste Zerreißprobe:

"Durch die Erfolge, die wir in unserer Heimat vorweisen konnten, wurde eine riesige Erwartungshaltung aufgebaut, mit der wir fertig werden mußten. Das war keine leichte Situation für uns. Andererseits merkt man erst unter extremen Bedingungen, wie sie während einer Tour üblich sind, ob eine Band richtig funktioniert oder nicht. Wir standen plötzlich vor dem Problem, den Drummer und den Keyboarder ersetzen zu müssen", so Ville rückblickend.

Das Problem wurde jedoch schnell gelöst. Besetzte Juska, ein bisher kaum in Erscheinung getretener Musiker, den vakanten Posten des Keyboarders, so klemmte sich mit Gas Lipstick (ex-Kyyria) ein echter Haudegen der Helsinki-Szene hinter die Drums und sorgte von nun an für den nötigen Drive. Die neu gefundene Stabilität im Line-up war mitverantwortlich dafür, dass HIM bei fast jedem ihrer Konzerte einige neue Songs in den Set integrierten, um erste Publikumsreaktionen auszuloten. Ville: " Während wir in Deutschland tourten, hatten wir bereits seit einem Jahr am Material für unser zweites Album gearbeitet — da bot es sich an, die Tracks live zu testen. Was im Studio gut klingt, muß unter Live-Bedingungen noch lange nicht funktionieren."

Im vergangenen Frühjahr ging das Quintett dann daran, das zweite Album aufzunehmen. Wie beim Debüt griff man auf die Dienste von Produzent Hiili zurück und nahm die Scheibe in den Finnvox Studios im heimischen Helsinki auf. Einige Monate später verkündete man dann der überraschten Presse, dass man die Scheibe komplett neu einspielen wolle. Eine Entscheidung, die Ville heute — mit dem notwendigem Abstand - folgendermaßen erklärt:
" Wir hatten das Gefühl bei weitem nicht das Optimum herausgeholt zu haben. Vielleicht lag es an uns selbst, denn wir hatten die Songs stetigen Veränderungen unterzogen und langsam, aber sicher, ihren ursprünglichen Charme verwischt. Vielleicht lag es aber auch an der Jahreszeit, in der wir die Scheibe aufgenommen hatten. Der Winter ist in Finnland einfach zu bedrückend, als dass man sich seiner Kraft entziehen kann. Ich glaube, deshalb klangen die Songs in ihren Endversionen zu depressiv, zu ausufernd...".
Einige Monate später verschanzten sich HIM wieder im Studio. Diesmal in den Rockhouse-Studios in Wales und unter der Anleitung von Soundtüftler John Fryer ( NIN, White Zombie, Depeche Mode ), der dem Quintett einen zusätzlichen Push verschaffte.
Ville ist der erste, der bereitwillig zugibt, das Fryer der Band zusätzliches Selbstvertrauen gab und es so ganz nebenbei schaffte, die Arrangements zu straffen: "John hat uns die Augen geöffnet, denn er ist an unser Material völlig unbefangen herangegangen und hatte keine Erwartungshaltung. Er hat sich darauf konzentriert, unsere Stärken voll zum Tragen zu bringen und uns wertvolle Tips gegeben. Der Typ ist ein absoluter Vollprofi ".

Einen ersten Eindruck der Kollaboration mit John Fryer konnten sich HIM-Fans bei der ersten Singleauskopplung "Join Me" machen. Für den Soundtrack des aktuellen Roland Emmerich Films "The 13th Floor" steuerte man eben diese Nummer bei und drehte einen Filmsequenzen enthaltenden Videoclip ab. Entpuppte sich der Song schon nach wenigen Durchläufen als kleine Gothic-Rock-Oper mit enormen Hitpotential, so sorgte der Videoclip, in dem Ville scheinbar mühelos die visuelle Wandlung zu einer modernen Version der Kunstfigur Ziggy Stardust vollzog, für weiteres Aufsehen.

Der Boden für die Veröffentlichung von " Razorblade Romance" ist also perfekt bereitet, zumal sich die Band deutlich gewachsen zeigt und die Klasse des Debütwerks toppen kann. Zwar hat sich das Erfolgskonzept, die Kombination aus harten Gitarren und melancholischen Melodien, nur um Nuancen geändert, aber die Band ist ihrer Vision von "Goth’n Roll" erstaunlich nahe gekommen. Beinahe beängstigend intensiv interpretiert man düster-morbide Tracks wie 'Gone With The Sin' oder 'Join Me', während treibende Songs wie 'She'll Be (Right Here In My Arms)', 'Razorblade Kiss' oder das als Reminiszens an das Debüt gedachte '666 Revisited' erstaunlich leicht aus den Boxen rocken.

Das bisherige Erfolgsrezept wurde bis auf die Tatsache, dass man mit'Heaven Tonight' und ' 'One Last Time' eine deutliche Affinität zu den Achtzigern dokumentiert, konsequent beibehalten und zeugt von gewachsenen Selbstvertrauen des Helsinki-Fünfers. "Razorblade Romance" ist die Reifeprüfung einer Band, die den Höhepunkt noch lange nicht erreicht hat.

 

English version of "Polarstar on the heaven of pop" comes soon!!!

 

Polarstern am Pophimmel

(Musicexpress 03/00)

Der erste Shooting Star des neuen Jahrtausends heißt Ville Valo und stammt aus Finnland. Mit der Band HIM nahm er die Charts im Sturm.

"Zwei alte Fürze". So vernichtend lautet sein Urteil, wenn Ville Valo laut über zwei Säulenheilige des Pop nachdenkt. Gemeint sind David Bowie und Jim Morrison. Doch das verschmitzte Grinsen von Valo verrät, dass man seine lkonenschändung nicht allzu ernst nehmen soll. Der 23-jährige Finne, Herz und Hirn von HIM, ist nur leicht angenervt von den ewigen Vergleichen zwischen Bowie und Morrison auf der einen, und ihm auf der anderen Seite. Zu oft seien in seiner kurzen Karriere als Frontman von HIM (His Infernal Majesty) schon Parallelen zwischen ihm und den beiden Berühmtheiten gezogen worden, meint Valo, um gleich darauf eine Lobeshymnen anzustimmen. Natürlich halte er sowohl Morrison als auch Bowie für "großartige Künstler", und selbstverständlich fühle er sich ungemein geehrt, wenn sein Name in einem Atemzug mit diesen zwei Ausnahmeerscheinungen des Rockbusiness genannt werde. Aber auf die Dauer nerve es eben doch: "Ich finde solche Vergleiche immer dann äußerst dämlich, wenn sie nur auf der Optik beruhen." Deshalb hat Valo sich auch die Frisur leicht verändert und dazu etwas Make-up aufgelegt. Vergleiche mit Jim Morrison selig dürften nun passé sein. Da bietet sich schon eher Brian Molko von Placebo an. Doch das will Valo erst recht nicht hören: "Um Gottes Willen. Ich hasse Brian Molko. Er ist der schlechteste Sänger aller Zeiten. Von Jim Morrison zu Brian Molko - was für ein Abstieg." Und weiter: "Was meine Musik und meine Texte angeht, gibt es mit keinem der Genannten irgendwelche Gemeinsamkeiten."
Das stimmt zwar so nicht wirklich, doch Ville Valo sucht ganz bewußt die Abgrenzung. Weiß er doch sehr genau, dass Vergleiche mit etablierten Künstlern einem neuen Act beim Publikum Starthilfe geben können, dass sie allerdings auch schnell zu einem Stempel werden, den man so schnell nicht mehr los wird. Demzufolge gibt sich der Kopf von HIM selbstbewußt. Und dazu hat er allen Grund. Valos Debütalbum, "The Greatest Lovesongs Vol. 666", und die dazugehörige Single, eine metallische Cover-Version des Chris Isaak-Hits "Wicked Game", verhalfen ihm gleich in mehreren Musikzeitschriften zum Titel "Newcomer des Jahres 1998" Die Single "Join Me" aus Valos aktuellem Album "Razorblade Romance" verdrängte im Januar die Werke weit bekannterer Musiker von der Spitze der deutschen Charts. Dabei war sie ursprünglich nur als Auskopplung aus dem Soundtrack zu dem von Roland Emmerich produzierten Film "The 13th Floor" gedacht. Der jedoch floppte böse. Ganz im Gegensatz zu "Join Me" und dem dazugehörigen Longplayer.
Dabei findet sich auf der Platte nichts wirklich Neues oder Überraschendes. HIM bleiben bei ihrem massentauglichen Mix aus süßlichen Melodien und harten Gitarren, dem Valos Stimme einen besonderen Reiz verleiht. Insgesamt ist "Razorblade Romance" noch eine Spur eingängiger und damit chart-kompatibler ausgefallen als sein Vorgänger. Mit Hilfe von Produzent John Fryer, der auch schon für Depeche Mode und Nine Inch Nails gearbeitet hatte, konnten Valo und seine Kollegen (Keyboarder Zoltan Pluto, Bassist Migé Amour, Gitarrist Lily Lazer und Schlagzeuger Gas Lipstick) ein Album vorlegen, das bei Pop- und Metalfans gleichermaßen großen Anklang fand. Valo erklärt die Entwicklung hin zu melodiöserem Material so: "Ich habe darauf geachtet, die neuen Songs simpler zu halten. Bei der letzten Tour hatten wir gemerkt, dass einige Songs nicht gerade hörerfreundlich ausgefallen waren. Ich will, dass wir künftig als Rockband eingeordnet werden, denn Metal hatte nie einen großen Einfluss auf mich. Als ich aufwuchs, habe ich zwar Kiss gehört, aber auch viele Sachen aus den sechziger und siebziger Jahren." Auch die Art und Weise, wie er auf der Bühne den Frontmann gibt, beweist, dass Valo sich im Rockbereich heimischer fühlt als im Metal- Metier. Seine Gestik, seine Mimik, seine gesamte Inszenierung macht es den Fans leicht, ihn als Projektionsfläche für ihre Gefühle zu sehen. Vor allem, wenn es um das rätselhafte Reich der romantischen Liebe geht, das HIM in ihren Songs nur allzu gerne thematisieren. Valo selbst sieht das so: "Meine Musik ist eine Art Tagebuch. Es geht darum, in den Songs Stimmungen wiederzubeleben, an die man sich gerne erinnert. Allerdings glaube ich nicht, dass ich sonderlich romantisch bin. Begriffe wie "ewige Liebe" erscheinen mir übertrieben, beinahe klebrig. Meine Geschichten handeln von jenen kleinen, alltäglichen Dingen, die Beziehungen groß und mächtig werden lassen." Bevor seine Poplyrik in die Kategorie "Kitsch" rutscht, erinnert Valo sich stets daran, wie vergänglich gerade Gefühle sein können. Beziehungen sind für ihn eine Synthese aus guten und schlechten Erfahrungen, die sich am Ende ergänzen - ein Art Yin und Yang der Emotionen, hören wir den jungen Philosophen sprechen, bevor er zu einer ausführlicheren Erklärung anhebt: "Manchmal mußt du etwas zerstören, um etwas Neues erschaffen zu können. Es darf nicht immer nur positive Erlebnisse geben. Ich vergleiche das mit gutem Essen. Wenn du jeden Abend im Nobelrestaurant isst, dann hängt dir auch das irgendwann zum Hals heraus. Oder anders formuliert: Wie sollst du wissen, was schön ist, wenn du das Hässliche nicht kennst?" Mitverantwortlich für solche Gedanken ist Valos Liebste, die der sensible Sänger zu seiner Muse erhoben hat. Ihr ist auch das aktuelle Album gewidmet. Die Beziehung zu seiner Herzensdame ist nicht nur die Quelle von Ville Valos Inspiration, sie gibt ihm auch die nötige (Selbst-) Sicherheit im harten Musikgeschäft. Dabei hat Valo lange Zeit kein Wort über seine Freundin verloren - "um die weiblichen Fans nicht zu enttäuschen", wie er heute unumwunden zugibt. Irgendwann erkannte er aber, dass er auf dem besten Wege war, sich zum Sklaven eines bisweilen erbarmungslosen Business' zu machen. Zwar lehnt Valo es immer noch ab, vor Fremden sein Privatleben auszubreiten. Doch das "starke Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Band" gibt ihm genügend Rückhalt das Thema "Freundin" zumindest anzuschneiden. Offener redet Valo allerdings über sein Verhältnis zu den Mitgliedern seiner Band: "Bei uns hat jeder seine Aufgabe. Migé, den Bassisten, und Lily, unseren Gitarristen, kenne ich seit über zehn Jahren. Sie sind meine besten Freunde." Ist doch positiv, möchte man Ville zurufen. Genauso positiv wie die Resonanz auf das aktuelle Album, zu dem Valo unbedingt noch etwas loswerden will: "Der letzte Song des aktuellen Albums, "One Last Time", hat einige Leute überrascht, weil er eine freundlichere Atmosphäre verbreitet als die, die man von unseren anderen Liedern gewöhnt ist. Der Opener "I Love You, Prelude To Tragedy" soll darauf hinweisen, welch sinnlosen Kampf die Liebe mit sich bringen kann. Und auch die anderen Stücke auf "Razorblade Romance" haben einen eher ernsten Hintergrund. Da war es mir ein Anliegen, das Album zumindest mit einem ansatzweise fröhlichen Song ausklingen zu lassen."
Nicht mal "ansatzweise fröhlich" reagiert Ville Valo, wenn man ihn mit seinem Image als neues Sexsymbol des Pop konfrontiert, das dem androgyn wirkenden Musiker von bestimmten Medien so gern angehängt wird. Nein, gibt er zu Protokoll, sein Image habe mit der Musik von HIM nun wirklich nichts z tun. Dennoch räumt Valo ein, die Mechanismen des Musikbusiness'- wozu bekanntlich auch Imagefragen und der Umgang mit den Medien gehören - nicht gänzlich außer Acht zu lassen. Vielleicht auch, um die hochgesteckten Erwartungen des Publikums zu erfüllen? "Als Künstler versuchst du, dem Publikum deine Gefühlswelt zu vermitteln. Klar, dass ich die Aufmerksamkeit, die mir dadurch zuteil wird, durchaus genieße." Wobei es Valo wichtig ist, sich das notwendige Maß an persönlicher Freiheit zu erhalten: "Neben der Musik möchte ich auch mit meinem Aussehen spielen können. Niemand versucht bei einer Fotosession schlecht auszusehen. Unterm Strich aber wird auf die Optik zu viel Wert gelegt." Wer würde da ernsthaft widersprechen? Auf der anderen Seite weiß jeder, dass die Erfolgschancen für einen hübschen Popmusiker besser stehen als für einen hässlichen. Auch vor diesem Hintergrund hat Ville Valo ziemlich guten Karten. So gut jedenfalls, dass der Kult um seine Person zu Hause in Finnland beinahe schon bedrohliche Züge angenommen hat. Doch auf solche Erscheinungen reagiert Valo mit einer gewissen Distanz: "Ich meide Menschen, die sich mir gegenüber unterwürfig verhalten. Bei dummen Komplimenten höre ich einfach weg. Solche Gespräche langweilen mich ohne Ende."
Sagt's und signalisiert gleichzeitig, dass er auch noch andere Aufgaben hat als die des Interviewpartners. Eines aber ist Ville Valo zum Abschluss noch wichtig: "Popmusik ist doch letzten Endes nichts weiter als ein Produkt, das der Käufer für kurze Zeit konsumiert, um es dann wegzuwerfen."


English version of "Suomi - Superstars" comes soon!!!

 

Suomi-Superstars



So Rockstar-untypisch sein Name ist, so groß sind seine Chancen, in die Annalen der Musikgeschichte einzugehen: Villa Valo, Sänger und Songwriter der finnischen Senkrechtstarter HIM. Ihr Debut schlug in Deutschland ein wie eine Bombe, die Presse sprach von "Düsterrock mit Popappeal" und befand, dass Valo ein ähnliches Charisma besitzt, wie der junge Jim Morrison. Auch wenn ein derartiger Vergleich etwas zu hoch gegriffen scheint, so gibt es angesichts des zweiten Albums dennoch berechtigte Hoffnungen auf eine neue Gothic Metal-Supergroup. Valo selbst sieht dies änhlich, auch wenn er im Vorfeld der neuen CD einige Probleme zu lösen hatte.

Ville, kaum war eure erste Tournee absolviert und das 2. Album in der Mache, schon gab es einschneidende personelle Veränderungen. War die Erstbesetzung nichtgenügend sturmerprobt?
"Die Wahrheit ist: Him haben vor dem ersten Album nie getourt. Dementsprechend war die erste Tournee, die wir nach unserem Debutalbum "Greatest Lovesongs Vol. 666" machten, die erste Zerreissprobe für die Band. Der Erfolg des Albums und die Tour änderten die komplette Chemie innerhalb der Truppe. Auf einmal wurde für alle notwendig, sich weit mehr und weitaus zeitintensiver als bisher für die Band zu engagieren. Dadurch stießen einige Bandmitgieder an die Grenzen des für sie Machbaren, und darüber hinaus. Wir mussten also handeln, um den zweiten Schritt überhapt realisieren zu können."

War denn nicht allen vorher klar, welche Belastungen auf sie zukommen würden?
"Nein, natürlich nicht. Wir produzierten einfach ein Album und hofften daraud, dass es einigen Leuten gefällt. Von der Reaktion der Fans, vor allem von der in Deutschland, waren wir völlig überrascht."

Und bist du nun enttäuscht, dass ihr so schnell personell umgstalten musstet?
"Ja, ein bisschen schon, denn vorher waren Him wie eine Familie. Aber es ist wie bei Freundschaften: Man muss loslassen können.Ich will doch nicht meine Karriere ruinieren, nur weil einige Leute zu faul sind, die entsprechenden Schritt einzuleiten. Außerdem: Unser neuer Drummer Gas Lipstick und der neue Keyboarder passen hervorragend in die Band."

Offenbar war dies jedoch nicht das einzige Problem, oder? Immerhin habt ihr Teile des aktuellen Albums wieder eingeäschert und in Wales neu aufgenommen.
"Stimmt, obwohl ich dazu sagen muss, dass einige der Aufnahmen auch nur als Demoversionen gedacht waren. Aber zugegeben, das Materiel klang nicht so, wie es hätte klingen sollen. Unser Schlagzeuger hatte nie Zeit zum Proben, und darunter litten letztendlich die Aufnahmen. Oh Mann, wenn ich daran denke: Wir waren auf dem direkten Wege, uns aufzulösen."

Woran genau mangelte es den Aufnahmen?
"Viele Arrangements waren zu lang, außerdem der Gesamtsound zu poppig, nicht rockig genug. Doch nach den ersten Aufnahmen gingen wir auf Tournee. Dadurch wurden wir weitaus selbstbewusster. Als wir wieder nach Hause kamen, waren wir so voller Energie, dass wir gleich entschieden, die Stücke noch einmal aufzunehmen. Und diesmal richtig."

Und mit dem richtigen Mann: Stichwort John Fryer (u.a. White Zombie, Nine Inch Nails)!
"Ja, und vor allem im richtigen Studio. Im Rockhouse-Studio in Wales haben ja auch schon Black Sabbath aufgenommen. Und von denen sind wir alle riesige Fans. Außerdem konnten wir deutlich konzentrierter arbeiten, da wir im Rockhouse auch gewohnt haben. Wenn man jeden Abend nach Hause in sein eigenen Bett geht, verliert man immer ein wenig den Bezug zur Produktion."

Gib mir abschließend 4 Attribute, die das neue Album charakterisieren!
"Also: 1. heavy as hell, 2. romantic, 3. pretty melodic und 4. a touch of gothic magic."

 

English version of "HIM, The Gallery live" comes soon!!!

 

HIM, The Gallery live
4.12.98, Zeche Carl Essen



The Gallery aus Holland hatten das Glück, in einer schon beinahe ganz gefüllten Halle ihr halbstündiges Set präsentieren zu können. Gemeinsam mit alles anderen Anwesenden hatte ich das Glück, The Gallery live zu erleben. Glück deshalb, weil sie ihre Songs mit einer gewaltigen Hingabe darboten.Gesang und Instrumente waren optimal abgemischt. Diese Spielfreude führte dann wohl auch dazu, dass die angekündigte Ballade nicht unbedingt als solche zu erkennen war. Ihre CD "Fateful Passion" halte ich für gelungen. Den großartigen Auftritt im Hinterkopf stellt sich mir allerdings die Frage, warum der CD Sound etwas verwaschen ist. Egal, live ein echtes Erlebnis.

Nachdem HIM ihre Feuerprobe beim Summer Horizon Open Air in Gelsenkirchen noch etwas durchwachsen absolvierten, konnten sie Essen auf ihrer ersten Deutschland-Tournee mit Brisanz ihre atmosphärischen Song zu den Ohren der geneigten Audienz in der ausverkauften Zeche Carl tragen. Ville Valo begeisterte erneut vor allem weibliche Publikum mit seinem "female" Hüftschwung, wobei sich seine stimmlichen Qualitäten von Song zu Song zu steigern schienen, während der Inhalt seiner Weinflasche zunehmend ins Gegenteil umschlug. Hervor stachen erneut "Your sweet six six six" und der eher balladeske bis poppige Song "When love and death embrace". Als echter Knaller, neben der Depeche Mode-Coverversion "Enjoy the silence", zeichnete sich auch "For you" aus. Nun, festhalten sollte man, dass Ville wohl eine besondere Affinität zu David Lynch verspürt, da das Konzert mit dem Stück "Audreys dance" aus dem Twin Peaks Soundtrack eingeläutet wurde. Und so fand auch die Chris Isaak Cover Version "Wicked game", die es mittlerweile des öfteren bei Viva2 und Viva zu sehen gibt, besonderen Anklang. Chris Isaak seinerseits spielte übrigens im Twin PEaks Film "Fire, walk with me" Special Agent Chester Desmond. Der Kreis schließt sich jetzt endlich wieder, denn das Original Video von "Wicked game" wurde von David Lynch directed. Solong, in Bezug auf den Newcomer des Jahres 1998, von dem wir 1999 wohl noch so einige Passionen zu erwarten haben.

 

 

English version of "Studioreport HIM" comes soon!!!

 

Studioreport HIM



Wenn am 25. November die neue Produktion von Roland Emmerich, der Virtual-Reality-Thriller "The 13th floor" in den deutschen Kinos anläuft, wird der Abspann von der neuen HIM-Single "Join me" auf melancholisch-kraftvolle Art und Weise musikalisch unterlegt. Die melodiöse Gothic-Rock-Ballade der finnischen Aufsteiger des zur Neige gehenden Jahres gibt aber auch einen geeigneten Vorgeschmack auf das voraussichtlich im Februar erscheinende neue Album der Band um den charimatischen Frontmann Ville Valo, der es sich nicht nehmen ließ, am 25. Oktober in Köln zu einer Listening-Session einzuladen.

Man mochte zunächst etwas irritiert vermerkt haben, dass niemand geringerer als John Fryer als Produzent bereits bei der Vorabsingle fungierte, nachdem er so nahmhafte, aber so unterschiedliche Acts wie Depeche Mode, Nine Inch Nails, Fields of the Nephilim und White Zombie unter seine Fittiche genommen hatte. Doch statt HIM in eine elektronische Schiene zu manövrieren, ließ er der Band bei den Arrangements unerwartet viel Freiraum.
"John Fryer hat so viel mit Electro- und Industrial-Bands zu tun gehabt, dass wir etwas Angst hatten, dass er uns auch in diese Richtung schieben wollte, aber es war dann so, dass er froh war, endlich mal was ganz anderen machen zu können. Es war ein schönes und einfaches Arbeiten mit ihm, und wir telefonieren noch sehr oft miteinander", schwärmt Ville von der unkomplizierten Zusammenarbeit, wobei Ville den eigentlichen Part von John Fryer bei der Produktion wie folgt schildert: "Wir hatten Millionen an Ideen, und er pickte die besten davon raus. Er änderte nicht viel an den Arrangements, sondern polierte die Songs nur. Er wollte unser Rock-Image stärken und das Live-Gefühl hervorheben."

HIM hatten mit John Fryer gerade in Wales die Hälfte des Albums fertiggestellt, als ihr Manager ihnen mitteilte, dass eine Filmgesellschaft an der Musik von HIM interessiert sei.
"Wir bekamen dann eine Kopie von "The 13th floor", den wir mit der ganzen Band anschauten und schließlich alle mochten. Es ist ein guter Film. Im Gegensatz zu "The Matrix", der eher wie ein Musikvideo war, liegt der Schwerpunkt bei "The 13th floor" auf dem Drama. Es ist ein dunkler Film, aber nicht der amerikanischen Art, nicht voller Action und so. Ich mag ruhige Filme. Wir wählten "Join me" für den Film aus, weil er unserer Meinung nach zur Stimmung des Films passt."

Nachdem HIM so viel Spaß dabei hatten, die Musik für eine derart große Produktion bereitzustellen, hat die Band mittlerweile sogar Lust, ernsthaft über die Angebote nachzudenken, Filmmusik zu komponieren.
"In Finnland gibt es einige Interessenten, für die wir die Score-Musik zu Filmen schreiben sollen. Wir sind sehr an solchen Sachen interessiert, gerade an dunklen Filmen wie von Roman Polanski oder so, Horror-Filme, aber nicht so wie Scream, sondern mehr psychologische Filme."

 

English version of "Light off, music on!" comes soon!!!

 

Licht aus, Schnulze an!

Relativ romantisch: HIM und ihr Love Metal

(Berliner Zeitung)

Ville Valo trägt langes Haar, ist tätowiert, mitunter geschminkt und lässt gern den obersten Hosenknopf offen. Ville wirkt androgyn. Damit es nicht zu Verwechslungen kommt, hat er seine Band HIM (ihm) genannt. Und damit niemand denkt, er sei schwul, richtet sich jedes zweite Lied an eine Frau. Sein ambivalentes Auftreten aber muss so bleiben, denn Villes Berufsziel ist Popstar. Deshalb hat er auch alle Platten von Danzig, Sisters of Mercy und The Cult studiert.
Ville Valo ist Finne. Da in Finnland selten die Sonne scheint, hat er ein offenes Verhältnis zur Dunkelheit. Er hat eine romantische Seele, seine Musik nennt er Love Metal, denn Liebe und Tod gehören in Villes Welt - kein Song ohne den Sensenmann. HIMs erste Platte hieß "Greatest Lovesongs Vol. 666". Doch erst mit der erfrischend pathetischen Single "Join me" von dem Album "Razorblade Romance" kam HIMs großer Durchbruch. Mittlerweile kann jedes Schulkind die schönen Zeilen singen: "Wirst du heute nacht für die Liebe sterben/ komm und folge mir in den Tod". Das klingt zwar furchtbar pubertär, doch seinen Fans wird dies aus verständlichen Gründen kaum auffallen. Auch dass die restlichen Songs der Band durchschnittlich sind, tut nichts zur Sache. Echten Popstars hat das noch nie geschadet.

 

English version of "Ville Valo from HIM" comes soon!!!




Ville Valo von "HIM"

(Scream)

Zu HIM gibt es eigentlich nicht viel zu sagen; in ihrer Heimat sind sie derzeit mindestens so angesagt wie die Backstreet Boys, und auch bei uns locken ihre Konzerte nicht nur die Gothic-Freaks von ihren Lieblingsfriedhöfen.

Scream: In einem anderen Interview habe ich gelesen, "Greatest Love Songs Vol. 666" sei nicht ganz so geworden, wie ihr wolltet. Bezog sich das auf die einzelnen Songs, oder war es eher die Zusammenstellung oder die Produktion des Albums, die für euch nicht perfekt war? Als ich die CD gehört habe, fand ich sie zwar sehr gut, aber ich hatte trotzdem das Gefühl, dass ein paar Songs nicht so recht zusammenpassen.
Ville Valo:
"Welche?"

Scream: Na ja, die Songs sind sehr unterschiedlich ... die einen klingen vom ersten Ton an nach Lovesongs, z. B. "The Heartless", und andere sind eher Grunge, mit diesem harten Gitarrensound. Ich meine, sie hören sich alle toll an, aber ...
Ville Valo:
"Das war das Problem mit dem ersten Album. Wenn man die Songs über so einen langen Zeitraum hinweg schreibt - "The Heartless" entstand 1993 oder so, "For You" 1995 und die Ballade "When Love and Death Embrace" von 1997 - ist das immer so. Ich sehe das als eine unserer Stärken, unterschiedliche Songs zu haben und nicht immer gleich zu klingen, denn das würde auf Dauer ja langweilig werden. Ich denke, die Stimmung ist auf dem ganzen Album gleich. Ein paar Songs sind aggressiver, ein paar andere eher soft, aber die Stimmung ist die gleiche, das ist das wichtigste."

Scream: Mir hat auch jeder einzelne Song auf der CD gefallen. Aber ich habe das Interview auf MTV gesehen, wo du gesagt hast, dass ihr die Coverversion von Chris Isaac's "Wicked Game" nur gemacht habt, weil ihr noch einen zusätzlichen Song für das Album brauchtet.
Ville Valo:
"Nein, das war nicht für das Album, was war, als wir die Band gegründet haben. Bevor wir überhaupt einen Proberaum hatten, waren wir schon für unser erstes Konzert gebucht, also hatten wir nicht genug Material für den ersten Gig. Deshalb haben wir ein paar Coversongs einstudiert - "Wicked Game" war sozusagen ein Unfall. Es war einer er ersten Songs, den wir gespielt haben."

Scream: Was ich gerne wüsste, das andere Cover, "Don't Fear The Reaper", habt ihr das ausgesucht, weil euch der Film "The Stand" dazu inspiriert hat, oder weil es ein guter Song ist?
Ville Valo:
"Hm ... weil es ein guter Song ist. Die Version von "Don't Fear The Reaper" auf dem Album ist übrigens nur eine Demo-Version, weil die Plattenfirma es unbedingt auf dem Album haben wollte. Das Album war nämlich so kurz, wir hatten nicht genug Material. Jetzt hat es insgesamt 42 Minuten Spielzeit und "Don't Fear The Reaper" ist 7 Minuten lang, also hätte das Album ohne den Song nur 35 Minuten. Wir waren irgendwie sehr in Eile, als wir das Album aufgenommen haben und hatten nicht genug gute Songs, die wir hätten aufnehmen können, aber wir hatten eine gute Version von "Don't Fear The Reaper" ... das war auch so ein "Unfall" ..."

Scream: Aber ihr bereut im Nachhinein nicht, diese "Unfälle" aufgenommen zu haben?
Ville Valo:
"Nein, überhaupt nicht! Aber man hätte das noch viel besser machen können. Das ganze Album könnte besser sein. Aber es ist OK, ich mag es. Es war eine gute Entscheidung, den Song mit auf die Platte zu nehmen. Mir gefällt auch die Stimme der Sängerin."

Scream: Dazu möchte ich auch noch etwas fragen: Bei allen Interviews stehst immer nur du im Mittelpunkt, der Rest der Band tritt gar nicht in Erscheinung - mich wundert das ein bisschen. Ich bin nicht sicher ... ist die Sängerin fester Teil der Band, oder war das eine einmalige Sache?
Ville Valo:
"Nein, das war eine alte Freundin von mir. Zur Zeit studiert sie in England, sie will Schauspielerin werden ... um ehrlich zu sein, darin ist sie sogar ziemlich gut. - Nein, wir hatten nie vor, einen weiblichen Part fest in die Band aufzunehmen."

Scream: Als ich eure Videoclips sah, fand ich die sehr ... wie soll ich sagen ... künstlerisch wertvoll ...
Ville Valo:
"... in a shitty way."

Scream: Nein, wirklich nicht!! "Wicked Game" beispielsweise fand ich wirklich klasse. Und auch das Video zu "When Love and Death Embrace" fand ich sehr beeindruckend. Habt ihr einen besonderen Regisseur engagiert, oder macht ihr das in Eigenregie?
Ville Valo:
"Wir versuchen natürlich, so weit wie möglich daran beteiligt zu sein. Aber bei "Wicked Game" war das nicht so sehr der Fall. Ich mag dieses Video nicht."

Scream: Ehrlich?! Wieso?
Ville Valo:
"Es ist lustig, aber es hat diesen komischen Touch, mit den Mädchen und dem Regen und Schnee ... es ist so schrecklich düster."

Scream: Also bist du gar nicht so melodramatisch, wie du dich in den Videos gibst?
Ville Valo:
"Naja, ich bin schon melodramatisch, aber auf eine positive Art. Ich mag das Video von "When Love and Death Embrace" viel mehr, das entspricht der Band viel eher. Und es hat dieses "Twin Peaks"-Feeling, den David-Lynch-Touch, was ich sehr gerne mag. Das Video von "Wicked Game" war ein bisschen zu s ehr im Stil der 80er Jahre, es könnte viel besser sein ... aber wir haben unser bestes versucht und wenn wir das nicht getan hätten, wäre es jetzt wohl wie ein Video von Sodom ... Nicht, dass ich 'was gegen Sodom hätte, aber wir gehören definitiv zu einer vollkommen anderen Szene."

Scream: Und wer schreib eure Texte? Ihr alle zusammen?
Ville Valo:
"Ich! Wie kann man zusammen Lovesongs schreiben? Ist es möglich, dass fünf Leute das selbe fühlen? Niemals! Bei den Texten bin ich wohl zu besitzergreifend, aber das kommt daher, weil ich es auch singen muss. Man kann nicht die Texte von jemand anderem mit Überzeugung singen."

Scream: Und woher nimmst du die Ideen für die Texte?
Ville Valo:
"Alles persönliche Erfahrungen. Beschissene Beziehungen mit wunderschönen Frauen. Wie das halt so ist im Leben."

Scream: Eine andere Frage: Wann können wir mit dem nächsten Album rechnen?
Ville Valo:
"Das ist noch nicht sicher, hoffentlich wird es irgendwann Anfang nächstes Jahr veröffentlicht. Aber ich bin nicht sicher, denn die Arbeiten daran ziehen sich ziemlich in die Länge. Wir haben ein paar Songs aufgenommen, aber wir sind nicht sicher, wie wir das Album produzieren sollen, wie hart oder wie mainstreamig es sein sollte. Wir suchen immer noch den richtigen Sound. Und es ist gut, dass wir uns dabei so viel Zeit lassen können."

Scream: Mich würde interessieren, ob ihr eurer Linie treu bleibt - ich meine, die Songs auf "Greatest Lovesongs ..." waren wirklich alle Lovesongs.
Ville Valo:
"Ja, das wird auf dem nächsten Album auch wieder so sein. Das ist das Einzige, worüber ich mir wirklich sicher bin. Die politischen Themen überlasse ich lieber Rage Against The Machine! Musikalisch wird es ein bisschen weiterentwickelt sein, die Musik wird rockiger und straighter, nicht so gothic."

Scream: Das hört sich verdächtig nach Marilyn Manson an.
Ville Valo:
"Nein, ich finde, Manson hört sich an wie eine Mischung aus Bauhaus und Ziggy Stardust. Warten wir 'mal ab, was bei uns passiert. Vielleicht werden wir zum Billy Idol der 90er Jahre? Es ist wirklich schwer zu sagen, weil die Platte eben noch nicht fertig sein muss. Die Songs werden auf jeden Fall straighter und ein bisschen melodischer, mehr in Richtung Pop, "Entombed meets Annie Lennox" oder sowas. Oder eigentlich wollen wir eher, dass es sich anhört wie "Manowar plays Garbage"."

Scream: Als euer erstes Album herauskam, wurdet ihr oft mit Type 0 Negative verglichen. Mögt ihr dieses Gothic-Image?
Ville Valo:
"Ich habe nichts gegen das Gothic-Image ... doch, eigentlich habe ich etwas gegen das Image, aber nicht gegen die Musik. Ich bin ein großer Gothic-Fan; das ist wahrscheinlich die einzige Musik, die ich zu Hause höre. Das war aber keine Entscheidung, die wir hätten treffen können - sowas passiert einfach. Das hängt von der Musik ab, die man hört. Aber ich fand es besser, mit Type 0 Negative verglichen zu werden als zum Beispiel mit den Scorpions. Type 0 Negative ist eine gute Band, ich mag sie sehr, und Peter Steele ist ein großartiger Mann. Unsere Stimmen hören sich sogar ähnlich an, ich habe ja auch eine ziemlich tiefe Stimme, und dunkles Haar habe ich auch, und wir spielen beide harte und doch melodische Musik, deshalb ist es offensichtlich, dass wir miteinander verglichen werden. Aber ich finde, sie haben mehr von den Beatles. "October Rust" ist wie ein Beatles-Album, es ist sehr hippie-mäßig; wir sind mehr 80er Jahre, sie sind viel mehr 70er; sie sind langsamer, wir sind viel schneller ..."

Scream: Ich denke, es wird schwierig werden, von diesem Gothic-Image ganz wegzukommen. Hast du gesehen, wie die Leute hier alle 'rumlaufen? Die erwarten sicher, dass das nächste Album wieder sehr gothic wird!
Ville Valo:
"Auf eine Art wird das bestimmt nicht leicht. Aber das kommt darauf an, wie man Gothic definiert. Im Grunde verstehe ich diese ganze Gothic-Szene nicht. Wo sind die Gemeinsamkeiten zwischen Bands wie Sisters of Mercy, Fields of the Nephilim, The Cure, Lacrimosa, Umbra et Imago, London After Midnight, ...? Die haben absolut keine Gemeinsamkeiten, deshalb weiß ich nicht, was Gothic eigentlich ist. Ich glaube, Gothic bedeutet schwarzer Lippenstift, Unmengen weißer Puder ..."

Scream: ... schwarze Klamotten und schwarz gefärbte Haare.
Ville Valo:
"Ja, Black No. 1! Diese Szene hat sich mir nie erschlossen, da konzentriert sich alles viel mehr auf den Look als auf die Musik. - Ich denke, dass jeder fucking Gothic-Fan den neuen Stil von Paradise Lost lieben müsste, denn der ist viel mehr Gothic als das, was sie früher gemacht haben. Unser neues Material wird jedenfalls viel mehr Gothic sein, aber eben im Stil der 80er Jahre. Manche Leute halten "White Wedding" von Billy Idol für den ersten Gothic-Song, der jemals geschrieben wurde, und in diese Richtung soll das neue Album gehen. Ich persönlich finde, "Greatest Lovesongs ..." ist ein Metal-Album, aber das neue Material ... es wird schon heavier werden, aber im Sinne von ... Nimm zum Beispiel den Unterschied zwischen dem Gitarrensound von Crematory und Entombed. Ich finde, Entombed ist viel heavier, aber es ist kein Heavy Metal. Es klingt nach Rock, nach Motörhead, und das ist die Richtung, in die die Produktion gehen wird. Die Vocals werden clear und melodisch sein, ungefähr wie bei The Mission oder Sisters of Mercy. Die Gitarren werden viel rauer, rockiger sein und das Album insgesamt wird wohl um einiges schneller sein."

Scream: Werdet ihr wieder mit einer Sängerin arbeiten?
Ville Valo:
"Nein, diesmal denke ich nicht. Jeder macht das zurzeit. Wir hatten das schon im Mai '96, als das Demo von "Don't Fear The Reaper" aufgenommen wurde. Dafür hat es sehr gut gepasst, wegen diesem Duett. Aber wir werden keine Sängerin dazunehmen, nur weil es gerade angesagt ist. That's bullshit!"

Scream: Zur Zeit ist das ja fast schon ein Muss ... Irgendwie hört sich das alles für mich an, als wärt ihr mit dem Album gar nicht so zufrieden - ihr musstet dies und das dazunehmen, obwohl ihr eigentlich gar nicht wolltet ...
Ville Valo:
"Nein, nein, so habe ich das nicht gemeint. Ich meinte nur, für das neue Material werden wir keine Sängerin haben, aber als wir das erste Album gemacht haben, war es ja noch nicht so "trendy". Damals hatten nur ein paar bestimmte Bands eine Sängerin, zum Beispiel My Dying Bride und die ganze Doom und Death Metal Szene. Du weißt schon, Grunzen und dann eine Opernsängerin im Hintergrund ... wir haben June Hyde auf "Don't Fear The Reaper" viel traditioneller eingesetzt, finde ich. Aber bei unseren neuen Songs wird kein Platz mehr sein für eine Sängerin."

Scream: Eine ganz dumme Frage, die man dauernd gefragt wird, wenn ein Album veröffentlicht wird: Habt ihr einen Lieblingssong?
Ville Valo:
"Mein Lieblingssong? Auf dem ersten Album? Hm - das ganze Album ist wichtig, weil es das erste ist, das ich gemacht habe und man ist sehr mit den Songs verbunden. Vielleicht "When Love And Death Embrace", die Ballade - nicht als Song an sich, sondern deshalb, weil es uns so sehr geholfen hat, vom Underground aufzusteigen und im Radio gespielt zu werden. In Finnland war der Song ein großer Radio-Hit und wird immer noch regelmäßig gespielt. Er war ungefähr 1½ Jahre bei allen großen Radiosendern in der Heavy Rotation. Das war natürlich ein ganz großer Schub für unser Ego, so dass wir das Gefühl hatten, wir können stolz sein auf das, was wir machen. Man ist nämlich sehr unsicher, wenn man das erste Album aufnimmt, weil es keine Garantie gibt, dass man auch noch ein zweites machen wird. Aber unser Album ist so gut angekommen, dass wir vollkommen erleichtert waren und uns jetzt auf die Musik konzentrieren können. Das ist eine schöne Sache."

Scream: Wie sieht es eigentlich in der finnischen Musikszene aus, werden da viele "harte" Bands im Radio gespielt?
Ville Valo:
"In Finnland gibt es jede Menge lokale Radiosender, die sich im Grunde keiner anhört. Aber in Helsinki gibt es einen großen Sender namens Radio City , die spielen zwar auch dieses "Schlager"-Zeug, aber sie spielen auch Bands wie Metallica oder unsere Sachen. Der Unterschied ist, dass wir in Finnland zur Zeit Mainstream sind. In Finnland gibt es nur diesen einen großen Rocksender, der landesweit ausgestrahlt wird, und wir haben das Glück, dass sie uns mögen und unsere Songs spielen. Aber sonst wird nicht viel harte Musik gespielt; das kommt eben auf die Band an."

Scream: Du hast gesagt, in Finnland seid ihr Mainstream - Type 0 Negative sind auch aus Finnland ... Ist diese Art Musik wirklich so angesagt dort? Wenn man sich hier in Deutschland umschaut, hier hören die Leute Tekkno und House und Schlager ...
Ville Valo:
"Die Kids hören auch dieses Tekkno-Zeug, und die alten Säcke ihre Schlager, aber alle zwischen 15 und 35, 40 hören eine Menge alternative Sachen. Das ist das gute in Finnland, die Szenen sind nicht so eingeschränkt, es gibt keine reine Tekkno-, Metal- oder sonstwas Szene. Ich glaube, im Moment sind 3 finnische Metal-Alben in den Top 10 der offiziellen Charts. Das bedeutet zwar keine riesigen Verkaufszahlen, aber es ist eine gute Sache."

Scream: Es hört sich doch immer gut an, ein Album in den Top 10 zu haben.
Ville Valo:
"Ja, das beschleunigt alles. In unserem Fall zum Beispiel wurde die Platte im Herbst '97 veröffentlicht und sie landete sofort auf Platz 11, dann auf Platz 4 und war insgesamt über ein halbes Jahr in den Charts, ein paar Monate lang in den Top 20. Das wichtigste, was dann passierte, war diese finnische Grammy-Geschichte. Normalerweise geht die Auszeichnung an Schlager-Künstler, aber wir waren die erste finnische Band, die englisch singt und Hardrock oder Metal spielt, und wir wurden ausgezeichnet für das Debut Album des Jahres und als Newcomer des Jahres. Jetzt haben sogar die konservativen finnischen Plattenfirmen-Verantwortlichen akzeptiert, dass Metal und Alternative Teil des Mainstream sind, was sehr selten vorkommt. Viele Leute denken immer noch, das ist nur ein Haufen Langhaariger, die so ganz hartes Zeug spielen, aber viele Leute schätzen auch, was wir machen. Eine ganz außergewöhnliche Situation, und ich bin froh, ein Teil davon zu sein."

 

English version of "Dieing for love" comes soon!!!



Sterben für die Liebe

(Divine6 01/00)

Wohl kaum ein Album auf dem Gothic-Sektor wurde mit soviel Spannung erwartet, wie "Razoblade Romance" von HIM. Konnten die finnischen Shooting-Stars doch bereits mit ihrem Debütalbum "Greatest Lovesongs Vol. 666" weit über die Szenegrenzen hinaus Aufsehen erregen. Dies lag wohl nicht zuletzt auch an Sänger Ville Hermanni Valo, dem von verschiedenen Seiten ein androgynen Image verpasst wurde, was ihn in vieler Leute Augen wohl nur noch interessanter und letztendlich auch erotischer machte.

Dabei wurde die Band gerade erst 1996 gegründet und machte vorerst nur in Finnland eine Bilderbuchkarriere. Immerhin konnten sie schon mit dem zweiten Demo die finnische BMG von den eigenen Qualitäten überzeugen, ein Vertrag war nur noch Formsache und kurze Zeit später stand "Greatest Lovesongs Vol. 666" in den Läden. Vielleicht lag es daran, dass sich die Sonne in Finnland lange Zeit des Jahres kaum mehr als ein paar Stunden über den Horizont wagt und die Finnen aufgrund dessen von jeher als melancholische Menschen angesehen werden, dass "Greatest Lovesongs Vol. 666" mit seinen düsteren Gothic-Klängen in Verbindung mit eingängigen Melodien hier einschlug wie eine Bombe. Zwei Top-Ten-Singles und eine Goldauszeichnung für das Album konnten Ville und seine Kollegen verzeichnen, bevor sie sich aufmachten, auch Deutschland für sich zu erobern. Der Rest ist Geschichte.

Dieser Erfolg zeigte aber schon bald seine Schattenseiten, denn erst durch exzessives Touren zeigt sich, ob eine Band zu einer verschworenen Gemeinschaft wird oder daran zerbricht. Ber HIM sah es erst nach letzterem aus, der Drummer und der Keyboarder stiegen aus, konnten aber schon bald durch adäquate Musiker ersetzt werden. Und auch bei den Aufnahmen zu "Razorblade Romance" sollte es Schwierigkeiten geben. Zwar fand man sich bereits im Frühjahr 1999 mit dem Produzenten Hiili, der auch schon beim Debüt an den Reglern saß, im Studio zusammen und konnte recht bald neue Stücke vorweisen. Doch der Band schien diesen Stücken das gewisse Etwas zu fehlen, so dass sie sich kurzerhand entschlossen, das vorhandene Material nicht zu verwenden und das Album ganz neu einzuspielen. Hierzu bediente man sich der Hilfe von John Fryer, der schon mit solchen Größen wie Nine Inch Nails, White Zombie oder Depeche Mode zusammengearbeitet hat. Diese Zusammenarbeit gab der Band sichtlich neues Selbstvertrauen, was sich dann auch in den Songs auf "Razorblade Romance" niederschlägt.

šber das Album konnte ich dann auch das folgende Interview mit Ville führen, der sich leider als äußerst wortkarg entpuppte.

D 6: Wo siehst du bei dem aktuellen Album "Razorblade Romance" eine Weiterentwicklung gegenüber eurem Debüt-Album?
Ville:
"Nach der ganzen Tourerei, den frustrierenden Stido-Aufenthalten und den Wechseln im HIM-Lineup hbabe ich gelernt, dass etwas, was mich nicht töten, mich nur härter macht."

D 6: Gibt es bei dem Album ein Konzept?
Ville:
"Sowohl musikalisch, als auch von den Texten ist "Razorblade Romance" der Soundtrack einer höchst unanständigen Beziehung."

D 6: In den meisten Stücken auf "Razorblade Romance" geht es um positive oder negative Aspekte der Liebe. Ist Liebe tatsächlich so wichtig für dich, dass fast alle deine Texte davn handeln?
Ville:
"Für mich ist Liebe ein andauernder psychischer und physischer Kampf in einem selbst. Ein Bedürfnis, das sich in mir entfaltet."

D 6: Gibt es für dich nicht trotzdem auch andere Dinge, über die es sich zu singen lohnen würde, wie etwa politische Themen?
Ville:
"Mein Wissen auf diesem Gebiet ist unglücklicherweise praktisch nicht vorhanden."

D 6: In "Join me" singst du die Zeilen "Will you die tonight for love? Baby join me in death". Wie sind diese Zeilen zu verstehen?
Ville:
"Es handelt davon, einen Weg zu finden, dieser Welt und sich selbst durch eine andere Person zu entfliehen."

D 6: Würdest du für die Liebe sterben?
Ville:
"Ich sterbe fortwährend für die Liebe."

D 6: Hälst du es nicht für bedenklich, solche Texte zu singen? Gerade junge Fans, die sich in der Pubertät oft in einer schwierigen Phase befinden, könnten solche Texte doch tatsächlich in die Tat umsetzen.
Ville:
"HIM ist keine Lehrstunde darin, "wie fühlt man sich miserabel". Wir bietem dem Hörer lediglich melancholische Gesellschaft."

D 6: "Join me" findet sich ja auch auf dem Soundtrack des neuen Roland Emmerich-Filmes "The 13th floor". Wurde er speziell für diesen Soundtrack geschrieben?
Ville:
"Nein, "Join me" wurde lange Zeit vorher geschrieben. Noch bevor ich davon gehört habe, dass wir eventuell in diesen Film kommen könnten."

D 6: Kennst du den Film?
Ville:
"Nein, ich habe ihn noch nicht richtig gesehen."

D 6: Zurück zum Album. Als ich "Razorblade Kiss" gehört habe, war mein erster Gedanke, dass es auch gut ein Stück von Type'o'negative sein könnte. Fühlst du dich durch diese Band beeinflusst?
Ville:
""Bloody Kisses" ist ein Klassiker, der Rest ist einfach nur schrecklich."

D 6: Im Großen und Ganzen sind die Songs auf "Razorblade Romance" vergleichbar mit den Stücken auf "Greatest Lovesongs Vol. 666". Scheust du ein wenig die Veränderung, oder bist du nicht daran interessiert, etwas Neues in deiner Musik auszuprobieren?
Ville:
"Nein, bin ich nicht."

D 6: Einige der Stücke, wie etwa "Heaven tonight", könnten auch aus den Achtzigern stammen. Was empfindest du für diese Musikepoche?
Ville:
"Ich bin mit der Musik aus dieser Zeit aufgewchsen, so dass sie mich natürlich auch beim Schreiben meiner Songs beeinflusst."

D 6: Hättest du lieber in jener Zeit Musik gemacht?
Ville:
"Nein, im Endeffekt ist es dann doch viel praktischer, ein Mobiltelefon zu haben anstatt Moon Boots."

D 6: Was erwartest du für die nächste Dekade?
Ville:
"Kontinuität."

D 6: Deine Plattenfirma bezeichnet die Musik von HIM als Goth'n'Roll. Wie würdest du sie selbst bezeichnen?
Ville:
"Eine Mischung aus Blut, Schweiß und Tränen."

D 6: Was glaubst du, woran es liegt, dass es von der Masse an Gothic-Bands in den letzten Jahren kaum eine geschafft hat, etwas bekannter zu werden? Wie man an HIM sieht, ist es ja möglich, mit dieser Musik auch über die Szene hinaus auf sich aufmerksam zu machen.
Ville:
"Nun, es hat in der Szene seit Jahren keine Band mehr gegeben, die wegweisend für den Rest gewesen wäre. Irgendwie scheint jeder in den Achtzigern festzustecken und lediglich das Rezept von The Sisters of Mercy, The Mission und The Fields of the Nephilim zu wiederholen. Es ist wirklich eine Schande, dass es heutzutage nur so wenige orginelle Gothic-Bands gibt, wie etwa die Dreadful Shadows, Midnight Configuration oder London after Midnight."

D 6: Oder ist HIM etwas nur so popular, weil Ville Valo für viele Menschen eine Art Sexsymbol darstellt?
Ville:
"Das hast du gesagt."

D 6: Wann wird es mit dem neuen Album auf Tour gehen?
Ville:
"In Deutschland werden wir ab Mitte März auftreten."

D 6: Wird es eine spezielle Show geben?
Ville:
"An den visuellen Dingen arbeiten wir noch, so dass ich dir noch nicht sagen kann, was auf der Bühne passieren wird. Aber mit Sicherheit wird es keine Drachen oder ähnliches zu sehen geben und auf Pyro-Effekte wird man auch verzichten müssen."

D 6: Wie sehen die Pläne für die Zukunft aus?
Ville:
"Touren, aufnehmen und vielleicht irgendwann mal eine Woche frei haben."

D 6: Die obligatorischen letzten Worte?
Ville:
"In nomine dei nostri HIM, goth'n'roll excelsi!"


English version of "Interview with BMG - 2ndsound" comes soon!!!



Interview mit BMG-2ndsound



Diese Live-Termine sowie das hoch-aktuelle Album "Razorblade Romance" von Finnlands derzeit heissesten musikalischen Exportartikel waren für das in2Sound-Redaktionsteam zwei gute Gründe, den Songwriter und Sänger von HIM, namentlich VALO, um ein kleines Telefon-Schwätzchen zu bitten. Es kam erstaunlicherweise auch prompt zustande. Was dabei herauskam, lest Ihr auf den nachfolgenden Zeilen. Eines gleich vorweg: Valo nahm sich kein Blatt vor dem Mund und plauderte munter drauf los. Was für mich überraschend war, geniessen finnische Landsleute doch eher den Ruf, äusserst wortkarg zu sein. Man denke da nur etwa an Skispringer-Ass Janne Ahonen ... .

In2Sound: Hallo Valo, vielleicht erinnerst Du Dich noch an Euren gelungenen Gig beim Forestglade-Festival '99 in Wiesen anfangs Juli. Damals fand unser Gespräch in einem zum Backstage-Room umgestalteten Waggon statt. Bei rund plus 70 Grad Celsius sowie 110 Prozent Luftfeuchtigkeit. Vom Waggonplafond floss das Wasser runter und jede körperliche Bewegung wurde mit enormen Füssigkeitsverlust "geahndet". Doch es war - irgendwie - ein voll witziges Erlebnis für alle Beteiligten. Euer Konzert war dann grosse Klasse, das Publikum tobte begeistert, ja und.....
Ville:
"O.K., O.K., Wiesen war einfach grossartig und wenn ich zurückdenke, werden mir sogar noch kleine Details bewusst. Eine der besten Locations, die ich kenne."

In2Sound: Damals lag Euer Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad weit unter dem derzeitigen Wert. Wie fühlst Du Dich jetzt? Und was hat sich für Euch alles verändert seit Eurem Mega-Hit "Join Me"? Sieht die Welt aus Eurer Sicht jetzt anders aus als früher?
Ville:
"Die Frage wird mir des öfteren gestellt. Und - obwohl ich fühle, dass niemand mir glaubt - kann ich auch Dir nur fogendes dazu sagen: Ich bemerke überhaupt keine Veränderungen. Erst in allerjüngster Zeit stellten wir fest, dass unsere Konzerte ausserhalb Skandinaviens in grösseren Hallen stattfinden, mehr Leute unsere Songs wie auch die Texte kennen und die Zahl der leuchtenden Feuerzeuge bei melancholischeren Nummern gestiegen ist. Aber das war´s dann auch schon mit den skandalösen Auswüchsen, die unser "Starruhm" bewirkt hat."

Ist Valo die Reinkarnation von Doors-Frontman Jim Morrison?
In2Sound: Aber Du hast sicherlich auch die häufigere Berichterstattung über HIM in den Medien bemerkt und nicht selten bezeichnet man Dich dabei als die Reinkarnation von Jim Morrison (ehem. Kult-Frontman der Doors) bzw. als den Jim Morrison des anbrochenen Jahrhunderts. Nicht zuletzt aufgrund des Covers, das Dich mit nacktem Oberkörper und lasziver Mimik zeigt. Erinnert doch frappant an das legendäre Doors-Plattencover. Wie siehst Du das?
Ville:
"Ob du´s glaubst oder nicht, diese Ähnlichkeit mit dem Doors-Cover fiel mir erst auf, als ich in einem Magazin davon las. Das hat sich einfach so ergeben, da steckt weder Absicht noch Strategie dahinter."

In2Sound: Egal ob Planung oder nicht, Tatsache ist, dass Du – und das behaupten wirklich alle Mädchen, die ich darauf anspreche – verdammt gut aussiehst. Da liegt natürlich auch meine nächste Frage auf der Hand: Wie hältst Du es mit den weiblichen Groupies? Haben die Chancen bei Dir?
Ville:
"Danke, danke, aber ich halte es wirklich nicht für möglich, dass so viele Mädchen mich für so toll halten. Sie kennen ja lediglich Fotos von mir, und was sagt ein Foto schon aus? Jedenfalls nicht genug, um das Wesen eines Menschen zu beurteilen. Und wenn ich auf der Bühne stehe, dann versinke völlig in unsere Musik und nehme Publikumsreaktionen kaum wahr."

Warum die fünfköpfige Band HIM durch eine einzige Person verkörpert wird.
In2Sound: Glaube mir, eine einzige Abbildung auf einem Cover oder in einem Magazin entscheidet sehr oft die gesamte Karriere eines Künstlers. Ein einziges Foto reicht unter Umständen aus und Du wirst – quasi über Nacht – weltweit zum Sex-Symbol für eine ganze Generation. Ich denke, das Cover-Foto vom "Razorblade"-Album besitzt jene Aussagekraft und Qualität, die notwendig ist, um als Poster in Tausenden von Youngster-Buden, die Wände zu schmücken. Was meinst Du dazu?
Ville:
"Wenn ich Dir so zuhöre, so klingt das alles sehr einleuchtend und glaubhaft. Aber ich habe mir noch niemals zuvor Gedanken darüber gemacht. Wir – die ganze Band also – haben das Cover-Foto auch gemeinsam ausgesucht. Dass es einzig und allein mich zeigt, hat einen guten Grund: Wir wollten damit eine leichtere Identifizierbarkeit des Namens HIM erreichen. Das ist uns – schätzungsweise - auch ganz gut gelungen."

In2Sound: Wie reagiert eigentlich die Band darauf, dass HIM nach aussen hin lediglich durch Deine Person verkörpert wird? Kommt da nicht ein wenig Neid auf, wenn Du als zentrales Verursachungsobjekt von Massenhysterie stets im Mittelpunkt stehst?
Ville:
"Wir haben schon vor ziemlich langer Zeit gemeinsam entschieden, dass HIM allein durch meine Person präsentiert wird. Alles weitere ergab sich – wie schon mehrmals betont – von selbst. Das Outfit, die Gestaltung unserer trashigen Videos, die Verwendung bestimmter Farben und Schriften u.s.w. – all diese Faktoren stellen mittlerweile wichtige Bestandteile einer prägnanten Corporate Identity dar. Mit diesem klaren Erscheinungsbild unterscheiden wir uns deutlich von den unzähligen anderen Bands unseres Genres und lassen beim Publikum kaum Zweifel darüber aufkommen, was sich musikalisch hinter einem HIM-CD-Cover verbirgt."

In2Sound: Also steckt doch eine straighte Planung und durchdachte Strategie dahinter, so wie ich vorhin gesagt habe, oder?
Ville:
"Nein, unser Erscheinungsbild ist nicht künstlich und wurde von keiner Kreativ-Abteilung hart erarbeitet, sondern entwickelte sich einfach ganz von selbst. Unsere Musik hat eben einen gewissen Charakter und wir ziehen uns eben so an und nicht anders. Video-Regisseure, Fotografen sowie Grafiker setzten unseren Musik- und Lebensstil in ihren jeweiligen Kunstbereichen dann so geschickt um, dass daraus in Summe dieses HIM-spezifische Corporate Design entstand. Hast Du das jetzt verstanden?"
Auf ein baldiges Wiedersehen freut sich das Redaktionsteam von in2Sound und verbleibt bis dahin mit ganz lieben Grüssen!

 

 

English version of "On Tour with HIM" comes soon!!!

 

Auf Tour mit HIM



Was ist los? Autogrammstunde im WOM und kein Girlieteppich pflastert seinen Weg.
Ville schrieb brav "Für Mathilde" auf seine Autogrammkarten. Doch der zur Sehnenscheidenentzündung führende Ansturm blieb aus. Ohne weibliche Fans am Bein nutzte er die Chance, Duran Duran - CDs, die neue Pist.On und die ganze Kollektion von Portishead (" Sie ist einfach großartig!" ) einzustreichen. Kurz darauf im Club probiert der Frontmann auf Anraten einer Fränkin (ich!) erst mal ein Original Weißenoher Hirschbier, von der Vorband Century mit dem 'Bestes Bier der Tour' - Award ausgezeichnet. HIM-Bassist Mikko Paananen verschmäht die bereitgestellten Früchte ähnlichen Namens, um sich ausgiebig seiner Viersaitigen zu widmen, während der neue Drummer Mikko Karppinen stolz ein schwer verbeultes Schlagzeugfell herumreicht und drauf hinweist, dass alle Deformierungen von einem Gig stammen. Ville beschäftigt sich mit dem dritten Hirsch und mit einer möglichen 64. Funktion eines 63. Funktionen-Korkenziehers. In den trotz wunderbaren Wetters ständig dichter werdenden Nebel im Backstage - Container bricht Markus Jüllich, Godfather des Crematory Sideprojects Century. Ihm steht der Schweiß auf der Stirn: Bandbus kaputt. Dem in Frankfurt zurückgebliebenen Tour - Töff fehlt ein Schnüffelstück in der Servolenkung. Nichtsdestotrotz versucht er sich nebenbei die Rechte an Ville Valo - Barbiepuppen zu sichern.

Showtime im gut gefüllten Hirschen:
Mit der Beständigkeit, die ihren weichen Wave/Gothic-Songs innewohnt, erreichen Century in Nürnberg eine stolz 9.5 auf der Vorband Skala und das, ohne ein Album veröffentlicht zu haben (erschien erst einige Tage nach der Tour). HIM sind hingegen die klassischen Helden, die man nicht hören will, man will ihnen lauschen. Zumindest das große Mittelfeld. Im hinteren Bereich hielten sich die auf die zu einem Rockkonzert wollten. Und vorne galt 'gerade noch im WOM, jetzt schon auf der Showbühne'. Auch wenn es die Band nicht ganz verstehen wollte, dass die Menschen ein wenig zurückhaltend reagierten, war das Schweigen der Lämmer ganz sicher kein Zeichen von Abneigung. Wenn Ville das erste mal den Arm über den Mikroständer legt, ist das an ein kollektives Seufzen in den Köpfen gekoppelt, wo die melancholischen Liebeslieder zum leisen Kinofilm werden.

WER SPIELT BEI HIM?
* Ville Valo, der Mastermind am Mikro - liebevoll wegen seiner Zahnlücke 'the Cow' genannt
* Jussi Salminen am Keyboard - die Frohnatur darf man auch untergeben 'Sultan' rufen
* Mikko Lindstörm an der Gitarre - der schweigsame Metaller hört auf den Namen Linti
* Mikko 'Meat Loaf' Paananen, das Tier am Bass, wurde der besseren Unterscheidung wegen Migé getauft
* Mikko Karppinen ist der Neue an den Drums. Zuvor spielte 'Gas' bei den aufgelösten Kyyria

Damit die Century-Jungs in Potsdam Spielen können, falten sie sich in dieser Nacht in den HIM-Nightliner. Ankunft 9.30 Uhr. Jetzt kommt der Moment, für den es sich lohnt, Musiker zu werden: Frühstück, und dann ins Bett. Der Lindenpark ist ein cooler Club, der aber in der Mitte von einem großen Ödland zu liegen scheint. Zudem ist er unglaubliche Meilen vom Hotel entfernt, was den Taxifahrer wimmernd zur Verzweiflung treibt, als das Taxameter während der Fahrt kaputt geht. Da Drummer Mikko gestern nichts verbeult hat, unterhalten wir uns über den Split seiner Band Kyyria. Im Herbst veröffentlichten sie mit INNER WELLNESS ein super Album, wurden jedoch gedropt, bevor sie im April Subway to Sally supporten konnten. Der Keyboarder landete bei Amorphis, Mikko stieg einen Monat und sieben Proben vor der Tour bei HIM ein. Er wirkt durchaus noch geknickt, kann sich aber an der Wiedervereinigung von Iron Maiden mit Bruce Dickinson und Adrian Smith weiden, derer er sich noch mal vergewissert. Ville widmet sich heute den mannifaltigen Verwendungsarten eines Nackenkissens. Man kann es als Beinschoner, Schwimmflügel oder auch als Sonnenbrille nutzen. Könnte sein, dass das Warten auf den Abend ihn ein klein wenig langweilt. Migé muss gemeine Späße ertragen. Es wird an die Bedienung in Herfort erinnert, die fleißig Schnäpse ausgab und erklärte, dass ihr dieses Sexsymbol Ville Valo ja nichts gäbe, aber auf solche Meat Loaf Typen wie Migé stände sie schon. Hat man den Vergleich mit dem Rocky Horror -Biker einmal im Kopf, führt es zu unweigerlichem Prusten, wenn man den Bassisten ansieht, auch wenn 40 Kilo und Jahre fehlen. Mein Kleingeist erfreut sich in Ermangelung anderer Ereignisse daran über Stunden. Der Gig ist recht lau, allerdings bewundere ich unter dem Aspekt der kurzen Vorbereitungszeit Mikkos Macht-Werk am Schlagzeug deutlich mehr als gestern. Er trommelt die Finnen weit weg vom Softie-Image. Ihm und der sich metallern gebärenden Gitarristen-/Bassistenfront war es zu verdanken, dass beim Dortmunder Gig über 1000(!) Leute gewaltig den Leo tanzen ließen.

WER SIND CENTURY?
Das Side-Projekt von Crematory-Drummer Markus Jüllich musste bereits bei seinen ersten Live-Gigs auf Jüllich am Schlagzeug verzichten. Grund war die bevorstehende Tour der beiden Bands im Mai. Ihn ersetzte Andreas Neuderth (Giants Causeway).
* Michael Rohr - Vocals
* Gernot Leinert - Keyborad
* Kristian Kohlmannslehner - Gitarre
* Andreas Neuderth - Drums
* Guido Holzmann - Bass

Tränen in den Augen der Century Jungs: Jubel, Rührung, Glück. Der Bus ist wieder da. Potsdam kann verlassen werden. Damit bietet der Nightliner heute Sitzgelegenheiten zum nächtlichen Alkoholkonsum. Es werden verschiedene Weisen getrommelt (Wir sind ja nicht zum Spaß hier) und wir finden Verbindungspunkte: Schokolade und Gummibärchen. Ich denke, ich weiß jetzt, warum Keyboarder Jussi Salminen, mit 21 der jüngste der Band, 'The Dog' heißt. Er bringt nachts Tankstellen um ihre Ladenhüter, Würste mit integriertem Ketchup ("Ich hab' das wirklich nicht gewusst!"). Die wichtigen Dinge im Bus sind außerdem: das mitgenommene Bier, die Jägermeisterflasche, für Drummer Mikko Wodka und grüner Tabak.

Als wir bei gleißendem Sonnenschein in Bruchsal, genauer in Brünnau auf dem Land, ankommen, beziehen wir in einem Familienbetrieb Quartier. Sonnenbrille habe ich nicht, aber eine Frage: Wann werden in Hotels endlich diese Vergrößerungsspiegel verboten? Jussi macht mit seinen kleinen Perversitäten des Alltags weiter. Erst Pommes Rot-weiß, zufrieden mischt er den Viertelliter Pampe auf seinem Teller solange, bis ich nicht mehr hinschauen kann und brilliert dann in der Reihe 'Männer mit Frauenproblemen'. Auf der Fahrt zum Club explodiert ihm der Haarschaum in der Tasche. Er verwendet der weißen Glibber großzügig und hat vorrübergehend Ähnlichkeit mit einem Nachwuchs-Nikolaus. Ville gibt im WOM Autogramme und im Hotel Interviews. Es scheint ihm lieber zu sein als schweigend im Backstage-Raum zu sitzen.

Das Gegenteil von Schweigen nennt man Neuderth, Andreas, diplomierter Pausenclown, der allerdings nie Pause macht, sondern stets in Wort und Bild Flachwitze ankarrt, sich Drumsticks in die Nase steckt, nachts seine Unterhose aus dem Tourbus hält, aus dem er manchmal auch rausfällt und sich am nächsten Morgen über unzählige Schrammen wundert. In der Bruchsaler Fabrik fällt mir auf, dass die sich scheinbar so ähnlichen Century Songs verdammte Ostereier sind. Anfangs merkt man nur, dass die glatte (eben gut produziert) Platte THE SECRET INSIDE nicht die ganze Wärme preisgibt, die live besonders durch das Stimmvolumen von Michael Rohr um sich greift. Die wahre Tiefe verstecken die Mannheimer in ihrem homogenen Sound, so dass man sämtliche liebevolle Verschachtelungen erst nach mehreren Gigs erkennt. Wenn HIM das volle Rotweinglas sind, in das man sich fallen lässt, sind Century-Lieder der Moment, wenn man die Flasche umdreht und der letzte Tropfen herausrinnt. Als hätte man das Paradies verloren und wenn ihr mal eben aufs Cover schaut, wisst ihr was ich meine. Ich gelobe hier, dass Century nach der Crematory-Tour, auch wenn sie von deren Songs ein ganzes Stück weiter entfernt sind als von HIM, vorne dabei sind im Rennen um den Aufsteiger des Jahres. Wo wir gerade schon bei Komplimenten sind: Obwohl bei der letzten Nachtfahrt Richtung München der Bus noch mal drei Stunden liegen blieb und Markus wegen Horrorzahnschmerzen zum Notdienst musste, kam bei dem Tross die gute Laune nie unter die Räder. Sieht man davon ab, dass sie am letzten Tag alle 'heim zu ihren Mädels' wollten. HIM waren vor ihrem zweiten 'Lederhosen-Gig' ein wenig skeptisch. Doch was sie im ratzevollen Backstage (der Biergarten war trotz der lauen Nacht leergefegt!) erwartete, war ein Traum an Tourabschluss. Schweiß allerorten, Headbanger, Crowdsurfer. Die Band war in feister Spiellaune, nahm wohlwollend zur Kenntnis, dass die ihre Fanbasis seit ihrem Auftritt im Dezember noch ausbauen konnte. Da Villes Selbstinszenierung - bei unzähligen Gigs seit Veröffentlichung von GREATEST LOVESONGS VOL. 666 fast beängstigend perfektioniert - sich an verschiedenen Abenden bis ins Detail gleicht, weiß man ein Lächeln oder die Ansage "Der Song heißt 'Wenn Liebe und Tod sich umarmen' - war das richtig?" als große freundschaftliche Geste zu deuten. Und wenn in der Zugabe der neue, noch unbetitelte Song auf einer wunderschönen Keyboardpassage hereingetragen, via wilder Schlagtzeugattacke dem Rock übergeben wird, um dann wieder im Keyboardhafen anzulegen, kommen wenig Zweifel am Erfolgspotential des nächsten Albums, das für Januar geplant ist. Über der bebenden Düstermelancholie wird Villes Stimme wie der wolkenverhangene Mond scheinen. Bestimmt zeigt sie auch nächstes Jahr bei keinem Gig auch nur eine winzige Schwäche und noch mehr Mädchen werden die Vorband am Ärmel zupfen: "Weißt du seine Schuhgröße?". Soll dies eines der vielen Geheimnisse um den Mann bleiben, der zur Hälfte der untouchable, disziplinierte Star und zu anderen Hälfte ein ruhiger Finne ist, der gerne mit seinen Freunden trinkt? Oder sollen wir den Mythos aufbrechen, indem wir verraten, dass die Quersumme 7 und nicht 666 ist...

 

English version of "HIMs compensation" comes soon!!!

 

HIM mit Entschädigung

Das "Highfield-Remember-Konzert" lockte nach Erfurt

 

(Freies Wort 10/00)

Stickige Hallenluft statt erfrischender Brise und ein Hallendach statt Mondschein über der Stauseekulisse - aber wenigstens blieb's trocken.

Denn vor Regen waren die finnischen Rocker von HIM vor wenigen Wochen vom Stausee Hohenfelden geflüchtet. Als letzter Act des Highfield-Festivals mussten sie ihren Auftritt wegen eines Gewitters abbrechen. Als Entschädigung gab's vor einigen Tagen in der Erfurter Messehalle zwar nicht ganz die Atmosphäre des Festivals, aber wenigstens dieses "Highfield- Remember-Konzert".

Frontmann Ville Valo breitete die Arme aus und legte los mit "Right here in in my arms" - nichts hatte zum Auftakt besser gepasst. Auch das Publikum reckte die Arme Richtung Bühne, Plüschherzen flogen den Musikern entgegen. In erster Linie gab's Songs aus dem 2000er-Album "Razorblade Romance".

Als "Düsterrock mit Pop-Appeal" bezeichnen die fünf Jungen ihre Musik. Vor allem um Liebe drehen sich ihre Texte. Das ergibt melancholische Klänge komdinert mit hartem Gitarrensound. Eine einschlägige Mischung, die mit Songs wie "Poison Girl" und "Razorblade Kiss" zum Tragen kam.

Es ist nicht die Musik zum völligen Abrocken - das Melancholische, fast Träumerische war es sicher auch, was viele Fans in der gut gefüllten Messehalle lieber auf einem gemütlichen Tribünenplatz sitzen ließ. Dass sie manchmal fast regungslos dort verharrten und lediglich das Publikum vor der Bühne richtig aus sich heraus ging, lag aber an den Musikern selbst. Es fehlte an direkter Kommunikation mit den Fans. Die klappte nur einmal richtig: Als Ville im nuscheligen Englisch verkündete, dass im nächsten Frühling ein neues HIM-Album erscheint, brandete ihm entsprechender Jubel entgegen.

Zwei Songs stellten sich als Höhepunkte des Abends heraus. Zum einen die neue Singleauskopplung "Gone with the sin"; extrem langsam vorgetragen, so dass die markante tiefe Stimme von Sänger Ville richtig zur Geltung kam. Ein Song einfach nur zum Genießen. Und der andere, ganz klar: "join me". Damit war den Musikern Anfang des Jahres der große Wurf vor allem in den deutschen Charts gelungen.

Am Ende gab's noch ein bisschen Show: Weil diesmal wettertechnisch alles glatt lief, spielten die Jungs zu "Wicked Game" selbst Petrus - künstliche Schneeflocken suchten sich den Weg auf die Bühne. Nach einer Stunde Konzert mit guter Mischung aus schnellen und langsamen Songs packte HIM ohne große Aufforderung noch eine halbe Stunde lang Zugaben drauf - unter anderem mit "Resurrection" und dem richtig guten, aber leider nicht eigenen Billy Idol-Klassiker "Rebell Yell". Dabei traute sich Sänger Ville doch noch vor die Bühne ans Publikum ran, während seine Kollegen systematisch ihre Arbeitsgeräte auseinander nahmen. Als auch der letzte Bandmonitor seinen Platz gewechselt hatte, blieb nur noch der Rausschmeißer vom Band. Natürlich ein Liebeslied - aber Kontrastprogramm: Elvis und "Falling in love with you".




Lowlands 2000 - Interview



They are, along with Bombfunk [sic] MC's, quickly becoming Finland's claim to fame in the international music industry: His Infernal Majesty, or as they are known all over Europe, HIM. The CD Razorblade Romance is in any case a breath of fresh air in the mainstream album charts. And much of that is owed to leading man Ville Valo, singer, composer and sex symbol in the making...

Veronica: His Infernal Majesty... whoever came up with that name?
Ville:
"The name His Infernal Majesty was intended as a joke. But people thought, because of our name and the fact that we're from Scandinavia, that we were Satan worshippers! And that of course totally attracted the wrong crowd, so we decided to use the name HIM."

Talking about Satan and other creepy business... according to some rumours you are a descendant of Count Dracula. True or false?
"I wish I knew! My grandmother, who was of Hungarian/Romanian origins, did claim that we are descendants of Dracula. But she is dead now, and I can't ask her about that anymore. I am doing some research on it, because it would be very cool to be a relative of a vampire. But I myself am absolutely not into blood, you know. I'd rather have a good glass of red wine!"

Next rumour. Is it true that you worked in a sexshop?
"That is not a rumour, that's true! Well, it was just a moonlight. My dad has had a sexshop for years now, and so it was just obvious that I would help out behind the counter. I started doing that when I was fifteen, so I did get some strange looks from the customers. But after a while, you just don't care about those dildos and buttplugs anymore! Besides, a baker doesn't nibble from his own bread all day either, does he? It was a period in which I didn't know what I was going to do anyway. Take up a study or find a real job? The longer I worked in that sexshop, the more it became clear to me that I needed to do something creative. I was always writing poems so the shift to songwriting wasn't that big."

Love is an important subject in your music. Isn't it difficult to have a relationship when you're in a band?
"Unfortunately I don't have time for a girlfriend. And I'm also not into one night stands. Well okay, every now and then. The boys in the band are my platonic lovers. Sometimes I buy clothes for the rest of the band. Things you would normally do for your girlfriend. But in this case it is also to prevent my colleagues from becoming smelly, because those guys will easily walk around in the same unwashed trousers for two months. Dirty! But then again, I'll think to myself, that is rock 'n' roll. I would like to have a muse to whom I could dedicate my work, but unfortunately, that's just not the case for now. Anyway, the constant lack of sex offers enough inspiration to write beautiful songs!"

 

 

Deutsche Version von "Lowlands 2000 Interview" kommt bald!!!

 

 

The Magic Of A Romantic



In German his name means "Wilhelm Licht". Ville Valo is slim nearly thin, his voice is smoky, his look sensual, his attraction magical. He acts light-footed, nearly as on feathers, his complexion is pale, his arm is tattooed over and over.

If someone wants to be malicious, he would say Ville looks a little bit ill, he has underweight and it seems that he needs support. However, Ville Valo is different. He is a man full of energy, a singer, who gives everything while presenting "Join Me" or "Right Here In My Arms" on stage.

His songs are about love, but also about death.

Ville requests the total devotion, the absolute sacrifice for the one and only love. He requests everything and is prepared to give everything. He always wears black, as this colour doesn't distract from the contents, he wears black, as black is a symbol for depth, for honesty, for true feelings and also as black contains "but is not limited to", the possibility to be lost in love.

Ville Valo is a Finnish man and as far as prejudices seldom apply, in his case they do apply: Ville isn't someone who lives an open life, no one who shows his creed with status symbols or with showiness acts openly in public.We Finnish are very melancholy. "I don't know why, but it is so. If you look over the Finnish Charts, you will find a lot of melancholical songs. Happy songs make Finnish unhappy and vise versa. Perhaps it's because our days are very short." He smiles, the joker. As soon as he exposed a little personal secret, he hides it with a little joke.

Ville is playing it close to his chest. That's why he is the great romantic: Ville Valo believes in love - and if you ask him, he admitts, that he also believes in great love - but nevertheless you have to read between the lines by Ville, to understand what drives him. "I will not be sad when I meet the great love. However, I am not searching seriously for it. If it will happen than naturally - it will simply happen."

Are his songs realy sad? Are they melancholy as they are speaking about death? "This Life Ain't Worth Living" - in German: "Es lohnt sich nicht, dieses Leben zu leben" from "Join me". "You can't take one line out of the context." "The context is not the content of "Join Me". The context means "love". Ville: "I don't want to explain my lyrics. I want everybody while listening to build his own associations. Everyone experiences love in a different way. What shall I pass on? How to be a good lover? How to ruin a relationship? No - everybody has to find his own way."

Music is for Ville neither message nor model: "In no way I would like to teach or to dictate something. The song texts describe my personal view of things."

Modest, calm, nearly shy, as Ville Valo is, he can't understand, that he is considered as erotic and that he brings girl hearts to beat. Ville Valo a sex symbol? "I think it is unbelieveable, not understandable and totally unnecessary. Only because I am shown on the cover of "Razorblade Romance" with the naked upper body, it doesn't make me to a sex symbol - it's stupid!"

This is not only the reason - at last there are a lot of record covers on which the stars and little stars are shown in erotical poses. Ville Valo has more to give: mystical aura and sensuality. Ville: "I wish myself continuity - in life and with the career." And in love? There it has to happen. There a wish won't be enough, no efforts will help. Ville Valo alias Wilhelm Licht leaves himself to the fate of love.

Deutsche Version von "Die Magie eines Romatikers" kommt bald!!!

 

 

Studio Brussel Chat - Werchter



I = Interviewer
M = Migé
V = Ville
[...] = unintelligible
{...} = spoken simultaneously

I: (intro)...Him live here in the studio, HIM was here on stage this afternoon.
I: (to V & M) The first Finnish band ever to play on this festival, congratulations guys.
V & M:
Thank you.

I: Had you ever heard of this festival before?
V & M:
Yeah, yeah of course...

I: And what is its reputation in Finland?
M:
It's more of a big thing... big festival. {I don't know if there's any specific...}
V: We've never been here personally before, so it's a nice experience...loads of people seem to be smiling and shaking their hips [...] can't complain.

I: We got loads and loads of questions from our listeners via the internet... okay, I'll start with it. Fellows, how do you feel when you sing the songs on stage about death and all; do you reveal all those feelings on stage?
V:
Well, at least, I think everybody in the band tries to interpret all those feelings in whichever way possible. It's always a bit different, you can't you know, ...it's not the same every night or every day, sometimes you get closer to the real core of the emotion and sometimes not. It's improvised every time and you try to interpret all the lyrics and stuff like that in a bit different way every time. That makes it more interesting for us and hopefully for the people as well.

I: This is an interesting question: "I read on your website that you aren't very happy with the song Join me, isn't it annoying that Join me is becoming a big hit?"
V:
Well it's all pretty lying you know... of course we are proud of every song you know, they're our songs and it has been amazing how one song can change the career of one band, you know, instantly, so why should I complain?

I: Somebody wrote us: "I think HIM is one of the best bands in the world (V&M, sighing sarcastically: "Oh no...") although they are very unknown at the moment, are they thinking of a next record already?"
M:
Yes we are, actually, we are going to a studio in July, to try out a couple of new songs, and hopefully it's not going take so long this time then between the first and the second album. We're aiming for studio in December and release the third album in springtime, hopefully, but you never know what happens of course, but that's our "plan A".

I: What is going to be the next single track?
V:
Dunno, you should ask the record company,
{I: Oh you don't know about...}
V:
...because it's like, in every different country it's a bit different what, you know, fits best to the radios, or whatever you know, so I don't have a clue, sorry (grin).

I: And then a question that a couple of people asked us: "Why are you always smoking on stage?"
V:
Ehmm... I'm nervous.

I: Nervous, is that...?
V:
{Yes} that's the reason definitely, because we... this is the first time I've ever been singing, before I used to play, you know, instruments, whatever, bass and guitar and drums and stuff like that so you always had things to do with your hands, and at first when you just went on stage just singing it was really hard... {I: You have to have something to..}
{V:
You have to do something...}

I: ...well, you could use a pen as well.
V:
{and write} poems, live poetry (grin).

I: Thanks a lot him, great show you did on the main stage.


Deutsche Version von "Studio Brüssel Chat Werchter" kommt bald!!!

 

 


 No fear of the hysteria


Ville Valo gets to know the dark side of the success.

The HIM debut work, "Greatest Lovesongs Vol. 666" causes a lot of commotion and so after publication of the successor "Razorblade Romance" they are finally handled as a new upholder of rock. These Finnish seem to meet with their combination of gloomy sounds and heavy rock influences exactly the spirit of the time, as also the surprise success of the single "Join Me in Death" shows.

At the time of this interview, "Join Me In Death" has reached the Top Ten of the German single charts, tendency increasing. No bad basis for the immediate approaching album publication, moreover they already receive greetings. For example, Rock Hard credits them with "courage for simple, compact really catchy records". An ability which in the same breath was denied reference bands such as Paradise Lost, Type O Negative or Moonspell. Nevertheless no one at the HIM-Camp reaches euphoria - Finnish are well known as reserved people whereby Ville Valo & Co. are no exception to this rule. Even the hectic business which accompanies the recording of a "Top Of The Pops"-telecast, this band tolerates with stoical coolness, especially as they only flew to Germany for one day.

Dissatisfaction only occurs when after the first test it is finally sure that the seriously shattered voice of Ville will not allow live performance. Also some litres of hot tea couldn't change anything, so that HIM are forced to play several playback runs. "Bullshit!" croaks the visibly enervated frontman after the band finally was through with the shooting. "Our songs sound much more impressive live as on the album. Especially as we want to drone our new single "Right Here In My Arms" from the loudspeakers..." At least on this day, it was only a dream, but the anger is soon gone, due to the surprising success of "Join Me In Death" becoming topic number one. While the song slowly reworks the German charts from the end and a golden record is within their reach, HIM have already been pronounced saints in their country by getting a platinum award.

Even bass player Migé modestly plays down this circumstance ("You only have to sell 10.000 singles in our country for it..."), something in the life of this young band should change in the near future. A foretaste is being got this day in form of several interview requests from "Bravo" or "Popcorn". Publications which causes rock musicians real stomach-ache, but at the HIM-Camp no one is prejudiced on the account of Teeny magazines .Ville answers the arising critics of some hardcore fans: "I don't know what's wrong with having a good argument with this media. The whole discussion is getting philosophical touches. I can remember very well when I heard my first Fields of The Nephilim record. I got so enthusiastic from this band, that I would have liked to hide them as my own little secret. While the Fields were getting more and more famous and everybody began to like them, I was shocked at first, that they were declared as common property. Nevertheless it is stupid to exclude younger fans who probably read these papers. We don't want to exclude anyone because of his age! Why is it bad, when younger fans are interested in us? Even I was only at the age of nine when I bought "Animalize" from Kiss and this record accompanied me through my entire youth.. It is nice, if you can tell someone later, that this album was the key to my musical interest. It's a pity that some people think, that songs or lyrics of a band are no longer interesting only because teens like them." Especially as the band does not really understand the succeed of "Join Me In Death" up until now.

Internally the song has earned the title "funny song" which can be put down to the fact , that they didn't expect much help from the soundtrack of the Roland Emmerich film "The 13th Floor", which flopped at the cinema box office. In the end not every band profits automatically of the cooperation of such a project.

Ville: "Of course, you hope, that a lot of people will like the song, but that this record would reach such high chart ranges, we never would have dared to dream. This is such a strange feeling moreover as the German charts are dominated by some Europop subjects. However, we are of course happy and have no reason to analyze this surprising success in any way. Who knows how often it will happen again during our music life..."

Migé: "Right. Even the great number of interviews is a kind thing. I'm at the moment broke and so it is good when we get supported with drinks during the dates with the record company." Speaks and allows himself a deep draught from the beer bottle standing at his side. Everything could go well with HIM, but for some full-time nagger - not at least from the Rock Hard editorial staff - who have put in a word. Arousing already some Soundcheck marks for "Razorblade Romance" the suspicion that various members of the judge scale are shortly before the incapacitation, so opening the reproaches to the address of Ville Valo & Co. more serious disruptions of the respective thinking machines. "The material of the album is not in going enough, the musicians technical play is not good enough to write demanding songs", so the comprehension of those, who couldn't find anything good on the disk of the Helsinki-Five. That's a bit thick and not only Ville and Migé are speechless.

"Really bizarre, that someone reproaches us with something like this", the frontman says as the first. "That is far-fetched, who will buy a record only because of the technical qualifications of the musicians? If it is like this, more than one punkband would have never sold a single record. Someone who likes this should buy a Dream Theatre CD and will be served there, but we have never had this claim. For me a song is good when it carries emotions and when it has a catchy melody. We have decided on this compact sound - excessive ego trips like minutes lasting solo parts are out of place."

Compact songs can be find on "Razorblade Romance" totally. No matter if ballad-like, gloomy-melancholical or lashing straight forward - HIM have a good command of the various kinds of song orientated playing of rock music nearly perfectly. With this background it is understandable that with "Right Here In My Arms" a harder song is separated for the next single in order to present this side of the band also.

Migé: "With view to the commercial points it could have been a better idea to separate "Gone With The Sin", but we didn't like to, as we wouldn't like to be fixed to a special style. "Right Here In My Arms" could keep us of the prejudices of being a ballad band. The video belonging to this song will also be different from the first one."

Ville: "Yes, and this time we have also a nicer main actress in our clip, haha. The Finnish model Ninja likes our songs and she spontaneous agreed to play in this video. This is a kind combination: on the one side a interesting woman and on the other side five boring guys, who are moreover ugly as sin..." It would not be too negative for the expected success of the album. In view of the high level chart ranges and the with the involved selling expectations it is surprising that no record company boss from L.A. or London has presented his checkbook until now.

Ville: "It is very difficulty to understand the label policy of the English and American record companies. Moreover as they look over an European band more critically. Surely it would be very nice when the record would be published in these countries, but something like this you cannot plan. In this case it is better to be surprised if it happens than to cry later to the moon totally frustrated."

Migé: "We go step by step and are happy for every success we earn; for the moment, we are fully occupied with the work in Finland and Germany. At any point of time we thought that it could be so good for us, the actual situation is a real dream for us. One thing is also clear: when we tour in America, we will go crazy. We will then become real rock stars and interviews will only be given in exchange for hard cash. Ha, Ha, Ha"" How will you best like to wastefully spend the millions collected? You have obviously thought of one or other expense..."
Ville: "No actually not"
Migé: "An old Chevrolet would be cool"
Linde: "Guitars!"
Juska: "A girlfriend...."
Gas: " I would buy myself an air ticket an go to see the Pittsburgh Penguins play icehockey!!"

Before we start the collective spending orgy the band will complete an extensive tour of Germany, which would follow directly a one month tour of Finland:
"When we are accepted by you, the live shows will go off without problem, as the gigs in Finland will be a good warm-up. We only played at one festival in the last year, otherwise, except for a new year concert in Helsinki, we kept ourselves purposely scarce in our homeland. There we have real necessity for catching up."

Migé: "As well as the well known "funny song" we also have a special treat on store: We will namely cover the song from Roky Erikson "Don't Shake Me Lucifer".That is a straight Bogy-number."

Aha. Should you know the guy?
Ville:
"Not really. Erikson was the singer from the US-cult band Thirteenth Floor Elevators, and the guys have brought out an album with the title "I Think Of Demons" I borrowed the CD from a public library in Helsinki, and was fully enthusiastic. The band had worked with psychedelical lyrics, and Erikson is sometime so crazy, that he had to be put away in a sanatorium. I hope that doesn't happen to me, but Entombed have also covered a Number from him and are still experiencing good health..."

So. Closing words?
Ville:
"Yes. We are thinking of disbanding HIM for some time and then to present the shows to you as a Reunion-Tour. Everybody is doing it at the moment. We will then probably appear under the name HER"

Brilliant chess move. Perhaps we should let the guys pay for their own drinks at the next interview.

Deutsche Version von "Keine Angst vor der Hyterie" kommt bald!!!

 

Interview with Ville Valo

Do you believe in destiny? Who is the most important person in your life? What was the craziest thing you ever did for a woman?
Ville:
I don't believe in destiny. Everybody's responsible for his own luck and should make the best of his life. The most important person in my life is definitely Migé Amour. We grew up together and we share a room on tour as well. If he jumped off a cliff, I would probably dive after him to save him. The craziest thing I did for love was probably writing a love song - obviously this has happened a million times before!

Do you believe in life after death?
Ville:
No, after we die, we rot in our graves. That's all.

What do you think about God? Do you believe in Satan? And what's your philosophy of life?
Ville:
God and Satan are just fantasy. A good story for horror movies, but nothing more. Others may believe in it, but we've lost our faith completely. That's, I suppose, a widespread problem of our generation. My philosophy of life? I don't have a clue. I'm too young to have something like that. I'm still trying out a few different ways of being, and we'll see what happens ...

Is there anything in your life so far that you're ashamed of?
Ville:
Well, certainly there are some things that I would like to wipe out. On the other hand: To become a personality you've got to make mistakes.

What was the biggest sin of your youth?
Ville:
At one time, I was spraying graffiti, which is forbidden, as everybody knows. One day I got caught by the police and there was a lot of trouble. From that day on I quit it and turned to music instead.

I want to ask you if your mother read bedtime stories to you...
Ville:
My parents read all sorts of things to me. Sometimes the Arabian tales from "The Thousand and One Nights," but most of the time "Grimm's Fairy Tales." That's why I've turned out so crazy. All the stories deal with bloodshed, sadism, and massacres. No wonder they drive you nuts. I'll read something else to my children.

What are your favorite books, movies, series, and songs?
Ville:
I read a lot of biographies, at the moment one about Grace Slick, the singer of the Sixties band, Jefferson Airplane. TV series? I like the "Simpsons" and "Southpark" best. My favorite movie is "Nightmare Before Christmas," generally all Tim Burton movies. I've got too many favorite songs to name them all. At the moment I have a Swedish stoner rock band called Spiritual Beggars in my CD-player.

How do you like Austria and the fans here?
Ville:
People are nice, and the audience at our gigs has always created a wild atmosphere. Also, we have a good friend in Vienna, Roman Gregory, whom we got together with again this time. After our Vienna show, we had some drinks in the hotel and a long conversation. We met a year-and-a-half ago, at which time he showed us the best bars in Vienna.

You're smoking not exactly a little. Which cigarettes do you prefer?
Ville:
Lucky Strike, Camel, or Marlboro. They have to be light, that's better for my voice.

Would you change your immoderate lifestyle for someone important to you (mother, father, lover, friend, child)?
Ville:
No, impossible. It would make us completely embittered to give up just for love something we've dreamed of since we were kids. It took us years of hard work to become what we are today. And now we want to enjoy this rockstar life a little bit.

Are the lyrics of your songs your point of view, your opinion of life, or just fantasy?
Ville:
Our lyrics are quite real, some kind of diary divorced from its context. It's like a movie, where the story is true, but they've changed the places and the names. From my lyrics you find out as much about my feelings as you find out about Migé when you listen to his bass parts ...

How many girlfriends have you had?
Ville:
I haven't counted them ...

What attracts you to dressing the way you do and to using make-up? Has the band had experiences with drugs?
Ville:
I don't think much about my outfit. The main thing is that it's as cheap as possible. Mostly, I've gotten my clothes from friends, the rest I've bought at flea markets. I'll wear almost anything, as long as it's black. HIM are, of course, an entirely drug-free band. Drugs are illegal after all. If we said the opposite, we'd have to go to prison!


Deutsche Version von "Interview mit Ville Valo" kommt bald!!!

 

 

I love you like... DRACULA



He lives in Helsinki but is an offspring of the famous vampire. On the photographs he looks like Jim Morrison - shirtless, with a cigarette and a bottle of wine in his hand. It's not surprising that the girls in the front row faint while their boyfriends are getting jealous. Not many people know that Ville Valo, the vocalist of HIM is a nice and modest boy... from a sex shop.

XL: Hi... How are you?
VV:
OK. Sitting in my home in Helsinki, drinking coffee...

XL: But you were ill recently.
VV:
Yes, it was a really bad case of flu. You kow the virus is in the whole Europe. For one and a half week I've complietly lost my voice. But now everything's fine.

XL: I've heard that count Dracula was one of your ancestors.
VV:
I don't know really. My grandma used to tell me that story when I was a child. Unfortunetly grandma's dead so I can't ask her about any details. But I'm searching.

XL: But do you feel any spiritual relation with him?
VV:
*laughs* Not really. I'm trying not to be that avid for blood. I like those stories about the old times, I feel that there can be some of his blood in my veins. *laughs* I don't know. Maybe grandma was only kidding...

XL: You used to work in a sex shop.
VV:
It wasn't very long ago. I was about thirteen. I helped my father who owns the shop. For me it was just a normal job.

XL: And then you decided to become a musician.
VV:
Well it started when I was about seven or eight. But there was a moment when I had to decide what I wan't to do in life - if I'll go to work or study... And than... I was about nineteen... Me and some friends of mine decided to form HIM and take it more seriously.

XL: You started playing love metal. What is that exactly?
VV:
That's a mixture... There's a lot of heavy metal and rock in it but also something dramatic in the melodies.

XL: Some people say that your music is only for girls.
VV:
No way, I'd be stupid if I'd limit myself like that. We play for everybody because our music is about things that everybody has to deal with.
XL: The symbol of love metal is a heartagram, a combination of a pentagram and a heart. I can see a conflict there.
VV:
That's the point. Because it's like I said, love metal is a mixture of something light and something heavy, something easy and something difficult. It's a perfect combination. They fit together like the yin and yang.

XL: You write about love in a different way than it's in the pop songs.
VV:
I think that singing about sunshine and singing birds must be very boring. You got to have your own oryginal point of view to make it more unique.

XL: This dark love and death like in the song 'Join Me' reminds about the story of Romeo and Juliette.
VV:
I really like that beautiful story. But it's really old and I'm trying to find similar motives in modern times.

XL: Are your poems the beggining for the lyrics?
VV:
I used to write poetry when I was younger but now I'm only watching what's happening aroud me, how people feel and I write songs about it. Unfortunetly I don't have time for writing poems anymore. I just focus on the music and the lyrics. I can say that all the poetry that is inside me makes it's way out in my music.

XL: How does it feel to be a sexsymbol?
VV:
*laughs*You know, I didn't start playing music to be considered a sexsymbol. It's nice that people think I'm good looking but for me playing music is more important than half naked photo sessions and being on the front pages of magazines. But somehow it's all connected with music. It's obvious that nobody wants too look bad on photographs. The first impression is really important. The succes of the band ussually depends on that. But it doesn't piss me off that much. The record has to speak for itself. Even if somebody buys it only because he likes the guy on the cover, sooner or later he'll put it in the CD-player. He won't only look at the photos on the cover artwork.

XL: You're also compared to Jim Morrison because of your poetic lyrics and your stage apperance with a bottle of wine in one hand and a cigarrette in the other.
VV:
There's a lot of people who drink red wine, cigarrettes are also popular.*laughs* You don't have to connect that with Morrison. I treat that comparison as a compliment. Anyway it's better to be compared with Jim Morrison than, let's say, Aqua *laughs*. It's nice but I can't find many similarities between me and him. I never really was a big fan of The Doors or the things that Jim was doing.

XL: Do you know that red wine can be an aphrodisiac?
VV:
Sure. Alcohol is an aphrodisiac like many other things. Even eating. Usually I drink red wine on stage because it's good for the voice. I think it's the best drink for singers because for example when you drink beer it makes you want to burp. And that's not good on stage, especially if you're the vocalist and you'll burp in the middle of a word. But red wine isn't my only drink*laughs*.

XL: You're a fan of the David Lynch Movies. Chris Isaaks song 'Wicked Game' was on the soundtrack to his movie 'Wild At Heart'. Is that the reason why you covered it?
VV:
Yeah I had the soundtrack and I've seen the video. I've liked it so much that we just had to record it. I think it fits to us and the album aswell. The thing that I like most in the David Lynch movies is the mysterious atmosphere. I haven't seen his latest film because it's not in the Finnish cinemas yet. But I've heard that it's a radically different film. My absolute favourite is 'Twean Peaks'. It's probably the best thing that Lynch have made.

XL: Your song 'Join Me' is on the soundtrack of the Ronald Emerich movie '13th Floor'.
VV:
It was an accident. In the summer while we were recording the album a guy from the label called us and said that there was this movie and asked us if we'd like to have our song on the soundtrack. We agreed because it was some kind of an adventure for us. I think it's a good combination, the film is good and 'Join Me' fits to it because of the mood.

XL: You've once said that your music is like Entombed meeting Annie Lennox and Manowar which is played by Garbage. Do you think that it still discribes your music well?
VV:
*laughs* I don't know. We develop and change all the time, but it's something like that. It's like with the heartagram and love metal in general. We play metal but I sing in a traditional way, just like Frank Sinatra *laughs*. It's a very weird combination... There's something from pop, rock, gothic, hard rock and metal. There's so many elements that we had to create our own term.

XL: The media are talking only about you. The rest of the members are more in the background. Do you feel alwright with that?
VV:
It's changing, but it's easier for a new band to show only one person. It's easier to get peoples' attention because that person can become some kind of a trademark of the band. The five of us together look rather boring so I guess that it's a good thing.

XL: What's different on Razorbalde Romance than on the first album?
VV:
It's a lot better*laughs*. It sounds more like our concerts, there are more fast songs. It's more a party album than for listening at home like the first one. I think that if you'll invite some friends, drink some beer and listen to that record it'll feel like beeing at our concert. Razorblade is closer to the ideal of what I wanted to do but the third one will be even better because we have to develop. We can't stay in one point and make something that we've already done once. This would bore the fans and the band aswell.

XL: Yes, and the songs fit together a lot better. The first one was a little distorted...
VV:
Right. That was our debut, we were young and not experianced. We didn't know how to record an album. The songs were wrote in a large time period. After that we did a lot of gigs, we were together all the time so now we know and understand each other much better.

XL: Usually Finnish bands are asocciated with extremes, mostly metal. Do you think that HIM could break that stereotype?
VV:
It's not true. In Finland we have a normal music scene. There are pop bands, music for adults, disco, rock... Maybe they're not known in other countries because they don't sing in English but there are famous extreme metal bands.

XL: There's also the alcoholic stereotype...
VV:
And that's bullshit, at least here in Helsinki. It could be different in the north... It's a little more wild there. But in the capital we don't drink that much as people think.

XL: Do you think that it's hard for a Finnish band to get on the top and overcome the English and American bands?
VV:
A good song is always a good song and it doesn't matter where you're from. Maybe thety have more money for promotion but I hope that we'll manage to get through and show that a band from Finland can be as popular as an English band and that it will get peoples' attention on what's happening in the Scandinavian countries. There are some well known bands from Sweden like The Cardigans and Roxette. They have fans in the whole Europe but I guess many people say that they're Swedish with a contempt... For example look at Abba. It's a classic, a good Swedish product *laughs*.


Deutsche Version von "Ich liebe dich wie... DRACULA" kommt bald!!!

 

 

Interview with Ville


This interviev was in the Finnish magazine 7days that came out 3.8.2000. Fans were able to send questions to Ville on a postcard and this is the result.

How are you?
-Fine thank you. I´m back in Finland for the first time in a while. I´ve had time to relax and to meet my friends. Were going to the studio for a week to rehearse the songs for the upcoming album and on saturday we will travel to Budapest.

How did it all begin?
-I heard the debut of Black Sabbath as a teenager and decided to become a singer (He seems to have a new explanation ready for every interview, doesn't he? ;) ).

Do you have people harassing you?
-Nothing too serious, only phone harassers.

Are you religious?
-No. Even at school I studied Life philosophy instead of Religion.

Do you have a pet?
-No, because I´m allergic and never at home.

Or a girlfriend?
-Many. One magazine brought up Susanna's name, but she´s just one of my women.

The time you were most drunk?
-I was drunk for the second time in my life on junior high and that was a bad one! I think I passed out…

Have you got any near to death experiences?
-I´ve got asthma. When I was 17 I forgot to take my medication and was taken to a hospital for almost two weeks. After that I´ve taken better care of my illness.

Do you only smoke because of your image?
-I´m a huge fan of James Dean, that got me started. Nowadays I smoke four packs in a day.

How fluently do you speak swedish? (It´s compulsory in Finland to study swedish at school)
-My school grade was 4 (on a scale from 1-10), so I speak it poorly.

Your apartment?
-It´s in the center of Helsinki and really untidy. Because of my interest in collecting things the floors are full of stuff.

What was the last book you read?
-A book about Janis Joplin. I love reading biographies.

On what do you spend your money?
-On junk. I´m a collecting maniac and I buy a lot of books and records. I have over thousand cd´s. So I basically collect shit. Last time I was in Reeperbahn I bought a Elvis-phone that plays Jailhouse Rock!

The lyrics of Join Me are said to provoke youth into committing suicide.
-Art is always criticized and always an outsider gets the blame. I´m not saying that I´m Shakespeare or something, but if his Romeo and Juliet would be published nowadays it would probably be banned. Join Me and other songs on Razorblade Romance deal with my feelings from the summer of 1999 and the life of our band then. The death only works as an metaphor.

What wouldn´t you give up for any price?
-Mige gave me this Jesus-painting from the beginning of the century. I hanged it on the best place of my wall.

Are you going to act in a movie?
-I have never acted in one and I´m not at all interested to do so either. Though I´ve never gotten any offers to perform in one either.

Do you like Finnish music?
-Very much. Jari Sillanpää is great at what he does (He´s a Finnish tango artist). I´ve never met the guy and I wouldn´t sing his songs because he can do it a lot better himself.

Do you know any celebrities?
-I know Henry Saari (He´s a Finnish porn star better known as Henry the great ). He´s a great guy, I even went to his birthday party.

Would you do a porn film or pose for nude photos?
-Under no circumstances! I´ll leave that to Henry.

How does it feel like to put some make-up on?
-The guys in Kiss use some make up too so at first it was exiting. I´ve almost stopped using make-up nowadays.

You´re going to studio. When have you had time to write the songs?
-I´m a workaholic. When the other guys wedge out on the couch and watch telly on their days off I fool around with the guitar and try new melodies out. I´ve made 11 new songs while touring.

What does your dream woman look like?
-Beautiful of course. Women are always beautiful.

Are you playing some kind of Villevalo-role?
-No. This is not some built up thing. I´m me all the way. I don´t have time to think about which role should I play today.

What kind of exercise do you do?
-I walk to get my mind at ease, sort of a brain exercise. I really don´t have time for yoga and other exercises anymore.

What´s best in being a rock star?
-I´m living my dream right now. I get to make music, perform and travel. I haven´t traveled that much before so this is the first time I get to see the big cities of europe. I´ve never even been been to US.

Where would you like to travel?
To Lapland. I have never been there and I´d love to see the night less night (In Lapland the sun is always up on summer time).

What do you eat?
-Anything. I don´t eat meat on tour ,because it is too heavy. I wouldn´t be able to move my hips on stage if I´d eat those heavy foods. Ethiopian food is really good. It´s a bit like Nepalian food in which you dip breads into different sauces.

How do you relax?
This can sound kinky but I only relax at work. Either on a gig or rehearsing with the band. I get total peace of mind on gigs.

What does it feel like to be an idol?
-I myself am a huge fan of the gothic band Fields of Nephilim and collect posters of them. I understand my fans well.

How do you feel about drugs?
-Negatively.

What do you regret?
-Yesterdays drinking. I drank a bit too much of absinthe with my friends. Absinthe was once the favorite drink of existential poets.

What is the part of alcohol in your life?
-I drink a lot but I´m not an alcoholic. I´ve started to drink less of my favorite drink red wine, because it affects my singing voice .

Your dream car?
-I should have to get a drivers license first. One of those 50´s mortuary cars would be cool.

You´ve become rich with the success.
-Well, I get enough to pay the bills and there´s still something left. I´m not saving for anything because I haven´t been able to figure out a reasonable thing to save on.

Are you going to stay in Finland?
-Not necessarily . Paris might be an interesting place to live in, because it would be easy to get anywhere from there.

Do you still dream about a family?
-I don´t even like children that much. I just want this dream to continue: to be a rock star and to tour.I also dream about making a perfect record.

Did you know this about Ville?
-Ville Hermanni Valo

-23 years

-183 cm, 66kg

-5 tattoos

-Started as HIM´s bass player, started to sing in 1995

-Favorite movie: The sleepy hollow or Nightmare before christmas

-Favorite actor: Clint Eastwood

-Favorite food: Sushi

-Best friend: My band. I´ve known Mige & Linde since school.

-Favorite tv-program: Magnum

Deutsche Version von "Interview mit Ville" kommt bald!!!

 

 

Interview with Ville Valo

(Polish Radio, Channel 3, 02/00)



Q: Could you tell us something about your work on your new album "Razorblade Romance". Was it harder for you after huge success of HIM first album ?
Ville Valo:
- It was totally different from the first studio album because, for the first time we worked outside Finland. We did it in Wales, in Rockfield Studio. This is the place where Black Sabbath recorded their first album, where Oasis worked, and stuff like that. So it's really pretty classic place. For the first time we had an English producer John Fryer, who worked with Depeche Mode, Nine Inch Nails, stuff like that., so the situation was totally different.
It was strange at first, you know. We though that John Fryer will tell us exactly what we supposed to do , that he won't be fair to us. But there wasn't like that at all. Hopefully. We kind a like, we had a million ideas for every song. But John chose the best of our ideas and he was very helpful, so the atmosphere in a studio was really relaxing. So we could get the best performance out of our souls.


Q: How did it happen that HIM - a group from Finland, scored such a huge success in Europe ? How did you manage to do it ?
VV:
- Well, it's always, as you know, it's a matter of a luck. The thing is that we've been with guitar player and bass player like ten years together and we've been working hard since than. We were lucky, because we have really good record company. They exactly understood what HIM music is all about. Some bands either don't have a record company or the record company is promoting the band in a wrong ways, stuff like that.

Q: Where did you get the idea of recording "Wicked Game" (on "GLS Vol.666" album) from ? I mean recording it in totally different version by a hard rock band ?
VV:
- It's when we started, as a band, we had a lot of old cover songs. Everybody used to bring some tapes, we were listening to it and we chose songs we could play. It was my and guitar player idea to record "Wicked Game", and that was only because I adore David Lynch movies, and that song was on a soundtrack to "Wild at Heart".

Q: Another cover song on your first album "GLS Vol.666" was "(Don't Fear) The Reaper" firstly recorded by BLUE OYSTER CULT. Why did you choose this song, because not many people knows that band ?
VV:
- * laughs* Hmm, yes, that's true, that's true ! It's like one of my favourite old songs. It was my idea. I've got the idea when I was watching "Halloween" movie. There was a scene when one of the characters was having a joint in his car and "Don't Fear the Reaper" was on air at that moment. I thought that it is really great song. I managed to get the copy of this record. Of course I've heard that song thousands of times before, but I never had this record. We tried to record that song in our own version. A good friend of mine, June Hyde, sung this cover-version with me. But the funniest thing is, that it's a demo version of this song on "GLS Vol.666" album.

Q: Were Sisters Of Mercy and Depeche Mode your main inspirations during recording "Razorblade Romance" ?
VV:
- Hmm, well, partly, you know. I can't find that much of Sisters Of Mercy, but there's quite couple of things like Depeche Mode, mostly keyboard sound. Martin Gore is one of my favourite song writters. I really love his songs. But all these comparisons are quite nice things for us. Some people compare us to rock bands from the 80., some compare HIM music to Depeche Mode and some to Sisters Of Mercy.

Q: I would like to ask you about the situation in the band. Is there any democracy in HIM ? You are standing in the front line most of the time. Is that true that you are a leader ?
VV:
- *laughs !!!!!!!!* I'm the guy who writes the songs. That is because the rest of the band don't like to do it. They are more like musicians. There is a democracy, but it's in a different way that in the other bands, because we all are really old and good friends, so we are more like a family.

Q: And the last question, what could you say about this song (Bury me deep inside your heart)?
VV:
- It's a big stadium ballad of the album. It has a little of a Depeche Mode on a keyboards and Black Sabbath on guitars. And it's really in the same vein as "Gone With The Sin" It's just a love song !

Deutsche Version von "Radio - Interview mit Ville" kommt bald!!!

 

 

English version of „HIM - dryed-out" comes soon!!!

 

Ausgetrocknet

(Top of the Pops 2000)

Eilt ihnen eigentlich der Ruf der trinkfreudigen Zeitgenossen voraus, so verhielten sie sich diesmal absolut abstinent. Diesmal hatten sie eher Panik, krank zu werden. „Das ist der größte Horror für uns. Wenn sich einer eine Erkältung einfängt,dann muss er gesondert reisen, sonst steckt er uns noch alle an. Es gibt nichts Schlimmeres als krank Auftritte zu absolvieren." Doch glücklicherweise waren sie an diesem Tag topfit und boten eine sehr deepe Version von „Gone with the Sin".


 

Filter Show, Estonia 30.11.2000

Here is an interview which was given to TV3's show Filter on 30th November 2000 by Ville and Migé after the official press conference. (Filter is a show for teenagers in Estonia, something like Yle TV's Jyrki)

HIM and Estonia?
Ville - Yes, my daddy has a couple of family here. So I spent some time here in the 80s. Not just like buying alcohol like some Finnish idiots, you know, they usually do. Sorry about that. It's normal to get drunk and have a good time, but you shouldn't act like an idiot.
Migé - (nods at Ville's words) I've been to Tallinn, actually I love that, and it's a nice city.
Ville - I don't know so much about this country, 'cause I've only been to Tallinn for a couple of times and not really had the time to see these places or watch what is going on in here, so.... I haven't got any exact opinion about Estonia.

Fame and music?
Ville - When you've really worked hard on something and we've seen that people seem to like what we're doing I suppose it feels good though that you've done something right for all these years. In that case in a way it gives us...eeh...eeh...
Migé - (helps out) Confidence
Ville - Confidence, yeah, that's the word. But fame shouldn't change the music.

Producer's slaves?
Migé - Fortunately we don't have to listen to them. Luckily we know what we want. So far we've persuaded them into doing things our way. Let's see what the future brings.

HIM and alcohol?
Ville - Music comes first. We didn't start the band just to be able every night or whatever. It's hard to say. Well, some of us drink and some of us don't.
Migé - Like in every family, there's always an alcoholic.
Ville - We're not telling who that is though.
Migé - I think you can tell... :)

 

Deutsche Version kommt bald!!!

 

 

Interview with Ville

 

(by a Lithuanian radio-station m-1)

This interview was given by Ville at Lithuanian radio station M-1 at the 1-st of September 2000 for the program "Gods and Devils". DJs are Tomazas and Marazas. Their English was so poor that Ville even didn't understand some of the questions and asked them to repeat once more. Some questions were totally tactless. I think this interview will interest HIM fans.

 

DJ: "It's 15:44 p.m. and there is HIM frontman Valo at our studio. And now we'll describe you how he looks like.-(to Ville)-"Say "Hi" to our listeners"
Ville: "Hello listeners!"

DJ: "He is very tall, about 15 cm taller than Marazas and about 15cm slimmer than he is. He looks as fine as on CD covers. His eyes are a little bit red after yesterday concert. He is wearing black clothes of course. Perfectly shaved, with bell-bottomed trousers. And I saw he has a very cool belt-(to Ville)"Show us your belt please"-Oh it's heart-shaped, not with heartagram, but with simple heart. And now all people who sent us Questions, be ready-Ville will be asked these questions, 'cause he came here alone without any guy from his group and it's fine-(to Ville)"OK we can start to talk"
Ville: "OK beautiful"

DJ: "We have some questions and the first one comes from Gintare, a very good question, Do you believe in Satan?"
Ville: "E-e. . Unfortunately no. I'm not religious kind of guy, I don't believe in forces like that. I believe that when we die we will just rot in our graves"

DJ: "So, what about symbols like 666 or Heartagram?"
Ville: "M-m-m... The Heartagram is not satanic in anyway. It's like combination of pentagram and the heart. And actually pentagram used to be a symbol of a man."

DJ: "One preach said : "A Satan found a new way to young people's hearts-through HIM with love."
Ville: "Oh my God! You know Satan brings love, faith and death to young people. It's beautiful, you know, but I don't believe in that, really"

DJ: "Do you like Lithuanian girls?"
Ville: "Hm, I’ve only met a couple, like a waitress in the bar at the hotel where we stayed last night. She was really beautiful, yeah. But I didn't have time to speculate on them longer"

DJ: "Do you drink before performance?"
Ville: "Drink.."

DJ: "..But not water or juice or.."
Ville: " yeah , I love Jägermeister.."

DJ: "Have you tried Lithuanian vodka?"
Ville: "No, not yet. But I tried some whiskey and it was really good"

DJ: "Did you enjoy your yesterday show?"
Ville: "Yeah, it was beautiful, yeah, and there were a lot of people and they seemed to enjoy, so I can’t complain. A very good time."

DJ: "Do you like some pets in your living room in Finland or where you live?"
Ville: "Sorry?. . "

DJ: "Some pets. . "
Ville: "Pets?!"

DJ: "Yeah, dog, cats. . . "
Ville: "No , I'm allergic. When I was a kid I used to have some parrots and everything: dogs, cats and stuff like this. Since I grew up I became allergic. I can't stand animals any more"

DJ: "Did you hear some Lithuanian music?"
Ville: "No, not yet. I heard a couple of tracks yesterday, but I didn't buy any record myself."

DJ: "Is it true you was working in a sex-shop?"
Ville: "Yeah, my father has a sex-shop in Helsinki, so I used to help him a couple of time."

DJ: "This question comes from me - Who cut your hair?'
Ville: "E-e...Me"

DJ: "You? Yourself? Took and cut?"
Ville:"Yeah, but not with scissors, but with knives..."

DJ: "With knives?!!!!"
Ville: "Yeah.."

DJ: "Oh my God! You were drunk?"
Ville: (mysteriously, after a pause) "No-o..."

DJ: "Tell the truth!"
Ville: "Oh, really. I have been cutting them like that last three years ."

DJ: "OK some more questions to you Valo"
Ville: (without any emotion)"Oh my God!"

DJ: "What do you think about the groupies?"
Ville: (semi-mysteriously, semi-playfully) "Hey groupie...I have never seen one"

DJ: "Never had seen? Never contact? Never had sex with them?"
Ville: "Never had sex. I like to know personally ladies I'm with. It's more important for me than to make sex with people I don't know really"

DJ: "You are a kind of a romantic person, yeah?"
Ville: "Well, to a certain extent, yeah"

DJ: "How many girlfriends do you have?"
Ville: "I like to know personally people I'm with, you know. I usually turn to spend time with one person for a long time."

DJ: "You have a girlfriend?"
Ville: "At the moment yeah."

DJ: "You have her picture here with you now?"
Ville: "No, unfortunately no. (after a pause)..But she is beautiful. "

DJ: "So, I think it's all. Thank you for coming Valo. Have a nice show!"
Ville: "WE SHOW!!!"


 

Deutsche Version kommt bald!!!

 

 

 

 

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